Erl (Tirol)

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Erl
Wappen von Erl
Erl (Tirol) (Österreich)
Erl (Tirol)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Kufstein
Kfz-Kennzeichen: KU
Fläche: 26,97 km²
Koordinaten: 47° 41′ N, 12° 11′ O47.68166666666712.180833333333476Koordinaten: 47° 40′ 54″ N, 12° 10′ 51″ O
Höhe: 476 m ü. A.
Einwohner: 1.452 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 6343
Vorwahl: 05373
Gemeindekennziffer: 7 05 10
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorf 39
6343 Erl
Website: www.erl.at
Politik
Bürgermeister: Georg Aicher-Hechenberger (GFE)
Gemeinderat: (2004)
(13 Mitglieder)
6 (GFE), 4 (Liste Erl),
2 (ÜWE) 1 (SPÖ)
Lage der Gemeinde Erl im Bezirk Kufstein
Alpbach Angath Angerberg Bad Häring Brandenberg Breitenbach am Inn Brixlegg Ebbs Ellmau Erl Kirchbichl Kramsach Kufstein Kundl Langkampfen Mariastein Münster Niederndorf Niederndorferberg Radfeld Rattenberg Reith im Alpbachtal Rettenschöss Scheffau am Wilden Kaiser Schwoich Söll Thiersee Walchsee Wildschönau Wörgl Tirol (Bundesland)Lage der Gemeinde Erl (Tirol) im Bezirk Kufstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Erl von Südosten
Erl von Südosten
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Erl ist eine Gemeinde mit 1452 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Kufstein des Bundeslandes Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Kufstein.

Lage[Bearbeiten]

Erl liegt im Unterinntal, etwa 15 km nördlich von Kufstein, direkt an der Grenze zu Bayern. Im Westen ist die Gemeindegrenze gebildet durch den Inn, im Norden und Osten durch die Staatsgrenze. Somit ist Erl an drei Seiten von Bayern umgeben. Erl ist die nördlichste und zweit-tiefstgelegene (476 m) Gemeinde nach Ebbs (475 m) in Tirol.

Der Inn verläuft zwischen Kufstein und Erl als Grenzfluss und verlässt erst in Erl Tirol komplett, nicht wie oft fälschlich behauptet in Kufstein.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Erl besteht aus einer einzigen, gleichnamigen Katastralgemeinde.

Ortsteile der Gemeinde[Bearbeiten]

Zollhaus, Mühlgraben, Schönau, Unterweidau, Oberweidau, Dorf, Unterscheiben, Oberscheiben, Öd, Winkl, Rainerried, Steigental, Erlerberg, Alm, Baderbühel, Jauch[1]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nur Niederndorf und Niederndorferberg liegen in Tirol.

Geschichte[Bearbeiten]

Erl, in römischer Zeit ein Landgut, wahrscheinlich das Praedium Aurelianum (Besitz des Aurelianus), gehört zu den ältesten Dörfern des Inntales. Die erste römische Besiedlung erfolgte vermutlich im 3. Jahrhundert, was der Mithrasstein in der Pfarrkirche mit der Aufschrift DIM PRO SALUTE („dem unbesiegbaren Gott Mithras zum Heil“) bezeugt.

788 wird Erl im arnonischen Güterverzeichnis des Erzbischofs Arn von Salzburg (ad oriano monte) erstmals erwähnt.

Die Pfarrkirche St. Andreas wurde wegen ihrer Lage an der Grenze nach Kriegshandlungen mehrmals angezündet. Die heutige Ausstattung des Gotteshauses stammt von Sebastian Anton Defregger (um 1818), dazu zählt das Gnadenbild Mariahilf am Hochaltar nach Lucas Cranach d. Ä. Die Deckenbilder (Berufung und Verurteilung des hl. Andreas, 1817) werden Franz Altmutter zugeschrieben. Die Kirche wurde 1980 innen generalrenoviert.

1504 kam Erl unter Kaiser Maximilian mit den Gerichten Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg zu Tirol und ist seither Grenzort gegen Bayern. An der Engstelle vor der Grenze befand sich die Schanze von Windshausen, an der in den Kriegsjahren 1703/04, 1744, 1800 und 1809 Kämpfe mit bayerischen Truppen stattfanden. Dabei wurde 1704 und 1809 das ganze Dorf niedergebrannt. An der hölzernen Innbrücke (erbaut 1895 – neu errichtet 1991) zur bayerischen Nachbargemeinde Oberaudorf steht eine überlebensgroße barocke Statue des Wasserheiligen Johannes Nepomuk (1732).[2]

Passionsspiele[Bearbeiten]

Passionsspielhaus Erl mit Südtiroler Dornenkrone

Erl ist bekannt durch die Passionsspiele, die vermutlich auf ein Gelübde während der Pestzeit zurückgehen. Die Tradition, in Erl religiöse Spiele aufzuführen, ist seit 1613 nachweisbar. 1957 bis 1959 wurde für das 1933 durch Brandstiftung[3] abgebrannte alte Gebäude ein neues, hochmodernes Passionsspielhaus nach den Plänen von Robert Schuller aus Innsbruck erbaut. Der Bau gilt als eine Ikone der Nachkriegsmoderne wie auch als akustisches Meisterwerk. Hier werden seither alle sechs Jahre die Passionsspiele aufgeführt, an denen fast das ganze Dorf mitwirkt und die tausende Besucher aus dem In- und Ausland anziehen. Erl gehört neben Oberammergau zu den ältesten Passionsspielorten in Europa.

Seit 1998 ist Erl in der sogenannten Zwischenspielzeit mit seinem Passionsspielhaus als Heimat der Tiroler Festspiele (gegründet von Gustav Kuhn) weltbekannt, mit Aufführungen großer Opern-, Orchester- und Chorwerke.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Andreas mit Kranzhorn
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Erl

An Sehenswürdigkeiten gibt es in Erl insbesondere die Blaue Quelle (750 Liter pro Sekunde Wasserschüttung), den Trockenbachwasserfall, das sagenumwobene „Erler Herz“ und den Blick vom Kalvarienberg ins Inntal zu bewundern. Aussichtsberge sind das Kranzhorn (1367 m) mit den zwei Gipfelkreuzen und der Spitzstein (1596 m).

Der Zugangsweg zum Trockenbachwasserfall ist leider wegen Streitigkeiten zwischen Grundeigentümern und der Gemeinde seit 2012 (auch derzeit, Juli 2013) bis auf weiteres gesperrt.

Am ehemaligen österreichischen Zollhaus an der hölzernen Innbrücke gibt es eine Gedenktafel von Franz Josef Kranewitter zum Geologen und Heimatschriftsteller Adolf Pichler, der hier 1819 geboren wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Erl (Tirol) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte von Tirol
  2. Erl auf Tirol.tl, abgerufen am 14. Feber 2012
  3. Artikel in: Das interessante Blatt / Wiener Illustrierte, 27. Juli 1933, S. 3 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dib