Geestemünde

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53.5363888888898.6005555555556Koordinaten: 53° 32′ 11″ N, 8° 36′ 2″ O

Geestemünde
Fläche: 11,09 km²
Einwohner: 32.335 (30. Sep. 2009)
Postleitzahlen: 27570, 27574
Vorwahl: 0471
Weddewarden Lehe Leherheide Mitte Fischereihafen (Bremerhaven) Wulsdorf Geestemünde Surheide Schiffdorferdamm Land Niedersachsen Weser Nordsee Stadtbremisches ÜberseehafengebietKarte
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Lage von Geestemünde in Bremerhaven

Luftaufnahme von Geestemünde 2012
Fähranleger an der Geestemündung im ältesten Teil von Geestemünde

Geestemünde ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Süd der Stadtgemeinde Bremerhaven im deutschen Bundesland Freie Hansestadt Bremen.

Geographie[Bearbeiten]

Geestemünde liegt an der Mündung des namensgebenden Flusses Geeste in die Weser, unweit deren Mündung in die Nordsee. Der zentral gelegene Stadtteil grenzt im Norden an die Stadtteile Mitte und Lehe. Im Osten befindet sich Schiffdorferdamm, im Südosten Surheide und im Süden Wulsdorf und der Fischereihafen.

Der Stadtteil ist in die Ortsteile Geestemünde-Nord, Geestendorf, Geestemünde-Süd, Bürgerpark und Grünhöfe gegliedert. Die Gesamtfläche beträgt 11,09 km² und die Einwohnerzahl 32850, was 2962 Einwohner pro Quadratkilometer entspricht.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Geestendorf[Bearbeiten]

1139 wurde im Verzeichnis des Ritters Trutbert das Kirchdorf Gestenthorpe und andere Siedlungen erwähnt. 1614 erneute Erwähnung, als Geestendorf gegenüber Lehe Rechte an der Geeste und Weser geltend machte.

Geestendorf gehörte früher zum Vieland, einem Amts- und Gerichtsbezirk, dem auch Bramel, Schiffdorf und Wulsdorf angehörten. Später bestand eine Zugehörigkeit zum Amt Stotel-Vieland, während der Bremer Franzosenzeit zur Kommune Wulsdorf sowie später zum Amt Lehe und dann zum Kreis Geestemünde.

Das Gebiet mit dem Dorf war im Mittelalter weltlicher Besitz des Bistums Bremen, als es ab dem 11. Jahrhundert den Erzbischöfen von Bremen gelang, ein von ihnen beherrschtes Territorium um Bremen zu schaffen.

Eine Kirche soll 1139 erstmals genannt worden sein. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ist eine kleine Marienkapelle als Filiale von Wulsdorf von den Bauern errichtet worden. 1420 wird eine Capella in Gesztendorppe erwähnt, die 1436 als Ruine bezeichnet wird und danach als einschiffige Marienkirche errichtet und 1872/75 umgebaut wurde.

Der Feldherr Tilly baute 1628 im Dreißigjährigen Krieg eine Befestigung am Standort der Geestendorfer Schanze an der Geestemündung. Der bremische Erzbischof Friedrich, später König von Dänemark und Norwegen, legte 1639 eine zweite Befestigung in Geestendorf an.

1648 kam auf Grund des Westfälischen Friedens das Erzbistum Bremen - und so auch Geestendorf - unter schwedische Hoheit als Teil des schwedischen Herzogtums Bremen.

1712 gelangte Geestendorf mit dem Herzogtum Bremen an Dänemark und wurde 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verkauft. Geestendorf teilte fortan die Geschichte des Landes Hannover und ab 1866 der preußischen Provinz Hannover.

1728 stritten sich Geestendorf und Lehe um Fährrechte. 1751 wurde dann eine Geestebrücke, die spätere Franzosenbrücke gebaut. 1774 gab es wiederum Streit um die Gerichtsbarkeit bei der Geestebrücke, die durch Gerichtsentscheid zu Lehe kam.
1834 gründete Rickmer Clasen Rickmers in Geestemünde die Rickmers Werft 1852 entstand der Neubau für die Kirchschule bei der Marienkirche, später als Marienschule bezeichnet. 1858 bildete sich die Freiwillige Feuerwehr Geestendorf.
1860 wurde die Schiffdorfer Chaussee ausgebaut.
1861 gründete sich der Männerturnverein Geestendorf und schloss sich 1866 mit dem Turnverein Geestemünde zusammen. 1863 begann die Paschschule als zweite Volksschule mit dem Unterricht in der Schillerstraße 14.

