Nideggen

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Dieser Artikel behandelt die Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen. Zum deutschen Adeligen siehe Martin Schenk von Nideggen.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Nideggen
Nideggen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nideggen hervorgehoben
50.76.4833333333333304Koordinaten: 50° 42′ N, 6° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Düren
Höhe: 304 m ü. NHN
Fläche: 65,06 km²
Einwohner: 9785 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner je km²
Postleitzahl: 52385
Vorwahlen: 02425, 02427, 02474
Kfz-Kennzeichen: DN, JÜL
Gemeindeschlüssel: 05 3 58 044
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Zülpicher Str. 1
52385 Nideggen
Webpräsenz: www.nideggen.de
Bürgermeister: Margit Göckemeyer (parteilos)
Lage der Stadt Nideggen im Kreis Düren
Kreis Düren Nordrhein-Westfalen Rhein-Erft-Kreis Kreis Euskirchen Rhein-Kreis Neuss Kreis Heinsberg Stadt Aachen Städteregion Aachen Belgien Heimbach Kreuzau Nideggen Vettweiß Düren Jülich Langerwehe Titz Merzenich Aldenhoven Hürtgenwald Nörvenich Inden Niederzier LinnichKarte
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Nideggen ist eine in der Eifel gelegene Kleinstadt des Kreises Düren in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie liegt auf einer Bergkuppe unmittelbar oberhalb des mittleren Rurtales am Rande des Nationalparks Eifel in der Rureifel.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet fließt die Rur. Der Ortsteil Schmidt grenzt an die zweitgrößte Talsperre Deutschlands, die Rurtalsperre Schwammenauel. Berühmt sind die Buntsandsteinfelsen, die steil aus dem Rurtal aufragen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

im Kreis Düren
in der Städteregion Aachen
im Kreis Euskirchen

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Nideggen gehören die folgenden Ortsteile:

(31. Dezember 2010)

Der Ort liegt auf etwa 320 Höhenmeter und wurde erstmals im Jahr 1184 erwähnt.

Wappen und Banner[Bearbeiten]

Der Stadt Nideggen ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten vom 9. Dezember 1975 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden.

Blasonierung:„Das Stadtwappen zeigt in Gold (Gelb) einen rotbewehrten und -bezungten Löwen mit der rechten Hinterpranke einen schrägrechts gestellten, blauen Pfeil haltend.“

Das Wappen ist von einem Siegel aus dem 16. Jahrhundert abgeleitet und zeigt den Jülicher Löwen mit einem Pfeil.

Der Stadt Nideggen ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten Köln vom 9. November 1976 das Recht zur Führung einer Flagge (als Banner) verliehen worden.

Beschreibung des Banners:„Unter quadratischem gelben Bannerhaupt, darin das Emblem des Wappens, schwarz-gelb längsgestreift im Verhältnis 1:1:1:1:1.“[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Dürener Tor von Nideggen, Feldseite
Zülpicher Tor, Feldseite. Turmtor des 14. Jahrhunderts, 1342 erstmals erwähnt als "Zulpger porzen", davor ursprünglich ein Wassergraben, und eine Brücke. Seit dem 18. Jahrhundert ohne Dach und Obergeschoss, in den Jahren 1892 bis 1896 wiederaufgebaut.

Seit ihrer Gründung im Mittelalter kann die Stadt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken.

Bedingt durch seinen Streit mit Kurköln ließ Wilhelm II., Graf von Jülich, in der Zeit von 1177 bis 1191 die Trutzfeste Nideggen (heute bekannt als Burg Nideggen) errichten. In der Nähe der Burg wurde gegen Anfang des 14. Jahrhunderts von Gerhard von Jülich planmäßig eine Ortschaft gegründet, der er Weihnachten 1313 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth von Brabant und seinem ältesten Sohn das Stadtrecht verlieh. Etwa zu gleicher Zeit entstand die Stadtbefestigung mit vier Toren, nachdem bereits im 13. Jahrhundert der Burgflecken – die Verbindung zwischen Burg und Stadt – ummauert worden war. Die Tore standen seinerzeit am Ende der gleichnamigen Straßen, benannt nach den Orten, zu denen sie führten: Das Brandenberger Tor (nicht erhalten, nach Brandenberg) im Norden, das Dürener Tor im Osten, das Zülpicher Tor im Süden und das Nyckstor im Westen zur Burg. Letzteres hieß ursprünglich Burgtor und wurde um 1500 nach Nyt (auch „Nix“, „Nÿcks“) von Birgel (1436-1478), jülicher Erbmarschall und Amtmann zu Nideggen, umbenannt.

