Anni-Frid Lyngstad

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Anni-Frid Lyngstad (2008)
Anni-Frid Lyngstad (1976) auf dem Flughafen Amsterdam Airport Schiphol
Anni-Frid Lyngstad (1982)


Anni-Frid Synni Lyngstad (* 15. November 1945 in Bjørkåsen, Norwegen; bürgerlich Anni-Frid Lyngstad Prinzessin Reuß von Plauen) ist eine schwedische Sängerin norwegisch-deutscher Abstammung. Sie ist auch als Frida bekannt und war von 1972 bis 1982 Mitglied der schwedischen Popgruppe ABBA.

Biografie[Bearbeiten]

Privatleben[Bearbeiten]

Lyngstad wurde Ende 1945 als sogenanntes Tyskerbarn[1] in einer norwegischen Bergbausiedlung als Tochter der neunzehnjährigen Synni Lyngstad geboren. Ihr Vater Alfred Haase war ein deutscher Wehrmachtssoldat aus dem mittelfränkischen Gunzenhausen[2], der im Zweiten Weltkrieg im norwegischen Narvik stationiert war. Sie lernte ihn aber erst 1977 kennen, nachdem die Jugendzeitschrift Bravo Lyngstads Geschichte veröffentlicht hatte. Bis dahin hatte sie angenommen, ihr Vater sei in den letzten Kriegstagen gefallen.

Mit ihrer Großmutter Arntine kam Lyngstad Anfang 1947 als Kleinkind nach Schweden. Ihre Mutter starb im September 1947. Lyngstad wuchs bei der Großmutter zunächst in Torshälla, später in Eskilstuna auf. Mit zwölf Jahren begann sie in einer Musikband zu singen. Zwei Jahre später beendete sie die Schule und begann eine Ausbildung zur Schneiderin, die sie nicht abschloss. Am 3. April 1963 heiratete sie im Alter von 17 Jahren den Teppichhändler und Hobbymusiker Ragnar Fredriksson und bekam mit ihm zwei Kinder, einen Sohn (* 1963) und eine Tochter (* 1967). Die Tochter starb 1998 bei einem Autounfall in den USA.

Im September 1967 hatte Lyngstad ihren ersten Fernsehauftritt in der schwedischen Fernsehshow Hylands hörna.[3] Es folgten mehrere Soloalben (bei EMI Records), mit denen sie in Schweden aber nur mäßigen Erfolg hatte. 1969 nahm sie mit dem Titel Härlig är vår jord am schwedischen Ausscheidungswettbewerb für den Grand Prix d'Eurovision (dem Melodifestivalen) teil und belegte Platz 4. Sie wurde daraufhin von EMI Schweden unter Vertrag genommen und zog nach Stockholm, weit weg von ihrer Familie. Nach ihrer Scheidung von Fredriksson ging sie mit Charlie Norman auf eine siebenmonatige Tournee, auf der sie 1968 in einem Restaurant in Malmö den Musiker Benny Andersson kennenlernte. 1969 wurden die beiden ein Paar und verlobten sich im folgenden Jahr. Die Hochzeit fand am 6. Oktober 1978 im Stockholmer Vorort Lidingö statt. Bereits drei Jahre später, im Februar 1981 gab ihre Plattenfirma bekannt, dass Andersson und Lyngstad sich getrennt und die Scheidung eingereicht hätten.

Mitte der 1980er Jahre lernte Lyngstad den zeitweilig in Schweden aufgewachsenen Deutschen Heinrich Ruzzo Prinz Reuß von Plauen kennen. Sie war mit ihm vom 26. August 1992 bis zu seinem Krebstod am 29. Oktober 1999 verheiratet. Das Paar wohnte seit 1986 im Schweizer Freiburg (Fribourg). Heute lebt Lyngstad sowohl in der Schweiz (Zermatt) als auch auf ihrem Landgut in Südschweden.

Karriere mit ABBA[Bearbeiten]

Ab 1974 feierte Lyngstad mit ABBA weltweite Erfolge. Nach der Auflösung von ABBA 1982 verkaufte sie auch ihre sämtlichen Geschäftsanteile am „ABBA-Imperium“ (quasi einem Mischkonzern mit unterschiedlichsten Firmen, Firmenbeteiligungen und anderen Kapitalinvestitionen) und ging dadurch als einziges der vier ABBA-Mitglieder weitgehend schadlos aus dessen finanziellem Absturz (durch Missmanagement, Börsenspekulationen, ungünstige Kreditaufnahmen, Steuernachforderungen usw.) hervor, während die anderen ABBA-Mitglieder nebst Stig Anderson hohe finanzielle Verluste hinnehmen mussten. Lyngstad verlegte 1982 ihren Wohnsitz von Stockholm nach London.