Die Einwohnerzahl belief sich 1813 auf 491, stieg 1850 auf 1071 und 1885, kurz vor Vereinigung mit Geestemünde, auf 9404 Einwohner.

Der Gemeindevorsteher von Geestendorf Carl August Lenthe reichte 1886 beim preußischen Oberpräsidenten der Provinz Hannover ein Gesuch ein zur Vermeidung von „Partikularinteressen“ Geestendorf und Geestemünde zu vereinigen. Er sprach sich für eine Vereinigung aller heutigen Bremerhavener Stadtteile aus. Durch ein Gesetz von 1888 wurden die beiden Gemeinden Geestemünde und Geestendorf am 1. April 1889 zu Geestemünde vereinigt.[2] Die Zollschranken fielen zwischen Geestemünde, Lehe und Bremerhaven.

Geestemünde[Bearbeiten]

Wappen von Geestemünde

Aufschwung durch den Hafenbau 1844[Bearbeiten]

1827 erwarb die Freie Hansestadt Bremen ein Gelände nördlich der Geestemündung und legte dort einen Seehafen und die Stadt Bremerhaven an.

Das Königreich Hannover hatte bis dahin eigene Hafenbaupläne in Lehe abgelehnt und nur halbherzig einige Anlegestellen in der Geeste bauen lassen. Dies änderte sich 1844 mit der Genehmigung von Plänen des Baurats Oppermann für einen Hafenbau, der eine Konkurrenz für Bremerhaven werden sollte. Damit begann 1845 der Aufstieg Geestemündes mit dem Hafenbau am südlichen Ufer der Geeste, verbunden mit einer Baulandausweisung auf dem Gebiet der Geestendorfer Nurthe. Der neu entstandene Hafenort bekam 1847 den Namen Geestemünde und wurde Freihafen.

1848 wohnen nur 59 Bürger im Ort und die 15 Häuser beherbergten vorwiegend Schankwirtschaften. 1852 war dann schon eine erste Volksschule in angemieteten Räumen erforderlich. 1853 nimmt die Werft Joh. C. Tecklenborg am linken Geesteufer den Betrieb auf. Ein Hauptzollamt entstand 1854 an der Chaussee zwischen Geestendorf und Lehe. 1855 wurden von der Tecklenborgwerft und der Geestemünder Dockcompanie Docks erstellt. 1856 wurde die Geesthelle von Lehe nach Geestemünde umgemeindet und die Rickmerswerft eröffnet 1857 hier ihren Betrieb.

Von 1857 bis 1874 (1. Erweiterung bis 1863, Petroleumhafenerweiterung 1874, heute überbaut) erhielt Geestemünde den Handelshafen mit Haupt- und Querkanal sowie der 23 Meter breiten Kammerschleuse. Das Hafenbecken war 550 Meter lang, 100 Meter breit und 7 Meter tief. 1861 wurde die noch bestehende Drehbrücke über den Geestemünder Hauptkanal (Borriesstraße/Klußmannstraße) fertiggestellt.[3][4] 1862 erschloss die Geestebahn den Hafen, als Umschlagplatz für Holz, Reis und Petroleum. 1866 fuhren 466 Schiffe in den Hafen.

1858 wurde die Geestemünder-Geestendorfer Sparcasse - Vorläufer der Städtischen Sparkasse Bremerhaven - und 1859 die Rickmers-Rhederei gegründet. 1860 erfolgte der Ausbau der Georgstraße, der Friedhof an der Feldstraße entstand, 1863 die Wasserleitung und 1864 die erste Straßenbeleuchtung in der Borrisstraße.

