Gefell

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gefell (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gefell
Gefell
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gefell hervorgehoben
50.43333333333311.85550Koordinaten: 50° 26′ N, 11° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Orla-Kreis
Höhe: 550 m ü. NHN
Fläche: 45,21 km²
Einwohner: 2566 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07926
Vorwahl: 036649
Kfz-Kennzeichen: SOK, LBS, PN, SCZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 75 131
Stadtgliederung: Kernstadt; 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 11
07926 Gefell
Webpräsenz: www.stadt-gefell.de
Bürgermeister: Marcel Zapf[2]
Lage der Stadt Gefell im Saale-Orla-Kreis
Bad Lobenstein Birkenhügel Blankenberg Blankenstein Bodelwitz Bucha Burgk Dittersdorf Crispendorf Dittersdorf Dittersdorf Döbritz Dreba Dreitzsch Eßbach Gefell Geroda Keila Görkwitz Göschitz Gössitz Grobengereuth Harra Hirschberg (Saale) Gertewitz Kirschkau Knau Kospoda Krölpa Langenorla Lausnitz Lemnitz Linda bei Neustadt an der Orla Löhma Miesitz Mittelpöllnitz Moßbach Moxa Neundorf (bei Lobenstein) Neundorf (bei Schleiz) Neustadt an der Orla Neustadt an der Orla Nimritz Oberoppurg Oettersdorf Oppurg Paska Peuschen Plothen Pörmitz Pößneck Pottiga Quaschwitz Ranis Remptendorf Rosendorf Saalburg-Ebersdorf Schlegel Schleiz Schmieritz Schmorda Schöndorf Seisla Solkwitz Stanau Tanna Tegau Tömmelsdorf Triptis Volkmannsdorf Weira Wernburg Wilhelmsdorf (Saale) Wurzbach Ziegenrück ThüringenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Gefell

Gefell ist eine Landstadt im thüringischen Saale-Orla-Kreis im thüringischen Vogtland.

Geografie[Bearbeiten]

Das Gebiet um Gefell liegt im Südostthüringischen Schiefergebirge. Die Böden sind vorwiegend aus quarzistisch gebändertem Tonschiefer und Quarzsandsteinen hervorgegangen.[3]

Quellmulden sowie schmale Tallagen der Bäche sind typische Grünlandstandorte. Ackerbau ist auf plateauartigen Geländerücken, welligen Ebenen und Flachhängen begünstigt. Auf sonstigen Lagen überwiegt die forstliche Nutzung. Durch das Stadtgebiet fließen einige kleine Bäche, darunter der Ehrlichbach, welcher die Altstadt Gefells durchfließt, der Tannbach bildet im Südosten die Grenze zu Bayern.

Stadtgliederung und Eingemeindungen[Bearbeiten]

In Klammern: Datum der urkundlichen Ersterwähnung des Ortes.[4]

Am 1. Januar 1997 wurden Blintendorf (20. März 1327), Dobareuth (1246), Frössen (21. Oktober 1331), Gebersreuth (18. März 1363) mit seinen Ortsteilen (Haidefeld (1797), Straßenreuth (1783) und Mödlareuth (19. Februar 1289)) sowie Göttengrün (8. März 1355) und Langgrün (1302) eingemeindet.[5] Mödlareuth wurde am 1. Januar 1958 nach Gebersreuth eingemeindet.[6]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Birkenhügel, die Städte Bad Lobenstein, Hirschberg und Tanna im Saale-Orla-Kreis, Burgstein und Reuth im sächsischen Vogtlandkreis sowie Feilitzsch und Töpen im bayerischen Landkreis Hof.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Gefell und das zugehörige Dorf Blintendorf gehörten als Exklaven zum sächsisch-albertinischen Amt Plauen (Vogtländischer Kreis). Nach dem Wiener Kongress waren die beiden Orte von 1815 bis 1944 Exklaven des preußischen Landkreises Ziegenrück, der innerhalb der Provinz Sachsen selbst eine Exklave war. Grund dieser außergewöhnlichen Verwaltungsart war wohl die Vermählung von Markgraf Friedrich dem Freidigen und Elisabeth, der vierzehnjährigen Tochter seiner Stiefmutter aus der Verbindung mit Otto von Lobdeburg-Arnshaugk am 24. August 1300. Die junge Frau brachte Neustadt/Orla, Auma, Ziegenrück in die Ehe ein. Der Vormund Elisabeths, der Reuße Heinrich von Plauen, erhielt von Friedrich zur Schuldenbegleichung Triptis, Auma und Ziegenrück als Unterpfand für die Summe von 3000 Schock Meißner Groschen.[7]

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes waren 1211 und am 28. Februar 1303, als Stadt am 9. Juni 1395.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

  • 1833: 1319
  • 1933: 1515
  • 1939: 1553
  • 1994: 1487
  • 1995: 1506
  • 1996: 1468
  • 1997: 3056
  • 1998: 3034
  • 1999: 3033
  • 2000: 3014
  • 2001: 2928
  • 2002: 2870
  • 2003: 2825
  • 2004: 2839
  • 2005: 2827
  • 2006: 2779
  • 2007: 2792
  • 2008: 2747
  • 2009: 2708
  • 2010: 2675
  • 2011: 2629
  • 2012: 2584
  • 2013: 2566
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl am 7. Juni 2009 hat der Stadtrat 14 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,4 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis[9]:

  CDU     3 Sitze  (22,4 %)
  FWG/IG1 3 Sitze (20,9 %)
  FWE2 3 Sitze (19,3 %)
  VUB3 2 Sitze (16,3 %)
  AL4/UBV 2 Sitze (15,7 %)
  DIE LINKE 1 Sitz (5,4 %)

1Freie Wählergemeinschaft Gefell / Interessengemeinschaft für Hochwasserschutz, gegen unsoziale Zwangsbeiträge
2Freie Wählergemeinschaft Einheitsgemeinde
3Vereinigung Unzufriedener Bürger
4Alternative Liste

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1997-2009 Ulrich Schmidt (FWE)
  • seit 2009 Marcel Zapf (VUB)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein viereckiger roter Turm mit blauem Kuppeldach.“

In Abdrücken des ältesten Stadtsiegels aus der Zeit um 1500 steht der Turm im damaszierten Feld. Der Wappenturm deutet wohl auf den aus dem 12. Jahrhundert stammenden Wehrturm der Stadtkirche hin.[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der heutige Markt liegt direkt an der Bundesstraße 2 in der Nähe zum markanten Zwiebelturm der Stadtkirche "Unsere lieben Frauen". Mittelpunkt des Marktes bildet der Springbrunnen von 1833, der 2012 mit Spenden aus dem benachbarten Hirschberg restauriert wurde, sowie eine alte "Friedenseiche". Am Markt steht das Gefeller Rathaus im architektonischen Zustand von 1860. Neben der Stadtverwaltung und dem Rathaussaal wurde bis etwa 2000 der Ratskeller betrieben. Im Nebengebäude war bis 1990 der städtische Bauhhof und die Feuerwehr untergebracht und ist mittlerweile Sitz der Stadtbibliothek.[11]

Auf dem Friedhof des Ortsteils Langgrün befinden sich die Grabdenkmale von elf durch SS-Männer ermordeten Häftlingen eines Todesmarsches, der vom KZ Buchenwald nach dem KZ Flossenbürg durch die Gemarkung des Ortes führte.[12]

Im Ortsteil Mödlareuth befindet sich eine Gedenkstätte zur deutsch-deutschen Teilung; das Dorf war durch eine Mauer geteilt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In der Tontechnik steht der Begriff Gefell für die Mikrofone, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Gefell gefertigt wurden. Aufgrund des Krieges verlegte die Firma Georg Neumann & Co. ihren Firmensitz von Berlin nach Gefell. Nach dem Krieg nahm die Georg Neumann GmbH ihre Fertigung in West-Berlin wieder auf (seit 1991 zu Sennheiser), der Betrieb in Gefell blieb aber bestehen und produzierte weiter unter dem Namen Georg Neumann & Co., ab 1972 unter dem Namen VEB Mikrofontechnik Gefell. Wegen der hochwertigen Produkte überlebte die Firma die Wende und produziert jetzt unter dem Namen Microtech Gefell GmbH.

Die landwirtschaftliche Produktion bestimmte im Gefeller Raum die Wirtschaft. Sowohl in der Zeit vor Gründung der LPG als auch danach wurden auf Grund der natürlichen Bedingungen gute Erträge erzielt. Der Boden mit seinem hohen Feinerdeanteil und Humusgehalt sowie die natürlichen Klimabedingungen im Schleizer Oberland waren und sind Voraussetzung für stabile Erträge in der Feld- und Viehwirtschaft. Im eingemeindeten Dorf Dobareuth befand sich bis zur Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg ein Staatsgut, das 203 Hektar Land bewirtschaftete. Pächter war der Diplomlandwirt Max Heydemann. Das Gut wurde bei der Bodenreform auf Umsiedler und kleinere Bauern aufgeteilt.

Verkehr[Bearbeiten]

Aus Richtung Hof kommt die Bundesstraße 2, die in Gefell vorübergehend endet und als Landesstraße 3002 in Richtung Schleiz führt, wo sie den Status als Bundesstraße wieder aufnimmt.[13] Dort beginnt außerdem die Bundesstraße 90, welche über Bad Lobenstein nach Saalfeld führt. Westlich von Gefell befindet sich die Anschlussstelle Bad Lobenstein der BAB 9.

Der Haltepunkt Göttengrün-Gefell befindet sich an der Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg. Hier verkehren allerdings keine Personenzüge mehr.

Bus[Bearbeiten]

In Gefell verkehren folgende Buslinien:

  • Linie 710: Schleiz-Gefell-(Gebersreuth)-Hirschberg
  • Linie 155: Schleiz-Gefell-Töpen-Hof
  • Linie 163: Hirschberg-Tanna-Plauen

Besonderheiten: Die Einwohner von Gefell werden von Auswärtigen als Ußßen bezeichnet, oder nennen sich teilweise selbst so, wie im Beispiel des Ußßenhausener Karnevals

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gefell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. http://www.feuerwehr-gefell.de/Arikel/Meldungen/Marcel-Zapf-ist-neuer-Buergermeister-in-Gefell.html
  3. Weber: Einführung in die Geologie Thüringens 1966 Dt. Verlag der Wissenschaften, Berlin 1966 VIII,201,42
  4. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer Verlag Rockstuhl Bad-Langensalza 2010 ISBN 978-3-86777-202-0 Seite: 35,56,82,84,107,276,183,96 u.158
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  6. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen Verlag Dr. Bussert und Stadeler,2004, ISBN 3-932906-22-5, S. 260, 293, 294
  8. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer Verlag Rockstuhl, Bad-Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 85
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=075&gemnr=75131
  10. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 35; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  11. "Aus dem Leben einer kleinen Stadt"- Stadtchronik Teil 1, Herausgegeben von Werner Rauh,1988
  12. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8 Thüringen. Erfurt 2003, S. 221, ISBN 3-88864-343-0.
  13. E.P. Kretschmar: Von alten Handelsstraßen in Ostthüringen. Thüringer Chronik-Verlag H. E. Müllerott Leipzig 1926, Arnstadt 2012, S. 1- 13 Ohne ISBN