Solo-Karriere[Bearbeiten]

1972 veröffentlichte Polar Music das Weihnachtsalbum När juldagsmorgon glimmar (Wenn der Weihnachtsmorgen schimmert), auf dem die bekanntesten Künstler des Labels traditionelle schwedische Weihnachtslieder interpretierten. Lyngstad sang darauf die Stücke När det lider mot jul (Wenn es auf Weihnachten zugeht) und Gläns över sjö och strand (Es glänzt über See und Strand). Das zweite Lied ist auch als Betlehems stjärna (Der Stern von Bethlehem) bekannt. 1979 nahm sie zudem noch eine Version von Stilla natt auf, der schwedischen Variante von Stille Nacht. 1975 nahm sie mit dem in Schweden sehr bekannten Sänger und Songwriter Björn Skifs das Duett Med varann (Miteinander) für dessen Album Schiffz auf.

Ihren größten internationalen Erfolg außerhalb von ABBA hatte sie unter dem Namen Frida im Jahr 1982 mit dem von Phil Collins produzierten Album Something's Going On. Es beinhaltet u.a. die Singles I Know There's Something Going On und To Turn The Stone sowie ein Duett mit Phil Collins, Here We'll Stay. Die LP wurde im Frühjahr 1982 in den Stockholmer Studios von Polar Music aufgenommen und verkaufte sich international 1,3 Millionen Mal. Im Februar 1984 begab sich Lyngstad nach Paris, um ihr zweites internationales Soloalbum Shine aufzunehmen. Produziert wurde es von Steve Lillywhite, der sich als Produzent von Bands wie U2 profiliert hatte. Lyngstad wollte ihr „rockigeres“ Image weiter ausbauen und schrieb zum ersten Mal eigene Lieder (z. B. Don't Do It, That's Tough, Light Of Love usw.). Auf dem Album findet man zusätzlich ein Lied aus der Feder von Björn Ulvaeus und Benny Andersson mit dem Titel Slowly. Shine konnte jedoch international nicht den Erfolg verbuchen, den Lyngstad mit dem Vorgängeralbum erreicht hatte.

Nach dem Album Shine nahm Lyngstad nur noch gelegentlich einige Singles auf und trat nur noch sporadisch öffentlich auf. Unter anderem veröffentlichte sie mit verschiedenen Duett-Partnern das ABBA-Instrumental Arrival in englischer und französischer Sprache. Danach zog sich Lyngstad aus dem Musikgeschäft weitgehend zurück und wurde vor allem für wohltätige Zwecke, insbesondere den Umweltschutz tätig. Sie gründete die Umweltstiftung „Artister för miljö“ (Künstler für die Umwelt).

1996 erschien ein von Anders Glenmark produziertes schwedischsprachiges Album mit dem Titel Djupa andetag (Tiefe Atemzüge), das in Schweden den ersten Platz der Hitparade erreichte. Dort ist das Duett Alla mina bästa år (All meine besten Jahre) mit Marie Fredriksson von Roxette zu hören. 2003 vereinbarte sie mit dem Musiker Jon Lord von Deep Purple, ein für sie komponiertes Stück The Sun Will Shine Again gemeinsam aufzunehmen. Die Studioversion ist auf Lords Album Beyond the Notes enthalten, das 2004 erschienen ist. Ende 2010 erschien Lyngstads neu gesungene Soloversion von Morning Has Broken auf dem Album Reconnection des schwedischen Jazz-Musikers Georg Wadenius.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • 1971: Frida
  • 1975: Ensam (SWE/1)
  • 1982: Something's Going On (D/12, AT/10, U.K./18, U.S.A./41, NL/4, SWE/1, N/2)
  • 1984: Shine (D/49, CH/29, U.K./67, NL/18, SWE/6, N/10)
  • 1996: Djupa andetag (SWE/1, N/17, FIN/32)

Compilation-Alben[Bearbeiten]

  • 1971: Anni-Frid Lyngstad
  • 1991: På egen hand
  • 1993: Tre kvart från nu
  • 1994: Agnetha & Frida - The Voice Of ABBA (offizielle Zusammenstellung von 14 Solo-Hits 1982-1985, Label: Karussell Ltd./Polydor Nr.550 212-2)
  • 1997: Frida 1967–1972
  • 1998: Svenska Popfavoriter
  • 2000: 14 Hits
  • 2001: The Collection
  • 2005: Frida - The Box (4XCD 1XDVD)

Singles[Bearbeiten]

  • 1967: En Ledig Dag / Peter Kom Tillbaka
  • 1967: Din / Du Är Så Underbart Rar
  • 1968: Simsalabim / Vi Möts Igen
  • 1968: Mycket Kär / När Du Blir Min
  • 1969: Härlig Är Vår Jord / Räkna De Lyckliga Stunderna Blott
  • 1969: Så Synd Du Måste Gå / Försök Och Sov På Saken
  • 1969: Peter Pan / Du Betonar Kärlek Lite Fel
  • 1970: Där Du Går Lämnar Kärleken Spår / Du Var Främling Här Igår
  • 1971: En Liten Sång Om Kärlek / Tre Kvart Från Nu
  • 1971: En Kväll Om Sommarn / Vi Vet Allt, Men Nästan Inget (Duette mit Lars Berghagen)
  • 1971: Min Egen Stad / En Gång Är Ingen Gång
  • 1971: Nu Vissla I Ett Slag (Whistle While You Work)
  • 1972: Vi Är Alla Bara Barn I Början / Kom Och Sjung En Sång
  • 1972: Man Vill Ju Leva Lite Dessemellan / Ska Man Skratta Eller Gråta
  • 1975: Fernando / Ett Liv I Solen
  • 1982: I Know There's Something Going On / Threnody
  • 1982: To Turn The Stone / I Got Something
  • 1982: Tell Me It's Over / I Got Something (Japan)
  • 1982: I See Red / I Got Something (South Africa)
  • 1983: Here We'll Stay (solo version) / Strangers
  • 1983: Belle (Frida & Daniel Balavoine) / C'est Fini (Balavoine)
  • 1983: Time (Frida & BA Robertson) / I Am The Seeker (BA Robertson)
  • 1984: Shine/ That's Tough
  • 1984: Come To Me (I Am Woman) / Slowly
  • 1984: Heart Of The Country / Slowly
  • 1984: Twist In The Dark / Come To Me (I Am Woman)
  • 1987: Så Länge Vi Har Varann (Frida & Ratata) / Du Finns Hos Mig (Ratata)
  • 1987: Om Du Var Här (Ratata) / As Long As I Have You (Frida & Ratata)
  • 1992: Änglamark (Artister För Miljö featuring Frida) / Saltwater (Frida)
  • 1996: Även En Blomma / Även En Blomma
  • 1996: Ögonen / (Lemon mix)
  • 1997: Alla Mina Bästa År (Frida & Marie Fredriksson)
  • 1997: Alla Mina Bästa År
  • 1999: Dancing Queen (with the Real Group) – Original Version / Vee's Anniversary
  • 2003: Lieber Gott (Frida & Dan Daniell) / I Have A Dream (Frida & Dan Daniell) / Wenn Ich Dann Gehen Muss (Dan Daniell) (Schweiz)
  • 2004: The Sun Will Shine Again
  • 2011: Mornin' has broken

Coverversionen[Bearbeiten]

Frida nahm, wie es in den 1960er und 1970er Jahren in Europa üblich war, viele Titel ausländischer Künstler auf und veröffentlichte sie auf Schwedisch. Hier eine kurze Auswahl der bekanntesten Beispiele:

Erscheinungsjahr Titel (schwedisch) Originaltitel Originalinterpret
1967 Peter, kom tillbaka Junge, komm bald wieder Freddy Quinn
1968 Bäby läv Baby Love The Supremes
1969 Försök och sov på saken Surround Yourself With Sorrow Cilla Black
1970 Jag blir galen när jag tänker på dej Goin' Out Of My Head The Lettermen
1970 Där du går lämnar kärleken spår Love Grows (Where My Rosemary Goes) Edison Lighthouse
1970 En ton av tystnad The Sound Of Silence Simon and Garfunkel
1970 Suzanne Suzanne Leonard Cohen
1970 Du var främling här igår I Close My Eyes And Count To Ten Dusty Springfield
1971 En liten sång om kärlek Five Pennies Saints Sylvia Fine
1971 Min egen stad It’s Nice To Be Back The Hep Stars
1972 Kom och sjung en sång No Sad Song Carole King
1975 Jag är mej själv nu Young Girl Gary Puckett & the Union Gap
1975 Liv på Mars? Life On Mars David Bowie
1975 Skulle de’ va' skönt Wouldn’t It Be Nice The Beach Boys
1975 Var är min clown Send In The Clowns Frank Sinatra u. A.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Magnus Palm: Bright Lights, Dark Shadows. The Real Story of Abba. Updated edition. Omnibus Press, London u. a. 2008, ISBN 978-1-84772-419-9.
  • Philippe Elan, Jean-Marie Potiez: A Tribute to Frida. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89602-692-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anni-Frid Lyngstad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Die geächteten Kriegskinder Salzburger Nachrichten, 10. März 2007
  2. Gunzenhausens Bürgermeister Joachim Federschmidt über Lyngstad (Bekanntgabe neuerer Forschungen), 2012
  3. SWR "Das gab's nur einmal" - Raritäten & Fundstücke. Abgerufen am 18. Mai 2013.