Hamburg-Hammerbrook

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Wappen von Hamburg
Hammerbrook
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 32′ 43″ N, 10° 1′ 50″ O53.5452710.03042Koordinaten: 53° 32′ 43″ N, 10° 1′ 50″ O
Fläche 2,5 km²
Einwohner 2170 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 868 Einwohner/km²
Postleitzahl 2....
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Hamburg-Mitte
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Hammerbrook ist ein Stadtteil Hamburgs im Bezirk Hamburg-Mitte.

Geografie[Bearbeiten]

Hammerbrook wird nördlich begrenzt durch die S- und Fernbahntrasse nach Lübeck und Berlin und grenzt damit an St. Georg. Im Westen und Süden grenzt es an Hamburg-Altstadt, HafenCity und Rothenburgsort, im Nordosten und Osten an Borgfelde und Hamm. Landschaftlich ist Hammerbrook ein Marschgebiet im Bereich der Billemündung in die Elbe, das in den 1840er-Jahren durch mehrere Kanäle entwässert wurde und zunächst überwiegend landwirtschaftlich geprägt war.

Geschichte[Bearbeiten]

Grüner Deich 1880
St. Annen-Kirche um 1900 (zerstört 1943-1945)

Der Name Hammerbrook setzt sich zusammen aus den Bestandteilen Hamm, und bezieht sich, wie der Name des Stadtteils Hamm, auf die Siedlungsgeschichte an einem großen Waldgebiet, Brook bezeichnet hingegen ein tief gelegenes, feuchtes und morastiges Bruchland.[1]

Als „Hammer Brook“ wurde ursprünglich die gesamte Marschniederung vom Hamburger Oberhafen bis nach Horn bezeichnet, die im Norden durch den Geesthang und im Süden durch die Bille begrenzt wurde. Hamburg erwarb dieses Gebiet 1383 von den Holsteiner Grafen; seit dem 15. Jahrhundert gehörte es zur Landherrenschaft Hamm und Horn, die von einem Hamburger Ratsherrn verwaltet wurde. Genutzt wurde das Gelände vorwiegend als Viehweide, die – um die ständigen Überschwemmungen zu verringern – nach und nach mit Entwässerungsgräben durchzogen wurde. Das heutige Hochwasserbassin, das sich vom Anckelmannplatz bis zur Bille hinzieht, wurde im 17. Jahrhundert unter der Bezeichnung Retranchementgraben als Teil der Vorbefestigung Hamburgs angelegt.

Die Besiedlung des Hammerbrooks begann – von Westen her vorrückend – gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Planmäßig aufgesiedelt wurde der Brook jedoch erst im 19. Jahrhundert nach der Entwässerung, die durch Senatssyndikus Wilhelm Amsinck und den englischen Ingenieur William Lindley vorangetrieben wurde.

1832 wurde der westliche Teil des Hammerbrooks (bis zum Hochwasserbassin) in die neu gebildete Vorstadt St. Georg einbezogen, der östliche Teil kam zunächst zur Landherrenschaft der Geestlande und wurde 1871 auf die Vororte Borgfelde und Hamm aufgeteilt.

Der Bau der Hamburg-Bergedorfer-Eisenbahn 1842, der mit dem Bahnhof Berliner Tor eine schnelle Anbindung an die Innenstadt schuf, und die Abschaffung der Torsperre 1860 führten endgültig zur dichten Besiedlung. 1867 lebten 10.000 Einwohner auf dem Hammerbrook, 1910 waren es bereits über 60.000 (bezogen auf die damalige Ausdehnung des Hammerbrooks, im Bereich des heutigen Stadtteils lebten etwa 40.000 Menschen). Der überdurchschnittliche Bevölkerungszuwachs war insbesondere auf die Umsiedlung aus den ehemaligen Wohngebieten des 1888 eingerichteten Freihafens zurückzuführen, da der Hammerbrook durch seine Hafennähe eine zum Arbeitsplatz günstige Unterbringung gewährleistete.

Eines der wenigen Gebäude, die den Zweiten Weltkrieg überstanden

Bei den Bürgerschaftswahlen 1901 gewann Otto Stolten den Wahlkreis Hammerbrook und zog so als erster Sozialdemokrat in die Hamburgische Bürgerschaft ein. 1919 wurde er Zweiter Bürgermeister Hamburgs.

Nach dem Ende der Entwässerungsmaßnahmen 1909, in deren Verlauf mit Sand aus den Boberger Dünen eine Aufhöhung um teilweise mehr als fünf Meter erreicht wurde, begann die intensive Bebauung. Es entstanden große Häuserblocks, davon viele Schlitzbauten. Nord- Mittel- und Südkanal dienen von nun an zum einen der Entwässerung und zum anderen als preisgünstige Verkehrswege für die sich ansiedelnden Betriebe.

Im Zuge der Neugliederung des Stadtgebiets nach dem Groß-Hamburg-Gesetz wurde 1938 der heutige Stadtteil Hammerbrook gebildet; lediglich der östlichste Teil des Brooks (Osterbrook) verblieb bei Hamm-Süd.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hammerbrook während der Operation Gomorrha in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 von britischen und US-amerikanischen Bombern nahezu vollständig zerstört, etwa 12.000 Einwohner starben.[2] Ab Mitte 1944 waren in einer Volksschule am Brackdamm etwa 35 KZ-Häftlinge untergebracht, deren Aufgabe es war, Bombenblindgänger zu suchen und zu entschärfen. Ab Oktober 1944 war im Hinterhaus eines Bürokomplexes in der Spaldingstraße 156/158 auf sieben Etagen das KZ-Außenlager Hammerbrook mit etwa 2.000 Häftlingen unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht.