Schulen: 1858 gründete Frau Backhaus eine private Mädchenschule an der Ecke Köper- und Marktstraße (heute Verdenerstraße) in einem Wohnhaus, die ab 1870 Herr Ordemann und ab 1880 Frau Ordemann leitete. 1898 wurde daraus das städtische Lyzeum mit 90 Schülerinnen. In der Schulstraße entsteht 1864 eine Schule, ab 1889 Altgeestemünder Volksschule, mit zunächst sechs Klassen. 1911 zieht die Mädchenschule in das Gebäude ein.

1864 wird die Provinzialzeitung in Geestemünde statt in Lehe herausgegeben. 1865 erhielt Geestemünde ein Amtsgericht, der Neubau war 1870 fertig.

Handelshafen mit alter Schleuse
Drehbrücke über den Hauptkanal

Geestemünde wird preußisch 1866[Bearbeiten]

Ab 1866 war Geestemünde nach dem Deutschen Krieg Teil der preußischen Provinz Hannover. 1871 gründete sich die Geestemünder Bank. 1877 eröffnete der neue Holzhafen. Das Gaswerk an der Schulstraße nahm 1879 den Betrieb auf. 1883 entstand das Wasserwerk an der Wulsdorfer Chaussee.

1879 nahm die neue preußische Navigationsschule auf der Deichkrone bei der Einfahrt zum Handelshafen unter Leitung von Kapitän Jungclaus in Geestemünde ihren Unterricht auf. 1916 wurde sie Seefahrtschule benannt. 1944 brannte das Gebäude ab. 1952 konnte ein neues Gebäude am selben Standort eingeweiht werden. Daraus entwickelte sich 1975 die Hochschule Bremerhaven.

Schiffbau: Geestemünde wurde zusammen mit Bremerhaven um diese Zeit ein wichtiger Werftenstandort in Deutschland. 1836 lief das erste Schiff der Rickmers Werft an der Geeste vom Stapel. Die Schau & Oltmanns bestand von 1852 bis 1891 und kam dann zu Seebeck, Georg Seebeck baut in seiner Seebeck-Werft seit 1879 Schiffe und Joh. C. Tecklenborg war schon seit 1855 mit dem König-Georg-Dock in Geestemünde tätig. Drei von sieben Fünfmastern aus dieser Zeit stammen aus Geestemünde: Die Maria Rickmers (1891 das größte Segelschiff der Welt), die Potosi (4025 BRT) und die Preußen. Seit 1885 förderte das Deutsche Reich den Schiffbau. 1885 fährt der erste Tanksegler, die Andromeda von der Tecklenborg-Werft nach New York. 1886 baute Seebeck am Querkanal seine Schiffe und 1910 konnte er am ehemaligen Petroleumhafen seine Werft ausbauen, die nun 1000 Mann beschäftigte. Die Großwerft (seit 1988 Schichau Seebeck Werft - SSW) bestand bis 2009.

Seit 1884 verkehrte eine Weserfähre zwischen Geestemünde und Blexen. 1911 übernahm die Weserschifffahrtsgesellschaft mit den Fähren Preußen und Oldenburg den Betrieb.

1885 wurde nach der neuen preußischen Kreisordnung die Verwaltung durch Landdroste abgeschafft. Aus der Landdrostei Stade entstand der Regierungsbezirk Stade mit vierzehn neuen Kreisen. Geestemünde wurde Verwaltungssitz des neuen Kreises Geestemünde mit dem südlich der Geeste gelegenen Teil vom Amt Lehe. Landrat Brandt trat an die Spitze des Kreises.

Schulen: Das Progymnasium wurde zur Realschule (ab 1889 in der Schulstraße 7) und es führte als erste Schule Englisch als Anfangsfremdsprache in Deutschland ein. 1904 wurde daraus ein Reformrealgymnasium. 1908 zog die spätere Wilhelm-Raabe-Schule in ein den Neubau am Hohenzollernring (heute Friedrich-Ebert-Straße). Im Schulgebäude Schulstraße zog die Knaben-Volksschule ein.

Geestendorf und Geestemünde vereinigt 1889[Bearbeiten]

Vereinigung: Auf Initiative des Gemeindevorstehers von Geestendorf Carl August Lenthe von 1886 beim Oberpräsidenten der Provinz Hannover entstand 1888 ein Gesetz, wonach am 1. April 1889 die beiden Gemeinden Geestemünde und Geestendorf zu Geestemünde vereinigt wurden, das 15.426 Einwohner hat. Hermann Bleßmann war von 1889 bis 1899 der erste Bürgermeister. Die Zollschranken fielen zwischen Geestemünde, Lehe und Bremerhaven.

