Wirtschaft Israels

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Staat Israel (מדינת ישראל/دولة إسرائيل)
IsraelIsrael
Weltwirtschaftsrang 36.
Währung Neuer Israelischer Schekel (ILS)
Handelsorganisationen AIIB, BIS, CLS, EBRD, IADB, ICC, ISO, ITUC, OECD, UN, WCO, WFTU, WTO.
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Nominal: $ 290,643 Milliarden (2014),
PPP: $ 305,707 Milliarden (2014)
BIP pro Kopf $ 38.004 (nominal, 2014)
Wirtschaftswachstum 3,3 % (2013)
Inflationsrate 3,2 % (2011)
Erwerbstätige 3,595 Millionen (2014)[1]
Arbeitslosenquote 4,9 % (April 2015)[2]
Außenhandel
Exportgüter High-Tech-Produkte (einschließlich Luftfahrt, Kommunikation, Telekommunikationsgeräte, Computerhardware und Software, Computer-Aided Design, Medizinelektronik), Pharmazeutika, Kali und Phosphate, Metallprodukte, chemische Erzeugnisse, Kunststoffe, Diamanten, Erdöl, Erdgas, Textilien.[3]
Exportpartner Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 27,8 %
HongkongHongkong Hongkong 7,7 %
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 5,7 %
BelgienBelgien Belgien 4,6 %
China VolksrepublikVolksrepublik China China 4.3 %[4]
Importgüter Rohstoffe, Militär-und Verteidigungsanlagen, Flugzeugteile, Kraftfahrzeuge, Unterhaltungselektronik, Investitionsgüter, Maschinen, Rohdiamanten, Erdöl, Brennstoffe, Getreide und Weizen.
Importpartner Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 12,9 %
China VolksrepublikVolksrepublik China China 7,3 %
DeutschlandDeutschland Deutschland 6,3 %
SchweizSchweiz Schweiz 5,5 %
BelgienBelgien Belgien 4,8 %[5]
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden $ 151,3 Milliarden (2009)
Staatseinnahmen $ 58,6 Milliarden (2009)
Staatsausgaben $ 46 Milliarden (2009)

Die Wirtschaft des Staates Israel ist eine technologisch sehr fortgeschrittene Volkswirtschaft mit sehr hohem Staatsanteil. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt nahm sie im Jahre 2014 den 36. Rang weltweit ein.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israel ist ein hoch entwickelter Industriestaat und Mitglied der OECD. Es hat den höchsten Lebensstandard im Nahen Osten und den fünfthöchsten in Asien.[6]

Der bedeutendste Arbeitgeber ist der öffentliche Dienst, in dem 33 % der israelischen Arbeitnehmer beschäftigt sind. In der Industrie arbeiten 17 %, in Tourismus, Handel und Finanzen 20 %; 28 % sind in anderen Bereichen (Dienstleistungen usw.) tätig.

2016 nahm Israel beim Index der menschlichen Entwicklung den 19. Platz der 188 der untersuchten Länder ein und zählt zur Kategorie der "sehr hoch entwickelten Staaten".

In einigen Wirtschaftszweigen (vor allem Militär, Finanzen und Technik) gehört Israel zu den weltweiten Marktführer.

Wirtschaftsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Staatsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der israelischen Wirtschaft beginnt bereits vor der ersten Einwanderungswelle in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Im Jahre 1857 ließ der in London lebende Jude Sir Moses Montefiore eine achtzehn Meter hohe Windmühle mit einer kleinen Siedlung aus zwanzig Häuser außerhalb der Stadtmauer Jerusalems errichten und schuf damit eine wichtige Lebensgrundlage der jüdischen Bevölkerung. Diese Ansiedlung liegt im heutigen Jerusalemer Stadtviertel Mishkenot Sha'ananim. Die Mühle gab den Bewohner der Siedlung Arbeit und machte die jüdischen Einwohner Jerusalems unabhängiger.[10][11]

1870 wurde auf Initiative von Charles Netters die Mikwe Israel, die älteste jüdische Landwirtschaftsschule in Palästina gegründet.

Wesentlichen Auftrieb erhielt die wirtschaftliche Entwicklung vor und zwischen den Weltkriegen. In diese Zeit entstanden erste vorstaatliche Wirtschafts- und Sozialstrukturen. Kollektive, kooperative und gemeinschaftliche Unternehmen und Einrichtungen spielten entsprechend der sozialistisch-zionistischen Ideologie eine große Rolle. Sie bestehen vor allem in den landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmen der Kibbuzim, den landwirtschaftlichen Moschawim sowie den Transportkooperativen.[12]

Damals wurden die Weichen für eine stark interventionistische Wirtschaftsstruktur gestellt.

1930 begann die von Mose Nowomeisky gegründet Gesellschaft Palestine Potash Company mit der Gewinnung von Kalium aus dem nördlichen Totem Meer. 1931 wurde von der der Palestine Cooperation von dem aus einer englisch-jüdischen Familie stammenden Sir Robert Waley Cohen das King David Hotel in Jerusalem eröffnet. 1935 wurde das staatlich nicht legitimierte Exchange Bureau for Securities von der Anglo-Palestine Bank gemeinsam mit anderen Banken und Brokern gegründet, aus dem 1953 die Tel Aviv Stock Exchange, die Börse Israels wurde.[13]

Bis Mitte der dreißiger Jahre waren jüdische und arabische Wirtschaftsstrukturen miteinander verknüpft. Erst der arabische Aufruf zum Boykott der jüdischen Wirtschaft von 1936 zwang den Jischuw, die jüdischen Einwohner des britischen Mandatgebietes in Palästina eigenständige Strukturen zu entwickeln.[14]

Nach der Staatsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Staatsgründung sahen die Führungen der zionistischen Parteien die Chance, einen lebensfähigen jüdischen Staat mit den Kenntnissen und Vorstellungen der jüdischen Einwanderer aus der Diaspora zu etablieren. Es waren nicht nur Theodor Herzls Ideen aus seinen Büchern "Der Judenstaat" und "Altneuland", die den Charakter der Wirtschaft des jüdischen Staates prägen sollten, sondern vielmehr die Vorstellungen der zu jener Zeit stärksten politischen Strömung, die sich in der sozialistischen Partei Mapai unter David Ben-Gurion sammelte. Diese vertrat das Konzept des Mamlachtijut (hebräisch für Staatlichkeit). Im Konsens mit den anderen politischen Strömungen verfolgten sie das Ziel, ein modernes Wirtschaftssystem mit regulierendem Staatsinterventionismus und kooperativen Strukturen, aber auch mit geschütztem Privateigentum und Unternehmertum zu errichten.[15]