In der nachfolgenden Zeit entwickelte sich Nideggen zu einer typisch rheinischen Kleinstadt. 1430 wurde die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft gegründet, und 1571 gab es bereits eine Lateinschule. Als 1651 die Franziskaner nach Nideggen kamen, übernahmen diese den höheren Schulunterricht.

Das zu Ehren der seligen Christina von Stommeln von Graf Wilhelm V. um 1340 gegründete Kollegiatstift wurde im 15. Jahrhundert Sitz des St. Hubertus Ritterordens, der im 18. Jahrhundert zum bedeutendsten Ritterorden des Kurfürstentums Bayern heranwuchs.

1689 ereilte Nideggen das gleiche Schicksal wie viele rheinische Ortschaften: Es wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen in Schutt und Asche gelegt, in den Folgejahren von seiner Bevölkerung aber wieder aufgebaut.

Eine Einwohnerzählung ergab im Jahr 1703 für die Ortschaft und die umliegenden Siedlungen 156 Familien mit insgesamt 419 Personen.

Der Einmarsch französischer Revolutionstruppen im Herbst 1794 und die damit einhergehende Einsetzung einer französischen Zentralverwaltung bedeuten das Ende des Herzogtums Jülich und seines Amtes Nideggen. Nach fast 500 Jahren verlor Nideggen wie viele andere rheinische Kleinstädte sein Stadtrecht.

1815 fiel das Rheinland – und damit auch Nideggen – durch die Ergebnisse des Wiener Kongresses an Preußen, das Teile der linksrheinischen Départements mit rechtsrheinisch Gebieten zur Rheinprovinz (1822) zusammenlegte. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, den die Nideggener dazu nutzten, verfallene Gebäude und die ruinöse Stadtmauer in Teilen wieder instand zu setzen.

Während des Zweiten Weltkrieges war Nideggen und seine Umgebung Frontgebiet und somit zahlreichen Bombenangriffen und wiederholten Zerstörungen ausgesetzt. 89 % der damaligen Bausubstanz wurden im Laufe der Gefechte zerstört. Ein weiteres Mal musste die Nidegger Bürgerschaft ihre Stadt (1926 hatte der Ort die Stadtrechte wieder zuerkannt bekommen) fast gänzlich neu aufbauen. Durch die Hilfe des Kreises Düren konnten nach der Währungsreform einige historische Denkmäler wie Teile der Burganlage, die romanische Kirche St. Johannes Baptist sowie das Dürener und das Zülpicher Tor der Stadtmauer nach alten Plänen restauriert werden.

Am 15. Juli 1981 wurde im Feuerwehrhaus Nideggen die kreiseigene Rettungswache eingeweiht.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die neun ehemaligen Gemeinden Abenden, Berg-Thuir, Embken, Heimbach, Hergarten, Muldenau, Schmidt, Vlatten und Wollersheim zusammen mit Nideggen zur neuen Stadt Nideggen zusammengeschlossen.[3] Das Oberverwaltungsgericht entschied am 4. August 1972, dass das neue Stadtgebiet Nideggens auf zwei neue Gemeinden, Nideggen (zunächst ohne Stadtrecht) und Heimbach (mit Stadtrecht), aufgeteilt wird, wobei Hergarten und Vlatten Heimbach und die anderen Gemeinden Nideggen zugeordnet wurden.[3]

Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat
      
Von 28 Sitzen entfallen auf:
Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 57.18 % (2009: 66.12 %)
 %
40
30
20
10
0
32,09 %
18,63 %
19,71 %
11,84 %
7,66 %
10,07 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,23 %p
-0,12 %p
+4,36 %p
-0,19 %p
-4,24 %p
-0,37 %p
-1,67 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Nideggen. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 25. Mai 2014 statt[4].

2008 traten 4 Ratsmitglieder aus ihren Fraktionen/Parteien aus (1 SPD, 3 CDU) und gründeten 2009 die Freie Wählergemeinschaft Menschen für Nideggen.

Abwahlverfahren Bürgermeister[Bearbeiten]

Ein in Nordrhein-Westfalen bisher fast einzigartiger Vorgang sorgte für politischen Wirbel in der kleinen Stadt.

Willi Hönscheid, CDU, war von 1993 bis 2009 Bürgermeister. Am 20. Dezember 2005 beschloss der Stadtrat fast einstimmig – unter der Federführung der CDU – wegen Betrugs die Einleitung eines Abwahlverfahrens nach der Gemeindeordnung NRW. Da die Wahlbeteiligung nicht ausreichte und auch die Mehrheit der teilnehmenden Bürger gegen eine Abwahl gestimmt hatten, blieb Hönscheid im Amt. Vom Vorwurf des Betruges in einer Beihilfesache wurde er im Mai 2008 freigesprochen.