Nach dem Krieg lebten nur noch einige hundert Menschen im Hammerbrook. Wegen der fehlenden Bevölkerung wurde die stark beschädigte U-Bahn-Linie nach Rothenburgsort mit den Stationen Spaldingstraße und Süderstraße nicht wieder aufgebaut und zusammen mit den anderen Trümmern abgetragen. Städtebaulich wurde die von den Trümmern befreite Fläche als gewerbliche Reservefläche gehalten und erst nach dem Bau der S-Bahnlinie vom Hauptbahnhof nach Harburg wieder erschlossen. Neben anderen Kanälen (Victoriakanal, Sonninkanal (teilweise), Gustavkanal, Lübecker Kanal) wurde der Nordkanal Ende der 1950er-Jahren zugeschüttet, um als Nordkanalstraße die Spaldingstraße zu entlasten.

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Hammerbrook zum Wahlkreis Hamburg-Mitte. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis[3]:

  • SPD: 35,4 % (-0,9)
  • GAL: 22,5 % (+1,4)
  • Die Linke: 15,0 % (+4,4)
  • CDU: 9,3 % (-11,6)
  • FDP: 2,4 % (-3,0)
  • Übrige: 15,4 % (+9,7)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Bedingt durch die großflächigen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind erwähnenswerte Bauten aus der Vorkriegszeit nur wenige vorhanden. Hierzu zählt beispielsweise das Kontorhaus Leder-Schüler.

Heute herrschen im Stadtteil moderne Bürobauten vor. Erwähnenswert ist u.a. der Berliner Bogen, der mit 14.000 m² Glasfläche das größte Glasgebäude auf dem europäischen Kontinent ist. Architektonisch bedeutsam ist auch der S-Bahnhof Hammerbrook (Eröffnung 1983/84), dessen "futuristisches" Aussehen zur Entstehungszeit für Aufsehen sorgte[4].

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Das denkmalgeschützte Kontorhaus Leder-Schüler

In Hammerbrook gibt es nur noch wenige Wohnungen. Nach der fast vollständigen Zerstörung von Gebäuden und der U-Bahntrasse im Zweiten Weltkrieg hielt man die Fläche des Stadtteils im Bebauungsplan für die Industrieansiedlung frei. Wegen der guten Verkehrsinfrastruktur (Kanäle, Bahnanschlussgleise und der Nähe der Elbbrücken mit ihrem Autobahnanschluss) erhoffte man sich eine starke Nachfrage, die jedoch ausblieb.

Der Bebauungsplan konnte jedoch nicht verhindern, das im Laufe mehrerer Jahrzehnte eine Reihe von Verwaltungsbauten entstand. Seit dem Ende der 1980er-Jahre wirbt man nun mit Erfolg unter dem Titel City Süd um die Ansiedlung weiterer Verwaltungen.

Verkehr[Bearbeiten]

Drei große verkehrsreiche Straßen führen zum Stadtzentrum durch das Viertel, die B 5 in der Spaldingstraße, die Amsinckstraße (B 4) und der Heidenkampsweg (B 75).

Die S-Bahn Hamburg hat hier auf der Harburger S-Bahnstrecke den Bahnhof Hamburg-Hammerbrook (Linien S 3 und S 31). Das Bahnhofsgebäude, das einem schnell fahrenden Zug nachempfunden ist, wurde 1978 bis 1983 nach Plänen der Architektengemeinschaft Schramm, Pempelfort, von Bassewitz und Hupertz errichtet.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In der Straße Bullerdeich ist der Sitz und Hauptbetrieb der Stadtreinigung Hamburg.

Mit National Starch and Chemical ist einer der führenden Hersteller von Industrie- und Lebensmittelstärke im Süden Hammerbrooks ansässig. Die DAK-Gesundheit hat ihre Zentrale in Hammerbrook. Die Firmen Sun Microsystems GmbH und Star Finanz GmbH sind ebenfalls hier zu finden.

Die Plattenfirma Mental Madness Records, mit dort produzierenden Musikern wie Brooklyn Bounce oder Special D., hat ihren Sitz am Brackdamm.

Bildung[Bearbeiten]

Der private Bildungsträger Grone-Schule hat seine Zentrale und einen Großteil seiner Schulungsräume am Mittelkanal im Heinrich-Grone-Stieg und in der Gotenstraße. Die staatliche Handelsschule mit Wirtschaftsgymnasium sitzt in der Wendenstraße. Die staatliche Fernuniversität in Hagen unterhält ihr Regionalzentrum Hamburg in der Amsinckstraße.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Schult - Geschichte der Hamburger Arbeiter 1890-1919 S. 23 ff. Dietz Nachf. Hannover 1967.
  • Gundula Buchner - "Vom Marschland zum Gewerbe- und Wohngebiet-William Linleys Plan zum Ausbau des 'Hammerbrook' und seine Verwirklichung von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Universität Hamburg, Diplom-Arbeit FB 05, WS 1982/83
  • Dieter Rednak - Heinrich Christian Meyer (1797 - 1848) -genannt "Stockmeyer" - Vom Handwerker zum Großindustriellen. Eine biedermeierliche Karriere. Hamburg 1992

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 51
  2. Stadtplan der Zerstörungen 1945
  3. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  4. Schröter in: Hamburgs Bahnhöfe im Wandel. Medien-Verlag Schubert. Hamburg 1994.