Chris Evert

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Chris Evert Tennisspieler
Chris Evert
Nationalität: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Geburtstag: 21. Dezember 1954
Größe: 168 cm
1. Profisaison: 1972
Rücktritt: 1989
Spielhand: Rechts, beidhändige Rückhand
Preisgeld: 8.287.186 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 1304:144
Karrieretitel: 154 WTA, 4 ITF
Höchste Platzierung: 1 (10. Juni 1985)
Wochen als Nr. 1: 260
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 117:39
Karrieretitel: 18 WTA, 11 ITF
Höchste Platzierung: 13 (12. September 1988)
Grand-Slam-Bilanz
Mixed
Grand-Slam-Bilanz
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA und ITF (siehe Weblinks)

Christine Marie Evert (* 21. Dezember 1954 in Fort Lauderdale; 1979–1987 Evert-Lloyd) ist eine ehemalige US-amerikanische Tennisspielerin und Weltranglistenerste. Sie zählt zu den erfolgreichsten Spielerinnen aller Zeiten. Als eine der ersten Spielerinnen überhaupt spielte sie die Rückhand beidhändig. Unvergessen sind die Duelle der Grundlinienspielerin und Sandplatzspezialistin mit Martina Navrátilová, der anderen großen Spielerin der 1970er und 1980er Jahre. Evert erklärte 1989 ihren Rücktritt.

Leben[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Im Alter von fünf Jahren kam Chris Evert mit dem Tennisspielen in Berührung. Vater Jimmy Evert, selbst professioneller Tennisspieler und 1947 Gewinner der Canadian Championships, förderte seine Tochter. Zu schwach, um den Schläger auf der Rückhandseite zu halten und einen Schlag auszuführen, entwickelte sie aus eigenem Antrieb als erste Spielerin überhaupt einen beidhändigen Rückhandschlag. Dieser sollte später zu einem gefürchteten und oft kopierten Markenzeichen werden.

1969 wurde Evert, welche die St. Thomas Aquinas High School in ihrer Geburtsstadt Fort Lauderdale absolvierte, in den USA als beste U14-Spielerin geführt. Für Schlagzeilen sorgte die Schülerin ein Jahr später, als die 15-Jährige bei einem kleinen Sandplatzturnier in North Carolina erst die französische Weltklassespielerin Francoise Durr und dann die damalige Weltranglistenerste und Tennislegende Margaret Smith Court mit 7:6, 7:6 bezwang. Court hatte im Jahr zuvor als erst zweite Spielerin überhaupt den Grand Slam gewonnen.

Im Jahr darauf setzte Evert ihren Aufstieg fort. Als Siegerin der US-amerikanischen Jugendmeisterschaften folgte sie einer Einladung des US Verbands und gab ihr Grand-Slam-Debüt bei den US Open in Forrest Hills. Die 16-jährige Schülerin schlug in Folge Edda Budding, Mary Ann Eisel, die an Nummer 5 gesetzte Französin Francoise Durr sowie ihre Landsfrau Lesley Hunt und scheiterte im Halbfinale an Billie Jean King. Evert war mit 16 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen die bis dahin jüngste Spielerin, die ins Halbfinale der US Open einziehen konnte. Dabei offenbarte sie jene Stärken, die sich in den folgenden Jahren zu ihren Markenzeichen entwickelten. Everts Spiel zeichnete sich durch eine bis dahin ungekannte Härte und Präzision in den Grundlinienschlägen aus. Nebenbei beeindruckte sie mit Nervenstärke, die ihr in der Presse schon bald den Beinamen Ice Maiden verschaffte. Ungewöhnlich oft gelang es ihr, schon verloren geglaubte Spiele noch zu drehen. Gegen die US-Amerikanerin Eisel konnte Evert beim Stand von 5:6 und 0:40 im zweiten Satz sechs Matchbälle abwehren, ehe sie den letzten Durchgang mit 6:1 gewann.

Trotz des frühen Erfolgs setzte Vater Jimmy Evert auf einen behutsamen Aufbau seiner Tochter. 1972 verzichtete Evert auf die Australian Open und die French Open, erreichte aber in Wimbledon und Forrest Hills das Halbfinale.

1973 setzte sich Everts Aufstieg fort. Die 18-Jährige erreichte in Paris und Wimbledon das Finale, zog zum dritten Mal in Folge ins Halbfinale der US Open ein und verzichtete erneut auf die Australian Open am Jahresende.

1974–1978: Jahre der Dominanz[Bearbeiten]

Das Folgejahr brachte ihr den endgültigen Durchbruch und markierte den Beginn einer Periode unumschränkter Dominanz. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung 1976, blieb sie bis 1978 an der Spitze der Weltrangliste.

Als 19-Jährige gewann sie 1974 die French Open und Wimbledon, erreichte das Finale in Australien, stand bei den US Open erneut im Semifinale und übernahm die Weltranglistenführung. Mit dem Gewinn ihres ersten Major-Titels in Paris begann auch eine einzigartige Serie von fortlaufenden Grand-Slam-Titel-Gewinnen, die bis ins Jahr 1986 anhalten sollte und in der die Amerikanerin insgesamt 18 große Titel errang. Schon 1973 begann eine weitere Rekordserie. Trotz ihrer Erfolge auf allen Bodenbelägen blieb das Sandplatzspiel klar Everts größte Domäne. Zwischen 1973 und 1979 war die US-Amerikanerin auf Sand 125-mal in Folge siegreich – ein bis heute unerreichter Rekord.

1975 gewann Evert erneut zwei Majors. Sie wiederholte ihren Vorjahressieg bei den French Open, stand im Wimbledon-Halbfinale und errang ihren ersten US-Open-Titel gegen Evonne Goolagong, den sie dreimal in Folge verteidigte. Mit kurzen Unterbrechungen stand Evert während der nächsten fünf Jahre an der Spitze der Tennis-Weltrangliste.

1976 errang Evert mit einem engen Dreisatzerfolg erneut die Wimbledon-Krone. Gegnerin war wiederum die Australierin Evonne Goolagong, die sich bis Mitte der 1970er Jahre mehr und mehr zur hartnäckigen Rivalin der US-Amerikanerin entwickelte. Evert gewann den ersten Durchgang mit 6:3, verlor den zweiten mit 4:6 und lag im dritten Durchgang mit 0:2 zurück, bevor sie das Match wenden konnte und schließlich mit 8:6 triumphierte. Die beiden trafen insgesamt 33-mal aufeinander. Evert blieb mit insgesamt 21 Siegen die klar dominierende Spielerin im Welttennis.

Die beiden folgenden Jahre waren für Evert weniger erfolgreich. Nach dem jeweiligen Verzicht auf die Australian Open und Paris stand die Amerikanerin 1977 nur im Halbfinale von Wimbledon und verteidigte ihren US Open-Titel. In den Jahren 1976 bis 1978 verzichtete Evert auf die French Open, um, wie die anderen Top Spielerinnen, am World-Team-Tennis-Event, das Billy Jean King organisiert hatte, teilzunehmen. Auch 1978 spielte Evert nur zwei Masters, stand im Finale an der Church Road und errang erneut den Sieg bei den Offenen Amerikanischen Meisterschaften.

1978: Beginn des Duells zwischen Chris Evert gegen Martina Navrátilová[Bearbeiten]

Ende der 1970er Jahre endete die Ära von Everts unumschränkter Herrschaft. Mit Martina Navrátilová trat eine neue Rivalin ins Rampenlicht, welche Everts Dominanz beenden und eine zweite Periode in der Karriere der Amerikanerin einleiten sollte. Das in sportlicher Hinsicht erbittert ausgetragene Duell der beiden Spielerinnen prägte die nächste Dekade im Damentennis, trieb den Tennissport auf ein neues Niveau der Professionalisierung und gilt als eine der eindrücklichsten Rivalitäten der Sportgeschichte. Bei insgesamt 80 Aufeinandertreffen siegte Evert 37-mal, Navrátilová gewann 43 Begegnungen. Beide Spielerinnen beendeten ihre Karrieren mit jeweils 18 Grand-Slam-Einzeltiteln.

1973, als Evert und Navrátilová erstmals aufeinander trafen, hatte Evert die Tschechoslowakin sicher beherrscht. Am Ende des Jahres 1977 standen bei der Amerikanerin in insgesamt 26 Begegnungen 22 Siege zu Buche, während Navrátilová nur viermal hatte gewinnen können. Dies änderte sich 1978, als Navrátilová das Wimbledon-Vorbereitungsturnier in Eastbourne gewann und dann den Titel in Wimbledon, den sie im Jahr darauf verteidigte.

Auch Evert errang 1978 und 1979 jeweils einen Grand-Slam-Titel. Während sie bei den US Open jeweils im Halbfinale Navrátilová besiegte, triumphierte diese im Finale beider Wimbledon-Turniere.

1986: Letzter Sieg in Paris und Rückkehr an die Weltranglistenspitze[Bearbeiten]

Ihre letzten beiden Grand-Slam-Siege errang Evert auf der roten Asche der French Open, wo sie erneut ihrer Dauerrivalin Navrátilová gegenüberstand. 1985, als sie in einem engen Dreisatzmatch 6:3, 6:7 und 7:5 gewann, erklomm sie ein fünftes und letztes Mal die Spitze der Weltrangliste. Auch 1986 hieß ihre Gegnerin Navrátilová und Evert verbuchte mit 2:6, 6:3, 6:3 ihren letzten Grand-Slam-Triumph. 1988 konnte sie, mittlerweile 34-jährig, noch einmal ins Finale eines der bedeutendsten Turniere einziehen. Im Finale der Australian Open unterlag sie der knapp 19 Jahre alten späteren Grand-Slam-Gewinnerin Steffi Graf in zwei Sätzen. Evert wurde auch für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul nominiert, sie schied im Achtelfinale gegen die Italienerin Raffaella Reggi aus.[1]

WTA-Präsidentschaft und Karriereende[Bearbeiten]

Evert beendete ihre Karriere im Jahr 1989.

Wie schon einmal in den Jahren 1975 und 1976 hatte sie 1983 erneut die Präsidentschaft in der Women’s Tennis Association (WTA) übernommen, die sie bis zum Jahr 1991 innehatte.

1995 wurde Evert in die Hall of Fame des Tennissports aufgenommen.

Persönliches[Bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre war Evert mit dem Weltranglistenersten Jimmy Connors liiert. 1979 heiratete sie den britischen Tennisspieler John Lloyd. Nach der Scheidung im Jahr 1987 heiratete sie 1988 den ehemaligen Skirennläufer Andy Mill, mit dem sie drei Kinder hat. In beiderseitigem Einvernehmen reichten sie am 20. Oktober 2006 nach 18 Jahren Ehe die Scheidung ein. Am 28. Juni 2008 heiratete sie auf den Bahamas den australischen Golf-Star Greg Norman. Bereits Anfang Oktober 2009 gab das Paar jedoch die Trennung bekannt.

Erfolge[Bearbeiten]

Rekord-Weltranglistenerste im Dameneinzel
Rang Tennisspielerin Wochen
1. DeutschlandDeutschland Steffi Graf 377
2. TschechoslowakeiTschechoslowakei / Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Martina Navratilova 332
3. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Chris Evert 260
4. SchweizSchweiz Martina Hingis 209
5. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Serena Williams 204
6. Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien / Jugoslawien Bundesrepublik 1992Jugoslawien / Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Monica Seles 178
7. BelgienBelgien Justine Henin 117
Stand: 1. September 2014