Eine erfolgreiche Bürgermeister-Abwahl nach den Bestimmungen der 1994 neugefassten Gemeindeordnung hat es damit in NRW bisher nur 2002 im münsterländischen Ennigerloh, 2007 in Meckenheim (Rhein-Sieg-Kreis), sowie 2012 in Duisburg gegeben.

Verschuldung[Bearbeiten]

Die Stadt ist aufgrund eines Schuldenstands von 25 Millionen Euro in einer schwierigen Finanzlage. Da der Stadtrat bisher keinen von der Landesregierung geforderten Sparplan beschlossen hat, bekam Nideggen den ersten Sparkommissars in Nordrhein-Westfalen.[5] Dieser wurde in Person von Ralph Ballast am 7. Mai 2013 durch die Landesregierung installiert.[6] Im November 2013 beendete er erfolgreich seine Arbeit.[7]

Wirtschaft, Infrastruktur, Sonstiges[Bearbeiten]

Sehenswert[Bearbeiten]

Bergfried (restauriert) der Burg Nideggen
Nideggen, Burgzufahrt

Die Nideggener Altstadt besteht aus sehenswerten Fachwerk- und Buntsandsteinhäusern. Vom zentralen Marktplatz aus blickt man auf die beiden trutzigen Stadttore, und nach zehn Minuten Fußweg vorbei an der romanischen Pfarrkirche mit einem der ältesten erhaltenen Freskogemälden Deutschlands steht man vor den Toren der Burg Nideggen, einer Anlage von gewaltigen Ausmaßen. Es erschließt sich eine Vielfalt an Wanderwegen rund um die gewaltigen Felsmassive, über denen die Burg weithin sichtbar erbaut ist.

In Abenden wird jedes Jahr der Erntedankzug veranstaltet, den die ganze Dorfgemeinschaft mit vielen Details gestaltet.

Schmidt ist der einzige Ort im Kreis Düren, der am Rursee einen öffentlichen Badestrand hat. Dieser befindet sich in Eschauel, unterhalb von Schmidt. In den Wald- und Wiesengehegen des Wildparks Schmidt gibt es Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Mufflons und Lamas.

Das Düsterkreuz ist eines der wenigen Feuerwehr-Denkmäler.

Verkehr[Bearbeiten]

Von 1922 bis 1926 fand auf den Schotterstraßen um Nideggen das Eifelrennen statt.

Bahnhof mit Biologischer Station

Auf ihrer Strecke von Düren nach Heimbach fährt die Rurtalbahn idyllisch neben dem Fluss, der ihr den Namen gab. Im Stadtgebiet liegen die Haltepunkte Zerkall (obwohl der Ort Zerkall zu Hürtgenwald gehört) und Abenden sowie der Bahnhof Nideggen-Brück, an denen die Züge stündlich halten.

Der Wildpark Schmidt wird in den Sommermonaten von Mäxchen angefahren, einem Doppeldeckerbus der Dürener Kreisbahn, der im Bereich Nideggen und Heimbach über die Eifelhöhen und durch die Täler fährt.

Am Ort Wollersheim vorbei führt die Bundesstraße 265.

Radwege[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Nideggen ist an eine Reihe von Radwanderwegen angeschlossen:

Museen[Bearbeiten]

In der kreiseigenen Burg Nideggen befindet sich das einzige Burgenmuseum des Rheinlands. Das Dürener Tor, eines der Wahrzeichen der Stadt, beherbergt regelmäßige Kunstausstellungen.

Die Burg hoch über dem Rurtal

Bildung[Bearbeiten]

Grundschulen gibt es in Embken, Nideggen und Schmidt. Die Adolf-Kolping-Schule (Hauptschule) steht im Zentralort zur Verfügung, ebenso eine Realschule. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sprache und/oder Lernen werden in der Gereonschule in Kreuzau-Boich gefördert. Diese Förderschule liegt in der Trägerschaft des Schulverbandes Kreuzau-Nideggen.

Sechs Kindergärten und Kindertagesstätten stehen für die Junioren bereit.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Nideggen, § 2 Absatz 1 und 2. Abgerufen am 19. Dezember 2012 (PDF; 74 kB).
  3. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 306f.
  4. Stadt Nideggen. Europawahl / Kommunalwahlen 2014. 25. Mai 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  5. Barbara Schmidt-Mattern: Griechische Verhältnisse in der Eifel. In: Deutschland heute (Rundfunksendung auf DLF). 26. April 2013, abgerufen am 27. April 2013.
  6. WDR
  7. http://www.welt.de/regionales/koeln/article121854628/Erster-Sparkommissar-NRWs-geht-mit-gutem-Gefuehl.html
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCarl Caspar von Siebold. Abgerufen am 27. August 2012.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nideggen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien