Carlo Janka

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Carlo Janka Ski Alpin
Carlo Janka beim Swiss-Ski-Tag in Bern, Oktober 2010
Carlo Janka im Oktober 2010
Nation SchweizSchweiz Schweiz
Geburtstag 15. Oktober 1986
Geburtsort Obersaxen
Größe 186 cm
Gewicht 87 kg
Karriere
Disziplin Abfahrt, Super-G,
Riesenslalom, Kombination
Verein SC Obersaxen
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Weltmeisterschaften 1 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Junioren-WM 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Gold Vancouver 2010 Riesenslalom
FIS Alpine Skiweltmeisterschaften
Gold Val-d’Isère 2009 Riesenslalom
Bronze Val-d’Isère 2009 Abfahrt
FIS Alpine Ski-Juniorenweltmeisterschaften
Bronze Québec 2006 Riesenslalom
Platzierungen im alpinen Skiweltcup
 Debüt im Weltcup 21. Dezember 2005
 Weltcupsiege 9
 Gesamtweltcup 1. (2009/10)
 Abfahrtsweltcup 2. (2009/10)
 Super-G-Weltcup 6. (2009/10, 2010/11)
 Riesenslalomweltcup 2. (2009/10)
 Kombinationsweltcup 1. (2008/09)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Abfahrt 3 1 2
 Super-G 0 2 0
 Riesenslalom 4 0 2
 Super-Kombination 2 2 2
letzte Änderung: 17. März 2014

Carlo Janka (* 15. Oktober 1986 in Obersaxen, Graubünden) ist ein Schweizer Skirennfahrer. Er gehört der Schweizer Nationalmannschaft an und gilt als einer der besten Läufer der Gegenwart. 2009 wurde er Weltmeister im Riesenslalom, 2010 Olympiasieger in derselben Disziplin. Ausserdem gewann er den Gesamtweltcup der Saison 2009/10.

Biografie[Bearbeiten]

Beginn der Karriere[Bearbeiten]

In der kleinen Gemeinde Obersaxen leistet sich der Skiclub seit Ende der 1990er Jahre einen eigenen Trainer[1], welcher bei Carlo Janka auch unkonventionell arbeiten musste. Über die Renngruppe und die Regionalgruppe Surselva des Bündner Skiverbandes gelangte Janka ins Kader von Swiss-Ski.

Janka bestritt seine ersten FIS-Rennen im Dezember 2001. Er erzielte jedoch erst vier Jahre später die ersten Podestplätze, wenn auch in vier verschiedenen Disziplinen. Den ersten Sieg auf dieser Stufe realisierte er im Januar 2005. Im Europacup kam er ab Januar 2004 zum Einsatz. Bei der Juniorenweltmeisterschaft 2006 am Mont Sainte-Anne in Québec gewann er die Bronzemedaille im Riesenslalom. In der Saison 2006/07 belegte er den vierten Platz in der Europacup-Gesamtwertung. Ein Sieg in einem Europacuprennen blieb bisher aus; insgesamt fuhr er viermal auf Platz zwei.

Am 21. Dezember 2005 debütierte Janka im Weltcup, schied jedoch beim Riesenslalom von Kranjska Gora im ersten Lauf aus. Fast ein Jahr später, am 17. Dezember 2006, gewann er als 20. des Riesenslaloms auf der Gran Risa in Alta Badia seine ersten Weltcuppunkte. Im Februar 2008 folgte erstmals ein Ergebnis unter den besten zehn. Dennoch sorgte er für eine Überraschung, als er am 29. November 2008 in der Abfahrt von Lake Louise mit der hohen Startnummer 65 auf den zweiten Platz fuhr und den Sieg nur knapp verpasste; es war dies erst sein drittes Weltcuprennen in dieser Disziplin gewesen.[2]

Dass dieser Erfolg kein Zufall gewesen war, bewies er zwei Wochen später, am 13. Dezember in Val-d’Isère, mit seinem ersten Weltcupsieg beim Riesenslalom auf der anspruchsvollen Piste Face de Bellevarde.[3] Einen Monat später gewann er die Super-Kombination in Wengen.

Aufstieg zur Weltspitze[Bearbeiten]

Carlo Janka nach seinem Weltmeistertitel im Riesenslalom 2009

Vor der Weltmeisterschaft 2009 in Val-d’Isère gehörte Janka bereits zu den meistgenannten Favoriten, zumal die Rennen auf der gleichen Piste stattfanden wie bei seinem ersten Weltcupsieg. Er gewann am 7. Februar in der Abfahrt hinter John Kucera und Didier Cuche die Bronzemedaille. Am 13. Februar folgte der bisherige Höhepunkt seiner Karriere, der Gewinn des Weltmeistertitels im Riesenslalom, wobei er Benjamin Raich und Ted Ligety auf die Plätze verwies. Eine Woche nach Ende der Weltmeisterschaft sicherte er sich mit einem dritten Platz in Sestriere den Gesamtsieg im Kombinationsweltcup.

Die Vorbereitung auf die Saison 2009/10 verlief nicht nach Wunsch. Eine nicht identifizierte Viruserkrankung, die ihn stark ermüdete, zwang Janka zu einer mehrwöchigen Unterbrechung des Konditionstrainings.[4] Obwohl der Formaufbau dadurch stark beeinträchtigt war, gelang ihm ein optimaler Saisonstart. Anfang Dezember 2009 siegte er auf der Piste Birds of Prey im amerikanischen Beaver Creek innerhalb von drei Tagen dreimal in drei verschiedenen Disziplinen. Vor ihm war dies nur einem Athleten gelungen, Jean-Claude Killy in der ersten Weltcupsaison 1967.[5] Janka übernahm die Spitze in der Gesamtwertung, musste jedoch in der darauf folgenden Woche einen Rückschlag hinnehmen, als er in Val-d’Isère dreimal in Folge ausschied. Es gelang ihm aber, allmählich wieder zum Führenden Benjamin Raich aufzuschliessen. Mitte Januar 2010 gewann er die prestigeträchtige Lauberhornabfahrt in Wengen; ein Rennen, bei dem selbst die besten Rennfahrer normalerweise viel Erfahrung für den ersten Sieg benötigen.[6]

Bei den Olympischen Winterspielen 2010 gehörte Janka in den Disziplinen Abfahrt und Super-G zum engeren Favoritenkreis, kam aber mit der Strecke in Whistler nicht zurecht. In der Super-Kombination verpasste er als Vierter eine Medaille nur knapp. Schliesslich konnte er am 23. Februar im vierten olympischen Rennen, dem Riesenslalom, die Goldmedaille gewinnen, vor den beiden Norwegern Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal.[7] Janka lag vor dem Weltcupfinale in Garmisch-Partenkirchen in der Gesamtwertung noch hinter Raich auf dem zweiten Platz, setzte sich aber mit je einem Sieg in der Abfahrt und im Riesenslalom uneinholbar an die Spitze. Damit wurde er der erste Schweizer Gesamtweltcupsieger seit Paul Accola in der Saison 1991/92.[8] Er ist auch der erste Skirennfahrer seit Lasse Kjus (Saison 1995/96), der ohne einen Sieg in einer der fünf Disziplinenwertungen den Gesamtweltcup für sich entschied. 2010 wurde er von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet.

Gesundheitliche Probleme[Bearbeiten]

Auch die Vorbereitung auf die Saison 2010/11 verlief für Janka nicht wunschgemäss. Im Dezember 2010 gab Swiss-Ski bekannt, dass er unter Herzrhythmusstörungen leide. Dies hatte eine Einschränkung der maximalen Leistungs- und Erholungsfähigkeit zur Folge, so dass er während der Saison mehrere Rennpausen einlegen musste. So verzichtete er beispielsweise auf die Abfahrt und die Super-Kombination bei der Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen.[9] Dennoch gelangen Janka im Weltcup vier Podestplatzierungen. Am 23. Februar 2011 unterzog er sich einer Operation, bei der überzählige, durch die Viruserkrankung entstandene Reizleitungsbahnen im Herzen unterbrochen wurden.[10] Zehn Tage nach dem Eingriff am Herzen gewann er den Riesenslalom von Kranjska Gora.

In der Saison 2011/12 waren das Virus und die damit verbundenen Probleme verschwunden, dennoch konnte Janka nicht an die Leistungen des Vorwinters anknüpfen. Verantwortlich dafür waren chronische Rückenbeschwerden, die ihn stark behinderten und ihn mehrmals zu Rennpausen zwangen. Hinzu kamen Schwierigkeiten bei der Materialabstimmung.[11] In sieben Rennen fuhr er unter die Top 10, die besten Ergebnisse waren zwei vierte Plätze im Riesenslalom von Sölden und in der Lauberhornabfahrt in Wengen. Noch schlechter verlief die Saison 2012/13. Janka fand nie die Form früherer Jahre und fuhr nur vereinzelt unter die besten 15. Das mit Abstand beste Ergebnis erzielte er in der Super-Kombination von Wengen, wo er Dritter wurde. Bei der Weltmeisterschaft 2013 verzichtete er aufgrund von Entkräftungserscheinungen auf einen Start zum zweiten Durchgang des Riesenslaloms.[12] Anfang März brach er die Saison vorzeitig ab. Medizinische Untersuchungen brachten keine neuen Erkenntnisse, erneute Herzrhythmusstörungen konnten jedoch ausgeschlossen werden.[13]

Janka war mittlerweile in der FIS-Punkterangliste in allen Disziplinen weit zurückgefallen, insbesondere in seiner einstigen Paradedisziplin Riesenslalom, weshalb er zu Beginn der Saison 2013/14 mit hohen Startnummern antreten musste. Angesichts dieser Umstände überraschend war deshalb der 6. Platz im Riesenslalom von Beaver Creek am 8. Dezember 2013, den er mit der Startnummer 68 (als drittletzter gestarteter Fahrer) erzielte.[14] Im weiteren Verlauf der Saison erzielte er nochmals fünf Top-10-Platzierungen. Sein bestes Ergebnis bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi war der 6. Platz in der Abfahrt.

Erfolge[Bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten]

  • Vancouver 2010: 1. Riesenslalom, 4. Super-Kombination, 8. Super-G, 11. Abfahrt
  • Sotschi 2014: 6. Abfahrt, 8. Super-Kombination, 13. Riesenslalom, 22. Super-G

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Weltcupwertungen[Bearbeiten]

  • Saison 2008/09: 7. Gesamtweltcup, 1. Kombinationsweltcup, 6. Riesenslalomweltcup
  • Saison 2009/10: 1. Gesamtweltcup, 2. Riesenslalomweltcup, 2. Abfahrtsweltcup, 2. Kombinationsweltcup, 6. Super-G-Weltcup
  • Saison 2010/11: 3. Gesamtweltcup, 5. Riesenslalomweltcup, 6. Super-G-Weltcup, 6. Kombinationsweltcup, 9. Abfahrtsweltcup
  • Saison 2012/13: 4. Kombinationsweltcup
  • Saison 2013/14: 10. Kombinationsweltcup

Weltcupsiege[Bearbeiten]

20 Podestplätze, davon 9 Siege:

Datum Ort Land Disziplin
13. Dezember 2008 Val-d’Isère Frankreich Riesenslalom
16. Januar 2009 Wengen Schweiz Super-Kombination
4. Dezember 2009 Beaver Creek USA Super-Kombination
5. Dezember 2009 Beaver Creek USA Abfahrt
6. Dezember 2009 Beaver Creek USA Riesenslalom
16. Januar 2010 Wengen Schweiz Abfahrt
10. März 2010 Garmisch-Partenkirchen Deutschland Abfahrt
12. März 2010 Garmisch-Partenkirchen Deutschland Riesenslalom
5. März 2011 Kranjska Gora Slowenien Riesenslalom

Juniorenweltmeisterschaften[Bearbeiten]

Weitere Erfolge[Bearbeiten]

  • Militär- und Polizei-WM 2008: 3. Riesenslalom
  • 5 Podestplätze bei Europacup-Rennen
  • 7 Siege bei FIS-Rennen

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seine Coolness und Gelassenheit bei Siegen sowie seine Wortkargheit trugen Janka den Spitznamen «Iceman» ein.[15] Sein zweiter Spitzname lautet «Jänks». Janka ist Fan des englischen Fussballs und insbesondere des Vereins Manchester United.[16] Zudem ist der Triebzug RhB ABe 8/12 3503 der Rhätischen Bahn mit dem Namen Jankas versehen.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carlo Janka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pius Berni, Trainer in Obersaxen
  2. Ski Alpin: Jackpot in der Wetterlotterie. Die Presse, 30. November 2008, abgerufen am 14. März 2010.
  3. Carlo Janka Sensationssieger in Val d'Isere. ski2b.com, 13. Dezember 2008, abgerufen am 14. März 2010.
  4. Mario Rall: Carlo Janka: Das Virus ist noch nicht besiegt! skionline.ch, 29. Juli 2009, abgerufen am 6. Dezember 2009.
  5. David Bernold: Drei Siege fürs Geschichtsbuch: Carlo Janka wie Jean-Claude Killy! skionline.ch, 6. Dezember 2009, abgerufen am 6. Dezember 2009.
  6. Remo Geisser: Mit Instinkt zum unerwarteten Triumph in Wengen. Neue Zürcher Zeitung, 17. Januar 2010, abgerufen am 14. März 2010.
  7. Remo Geisser: Riesenslalom-Gold an Carlo Janka. Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2010, abgerufen am 14. März 2010.
  8. Carlo Janka macht alles klar. Der Standard, 12. März 2010, abgerufen am 14. März 2010.
  9. Carlo Janka verzichtet auf WM-Abfahrt. Neue Zürcher Zeitung, 10. Februar 2011, abgerufen am 5. März 2011.
  10. Carlo Janka am Herzen operiert. Der Standard, 28. Februar 2011, abgerufen am 5. März 2011.
  11. Sebastian Rieder: Jankas Kampf an drei Fronten. Tages-Anzeiger, 3. Januar 2012, abgerufen am 18. März 2012.
  12. Carlo Janka: Das Schlimme ist die Ungewissheit. skionline.ch, 16. Februar 2013, abgerufen am 17. März 2013.
  13. Carlo Janka nach medizinischen Checks ohne neue Erkenntnisse. Aargauer Zeitung, 8. März 2013, abgerufen am 17. März 2013.
  14. Carlo Janka - Realismus trotz Rang Sechs. skionline.ch, 9. Dezember 2013, abgerufen am 9. Dezember 2013.
  15. David Bernold: Iceman Carlo Janka - keiner wie jeder andere. skionline.ch, 23. Februar 2010, abgerufen am 14. März 2010.
  16. Cooler Carlo voll im Schuss! 30. Dezember 2008, abgerufen am 28. August 2012.
  17. Cologna und Janka zieren RhB «ALLEGRA»-Triebzüge. pressestelle.ch, 1. Mai 2010, abgerufen am 5. September 2010.