Chris Evert war die erste Tennisspielerin, die 1.000 Siege im Einzel erzielte. Mit einer Karrierebilanz von insgesamt 1.309 Siegen, 146 Niederlagen und einer Erfolgsquote von 90 % ist Evert bis heute die erfolgreichste Einzelspielerin. Evert stand insgesamt fünfmal an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Sie errang 18 Grand-Slam-Siege im Einzel und wurde nur von Margaret Smith Court (24), Steffi Graf (22) und Helen Wills Moody (19) übertroffen. Mit insgesamt sieben Erfolgen im Damen-Einzel ist Evert bis heute Rekordhalterin bei den French Open. Ihre 157 Einzeltitel bei WTA- und Grand-Slam-Turnieren bedeuten den zweiten Platz hinter Martina Navrátilová, die 167 Turniersiege für sich verbuchen konnte.

1974 gewann Evert 56 Spiele in Folge und errang zwischen 1974 und 1986 jedes Jahr mindestens einen Grand-Slam-Titel. Zwischen 1973 und 1979 blieb sie auf Sand 125-mal in ununterbrochener Folge siegreich (Rekord) und erreichte bei insgesamt 52 von 56 gespielten Grand-Slam-Turnieren, an denen sie teilnahm, zumindest das Halbfinale (Rekord). Evert gewann viermal die WTA Tour Championships und ist achtfache Fed-Cup-Siegerin mit dem Team der USA.

Siege bei Grand-Slam-Turnieren (Einzel)[Bearbeiten]

Rekord-Grand-Slam-Siegerinnen im Dameneinzel
Rang Tennisspielerin Titel
1. AustralienAustralien Margaret Smith Court 24
2. DeutschlandDeutschland Steffi Graf 22
3. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Helen Wills Moody 19
4. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Chris Evert 18
TschechoslowakeiTschechoslowakei / Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Martina Navratilova
6. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Serena Williams 17
7. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Billie Jean King 12
FrankreichFrankreich Suzanne Lenglen
Stand: 5. Juli 2014

Siege (18)[Bearbeiten]

Jahr Turnier Finalgegnerin Ergebnis
1974 French Open Olga Morozova 6:1, 6:2
1974 Wimbledon Olga Morozova 6:0, 6:4
1975 French Open Martina Navrátilová 2:6, 6:2, 6:1
1975 US Open Evonne Goolagong 5:7, 6:4, 6:2
1976 Wimbledon Evonne Goolagong 6:3, 4:6, 8:6
1976 US Open Evonne Goolagong 6:3, 6:0
1977 US Open Wendy Turnbull 7:6, 6:2
1978 US Open Pam Shriver 7:5, 6:4
1979 French Open Wendy Turnbull 6:2, 6:0
1980 French Open Virginia Ruzici 6:0, 6:3
1980 US Open Hana Mandlikova 5:7, 6:1, 6:1
1981 Wimbledon Hana Mandlikova 6:2, 6:2
1982 Australian Open Martina Navrátilová 6:3, 2:6, 6:3
1982 US Open Hana Mandlikova 6:3, 6:1
1983 French Open Mima Jausovec 6:1, 6:2
1984 Australian Open Helena Sukova 6:7, 6:1, 6:3
1985 French Open Martina Navrátilová 6:3, 6:7, 7:5
1986 French Open Martina Navrátilová 2:6, 6:3, 6:3

Rekorde[Bearbeiten]

  • Siegesquote 90,0 % (1.309 Siege, 146 Niederlagen / Zweite: Steffi Graf, 88,9 %)
  • Gewinn mindestens eines Grand-Slam-Titels pro Jahr über 13 Jahre (zwischen 1974 und 1986)
  • bei 52 von 56 gespielten Grand-Slam-Turnieren im Halbfinale
  • 125 Siege auf Sand in Folge (1973–1979)
  • siebenfache Siegerin der French Open im Damen-Einzel
  • bei den US Open erreichte sie 16 Mal in Folge mindestens das Halbfinale (zwischen 1971 und 1986)

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik IV. Berlin 2002 ISBN 3-328-00830-6 Seite 200f