Die gemeinsame Gemeindeverwaltung verblieb zunächst in einem Gebäude in der Georgstraße Nr. 77 (bis 1860 Bremer Landstraße), in dem die Verwaltung für Geestemünde schon seit 1878 residierte. Bis 1944 waren hier Teile der Gemeindeverwaltung untergebracht. Von 1890 bis 1894 erfolgte der Neubau des dreigeschossigen, rotsteinsichtigen Rathauses nach Plänen von Hubert Stier in der damaligen Bahnhofsallee (heute: Klußmannstraße) im Stil der Neorenaissance. Ein historisierender, fünfgeschossiger Turm prägte das Erscheinungsbild des Rathauses, das 1944 zerbombt wurde. Neben dem Rathaus entstand bis 1898 das vom Postbaurat Schäffer entworfene Reichspostamt Geestemünde. 1933 wurde ein neues Postamt neben dem neuen Hauptbahnhof gebaut und die Stadt Wesermünde kaufte für seine Verwaltung das Gebäude an der Klußmannstraße, in dem u.a. heute die Polizei untergebracht ist.

Von 1852 bis 1885 gehörte die Landgemeinde noch zum Amt Lehe. Nach der Neueinteilung in Kreise wurde Geestemünde 1885 schließlich Verwaltungssitz des Kreises Geestemünde mit dem Kreishaus an der Borriessraße; bis 1977 war hier der Verwaltungssitz des späteren Landkreises Wesermünde.

1867 wurde die Handelskammer zu Geestemünde für die preußische Region gegründet.

Fischfang: Die Sagitta war der erste deutsche Hochseefischdampfer, die 1885 vom Fischgroßhändler und Reeder Friedrich Busse auf Fangreise geschickt wurde und 1901 unter ging. Die moderne Hochseefischerei begann und weitere Schiffe folgten. Schon 1888 fand die erste Fischauktion in Geestemünde statt. Von 1891 bis 1896 erfolgte schließlich der Bau des Fischereihafens I. 1891 fischten die ersten Fischdampfer vor Island. 1894 gingen sechs Fischdampfer mit 61 Seemännern im Sturm verloren und 1903 versanken sieben Dampfer mit 65 Mann Besatzung. 1896 wurde die Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft „Nordsee“ von einer Gruppe Bremer Reeder und Kaufleute unter Führung des Reeders Adolf Vinnen gegründet. In der Fischhalle I werden seit 1896 die großen Fischauktionen durchgeführt. Seit 1897 fahren Fischsonderzüge nach Berlin. 1901 konnten 21.500 Tonnen Fisch angelandet werden. Seit 1908 wurden die Fische nicht mehr durch die Besatzung sondern durch die Fischereihafen-Betriebsgenossenschaft (FBG) gelöscht. 1909 entstand die Erste Deutsche Stock- und Klippfischwerke GmbH, die ihre Stock- und Klippfische ausschließlich exportierte. 1913 waren in Geestemünde 93 Fischdampfer zu Hause und 1924 waren es 155. 1916 bestanden 60 Fischgroßhandlungen, zwölf Marinierbetriebe, vier Fischmehlfabriken, drei Eisfabriken und eine Räucherei. 1923 erhielt als erster Trawler die Wilhelm Reinhold eine Radioempfangsanlage. 1925 konnte die Erweiterung des Fischhafens mit einer neuen Doppelschleuse und dem Seedeich abgeschlossen werden.

Petroleum: Wilhelm Anton Riedemann, Pionier der Tankschifffahrt, ließ 1885 seinen ersten Tanksegler, die Andromeda bauen. 1890 gründeten er und die Bremer Ölkaufleute Franz Ernst Schütte und Carl Schütte sowie die Standard Oil Company (USA) die Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft, die spätere Esso AG. Schütte und Riedemann gründen zudem die größte Fassfabrik Deutschlands in Geestemünde.