Nach der Unabhängigkeitserklärung befand sich Israel in sehr schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Das Land verfügte über keine nennenswerten Rohstoffvorkommen und war ein Agrarstaat ohne nennenswerte bzw. unterbrochener Infrastruktur. Nach dem gewonnenen Unabhängigkeitskrieg gegen die Staaten Ägypten, Syrien, Transjordanien, Saudi-Arabien und den Libanon war Israel von feindlichen Ländern umgeben. Der Boykott Israels durch die Arabische Liga erstreckte sich nicht nur auf den neugegründeten Staat, sondern wurde auch auf nicht-israelische Unternehmen angewendet, welche in Israel Handel treiben wollten. Israel erhielt zwar Wirtschaftshilfe von der Sowjetunion und Polens, dennoch konnten die meisten Probleme, die beispielsweise durch die massenhafte Einwanderung von Juden aus ganz Europa und den arabischen Ländern entstanden sind,[16] nicht gelöst werden.

Die wirtschaftliche Entwicklung nach der Staatsgründung hatte hauptsächlich mit den vier großen Problemkreisen zu tun, um den Anforderungen eines modernen Staatswesen gerecht werden: Die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit, die bis zu 25% des Bruttoinlandsprodukt kostete, die Eingliederung einer großen Zahl von Einwanderern, die Schaffung einer modernen Infrastruktur und der Aufbau einer öffentlichen Verwaltung.

Israels wirtschaftliche Entwicklung lässt sich in bis heute vier große Perioden einteilen: 1948 bis 1967 war gekennzeichnet von der Fundierung, Konsolidierung und eines rapiden Wachstums der Wirtschaft. In der zweiten Phase von 1967 bis 1989 waren eine Ausdehnung und Verlagerung israelischer Wirtschaftsstrukturen sowie eine Hyper-Inflation bestimmend. In der dritten Periode von 1989 bis 2008 erfolgte eine auf die Globalisierung orientierte Struktur- und Systemwandel mit einer auf dem Technologiesektor basierendem Wirtschaftswachstum, aber auch einer tiefen Wirtschaftskrise. Die vierte Phase seit 2006 ist von einer Etablierung als High-Tech-Nation gekennzeichnet, aber auch von sozialen Spannungen.[15]

Von der Rationierung zur Entwicklungsökonomie (1948–1967)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1952 hatte die israelische Wirtschaft zwei Hauptaufgaben zu erfüllen: Einerseits die Versorgung der Bevölkerung mit den Gütern des Grundbedarfs und die Institutionalisierung eines eigenen Wirtschaftssystems. Angesichts des Palästinakrieg von 1948/49 und seiner Folgen und der mehr als 700.000 Neueinwanderer, die 1948-1951 nach Israel kamen, arbeitete die Regierung zunächst nach einem Notstandsprogramm. Mit einer neuen ökonomischen Politik seit 1952 reduzierte die Regierung die Rationierungen und die Preiskontrolle, bestimmte aber weiter die Entwicklungsrichtung der Wirtschaft. Schwerpunkte waren der Ausbau der Landwirtschaft und des Bauwesens zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Wohnraum [15].

Nachdem die israelische Regierung im Koreakrieg von 1950 bis 1953 eine enge Verbindung zu den USA eingegangen war, verfolgte sie auch die anfangs präferierten sozialistischen Tendenzen weniger stark. Ausländische Direktinvestition wurden staatlich gefördert und durch das Investitionsfördergesetz von 1959 rechtlich geschützt [15]. Diese Maßnahmen führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Am 10. September 1952 schlossen Israel und die Bundesrepublik Deutschland das Luxemburger Abkommen, in dem sich die Bundesrepublik verpflichtete, Israel insgesamt drei Milliarden Mark als Entschädigung für die Opfer der Shoa zu Verfügung zu stellen. Dieses Geld konnte Israel ab 1955 zwölf Jahre lang in Form von Waren-, Dienstleistungs- und Fiskaltransfers abrufen. Diese Hilfe machte einen großen Teil des israelischen Einkommens aus und reduzierte das erhebliche Außenhandelsdefizit.[17]

Mit der Sueskrise 1954 unterstützen auch Frankreich und das Vereinigte Königreich das Land.

Ab dem Jahre 1956 bekam Israel auch wirtschaftliche Unterstützung aus den Vereinigten Staaten und Kanada. Dazu kamen noch Privatspenden amerikanischer Juden.[18] Der Erlös aus diesen Quellen wurde hauptsächlich für die rasche Industrialisierung des Landes gebracht. Es entstanden neue Straßen, Städte wurden modernisiert, die Landwirtschaft gefördert, Entsalzungsanlagen gebaut und die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte modernisiert.

Nachdem die Grundversorgung gesichert war, wurde die Produktionsbasis nach staatlichen Maßgaben nun insbesondere in der Industrie und im Dienstleistungsbereich erweitert. Besonders notwendig war der Ausbau der Infrastruktur. Neue Betriebe entstanden in dieser Zeit vor allem im staatlichen Sektor, in dem ein erheblicher Teil der Neueinwanderer eine Anstellung fanden. Dagegen entstanden im privaten Sektor eher Kleinbetriebe. Die wachsende Nachfrage belebte die Wirtschaft. Das Bruttosozialprodukt wuchs in den Jahren 1955 bis 1965 durchschnittlich um zehn Prozent jährlich, die Arbeitslosigkeit sank im gleichen Zeitraum von 7,2 auf 3,6 %. Einen schnellen Aufschwung erlebten insbesondere die Textil-, die Lebensmittel-, die Baustoff- und die Elektroindustrie sowie das Schleifen von Rohdiamanten.[15][19]

Seit dieser Zeit ist Israel weitgehend nicht mehr von Lebensmittelimporten abhängig. Die Textilindustrie wurde nach der Lebensmittelindustrie der zweitgrößte industrielle Wirtschaftszweig des Landes.[19]

Die Regierung schützte die inländische Produktion, einerseits durch Importsubstitutionen und andererseits durch Exportförderungen, womit das permanente Außenhandels- und Zahlungsbilanzdefizit verringert werden sollte. Dieser Wachstumsphase folgte eine Phase der Stagnation mit nur noch geringem Wachstum (1967: 0,2 %, 1968: 2,2 %) und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit (1967: 10,4 %).[15]

Extensivierung der Wirtschaftsstrukturen (1967–1989)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sechstagekrieg zwischen Israel und seien arabischen Nachbarn 1967 brachte dem Land einen neuen Wachstumsimpuls. Die von den Israelis eroberten Gebiete brachten den Zugriff auf weitere Ressourcen. Auf den Golanhöhen gab es dringend benötigtes Wasser für die Landwirtschaft. Das Westjordanland bot neue Anbaumöglichkeiten für verschiedene Pflanzen und Bäume und vor dem Gazastreifen gab es ein kleines Gasfeld. Israel dehnte seine Marktbeziehungen schrittweise auf die besetzten Territorien aus. So vergrößerte sich der Absatzmarkt für israelische Produkte ebenso wie die zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren. Palästinensische Arbeitskräfte wurden vor allem in den Wirtschaftsbereichen Landwirtschaft, Bauwesen und Dienstleistungen und da vor allem die Gastronomie in Israel zeitweilig unentbehrlich. Die Anzahl der registrierten palästinensischen Tagesarbeiter in Israel betrug 1970 bereits 20.600 und stieg auf 110.000 zu Beginn der ersten Intifada im Jahre 1987. Schrittweise lagerten israelische Unternehmer einzelne Produktionsabschnitte an palästinensische Subunternehmen aus, besonders in der Textilindustrie und der Lederverarbeitung.[15]

Israels Regierung förderte den Ausbau der rüstungsindustriellen Basis, nachdem Frankreich am 2. Juni 1967, unmittelbar vor Ausbruch des Sechstagekriegs, ein Waffenembargo über den israelischen Staat verhängt hatte. Damit verlor Israel seinen wichtigsten Lieferanten von Rüstungsmaterial, insbesondere für die Luftwaffe. Um die zahlenmäßige Überlegenheit der arabischen Staaten auszugleichen und um bei strategisch wichtigen Waffengattungen die Abhängigkeit von externen Lieferanten zu reduzieren, wurden Eigenentwicklungen initiiert, die bis zu Großgeräten wie Panzer (Magach, Tiran und Merkava) und Flugzeugen (IAI Kfir, IAI Nescher) sowie zu hochleistungsfähigen Systemen v. a. in der Optoelektronik zur Überwachung und Ortung reichten. Israel intensivierte die Weiterentwicklung, um nach dem Überraschungsangriff der arabischen Staaten 1973 eine technologische Überlegenheit zu erzielen.[15]

Die wirtschaftliche Lage Israels geriet aber im Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 erstmals seit den 1950ern wieder ins Stocken. Der ägyptische Überraschungsangriff traf das unvorbereitete Land mit voller Wucht und die Anstrengungen, die Invasion abzuwehren, waren höher als erwartet.

Die anschließende Ölkrise im Herbst 1973, verursacht durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), führte zum Erliegen der israelischen Infrastruktur und zu einem Umdenken, unter anderem wurde nun verstärkt auf Öl aus dem Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi und auf die Kernenergie gesetzt.[20]

Die Rüstungsindustrie wurde in den 1970er Jahren zum wichtigsten Exportbereich. Mit der Ausweitung der Rüstungsindustrie entstanden neue Beschäftigungsmöglichkeiten in Unternehmen, die zuvor von staatlicher Seite finanziert wurden und sich schnell zu Großbetrieben entwickelten. So sank der Anteil der in den traditionellen Industriezweigen Textil und Bekleidung, Lebensmittel und Lederwaren beschäftigten Personen von 1965 bis 1983 von 38,4 auf 32,2 % und der Anteil der Wertschöpfung dieser Industriezweige von 32,1 auf 20,4 %. Demgegenüber arbeiteten in der Metallverarbeitung, Elektronik und Elektrotechnik sowie in der Chemiewarenindustrie 1965 insgesamt 25,5 und 1983 37,5 % aller Industriebeschäftigten und erbrachten 26,7 % (1965) bzw. 46 % (1983) der industriellen Wertschöpfung.[15]

Mit dem Warenangebot wuchsen auch Umfang und Diversifizierung im Außenhandel. 1960 deckte der Export nur 42,5 % der Importe, 1970 waren es bereits 51,2 und 1980 schließlich 67,4 %. 1975 schloss die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit Israel als erstem nichteuropäischen Staat ein Freihandelsabkommen ab. Seither entfällt jährlich etwa ein Drittel des Außenhandels Israels auf die Nachbarregion, die zum wichtigsten Markt für israelische Waren und Dienstleistungen geworden ist. 1985 unterzeichnete auch die Regierung der USA mit Israel ein Freihandelsabkommen. Damit hatte der Standort Israel ein Alleinstellungsmerkmal im transatlantischen Beziehungsgefüge.[15]

Die ab 1977 vom konservativ-nationalen Likud geführte Regierung kehrte von der bisherigen Wirtschaftspolitik nicht völlig ab, doch setzte sie mehr auf liberale Ansätze. Mitte der 1980er Jahre stagnierte die Wirtschaft und die Inflation explodierte. Im Zuge der weltpolitischen Umwälzungen war der internationale Rüstungsmarkt eingebrochen. Gestiegene Weltmarktpreise für Rohstoffe, der Abfluss von produktiv verwertbaren Mitteln durch anhaltend hohe Kosten für Militär und Rüstung, Subventionen für die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten sowie die Subventionierung unrentable Produktionskapazitäten erhöhten das israelische Defizit.[15]

1979 führte die Islamische Revolution zum Abbruch der Beziehungen mit dem Iran, zuvor Öllieferant und Handelspartner Israels. Mit dem Friedensschluss mit Ägypten im selben Jahr kam es jedoch mit Ägypten zum Beginn wirtschaftlicher Kooperation. Seit 1985 bestehen langfristige Gas-Lieferverträge Ägyptens an Israel.[21]

1983 kam es zu einer Aktienkrise, bei der die größten Banken des Landes verstaatlicht wurden. 1984 erreichte die Inflation mit 450 % einen katastrophalen Höhepunkt, konnte aber durch einen Plan zur Stabilisierung der Wirtschaft[22] und marktwirtschaftliche Strukturreformen gesenkt werden.[23][24]

Zur Bekämpfung der Inflation wurde am 4. September 1985 der Neue israelische Schekel (NIS) eingeführt und ersetzte den alten Schekel im Verhältnis 1:1000. Dieser hatte erst am 24. Februar 1980 das Israelische Pfund im Verhältnis 1:10 abgelöst.

Die Regierung der Großen Koalition von Likud und Arbeitspartei nahm 1985 das Stabilisierungsprogramm für die Wirtschaft an. Darin bekannte sie sich zur Liberalisierung, Marktöffnung und Privatisierung staatlicher Betriebe. So begann ein Prozess der Deregulierung, um die direkte Involvierung des Staates in die Wirtschaft zu verringern. Damit leitete sie eine weitere Modifizierung in der traditionellen zionistischen Auffassung von der wirtschaftspolitischen Orientierung Israels ein.[15] Durch die eingeleiteten Veränderungen wurde die Wirtschaft neu belebt und sie ebneten den Weg für ein schnelles Wachstum in den 1990er Jahren. Die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik markierte den Beginn des Aufstiegs Israels.[25]

Integration in die Weltwirtschaft (1989 – 2005)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der regulierten Öffnung verfolgte Israel den Wandel zu einem kapitalistischen Wirtschaftssystem und die Integration in die Weltwirtschaft. Alle zionistischen Parteien orientierten sich an der kapitalistischen Marktwirtschaft, unterschieden sich allerdings in ihren Ansichten zu Tempo und Bedingungen der Privatisierung, sowie zum Ausmaß staatlicher Aufgaben, unter anderem im sozialen Bereich. [15]

Zwei Punkte haben die wirtschaftliche Entwicklung begünstigt. Die neue Einwanderungswelle aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion übte einen starken Druck auf die Liberalisierungspolitik der Regierung aus. Mit der so genannten Ostalija sind zwischen 1989 und 2010 etwa eine Million Einwanderer nach Israel gekommen. Sie erhöhten die Binnennachfrage und belebten insbesondere das Bauwesen. Wurde in der zweiten Hälfte 1989 mit dem Bau von etwa 10.000 neuen Wohneinheiten begonnen, so waren es in der ersten Jahreshälfte 1991 bereits rund 40.000, von denen drei Viertel auf den öffentlichen Sektor entfielen und nur ein Viertel auf den privaten Wohnungsbau. Bedeutend für die weitere Wirtschaftsentwicklung war der hohe Anteil von eingewanderten Akademikern. Allein 1989 bis 1991 waren unter den Neueinwanderern aus der Sowjetunion mehr als 40 % Geisteswissenschaftler, Ingenieure, Künstler, Ärzte; weitere etwa 35 % waren in technischen und technisch relevanten Berufen beschäftigt gewesen. In gemeinsamen Förderprogrammen von Staat und Wirtschaft stellten sie einen signifikanten Input insbesondere für die wissensintensiven Bereiche der New Economy dar.[15]

Andererseits führten Fortschritte im Nahostregelungsprozess, wie der Israelisch-jordanischer Friedensvertrag und die Madrider Konferenz von 1991, zu einem weiteren Aufweichen des arabischen Boykotts, was israelischen Unternehmern die Penetration neuer Märkte in Osteuropa, Afrika und Asien erleichterte. Die internationale Kreditwürdigkeit des Standortes Israel stieg und einheimische Unternehmen wurden zu einem lukrativen Anlagemarkt, ob sie nun Eigentum des Staates, der Gewerkschaft Histadrut oder des Privatsektors betrafen. Die ausländischen Direktinvestitionen stiegen von lediglich 129 Mio. US-Dollar (1990) auf 2,3 Mrd. US-Dollar (1999) und im Jahr 2006 sogar auf 13,4 Mrd. US-Dollar. Einheimische Eigentümer zieht die Kapitalisierung ihrer Unternehmen vom relativ kleinen Finanzmarkt Israel auf den Weltmarkt.[15][26]

Die Hochtechnologie ist zu einem wichtigen Zweig der Wirtschaft geworden. Während die Produktivität in den 1990er Jahren in traditionellen Bereichen sank, wie im Bauwesen um zwei Prozent, stieg die der Hochtechnologie um jährlich fünf Prozent. Sie kurbelte auch den Export an, der inzwischen zu mehr als drei Vierteln aus Produkten der Hochtechnologie besteht.

Nach dem extensiven Wachstum der Hochtechnologiebranche brach die Wirtschaft durch den Absturz an der NASDAQ im März 2000, wo 75 israelische Firmen gelistet waren und dem Ausbruch der zweiten Intifada ein. Durch die von September 2000 bis Februar 2005 dauernde Intifada hatte Israel mehrere Milliarden US-Dollar Einbußen allein im Tourismus.[27] Fünf Jahren der tiefsten Krise folgten, bis die Wirtschaft sich wieder erholte.[15]

Eine Erholung kam durch die Erschließung neuer Märkte im Technologiesektor. Israelische Firmen gelten weltweit als Spitzenreiter in diesem Wirtschaftszweig [28] und investieren mehr Geld pro Kopf der Bevölkerung in Forschung und Entwicklung als Firmen in allen anderen Staaten.[29]

Hightechnation und soziale Spannungen (seit 2006)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israel hat einen Wandel von einer arbeitsintensiven hin zu einer wissensintensiven Wirtschaft vollzogen. Dabei stellt die Hightech-Branche zu Beginn des neuen Jahrtausends ein Viertel der Industrieproduktion und rund 80% der Exporte. In gewisser Weise hat Israels Wirtschaftsentwicklung das 20. Jahrhundert übersprungen, wodurch die klassischen Stützpfeiler anderer Industrienationen wie Kfz-Produktion, Maschinenbau, Chemische Industrie und Schwerindustrie fehlen. Die Hightech-Branche ist ein äußerst flexibler Wirtschaftszweig mit sich schnell ändernden Anforderungen, was sich insbesondere auf dem Arbeitsmarkt auswirkt. Von den Beschäftigten wird von dieser Branche eine extrem hohe Flexibilität erwartet. Verbunden damit ist ein erheblicher Rückgang der Landwirtschaft, mit einer Spezialisierung auf ausgewählte Nischenprodukte und hochwertige Einzelprodukte sowie Neuzüchtungen. Zahlreiche Bereiche traditioneller Zweige wurden in umliegende arabische Nachbarstaaten, die Türkei und nach Asien ausgelagert. Der Privatisierungsprozess von staatlichen und Histadrut eigenen Unternehmen wurde fortgesetzt und betraf jetzt vor allem große Unternehmen, die auf ihrem Gebiet teilweise Monopolstellungen hatten, betraf aber auch viele Beschäftigte.[15]

Der Strukturwandel und die schnelle Öffnung der Wirtschaft verändern die Gesellschaft. Der Arbeitsmarkt war bisher ein wesentliches Instrument der sozialen Integration. Mit den Privatisierungen von Unternehmen, der Öffnung für ausländische nicht palästinensische Arbeitskräfte und der Ausdehnung des Niedriglohnsektors wurden die traditionellen und abgeschlossenen Strukturen des Binnenarbeitsmarktes aufgebrochen. Für 2007 hatte die Regierung rund 90.000 Genehmigungen für ausländische Lohnarbeiter, v. a. aus Südasien und Südosteuropa, erteilt; inoffiziell sollen sich mehr als doppelt so viele Arbeitsmigranten in Israel aufhalten. Immer mehr Beschäftigte werden nicht mehr festangestellt, sondern arbeiten projektgebunden oder in Zeitarbeit. Die geforderte Flexibilisierung und Individualisierung kommen den gut ausgebildeten Fachkräften zugute. So wurden das Angebot und die Differenziertheit der Beschäftigung erweitert, neue und moderne Arbeitsplätze vorrangig im Privatsektor geschaffen und durch neue Tätigkeitsfelder der Wert einheimischer Spezialisten erhöht.[15]

Zum ersten Mal überhaupt hat Israel im Jahr 2006 mehr exportiert als importiert.

Aufgrund der Globalisierung und der im Vergleich mit westlichen Ländern niedrigen Unternehmenssteuern gründen immer mehr ausländische Firmen in Israel Zweigniederlassungen. Diese Zusammenarbeit stützt sich oft auf eine Mischung von israelischen Innovationen und breitflächige ausländische Produktion und Marktdurchdringung. Gemeinsame Projekte begannen vor allem in den Bereichen: Elektronik, Software, medizinisches Gerät, Druck und computer-graphischer Darstellung.[30][31]

Im Mai 2010 trat Israel der OECD bei.[32]

Der Staat senkte die öffentlichen Ausgaben drastisch, vor allem im sozialen Bereich, bei den Subventionen für Grundnahrungsmittel, den öffentlichen Transport und Bildungseinrichtungen. Dies wurde unter der Regierung von Benjamin Netanjahu seit 2009 noch ausgeweitet. Ziel der Regierung ist es, die Staatsverschuldung in der Maastrichtnorm der EU zu halten. Die soziale Schere ging dabei so weit auseinander, wie sie seit der Staatsgründung noch nicht erlebt hatte. Auch die Arbeitslosigkeit stieg auf Rekordwerte.

Gestiegene Einkommen und materielle Individualisierung macht die zuvor eher latent vorhandene sozioökonomische Differenzierung deutlicher sichtbar und hat die soziale Unsicherheit weiter Bevölkerungskreise erhöht. Das durchschnittliche Monatseinkommen ist zwar gestiegen, doch reicht es oft nicht aus, um die noch schneller steigende Lebenshaltungskosten zu bestreiten. 1982 erließ Regierung das Gesetz über die Gewährung von Sozialhilfe. Damals erhielten weniger als 10.000 Haushalte diese Zahlung; 2003 waren es bereits 158.000 Haushalte. 2008 beträgt der Anteil der bedürftigen Haushalte ein Fünftel, in denen 36 % aller Kinder leben.[15] Im Juli 2011 kam es aus diesen Gründen zu landesweiten Demonstrationen für mehr soziale Gerechtigkeit und eine Entspannung des Wohnungsmarktes.[33]

Am 30. Juni 2014 beschloss das Israelisches Kabinett die Anstellung von bis zu 1500 Jordaniern in der Hotelbranche in Elat zu ermöglichen. [34] Mit dem am 05.10.14 beschlossenen Verkauf von Minderheitsanteilen von bis zu 49% verschiedener staatlicher Unternehmen im Laufe der nächsten drei Jahre soll der Staatshaushalt weiter stabilisiert werden. Betroffen sind Staatsunternehmen wie Elektrizitätswerke, die Wasserversorgungsgesellschaft, die Eisenbahngesellschaft und die Post. Auch sollen einige Geschäftsfelder der Israel Military Industries auszugliedert werden. Der Verkauf soll über die Börse in Tel Aviv abgewickelt werden und voraussichtlich Einnahmen von 15 Milliarden Schekel (etwa 3,2 Milliarden Euro) realisieren. Auch soll mit diesem Schritt die Politisierung der Unternehmen reduziert und zugleich möglicher Korruption entgegen gewirkt werden.[35]

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israel ist bemüht, aus seiner wirtschaftlichen Isolierung im Nahen Osten auszubrechen und internationale Investitionen anzuziehen. Es sieht seine Zukunft weiterhin in der Hochtechnologie und deren Export. Mit je einem Drittel werden die USA und die EU die Haupthandelspartner sein, gefolgt von Asien. Indien wird einer der engsten Partner besondere in der rüstungsindustriellen Zusammenarbeit bleiben. Neue Produkte der israelischen Technologieentwicklung finden heute weltweiten Absatz. Gefragt sind aber auch Unternehmen, deren Spezialisten quasi zu "Entwicklungsabteilungen" für ausländische, v. a. US-amerikanische Unternehmen geworden sind. Perspektivisch könnte durch weitere internationale Kooperationen die Forschungskapazität, wie in der Biotechnologie, noch extensiviert werden.

Israel ist in der globalen Wirtschaft inzwischen integriert; die regionale Kooperation bleibt hingegen punktuell und auf ausgewählte Zweige und Staaten begrenzt. Letztlich bleibt die Wirtschaft Israels den Bewertung des globalen Marktes unterworfen, doch geografisch im Nahen Osten verortet – und muss die veränderten weltpolitischen und weltwirtschaftlich Rahmenbedingungen beachten.[15]

Wirtschaftssektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft im Kibbutz Ketura in der Negevwüste.

Der Anteil der israelischen Landwirtschaft liegt bei 2,8 % des nationalen BIP. Etwa 2,6 % der israelischen Einwohner sind in der landwirtschaftlichen Produktion und 6,3 % in den landwirtschaftlichen Dienstleistungen beschäftigt.[36] Erwirtschaftete die Landwirtschaft in den 1950er und 1960er Jahren bis zu 60 Prozent der Gesamtexporte, beträgt ihr Anteil seit der Jahrtausendwende nur noch knapp drei Prozent.

