G8

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die seit dem 25. März 2014 bestehende Gruppe ohne Russland, siehe G7, weitere Bedeutungen sind unter G8 (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mitgliedstaaten der G8 und ihre Vertreter bei den Weltwirtschaftsgipfeln
Groupe des huit
Mitgliedstaaten der G8, der G8+5, der G15, der G20 und der G33
Weltkarte mit G-Ländern
DeutschlandDeutschland Deutschland – Angela Merkel
FrankreichFrankreich Frankreich  – François Hollande
ItalienItalien Italien – Matteo Renzi
JapanJapan Japan – Shinzō Abe
KanadaKanada Kanada – Stephen Harper
RusslandRussland Russland – Wladimir Wladimirowitsch Putin
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich – David Cameron
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten – Barack Obama
* Daten vom März 2014

Die G8 (Abkürzung für Gruppe der Acht) war bis zum 25. März 2014 ein Zusammenschluss einiger der größten Industrienationen der Welt. Im Zuge der Krimkrise und dem Verhalten Russlands hatten die führenden sieben Industrienationen beschlossen, Russland die Teilnehmerschaft zu entsagen und wieder die G7 (Gruppe der Sieben) zu führen.[1] Dieses „Abstimmungsforum“ dient dem Zweck, Fragen der Weltwirtschaft im Konsens zu erörtern. Dem Gremium gehörten die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada, Japan, Frankreich, Deutschland und Italien (G7) sowie Russland an. Die G8 ist aus der Gruppe der Sieben (G7; 1976–1998 und seit 2014) hervorgegangen, der Russland nicht angehört. Die Europäische Kommission hat einen Beobachterstatus.

Etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung leben in den G8-Ländern. Die G8-Länder repräsentieren jedoch in Kaufkraftparitäten gemessen etwa 50 Prozent und in tatsächlichen Preisen gemessen zwei Drittel des Welthandels und des Weltbruttonationaleinkommens (BNE).

Die G8 gilt nicht als internationale Organisation, sondern als internationales Netzwerk, welches zwar auch auf Normen und Regeln beruht, allerdings keine inhaltlichen oder substanziellen Vorschriften besitzt. Ihre Treffen sind informell, um in „entspannter Runde“ globale Themen und Probleme zu beraten. Den Vorsitz übernimmt jeweils ein Land für die Dauer eines Jahres. Auf dem jährlichen Weltwirtschaftsgipfel treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten und anderer Staaten. Kurz zuvor kommen die Außenminister der Staaten zusammen und erörtern speziell außenpolitische Themen. Daneben gibt es im Rahmen des G8-Prozesses ständige Konsultationen unter den Vollmitgliedern.

Entstehung und Aufgabenbereich[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Gruppe 1975 als Gruppe der Sechs (G6) im Rahmen eines Kamingespräches auf Schloss Rambouillet. An dem G6-Gipfel in Rambouillet vom 15. bis 17. November 1975 nahmen die Staats- und Regierungschefs von sechs Ländern teil: Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch Bundeskanzler Helmut Schmidt), Frankreich (mit Präsident Valéry Giscard d’Estaing als Gastgeber), Großbritannien, Italien, Japan und die Vereinigten Staaten. Die G6 selber wiederum ging auf die informelle „Gruppe der Fünf“ (G5) zurück. Diese war ein Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs der USA, Deutschlands, des Vereinigten Königreichs und Frankreichs ab 25. März 1973 – ab September 1973 mit Japan – in der Bibliothek des Weißen Hauses, weshalb diese Gruppe auch Library Group genannt wurde.[2][3] Die Globale-G8-Partnerschaft wurde als eine Initiative gegen Massenvernichtungswaffen von der G8 selbst ins Leben gerufen. Transnationale Probleme können „in der globalisierten Welt […] nur im Verbund mit anderen gelöst werden“, lautet die G8-Vorstellung der Bundesregierung.[4]

Zur Vorbereitung der jährlichen Gipfel wurden G8-Ministertreffen abgehalten, an denen auch ausgewählte internationale Experten teilnehmen.[5]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

In den Ländern der Gruppe der Acht lebten 2005 zwischen 13 Prozent und 14 Prozent der Weltbevölkerung, dort entstehen aber fast zwei Drittel des Welt-Bruttonationaleinkommens (BNE, in laufenden US-Dollar gerechnet, siehe World Development Report 2006 und 2007 der Weltbank). 1975 und 1976 waren die G6 bzw. die G7 die sechs bzw. sieben größten Volkswirtschaften der Welt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (siehe Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt) oder inzwischen am Bruttonationaleinkommen, in jeweiligen Wechselkursen und Preisen (in US-Dollar). Seit den 1990er Jahren ist dies nicht mehr der Fall. Inzwischen (Stand 2012) liegt das Bruttoinlandsprodukt von China, Indien und Brasilien, sowie in Kaufkraftparität von Mexiko und Südkorea über dem Bruttoinlandsprodukt des wirtschaftlich kleinsten G8-Mitgliedes, Kanada.[6]

2004 Bevölkerung Bruttonational-
einkommen
2005 Bevölkerung Bruttonational-
einkommen
Millionen Prozent Milliarden
US-Dollar
Prozent Millionen Prozent Milliarden
US-Dollar
Prozent
Welt 6429[7] 100,0 39.833,6 100,0 Welt 6506 100,0 44.983,3 100,0
Vereinigte Staaten 293,5 4,6 12.150,9 30,5 Vereinigte Staaten 297 4,6 12.969,6 28,8
Japan 127,8 2,0 4.749,9 11,9 Japan 128 2,0 4.988,2 11,1
Deutschland 82,6 1,3 2.498,0 6,2 Deutschland 82 1,3 3.045,0 6,5
Vereinigtes Königreich 59,4 0,9 2.016,4 5,1 Vereinigtes Königreich 60 0,9 2.263,7 5,0
Frankreich 60,0 0,9 1.858,7 4,7 Frankreich 61 0,9 2.177,7 4,8
Italien 57,6 0,9 1.503,6 3,8 Italien 57 0,9 1.724,9 3,8
Kanada 31,9 0,5 905,6 2,3 Kanada 32 0,5 1.051,9 2,3
Russland 142,8 2,3 487,3 1,2 Russland 143 2,2 639,1 1,4
G8 855,6 13,5 26.161,4 65,7 G8 860 13,3 28.667,4 63,7

Kritik, Proteste und Alternativen[Bearbeiten]

Kritisiert wurden die G8 (und auch die G7) unter anderem für ihre exklusive Zusammensetzung aus den hochentwickelten Ländern der Erde, welche die verschiedenen Regionen, Bevölkerungszahlen und Entwicklungsstadien der Staatenwelt nicht abbildet (Repräsentativitätsdefizit). Darüber hinaus wird die mangelnde Umsetzung beschlossener Programme und die Intransparenz der Entscheidungsfindung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Parlamente als problematisch angesehen (Legitimationsdefizit).[8]

Genauso wie die Gipfel der Welthandelsorganisation (WTO) wurden auch die G8-Gipfel immer wieder Ziel von Protesten der globalisierungskritischen Bewegung und anderen sozialen Bewegungen.

Großes Medienecho löste der Tod von Carlo Giuliani aus, der während der Proteste 2001 von einem Polizisten beim Angriff auf ein Polizeifahrzeug in Genua erschossen wurde. Auch sonst zeichnete sich dieser Gipfel durch zahlreiche gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen autonomen Gruppierungen und Polizisten im Umfeld der Demonstranten aus, was zu mehreren Gerichtsverfahren gegen Demonstranten und Polizisten führte. Mehrere zum Teil hochrangige Polizisten wurden wegen Körperverletzung und Folterung von Demonstranten angeklagt. Neben dem Prozess über die Übergriffe während der Stürmung der Diaz-Schule fand der Prozess über Folterung im Gefängnis Bolzaneto (siehe Bolzaneto-Prozess) große Aufmerksamkeit in den Medien (siehe dazu G8-Gipfel in Genua 2001).

Das Weltsozialforum sowie die kontinentalen und regionalen Sozialforen bieten Gegenveranstaltungen zu den Gipfeln der Welthandelsorganisation (WTO), dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos (Schweiz) und den jährlichen Weltwirtschaftsgipfeln der Regierungschefs der G8-Staaten. Die Foren sind offene Treffen, um direkte Einflussnahme und Diskussion von Ideen für zivile Personen und Gruppen zu ermöglichen. Inhaltlich richten sie sich gegen eine von Kapital oder jeglicher Form von Imperialismus dominierte Welt und machen sich für die Errichtung einer humanen Gesellschaft auf ihre Weise stark. Nach eigener Charta[9] wird zusammen nachgedacht, über verschiedene Ansichten debattiert, werden Vorschläge formuliert und Erfahrungen frei ausgetauscht, ohne jedoch ihren Vorschlägen durch direkte Handlungsmacht, wie etwa Staatsregierungen sie haben, zur Durchführung verhelfen zu können.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sieglinde Gstöhl: Governance Through Government Networks. The G8 and International Organizations. In: Review of International Organizations. Boston 2.2007, S.1–37. ISSN 1559-7431

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikinews: Portal:G8 – in den Nachrichten
 Commons: G8 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.n-tv.de/politik/Industriemaechte-verbannen-Russland-aus-G8-article12525816.html N-TV: Industriemächte verbannen Russland aus der G8
  2.  Stephany Griffith-Jones, Amar Bhattacharya (Hrsg.): Developing Countries and the Global Financial System. Commonwealth Secretariat, ISBN 0-85092-675-0, S. 154 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3.  Peter I. Hajnal: The G8 System and the G20. Evolution, Role and Documentation. Ashgate Publishing, 2007, ISBN 978-0-7546-4550-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Was ist die G8? Die G8 als informelles Forum
  5. G8 strebt World Governance an. Auf Telepolis, 28. Mai 2009.
  6. Vgl. [Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt]
  7. http://pdwb.de/nd02.htm
  8. Susanne Vogt: Ein der Ausgestaltung harrender, progressiver Stilgedanke – Weltordnungspolitik zwischen G-8 und G-20. KAS Auslandsinformation, Mai 2010, S. 7-25.
  9. Charta der Prinzipien des Weltsozialforums auf Wikisource