1890 gründete sich die freiwillige Turner-Feuerwehr. Seit 1891 wurde der Wasserturm auf dem Neumarkt betrieben. Das Wasser kam vom Wasserwerk Bexhövede. Seit 1896 fährt die Bahn nach Cuxhaven und Bederkesa und seit 1899 nach Bremervörde.

Schulen: 1898 wurde aus der privaten höheren Mädchenschule von 1858 von Backhaus und Ordemann an der Ecke Köper-/ Marktstraße (heute Verdener Straße) die erste Städtische Höhere Mädchenschule, die 1903 einen Neubau in der Bahnhofsallee (heute Klußmannstraße) bezog. 1899 wurde die Handelsschule von der Handelskammer eingerichtet und die Königlich Preußische Seemaschinistenschule in der Bülowstraße Nr. 5. 1901 wurde die Allmersschule bezogen.

1900 entstand die genossenschaftliche Molkerei in der Mühlenstraße (heute An der Mühle). 1902 wurde ein Elektrizitätswerk an der Leher Chaussee (heute Rheinstraße) gebaut. Das Morgensternmuseum siedelte sich 1902 in Geestemünde am Hohenzollernring (heute Friedrich-Ebert-Straße) an und vergrößerte sich 1909 im Neubau der Handelskammer. Die Handelsbank gründete sich 1904 und auch der Geestemünder Sportclub (GSC). Seit 1905 stand das Krankenhaus an der Hartwigstraße. 2965 Schiffe laufen 2005 den Geestemünder Hafen an und löschen 635.744 Tonnen Ware. Von 1907 bis 1908 wurde durch den Waldverein von 1899 der Bürgerpark nach Plänen von Gartenarchitekt Hoff angelegt. 1908 wurde das Geestemünder Schauspielhaus an der Ecke Georg-/Keilstraße (heute Grashoffstraße) gegründet. Hier war später das Kino Metropol. Die SPD gründete 1908 einen Ortsverein. Ein Schlachthof entstand 1910 an der Wiesenstraße, der 1921 aufgegeben wurde. 1911 wurde die katholische, neugotische Herz-Jesu-Kirche zwischen Bucht- und Grashoffstraße geweiht. Die Weserschiffahrtsgesellschaft, seit 1921 Weserfähre GmbH Geestemünde, nahm 1911 den Fährverkehr mit der Preußen (1911) und der Oldenburg nach Blexen auf.

Kreisfreie Stadt 1913[Bearbeiten]

1912 wurde durch Hannover eine städtische Verfassung genehmigt und 1913 erhält Geestemünde das Stadtrecht und wurde eine kreisfreie Stadt.

1914 kann der Bahnhof in Geestemünde - der spätere Hauptbahnhof Bremerhaven eröffnet werden. Seit 1917 bestand die Badeanstalt am Fischereihafen. 1919 gründete sich das Institut für Seefischerei als Vorläufer des Alfred-Wegener-Instituts. Die Volksbücherei wurde 1919 eingerichtet. Geestemünde tritt die nördlichen Gebiete an der Geeste (Geesteschlinge) an Lehe ab. Seit 1921 entstand die Berufsfeuerwehr.

Für den Bau des Fischereihafens II, der von 1921 bis 1925 erfolgte, wurde 1920 Wulsdorf mit 4930 Einwohnern und 1333 Hektar Fläche eingemeindet. Außerdem wurden zu dieser Zeit auch Flächen auf der Luneplate vorgehalten. In Geestemünde und Wulsdorf befand sich Deutschlands wichtigster Fischereihafen, der jedoch heute einen eigenen Stadtteil darstellt. Der größte Arbeitgeber, die Seebeck-Werft beschäftigte 1921 rund 2200 Leute und 370 Schiffe waren seit 1879 vom Stapel gegangen. Die Berufsfeuerwehr wurde 1921 eingeführt.

Stadtteil von Wesermünde 1924[Bearbeiten]

Humboldtschule von 1930

1924 verlor Geestemünde die Selbstständigkeit und ging zusammen mit Lehe in der neuen Stadt Wesermünde auf.