Das Hauptagrarprodukt ist Getreide, welches in 80 % aller Felder angebaut wird. Weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Zitrusfrüchte (vor allem Zitronen und die Jaffa-Orangen). Die Zitrusfrucht war der erste israelische Exportschlager. Schon vor der Staatsgründung wurden Jaffa-Orangen vom Hafen Jaffa aus per Schiff nach Europa transportiert und avancierten rasch zum Markenzeichen des jungen Landes. Außerdem zählt das Land zu den weltweit führenden Gewächshaus-Food-exportierenden Ländern. Das Business bringt rund 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz jährlich.[37]

Hauptartikel: Weinbau in Israel

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industriegebäude in der Nähe von Tel Aviv-Jaffa

Die hauptindustriellen Bereiche beinhalten metallische Produkte, elektronische und biomedizinische Ausrüstung, verarbeitete Nahrungsmittel, Chemikalien und Transportausrüstung. Die israelische Diamantenindustrie ist eines der weltweiten Zentren für Diamantenzuschneidung und -polierung. Israel ist ein Weltmarktführer in Software, Telekommunikation und Halbleiter-Entwicklung. Die innovative israelische Startup-Szene im Bereich der Spitzentechnologien gilt weltweit als vorbildlich.[28]

Chemische Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrieanlage Ramat Hovav

Israel hat eine gut entwickelte chemische Industrie mit vielen seiner Produkte auf dem Exportmarkt. Chemische Anlagen befinden sich in Ramat Hovav, Haifa und in der Gegend um das Tote Meer. Viele Israelische Firmen nehmen im Weltmark Spitzenposten ein und produzieren unter anderem Magnesiumchlorid, Industriesalze, Enteiser, Badesalz, Speisesalz und Rohstoffen für die Kosmetikindustrie. Mit rund 40.000 Beschäftigten (Stand 2011) ist Teva Pharmaceutical Industries, eines der weltweit größten Pharmaunternehmen, die größte Firma des Landes in diesem Bereich.[38] Es ist der größte Generikahersteller der Welt und einer der 15 größten Pharmaunternehmen weltweit.[39][40]

Rüstungsindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israel ist einer der weltweit größten Exporteure von Rüstungsgütern. Die Produktionen von mehreren israelische Firmen hatten einen 10 % Anteil des weltweiten Waffenhandels 2007. Die drei israelische Unternehmen Elbit Systems, Israel Aerospace Industries und RAFAEL[41][42] gehörten 2010 laut dem Stockholm International Peace Research Institute zu den weltweit Top 100 Waffenproduzenten und Militärdienstleistungsunternehmen.[43] Heute ist die Rüstungsindustrie ein strategisch wichtiger Sektor und großer Arbeitgeber im Land. Es ist auch ein wichtiger Akteur im globalen Waffenmarkt und seit 2012 der 11. größte Waffenexporteur der Welt. Es gibt mehr als 150 aktive Unternehmen in diesem Sektor. Im Jahr 2012 betrug der Verteidigungsexport 7 Milliarden US-Dollar und erreichte einen Höhepunkt. Ein Großteil der Ausfuhren ging an die Vereinigten Staaten und Europa. Aber auch immer mehr Länder Südostasiens und Lateinamerikas zeigen ihre Interesse an israelischen Produkten.[44] Neben den Vereinigten Staaten ist Israel eines der führenden Ländern in der Produktion und dem Verkauf von Drohnen. Israel hat von 2001 bis 2011 41 % aller Drohnen exportiert.[45]

Rohstoffindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israelische Gasfelder

Israel war lange Zeit bei fossilen Energieträgern (Rohöl, Erdgas, Kohle) und Rohstoffen von Importen abhängig. Im Land gibt es geringe Mengen von Erdöl, Phosphaten, Pottasche und Kaolin.[46] Ob Israel Edelmetalle und Edelsteine als weitere Bodenschätze besitzt, ist unbekannt. Es werden aber große Goldvorkommen vermutet.

In den israelischen Gewässern im Mittelmeer wurden seit 2009 mehrere Lagerstätten entdeckt.[47][48] Mittelfristig will man in Zusammenarbeit mit Zypern Erdgas als Flüssiggas auch nach Europa exportieren.[49]

Hauptartikel: Erdgas in Israel

Diamantenindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Israel ist weltführend in der Diamantenherstellung und im Diamantenhandel, wobei die Rohdiamanten importiert werden und in israel geschliffen werden. Die israelische Diamantenbörse ist der größte Handelsplatz für Diamanten weltweit.

Die israelische Diamantenindustrie steht weltweit an dritter Stelle nach Belgien und Indien. Der größte Importeur israelischer Diamanten sind mit 36 % die Vereinigten Staaten, gefolgt von Hong Kong mit 28 % und der Eurozone.[50][51][52][53]

Solarindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solaranlagen in Jerusalem

Die Solarenergie in Israel und die Solarindustrie des Landes haben eine Geschichte, die bis zu den Anfängen des Landes reichen.[54] In den 1950er Jahren entwickelte Levi Yissar eine Solaranlage um die Energieknappheit der damaligen Tage zu lindern. 1967 wurde rund einer von zwanzig Haushalten mit Sonnen- und Wasserenergie beheizt. Während der Ölkrise von 1973 entwickelte Harry Zvi Tabor, der Vater der israelischen Solarindustrie, eine Prototyp Solaranlage, die heute in über 90 % der israelischen Haushalten verwendet wird.[55] Heute sind israelische Ingenieure auf dem neuesten Stand der Solarenergie-Technologie und Israelische Solarunternehmen arbeiten an Projekten in der ganzen Welt.[56]

Technologische Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft und Technologie sind in Israel die landesweit am höchsten entwickelten und industrialisierten Sektoren. Der Anteil der Gesamtbevölkerung, die im wissenschaftlichen und technologischen beschäftigt sind, gehört zu den höchsten der Welt.[57][58] Israel steht prozentual an vierter Stelle in wissenschaftlichen Tätigkeiten, gemessen durch die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen pro eine Million Einwohner. Das Land hat auch die höchste Zahl von Wissenschaftlern, Technikern, und Ingenieuren pro Kopf in der Welt. Im Land kommen durchschnittlich 140 Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure auf 10.000 Mitarbeiter. Im Vergleich kommen 85 Wissenschaftler auf 10.000 und in Japan 83 auf 10.000.[59][60][61]

Weltweit haben israelische Wissenschaftler zum Fortschritt in verschiedenen Branchen wie Naturwissenschaften, Agrarwissenschaften, Informatik, Elektronik, Genetik, Medizin, Optik, Solarenergie und in verschiedenen Bereichen des Ingenieurwesens.[62]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bedeutender Arbeitgeber sind Dienstleistungen. In diesem Sektor sind über 40 % aller israelischen Arbeitnehmer beschäftigt.

Handel und Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Bank of Israel

Im Dienstleistungssektor spielen in Israel der Finanzsektor und Handel eine wichtige Rolle. Dies hat seine Wurzeln in der zionistischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Die Zionistische Weltorganisation gründete 1903 die Anglo-Palestine Bank (später umbenannt Bank Leumi). Die beiden größten Banken des Landes kontrollieren mehr als 60 % des Bankgeschäfts und die ersten fünf über 90 %.[63][64]

Die meisten Banken sind im staatlichen Besitz und wurden im Verlauf der 1980er Jahre verstaatlicht. Dennoch gibt es aber noch viele private Banken. Seit den 1990er Jahren werden jedoch teilweise wieder große Banken wieder privatisiert. Die Bank Hapoalim wurde im Jahr 1996 privatisiert, die Bank Mizrahi (jetzt Bank Mizrahi-Tfahot) im Jahr 1998, die Israel Discount Bank 2006, und die Bank Leumi im Jahr 2005.[65]

King David Hotel in Jerusalem

Heute werden etwa 20 % der israelischen Arbeitnehmer in diesem Sektor beschäftigt.[66]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Tourismus in Israel

Der Tourismus gehört zu Israels wichtigsten Einkommensquellen und ist ein Wachstumsmotor der Wirtschaft des Landes. Allein im Jahr 2013 besuchten 3,54 Millionen ausländischen Touristen das Land und erreichten ein Allzeithoch.[67]

Israel bietet eine Fülle von historischen und religiösen Stätten, luxuriösen Badeorten und archäologischen Orten. Das Land beherbergt die weltweit meisten Museen.[68]

Außenhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte israelischer Exporte im Jahr 2006.

Im Jahr 2006 wuchsen die israelischen Exporte um 11 % auf knapp 29 Milliarden US-Dollar.

Kacheldiagramm der Exportzweige Israels

Die Vereinigten Staaten sind Israels größter Handelspartner, und Israel war 1997 der 26.-größte Handelspartner der Vereinigten Staaten.[69] Die wichtigsten US-Exporte nach Israel sind Computer, integrierte Schaltungen, Flugzeugteile und andere Rüstungsgüter, Weizen und Automobile. Die israelischen Exporte in die Vereinigten Staaten sind vor allem Schmuck, integrierte Schaltungen, Druckmaschinen und Telekommunikationsgeräte. Die beiden Länder haben 1985 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Ein landwirtschaftliches Handelsabkommen wurde im November 1996 unterzeichnet. Israel hat aber auch Handels- und Kooperationsabkommen mit der Europäischen Union und Kanada, der Türkei, Jordanien und mehreren Ländern aus Osteuropa unterzeichnet.

Regional betrachtet ist die Europäische Union der größte Importeur israelischer Produkte. Allein zwischen Oktober 2011 und Januar 2012 hat Israel Waren im Wert von 5 Milliarden Euro in die EU exportiert.[70]

Bis 1995 war Israels Handel mit der arabischen Welt aufgrund des zentral organisierten Boykotts durch die Arabische Liga minimal. Bis heute sind diplomatische wie wirtschaftliche Beziehungen zu den meisten arabischen Staaten gespannt und Geschäfte müssen häufig klandestin abgewickelt werden. Die wichtigsten Handelspartner Israels im arabischen Raum sind dennoch Jordanien, Ägypten, Marokko und die Palästinensergebiete. Sogenannte Qualifying Industrial Zones in Ägypten und Jordanien werden als Produktionsstandorte für israelische Waren genutzt, die gemäß einem entsprechenden Abkommen auch zollfrei in die USA exportiert werden dürfen. So waren etwa in Ägypten 1999 bereits 20 israelische Unternehmen aktiv, welche von den dort niedrigen Lohnkosten profitierten und mit Millionenbeiträgen Joint Ventures eingegangen waren. Eine Eingliederung der QIZs in die beteiligten Volkswirtschaften fand jedoch nicht statt, und die arabische Bevölkerung steht einer Normalisierung der Verhältnisse mit Israel nach wie vor mehrheitlich skeptisch bis ablehnend gegenüber. Auch die ägyptischen Gas-Lieferungen an Israel im Wert von 2,5 Mrd. Dollar jährlich sind ein wichtiger Teil der Handelsbeziehungen, ebenso wie Kooperationsverträge mit Jordanien etwa zur gemeinsamen Nutzung von Hafeninfrastrukturen (Aqaba/Eilat sowie jordanischer Zugang zu Haifa) oder zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Jordans. Unter den muslimisch geprägten Ländern ist zudem die Türkei seit langem ein wichtiger Handelspartner.[21]

Im Jahr 2012 waren zehn Unternehmen für 47,7 % der israelischen Exporte verantwortlich. Diese Unternehmen waren Intel, Elbit Systems, die Ölraffinerien Ltd, Teva Pharmaceutical Industries, Iscar, Israel Chemicals, Makhteshim Agan, Paz Oil Company, Israel Aerospace Industries und der Indigo Division von Hewlett-Packard.[71]

Soziale Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz des wirtschaftlichen Wohlstands steht die israelische Wirtschaft vor vielen Herausforderungen.[72] Einige sind kurzfristig und andere langfristig. Im Jahr 2015 lag das Einkommen von insgesamt knapp 20 Prozent der israelischen Haushalte unter der Armutsgrenze. Wobei sich die Einkommenssituation von Aschkenasim im Schnitt besser darstellte als die von Mizrachim oder arabischen Israelis.[73]

Das Hauptproblem ist die wachsende Armut in der Bevölkerung. Ein Grund dafür ist die wachsende Zahl von ultraorthodoxen Juden, die ein niedriges Niveau der offiziellen Erwerbsbeteiligung unter den Einwohnern des Landes haben. Dies sind Voraussetzungen für eine wachsende Arbeitslosigkeit und eine höhere Abhängigkeitsquote in der Zukunft. Der Gouverneur der Bank of Israel, Stanley Fischer, erklärte, dass die wachsende Armut von ultraorthodoxen Juden der israelischen Wirtschaft schadet. Nach einer von Ian Fursman veröffentlichten Studie, entfallen die meisten der 60 % armen Haushalte auf ultraorthodoxen Juden und israelischen Arabern. Beide Gruppen stellen zusammen etwa 25 bis 28 % der israelischen Bevölkerung.[74]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ben-Porath, Yoram ed. The Israeli Economy: Maturing through Crises. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1986.
  • Chill, Dan. The Arab Boycott of Israel: Economic Aggression and World Reaction. New York: Praeger, 1976.
  • Kanovsky, Eliyahu. The Economy of the Israeli Kibbutz. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1966.
  • Klein, Michael. A Gemara of the Israel Economy. Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research, 2005.
  • Michaely, Michael. Foreign Trade Regimes and Economic Development: Israel. New York: National Bureau of Economic Research, 1975.
  • Uri Ram: The Globalization of Israel: McWorld in Tel Aviv, Jihad in Jerusalem. Routledge, New York 2008, ISBN 0-415-95304-9.
  • Senor, Dan and Singer, Saul, Start-up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle, Hachette, New York (2009) ISBN 0-446-54146-X
  • Rubner, Alex. The Economy of Israel: A Critical Account of the First Ten Years. New York: Frederick A Praeger, 1960.
  • Maman, Daniel and Rosenhek, Zeev. The Israeli Central Bank: Political Economy: Global Logics & Local Actors. Routledge, 2011.
  • The Global Political Economy of Israel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wirtschaft Israels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. cbs.gov.il
  2. a b Israel Central Bureau of Statistics. Abgerufen am 27. Mai 2015.
  3. Israel: Trade Statistics. Global Edge. Abgerufen am March 18, 2013.
  4. Exports Partners of Israel. CIA World Factbook. 2012. Abgerufen am 22. Juli 2013.
  5. İmports Partners of Israel. CIA World Factbook. 2012. Abgerufen am 22. Juli 2013.
  6. Angabe vom Human Development Index. (PDF) Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen; abgerufen am 19. September 2017.
  7. Human Development Index, abgerufen am 26. Oktober 2014
  8. a b c The World Factbook
  9. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten. Fischer, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-596-72910-4.
  10. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/10812, abgerufen am 2. Oktober 2016
  11. http://www.israelnetz.com/kultur/detailansicht/aktuell/wahrzeichen-jerusalems-renoviert-21072/, abgerufen am 2. Oktober 2016
  12. http://israel.ahk.de/israel/wirtschaft/rahmenbedingungen/, abgerufen am 2. Oktober 2016
  13. Tel Aviv Stock Exchange (Hrsg.): The Tel Aviv Stock Exchange. Growth & Opportunity. S. 4 (tase.co.il [PDF; 2,8 MB; abgerufen am 2. Januar 2013]).
  14. http://israel.ahk.de/israel/wirtschaft/entwicklung-bis-1985/, abgerufen am 2. Oktober 2016
  15. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Sabine Hofmann, bpb, 28. März 2008: Wirtschaft Israels, abgerufen am 13. Juli 2017
  16. הויכוח סביב הסכם השילומים (Hebräisch) Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  17. ORGANIZATIONS: Dollars for Israel. In: Time, 21. Jänner 1957. 
  18. Clyde Mark: Israel: US Foreign Assistance. Congressional Research Service. 12. Juli 2004. Abgerufen am 19. Juli 2012.
  19. a b "Textiles", Jewish Virtual Library. Editiert am 8. September 2011.
  20. Guy Rolnik: כך ביזבזנו עוד משבר ענק (Hebräisch). In: TheMarker, 31. Dezember 2009. Abgerufen am 17. Oktober 2012. 
  21. a b bpb, 2. Mai 2007: Außenwirtschaftliche Kooperation im Vorderen Orient
  22. Eleventh Knesset. Knesset.gov.il. Editiert am 8. September 2011.
  23. Generating a Sharp Disinflation: Israel 1985 (PDF) Michael Bruno, National Bureau of Economic Research
  24. Israel’s Economy: 1986–2008, Rafi Melnick and Yosef Mealem
  25. Stanley Fischer: The Israeli Stabilization Program, 1985-86. In: American Economic Association (Hrsg.): The American Economic Review. 77, Nr. 2, 1987, S. 275–278.
  26. mfa.gov.il
  27. Paul De Boer, Marco Missaglia: Economic consequences of intifada: a sequel. In: Econometric Institute Report. Erasmus University Rotterdam. September 2007. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  28. a b Start-up-Szene: Innovativ und risikobereit – Abgucken in Israel, Wirtschaftswoche, 3. April 2012
  29. Dan Senor, Saul Singer: Start-up Nation Israel. Was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können. Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer. Hanser, München 2012, ISBN 978-3-446-42921-5.
  30. Israeli Growth. In: Dateline World Jewry, September 2007
  31. Middle East / Arab-Israel conflict – Israeli economy shrugs off political turmoil. In: Financial Times, 7. Mai 2007; abgerufen 8. September 2011.
  32. Israel invited to join the OECD. Abgerufen am 21. Mai 2007.
  33. Gil Yaron: Israel und der „Arabische Frühling“. Innenpolitische Konsequenzen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung, 26. September 2011, S. 35ff., 39f., abgerufen am 25. September 2011 (PDF; 1,9 MB, Nr. 39/2011).
  34. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 30. Juni 2014
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  36. Agriculture in Israel – Facts and Figures 2008 – Israeli ministry of Agriculture Presentation. Moag.gov.il. Editiert am 8. September 2011.
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  42. The SIPRI Top 100 arms-producing and military services companies, 2010. Stockholm International Peace Research Institute. Abgerufen am 6. März 2012.
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  47. Hans-Christian Rößler: Plötzlich ein Gasexporteur., faz.net, 20. Mai 2014, abgerufen am 20. Mai 2014.
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  50. Jewellery Business – Israel’s 2012 polished diamond exports decline
  51. Diamond Exports. Abgerufen am 16. Jänner 2013.
  52. Steven Scheer: Israel 2012 diamond exports fall, may rebound if no more crises. In: Reuters, 2. Jänner 2013. 
  53. Diamonds.net – Israel’s Polished Diamond Exports −22% in 2012
  54. Petrotyranny by John C. Bacher, David Suzuki, published by Dundurn Press Ltd., 2000; reference is at Page 70 Petrotyranny
  55. Neal Sandler: At the Zenith of Solar Energy. In: Bloomberg Businessweek, 26. März 2008. Abgerufen am 17. Oktober 2012. 
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  67. Interesting Facts About Israel. Jewish Federations of North America. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
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  70. Ora Coren: Asia overtakes U.S. as target market for Israeli exports. In: Haaretz, 6. März 2012. 
  71. Ora Cohen: Israel 'dangerously reliant on handful of exports'. In: Haaretz, 9. Juli 2013. 
  72. What’s Next for the Startup Nation?. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  73. Shlomo Swirski: Nicht wirklich eine Start-up-Nation. In: Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office. 24. September 2016, abgerufen am 31. März 2017.
  74. BoI chief: Haredi unemployment is hurting Israel’s economy