Gwardeisk
| Stadt
Gwardeisk/Tapiau
Гвардейск
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Liste der Städte in Russland | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Gwardeisk (russisch Гвардейск (
anhören?/i), übersetzbar in etwa mit „Gardestadt“; deutsch Tapiau; litauisch Tepliuva, Tepliava; polnisch Tapiawa) ist eine Stadt in der russischen Oblast Kaliningrad mit 13.552 Einwohnern (2006).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographische Lage
Gwardeisk befindet sich östlich von Kaliningrad an der Hauptstraße (A229, ehemalige Reichsstraße 1) und Haupteisenbahnlinie von Kaliningrad (Königsberg) ins russische Kernland. Gwardeisk liegt am Pregel, von dem hier die Deime abzweigt.
[Bearbeiten] Geschichte
Der Ortsname entwickelte sich von Tapiow (1255) über Castrum Tapiow, quod Prutheni nominant Surgurbi (Dusburg, 1326) zur endgültig deutschen Bezeichnung Tapiau, die seit 1684 nachgewiesen ist. Dieser Name ist abgeleitet aus den prußischen Wörtern „tape, teplu, toplu, tapis“ = warm, „tape“ = Wärme, Temperatur und „sur garbis“ = um den Berg herum.
Westlich von Tapiau ist eine prußische Wehranlage belegt. Sie sollte - ebenso wie die zwischen Deime und Pregel gelegene prußische Burg - einst das Samland vor den Wikingern schützen, die durch einen damaligen Durchbruch in der Nehrung bei Sarkau leicht in das Haff eindringen konnten. Anstelle dieser Holzburg baute der Deutschen Ordens 1351 die Burg Tapiau. 1385 wurde hier der Sohn des litauischen Großfürsten Kęstutis, Vytautas (Witold), getauft, der später mit seinem Vetter Jagiello die polnisch-litauische Union errichtete und regierte. Nach der Verlegung des Ordenshochsitzes übernahm Tapiau die Ordensbibliothek sowie das Archiv.
Die Stadtrechte erhielt Tapiau 1722.
1895 umfasste die Stadt ein Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Warendepot der Reichsbank, Gärtnerlehranstalt mit Obstweinfabrik, Provinzial-Besserungs- und Landarmenanstalt, Biskuit- und Zuckerfabrik, Dampfschneide- und Mahlmühlen, Brauereien, Schifffahrt, Handel mit Holz, Steinen, Getreide, Butter und Käse. In der Besserungsanstalt werden Decken, grobes Tuch (Want), Baumwollzeug (Nessel), Strohmatten und Fischernetze angefertigt.
Von 1818 bis 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Wehlau.
Am 25. Januar 1945 wurde Tapiau von der Roten Armee eingenommen. Als eine der wenigen Städte Nordostpreußens überstand Tapiau den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und ist auch heute vergleichsweise gut erhalten.
Auf dem Marktplatz steht, trotz des Zerfalls der Sowjetunion 1991, weiterhin ein Lenin-Denkmal.
[Bearbeiten] Kirchen
Das ehemalige protestantische Kirchengebäude am Marktplatz wird heute von der russisch-orthodoxen Kirche genutzt.
1997 gründete sich in Gwardeisk eine deutsch-russische Gemeinde innerhalb der Propstei Kaliningrad im Verbund der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland, und eine römisch-katholische Pfarrei, die mit dem Haus Sankt Josef in der uliza Telmana (Thälmann-Straße) ihren Sitz hat und zur Zeit (Stand: 2011) von Steyler Missionaren und Angehörigen der Schönstatt-Bewegung betreut wird.
[Bearbeiten] Verkehr
Es gibt, mehrmals täglich, eine Busverbindung nach Kaliningrad-Stadt. Der Bus startet vom Marktplatz aus.
[Bearbeiten] Wirtschaft
Neben einem Internetcafé, einer Bankfiliale mit Geldautomat sowie diversen Einzelhandels- und Lebensmittelgeschäften prägen zahlreiche Kioske, in denen vor allem alkoholische Getränke verkauft werden, das Stadtbild. Rund um die Stadt haben sich seit 2004 diverse Landwirtschaftsbetriebe und mittelständische Betriebe, u.a. für die Fertigung von Haushaltsgeräten, neu angesiedelt. Ferner gibt es in Gwardeisk eine Pension, einen Handyshop und verschiedene Bars. An den Wochenenden bieten freie Händler und Privatpersonen häufig landwirtschaftliche Erzeugnisse, Textilien und Haushaltsgegenstände am Straßenrand zum Verkauf an.
[Bearbeiten] Infrastruktur
Es gibt in Gwardeisk einen russisch-orthodoxen Friedhof, eine Oberschule, eine staatliche Sozialberatungsstelle mit angeschlossenem, allgemeinmedizinischen Dienst, eine staatliche, tierärztliche Lebensmittelkontrollstelle und einen öffentlichen Sportplatz.
Das deutsch-russische Haus, mit Sitz in der Stadt Kaliningrad, bietet in Gwardeisk in Zusammenarbeit mit der GTZ und dem Auswärtigen Amt Fortbildungen im gewerblich-technischen Bereich an.[1]
Die aus sowjetischer Zeit stammenden Wohnblocks in der Telmana und an der Ausfallstraße nach Kaliningrad werden im Winter ausschließlich mit individuell nicht regulierbarer Fernwärme beheizt. Seit ihrem Bau in den 1960er und 1970er Jahren sind diese heute weitgehend in Privatbesitz befindlichen Wohnblocks an den Außenfassaden und vielfach auch im Inneren unverändert geblieben.
Der Hausmüll wird in Gwardeisk auf unweit der Stadt gelegenen Deponien gesammelt und dort von Zeit zu Zeit verbrannt, was zu einer Beeinträchtigung der Luft- und Trinkwasserqualität führt.
[Bearbeiten] Chronologie
| Zeitraum | Grund der Änderung Historisches Ereignis |
Verwaltung von Gwardeisk | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Kreis | Regierungsbezirk | Provinz | Land | ||
| 1260–1525 | Komturei Königsberg | Ordensland Preußen | Staat des Deutschen Ordens | ||
| 1525–1657 | Reformation | Herzogtum Preußen | Lehen vom Königreich Polen | ||
| 1657–1701 | Vertrag von Wehlau | Kurfürstentum Brandenburg | |||
| 1701–1818 | Königreich Preußen | ||||
| 1818–1824 | Verwaltungsgliederung Preußens | Landkreis Wehlau | Regierungsbezirk Königsberg | Provinz Preußen (nur Ostteil) |
|
| 1824–1866 | Verwaltungsreform | Provinz Preußen | |||
| 1866–1871 | Deutscher Krieg | Königreich Preußen Norddeutscher Bund |
|||
| 1871–1877 | Gründung Deutsches Kaiserreich | Deutsches Kaiserreich Bundesstaat Königreich Preußen |
|||
| 1877–1918 | Verwaltungsreform | Provinz Ostpreußen | |||
| 1919–1933 | Weimarer Republik | ||||
| 1933–1945 | Deutsches Reich 1933 bis 1945 | ||||
| 1945–1946 | Einmarsch der Roten Armee | Oblast Königsberg | Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) |
||
| 1946–1991 | Verwaltungsreform und Umbenennung | Rajon Gwardeisk | Oblast Kaliningrad | ||
| 1991– | Zerfall der Sowjetunion | Föderationskreis Nordwestrussland Russische Föderation |
|||
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohnerzahl | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1875 | 2.679 | * |
| 1890 | 3.763 | * (davon 97 Katholiken und 73 Juden) |
| 1895 | 4.061 | * (davon 81 Katholiken und 53 Israeliten) |
| 1910 | 5.986 | * |
| 1933 | 7.683 | * |
| 1939 | 9.326 | * |
| 1959 | 7.600 | ** |
| 1979 | 10.800 | ** |
| 1989 | 11.904 | * |
| 2002 | 14.572 | * |
| 2006 | 13.552 |
Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
- Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach († 20. März 1568 in Tapiau), erster Herzog von Preußen
- Bernhard Ankermann (14. Februar 1859 in Tapiau; † 1943), Ethnologe und Afrikaforscher
- Lovis Corinth (* 21. Juli 1858 in Tapiau; † 1925), berühmter deutscher Maler; schuf für die evangelische Pfarrkirche der Stadt das Altargemälde „Golgatha“
- Berthold Mikat (* 1912 in Tapiau; † 1990), Epidemiologe
- Ernst Mollenhauer (* 27. August 1892 in Tapiau; † 1963), Landschaftsmaler
- Hans-Heinrich Vangerow (* 4. April 1924 in Tapiau), deutscher Forstmann und Historiker
- Johann Ernst von Wallenrodt (* 3. Januar 1615 in Tapiau; † 1697), Verwaltungsbeamter im Herzogtum Preußen. Er baute er die Wallenrodtsche Bibliothek aus.
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Partnerschaften
- seit 1970 zur niedersächsischen Stadt Bassum
[Bearbeiten] Links
- Offizielle Webseite der Stadt Gwardeisk
- Gwardeisk bis Tapiau (russisch)
- Tapiau auf Landkreis Wehlau (Landkreis Wehlau)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Verwaltungszentrum: Kaliningrad
Bagrationowsk | Baltijsk | Gurjewsk | Gussew | Gwardeisk | Jantarny | Krasnosnamensk | Laduschkin | Mamonowo | Neman | Nesterow | Osjorsk | Pionerski | Polessk | Prawdinsk | Selenogradsk | Slawsk | Sowetsk | Swetlogorsk | Swetly | Tschernjachowsk