1925 wurde die neue Mole an der Geeste mit dem Leuchtfeuer Geeste-Südufer als grüne Gitterbake fertig. 1927 nahm die Kreissparkasse Geestemünde (heute Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln) in einem Neubau an der Borriesstraße27/29 den Betrieb auf.

1926 fusionierte die Tecklenborg-Werft mit der AG Weser zur Deutsche Schiff- und Maschinenbau AG mit Sitz Bremen. Nach Übernahme weiterer Schiffbaubetriebe durch den Deschimag-Konzern legte dieser Ende 1928 die Geestemünder Werft still. Die Mehrzahl der 2300 Beschäftigten verlor ihre Arbeit, obwohl die ebenfalls zur Deschimag gehörende aufstrebende Seebeckwerft viele Werftarbeiter übernehmen konnte. Jedoch mussten die von Tecklenborg abhängigen Handwerksbetriebe wie Schiffszimmerer, Schlossereien, Schmieden usw. ihren Betrieb einstellen. Auf dem ehemaligen Werftgelände entstand ab 1935 die Marineschule und die Marinegarnison zog in Geestemünde ein, die nach dem Wiederaufbau der Bundesmarine weiterhin als Technische Marineschule 2 genutzt wurde.

1930 kann die Humboldtschule an der Schillerstraße eingeweiht werden. 1932 wurde der Zollanschluss für die Geestemünder Häfen aufgehoben. Der Kleingartenverein Geestemünde-Süd entstand 1932. Das Hauptpostamt am Hauptbahnhof wurde 1933 fertiggestellt. Nach langem Planungsvorlauf wurde ein erster Teil einer neuen Verbindungsstraße von Geestemünde nach Lehe von 1938/39 im Verlauf der Straße der Freiheit (heute Stresemannstraße) als Reichsstraße 6 gebaut werden.

1938 wurde während der Novemberpogrome die Synagoge in der Schulstraße 5 durch die SA vernichtet und das Kaufhaus Schocken (früher Kaufhaus S. Hirsch) an der Georgstraße beschädigt. 1939 eignet sich die Gestapo das ehemalige sozialdemokratische Zeitungshaus der Norddeutschen Volksstimme, Ecke Elbestraße/Hohenzollern Ring (heute Friedrich-Ebert-Straße), an. 1941 wurden vom Hauptbahnhof die Juden aus Wesermünde in die Konzentrationslager deportiert.

Im Zweiten Weltkrieg führten 52 Luftangriffe auf Wesermünde und das zu Bremen gehörende Überseehafengebiet Bremerhaven[5] zur Vernichtung von 75 % aller Gebäude in Geestemünde. Stadtgebiet und Hafen von Wesermünde wurden allein im Juni 1944 dreimal zum Ziel von Bombern der USAAF. Der schwerste Angriff der britischen Royal Air Force erfolgte in den Abendstunden des 18. September 1944; dabei wurde Wesermünde-Mitte, das alte (bis 1939) Bremerhaven, zu 97 Prozent zerstört.

Stadtteil von Bremerhaven 1947[Bearbeiten]

1947 wurde die Stadt Wesermünde und damit auch Geestemünde zusammen mit Bremerhaven zum Land Bremen zusammengefasst.[6] Der Stadtteil Geestemünde hatte nun die Ortsteile Geestemünde-Nord, Geestemünde-Süd, Geestendorf und Bürgerpark.

Das frühere Reformgymnasium bzw. Progymnasium an der Friedrich-Ebert-Straße 10, seit 1937 Oberschule, wurde 1950 zur Wilhelm-Raabe-Schule mit den Zweigen A Hauptschule, B Mittelschule und D Gymnasium. Die Schule konnte nun auch von Mädchen besucht werden.

Ab 1950 strahlte der Sendemast im Bürgerpark die Programme von Radio Bremen aus. Auch wurde das Arbeitsamt an der Friedrich-Ebert-Straße bezogen.

Ab 1949 entstanden die Wohnsiedlung Am Bürgerpark. 1000 Stunden musste jeder Hauseigentümer als Eigenleistungen erbringen. 282 Eigenheime entstanden unter schwierigsten Bedingungen. Eine Siedlergemeinschaft Am Bürgerpark wurde gegründet. In der Weihnachtssturmflut 1954 wurde die Geesteniederung überschwemmt und am Deich der Siedlung stieg das Wasser bis zur Kappe. Die Siedler sicherten erfolgreich die Deiche.

1954 begann der Bau des Wohnungsviertels Grünhöfe durch die GEWOG der Neuen Heimat. Es entstanden 2136 Wohnungen und 1957 die Wilhelm-Busch-Schule 1959/1961 die Fritz-Reuter-Schule sowie 1961 das Freibad.

Auch die Gorch-Fock-Schule bezog 1954 ihre Räume an der Klußmannstraße.

1956 wurden Einheiten der Marineschule an der Elbestraße stationiert.
1962 eröffnete das DRK-Krankenhaus am Bürgerpark den Betrieb.

Wulsdorf[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wulsdorf

1920 wurde Wulsdorf in Geestemünde eingemeindet und 1924 Stadtteil von Wesermünde.

Fischereihafen[Bearbeiten]

1971 wurde der Fischereihafen bei der Neueinteilung von Bremerhaven ein Stadtteil.

Gemeindevorsteher, Bürgermeister[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Orts-/Stadtteil 1813 1850 1858 1885 1905 1924
Alt Geestemünde 59 1.818 4.796
Geestendorf 491 1.071 9.404
Summe 491 1.130 14.200 16.621 23.000

Stadtteil Geestemünde

  • 1995 mit 38.599 Einwohner,
  • 1999 mit 35.592 Einwohner,
  • 2009 mit 32.335 Einwohner.

Politik[Bearbeiten]

Alle Bürger - auch Initiativen, Gruppen und Vereine, Schulen, Kindergärten, Kirchgemeinde und anderer Einrichtungen - können in der öffentlichen Stadtteilkonferenz Geestemünde (STK) oder der Stadtteilkonferenz Grünhöfe an der Gestaltung des Stadtteils Geestemünde oder des Ortsteils Grünhöfe mitwirken, und diese durch ihre Sprecher gegenüber dem Magistrat der Seestadt Bremerhaven und der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung vertreten. Die erste Stadtteilkonferenz fand in Grünhöfe am 8. September 1993 und für Geestemünde 1999 statt.

Sehenswürdigkeiten und Kultureinrichtungen[Bearbeiten]

Historisches Museum
Wasserturm am Neumarkt

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

Förderschulen[Bearbeiten]

  • Fritz-Reuter-Schule
  • Georg-Büchner-Schule I

Grundschulen[Bearbeiten]

  • Allmersschule
  • Fritz-Reuter-Schule
  • Gorch-Fock-Schule

Oberschulen[Bearbeiten]

Gymnasium, Sekundarstufe II[Bearbeiten]

  • Schulzentrum Carl von Ossietzky
  • Gymnasium Wesermünde (Niedersachsen)
  • Schulzentrum Geschwister Scholl

Berufliche Schulen[Bearbeiten]

  • Schulzentrum Carl-von-Ossietzky -
    • Gewerbliche Lehranstalten (GLA)
    • Beruflichen Schule für Dienstleistung, Gewerbe und Gestaltung (BS DGG)
    • Fachoberschule Technik an der BS DGG

Sport[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sport in Bremen

Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Bad 2, Schillerstraße 144
  • BSCG-Sportplatz, Marschbrookweg 147
  • ESV-Sportplatz, Georg-Büchner-Straße 17
  • Freibad Grünhöfe, Marschbrookweg 101
  • GSC-Sportplatz, Adolf-Hoff-Weg 10
  • GTV-Sportplatz, In den Nedderwiesen 2

Vereine[Bearbeiten]

  • Angelsportverein Unterweser
  • Badminton Club Geestemünde
  • Bremerhavener Ruderverein von 1889
  • Bremerhavener Tennisverein von 1905
  • Eis- u. Rollsport Club Bremerhaven
  • Eisenbahn Sportverein Bremerhaven von 1928 (ESV)
  • Freie Turnerschaft Geestemünde von 1928 (FT Geestemünde)
  • Geestemünder Schützenverein
  • Geestemünder Sport-Club von 1902 (GSC)
  • Geestemünder Turnverein von 1862 (GTV)
  • Schützenklub Geestemünde von 1906
  • Schützenverein Gelb-Blau Bremerhaven
  • Weser-Boxring Bremerhaven


Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bremerhaven#Wirtschaft

Verkehr[Bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten]

Der Bremerhavener Hauptbahnhof befindet sich in Geestemünde, so dass eine Anbindung in Richtung Cuxhaven (Nordseebahn), Hamburg und Bremen besteht.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Am Hauptbahnhof ist der zentrale Umsteigepunkt zwischen den einzelnen Linien der BremerhavenBus und den Regionalbuslinien aus dem Umland, die alle mit dem Gemeinschaftstarif des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen genutzt werden können. Bis 1982 verkehrte außerdem noch eine Straßenbahnlinie über die Innenstadt und Lehe bis zur Stadtgrenze Langen, die früher auch weiter nach Wulsdorf und in den Fischereihafen fuhr.

Individualverkehr[Bearbeiten]

Mit dem Auto ist Geestemünde über die Bundesstraße 6 (die außer im Abschnitt B 212 - A 27 ansonsten aufgehoben wurde), die Bundesstraße 212 und die Bundesautobahn 27 (Anschlussstelle Geestemünde) zu erreichen. Die Hauptdurchfahrtsstraße des Stadtteils ist die Georgstraße.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

alphabetisch geordnet

  • Adolf Bacmeister (* 15. Juli 1882; † 7. Dezember 1945 in St. Blasien), Chefarzt der Lungenfachklinik St. Blasien und Flottenarzt der Reserve
  • Georg Albert Bacmeister (* 5. Oktober 1880 in Geestemünde; † 9. Oktober 1918 in Labiau), Landrat der Landkreise Usingen und Labiau
  • Hermann Bleßmann, von 1889 bis 1899 erster Bürgermeister des vereinigten Geestemündes
  • Minni Boh (* 11. Juli 1858 in Geestemünde; † 6. April 1918 in Pillnitz bei Dresden), Schriftstellerin
  • Anna Ditzen (* 12. März 1901 in Geestemünde; † 8. August 1990 in Feldberg), Ehefrau von Hans Fallada
  • Olav Hanssen (1. Oktober 1915 in Geestemünde; † 7. Februar 2005 in Goslar), lutherischer Theologe, Pädagoge und Autor
  • Carl Heiligenstadt (* 8. Oktober 1860 in Geestemünde; † 5. Juni 1920), Bankdirektor und Reichstagsabgeordneter
  • Carola Höhn (* 30. Januar 1910 in Geestemünde; † 8. November 2005 in München), Bühnen- und Filmschauspielerin
  • Carl August Lenthe, von 1877 bis 1889 letzter Gemeindevorsteher von Geestendorf
  • Christian Ludwig (1824–1893 oder 1894), von 1868 bis 1880 Gemeindevorsteher von Geestemünde
  • Axel Monjé (* 6. Juni 1910 in Geestemünde; † 18. August 1962 in Berlin), Schauspieler und Synchronsprecher
  • Johannes Piersig (* 24. November 1907 in Geestemünde; † 26. April 1998 in Wedel (Schleswig-Holstein)), deutscher Kantor, Dozent und Rektor der Universität Hamburg.
  • Carl Rodenburg (* 17. Mai 1894 in Geestemünde; † 5. Nov. 1992), deutscher Offizier und Generalleutnant der Wehrmacht
  • Gerda Marie Scheidl (* 7. Juni 1913 in Geestemünde; † 16. Februar 2005 in Salzhemmendorf), deutsche Schriftstellerin

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Bremen: Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung, Stadtteil Geestemünde
  2. Harry Gabcke, Renate Gabcke, Herbert Körtge, Manfred Ernst: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten; Band I von 1827 bis 1918, S. 140. Nordwestdeutsche Verlagsgesellschaft, Bremerhaven 1989/1991, ISBN 3-927857-00-9.
  3. Statistisches Landesamt Bremen: Bremen in Zahlen 2004
  4. Stadt Bremerhaven: Stadtgeschichte Bremerhavens
  5. Polizei Bremen (Kampfmittelräumdienst) (PDF; 878 kB)
  6. Proklamation zur Gründung des Landes Bremen 1947

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geestemünde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien