Provinz Friesland

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Fryslân
Provinz der Niederlande Flag of the Netherlands.svg
Wappen Flagge
Friesland wapen.svg Frisian flag.svg
Lage
Zeeland Südholland Baarle (zu Belgien) Nordbrabant Groningen Bundesrepublik Deutschland Limburg Friesland Flevoland Drenthe Nordholland IJsselmeer Utrecht Overijssel Gelderland Frankreich Belgien NordseeKarte: Provinz Friesland in den Niederlanden
Über dieses Bild
Basisdaten
Hauptstadt Leeuwarden
Größte Stadt Leeuwarden
Offizielle Sprachen Niederländisch und Friesisch
ISO 3166-2-Code NL-FR
Website www.fryslan.nl
Hymne De âlde Friezen (nicht offiziell)
Politik
Königlicher Kommissar John Jorritsma
Bevölkerung
Einwohner 646.282 (8. von 12)
Landesanteil 3,8 % der Niederländer
Bevölkerungsdichte 193 Einw. pro km² (12. von 12)
Geographie
Fläche 5.748,74 km²
– Land 3.341,70 km² (1. von 12)
– Wasser 2.407,04 km²
Höhe − 2 bis 45 m ü. NAP
Koordinaten 53° N, 6° O53.1955555555565.7086111111111Koordinaten: 53° N, 6° O
Verwaltungsgliederung
Gemeinden 27
– davon Städte 11
Topographie der Provinz Friesland

Topographie der Provinz Friesland

Friesland (auch auf nied., eng.; aber offiziell friesisch Fryslân) ist eine der zwölf niederländischen Provinzen. Zu ihr gehören alle bewohnten westfriesischen Inseln mit Ausnahme von Texel. Mit ihnen ist Friesland die zweitnördlichste niederländische Provinz, gelegen zwischen dem IJsselmeer im Westen und der Provinz Groningen im Osten. Die Hauptstadt ist Leeuwarden (auf Friesisch: Ljouwert).

Die Provinz ist die einzige, in der neben Niederländisch noch eine andere Sprache Amtssprache ist, das nahe verwandte Friesische (Westfriesische). So gut wie alle Einwohner sprechen allerdings (auch) Niederländisch, und auf Niederländisch werden die meisten Texte verfasst. Zwar gibt es keine bedeutende Unabhängigkeitsbewegung, doch ist in Friesland das Regionalbewusstsein stärker als in anderen Provinzen.

Friesland ist in den Niederlanden bekannt für das Schlittschuhlaufen, das in besonders strengen Wintern den Wettlauf Elfstedentocht hervorbringt. Benannt ist der Wettlauf nach den historischen elf Städten Frieslands, die nicht unbedingt die einwohnerstärksten Orte der modernen Provinz sind. In Friesland gibt es auch einige eigene Sportarten und wird das Wattwandern betrieben.

Name[Bearbeiten]

Bis zum 1. Januar 1997 hatte die Provinz zwei offizielle Namen, den niederländischen Namen Friesland und den friesischen Namen Fryslân. Seitdem ist nur noch der friesische Name offiziell. 2004 beschloss das niederländische Innenministerium, generell nur noch den friesischen Namen in Dokumenten zu verwenden. Gängig ist im Niederländischen hingegen weiterhin der niederländische Name Friesland.

Im deutschen Sprachraum ist für die Provinz Friesland die Bezeichnung Westfriesland gebräuchlich und auch korrekt. Der Name ist eine analoge Bildung zu den Bezeichnungen der deutschen Regionen Nordfriesland und Ostfriesland. Im internationalen Kontakt kann diese Benennung allerdings zu Missverständnissen führen, da „Westfriesland“ in den Niederlanden die Bezeichnung für die gleichnamige Region in der Provinz Nord-Holland ist. Um diese ungenaue Bezeichnung zu vermeiden und um eine Verwechslung mit dem deutschen Landkreis Friesland oder der ebenfalls Friesland genannten gesamtfriesischen Region auszuschließen, wird die Provinz nach ihrer bereits historisch bedeutsamen Lage westlich des Flusses Lauwers auch als Westerlauwers Friesland oder das west(er)lauwersche Friesland benannt.

It Heitelân (das Vaterland) ist eine weitere verbreitete umgangssprachliche Bezeichnung für die Provinz. Sie wird häufig benutzt, wenn die starke Verbundenheit zur friesischen Heimat ausgedrückt werden soll. Auch unter den nationalen Friesen ist die Bezeichnung verstärkt in Gebrauch.

Geografie[Bearbeiten]

Friesland liegt am IJsselmeer im Westen und an der Nordseeküste im Norden der Niederlande. Es grenzt im Osten an die Provinzen Groningen und Drenthe, im Süden an die Provinzen Overijssel und Flevoland.

Der höchste Punkt der Provinz Fryslân mit 45 m über NAP liegt auf der Nordseeinsel Vlieland (Flylân). Auf dem Festland ist der höchste Punkt 27 m hoch, der tiefste − 2 m.

Fryslân wird in sechs verschiedene Landschaftsbereiche unterteilt

Gemeinden und Städte[Bearbeiten]

Friesland ist bei einer Fläche von 5.724 km² mit 646.282 Einwohnern im Vergleich zu den anderen niederländischen Provinzen dünn besiedelt. Es gliederte sich in 27 Gemeinden (Einwohner am 1. Januar 2014).

De Waterpoort in Sneek
Gemeinde Einwohner
Achtkarspelen 28.020
Ameland 3.576
Dantumadiel 19.030
De Friese Meren 51.164
Dongeradeel 24.160
Ferwerderadiel 8.790
Franekeradeel 20.445
Harlingen 15.821
Heerenveen 49.331
Het Bildt 10.626
Kollumerland en Nieuwkruisland 12.872
Leeuwarden 108.085
Leeuwarderadeel 10.278
Littenseradiel 10.927
Menameradiel 13.673
Ooststellingwerf 25.668
Opsterland 29.882
Schiermonnikoog 941
Smallingerland 55.463
Súdwest-Fryslân 84.238
Terschelling 4.782
Tytsjerksteradiel 31.951
Vlieland 1.109
Weststellingwerf 25.450

Seit dem 1. Januar 2011 sind Bolsward, Nijefurd, Sneek, Wûnseradiel und Wymbritseradiel zur neuen Gemeinde Súdwest Fryslân vereint.

siehe auch: Liste der ehemaligen Gemeinden in der Provinz Friesland

Geschichte[Bearbeiten]

Eine frühe Kultur zu Beginn der Geschichte in Friesland entstand um 400 bis 200 vor Christus, mit Terpen (Halligen). Die Römer haben die Einwohner Frisii genannt. Im 8. Jahrhundert kam Friesland zum Frankenreich, und es wurde christianisiert. Im Laufe des Mittelalters wurde Friesland stückweise von den Grafen von Holland einverleibt.

Nach einer Periode der Unabhängigkeit im 15. Jahrhundert kam Friesland wieder an Holland und unter die Herrschaft der Habsburger. Seit 1581 hatte es einen relativ unabhängigen Status innerhalb der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Als eine der wenigen Provinzen am Meer hatte es eine eigene Admiralität von Friesland. 1795 wurde Friesland Teil der Batavische Republik, 1806 des napoleonischen Königreichs Holland und 1810 des Französischen Kaiserreichs. Seit 1815 ist Friesland eine Provinz des neu errichteten Königreichs der Niederlande.

Siehe auch

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 105,1 % des Durchschnitts der EU-27.[1]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Gemeindenamen und Name der Provinz[Bearbeiten]

Im Jahre 1996 erlaubte die Regierung in Den Haag die freie Ortsnamenwahl in Friesland. Danach konnten die Gemeinden und die Provinz eigenständig entscheiden, ob sie einen niederländischen oder einen friesischen Namen tragen wollen. Die Provinz Friesland wurde daraufhin zum 1. Januar 1997 in Provinsje Fryslân umbenannt. Bis jetzt sind diesem Beispiel 11 von 31 friesischen Gemeinden gefolgt. Es gibt vereinzelte Bestrebungen, Friesland bis zum Jahre 2015 zu einem selbstständigen Staat unter der niederländischen Krone zu machen. Insgesamt sind solche Bestrebungen aber eher schwach.

Kultur und Sport[Bearbeiten]

Friesland ist die kulturell eigenständigste der 12 Provinzen der Niederlande. Die friesische Sprache ist in der Provinz noch relativ weit verbreitet und die friesische Identität sehr ausgeprägt. Die friesischen Vereine und Verbände der Provinz arbeiten über die Sektion West des Friesenrats (Fryske Rie) mit den Friesen in Deutschland zusammen.

Sprache[Bearbeiten]

Die Verbreitung der Sprachen und Dialekte in den nordöstlichen Niederlanden.

In der Provinz Friesland ist neben dem standardisierten Niederländisch auch das Westfriesische als offizielle Sprache in Gebrauch. Außer diesen beiden Amtssprachen werden noch verschiedene weitere Dialekte und Sprachvarietäten des Friesischen, Niederländischen und Niedersächsischen in der Provinz gesprochen.

Friesisch[Bearbeiten]

Eine eigene Sprache innerhalb der friesischen Sprachgruppe - und keinen Dialekt des Niederländischen - bildet das Westfriesische (auch Westerlauwerssches Friesisch genannt), das in Fryslân als Frysk bezeichnet wird und hier neben der niederländischen Standardsprache auch als offizielle Landessprache anerkannt ist. Von den etwa 650.000 Einwohnern Fryslâns sprechen etwa 450.000 friesisch, davon etwa 360.000 als Muttersprache. Es existieren verschiedene Dialekte, aber auch eine standardisierte Variante der Sprache. Von den vier Watteninseln Fryslâns sind nur Terschelling (Skylge) und Schiermonnikoog (Skiermûntseach) friesischsprachig. Das Westfriesische ist der mit Abstand vitalste Zweig der friesischen Sprachfamilie. Die in Deutschland noch gesprochenen Varietäten des Nord- und Saterfriesischen sind dagegen akut vom Aussterben bedroht.

Vor allem im privaten Bereich ist Friesisch in weiten Teilen Frieslands unter den Friesen wieder die erste Sprache. Aber auch im alltäglichen Leben gewinnt die friesische Sprache immer mehr an Bedeutung. So müssen die Anträge in den friesischen Rathäusern neben Niederländisch auch auf Friesisch ausliegen, und die Bewohner Frieslands haben das Recht, alle amtlichen Angelegenheiten auf Friesisch durchzuführen, was andererseits friesische Sprachkenntnisse der friesischen Beamten voraussetzt.

Die Verwaltung der Provinz Friesland in den Niederlanden verleiht alle drei Jahre den Gysbert Japicxpriis (Gysbert-Japicx-Preis), einen friesischen Literaturpreis benannt nach dem friesischen Schriftsteller Gysbert Japicx, der mit einer Summe von 5.000 Euro dotiert ist. Die Provinzverwaltung befolgt die Empfehlungen eines sachverständigen Ausschusses und zeichnet turnusmäßig Prosa- und Poesiewerke aus.

Friesisch-niederländische Mischdialekte[Bearbeiten]

In den friesischen Städten wird häufig ein Dialekt namens Stadtfriesisch gesprochen, der aus niederländischem Wortschatz und friesischer Grammatik besteht. Ebenfalls holländisch-friesische Mischdialekt sind das Bildts in der Gemeinde Het Bildt und das Midsländische auf der Insel Terschelling. Die Insel Ameland (It Amelân) hat ihre eigene friesisch-niederländische Sprache, das Amelânsk oder Amelands („Ameländisch“). Diese Sprache wurde früher von den Herren von Ameland, der Familie Cammingha gefördert und vom friesischen abgewandelt.

Die verschiedenen Mischdialekte werden von Sprachwissenschaftlern unterschiedlich beurteilt und teilweise den holländischen Dialekten zugeordnet, teilweise als eigene Gruppe behandelt.

Niedersächsisch[Bearbeiten]

In einigen Gebieten der Provinz Friesland werden traditionell niedersächsische Dialekte gesprochen. In den Stellingwerven ist das Stellingwerfs verbreitet. Die im Kollumerland verbreiteten Dialekte werden entweder dem Gronings zugeordnet oder mit den im angrenzenden Groningerland gesprochen Dialekten als Westerkwartiers zusammengefasst. Das fast ausgestorbene Kollumerpompsters gilt als zwar niedersächsischer, aber sehr stark friesisch beeinflusster Übergangsdialekt zum Friesischen.

Niederländisch[Bearbeiten]

Die niederländische Standardsprache hat in der Provinz wie in den gesamten Niederlanden offiziellen Status und wird auch durchgehend beherrscht. Für viele Menschen in der Provinz ist Niederländisch mittlerweile auch erste und Muttersprache. Traditionell wurde nur auf der Nordseeinsel Vlieland ein holländischer Dialekt gesprochen, der aber als ausgestorben gilt.

Sport[Bearbeiten]

Die friesische Bevölkerung hat auch im Sport eigene Traditionen, die gehegt und gepflegt werden.

Typisch friesische Sportarten sind:

  • fierljeppen (fier = weit, ljeppen = springen) = Stabweitsprung über einen Wassergraben; der Rekord liegt bei über 21 Meter; in Ostfriesland als Pultstockspringen bekannt
  • keatsen, niederl. kaatsen, ein von Dreier-Mannschaften gespielter Ballsport, der mit dem baskischen Pelota-Spiel verwandt ist und sonst nur noch in der Umgebung von Brüssel in Belgien getrieben wird. Höhepunkt der Saison ist das jährliche Turnier um den PC-Pokal in Frentsjer (Franeker);
  • die Elfstedentocht, fries. Âlvestêdetocht, der international bekannte Schlittschuh-Marathon (siehe auch: Eisschnelllauf)
  • das Skûtsjesilen, eine Segel-Regatta zwischen alten Segelfrachtschiffen auf den friesischen Seen.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Tourismus ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Friesland ist für Wassersportler ein beliebtes Ziel, vor allem der Seen wegen, die für viele Segler und andere Wassersportler einen Anreiz darstellen. Die kleinen aber schönen Städtchen sind ein weiterer Anziehungspunkt.

Landwirtschaft und Viehzucht[Bearbeiten]

Einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor bildet die Viehwirtschaft (Milch, Käse, Rindfleisch).

Friesland ist „Ursprungsheimat“ einer der ältesten Pferderassen der Welt, des so genannten Friesenpferdes, auch „Friese“ genannt.

Trivia[Bearbeiten]

Der Comedy-Kinofilm New Kids Nitro aus dem Jahr 2011 beschäftigt sich zu großen Teilen mit der Provinz Friesland.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikivoyage: Fryslân – Reiseführer

Belege[Bearbeiten]

  1. Eurostat Jahrbuch der Regionen 2009: Kapitel 4: Bruttoinlandsprodukt (PDF; 5,4 MB) und (XLS; 134 KB); ISSN 1830-9690 (Registrierung bei Eurostat ist erforderlich).