Hamburg-Hamm

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Wappen von Hamburg
Hamm
Stadtteil von Hamburg
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Über dieses Bild
Koordinaten 53° 33′ 18″ N, 10° 3′ 27″ O53.5548710.05742Koordinaten: 53° 33′ 18″ N, 10° 3′ 27″ O
Fläche 3,8 km²
Einwohner 37.520 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 9874 Einwohner/km²
Postleitzahl 20535, 20537
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Hamburg-Mitte
Verkehrsanbindung
Autobahn A24
Bundesstraße B5
HVV S1Hamburg S1.svg S11Hamburg S11.svg U2Hamburg U2.svgU4Hamburg U4.svg R10Hamburg R10.svg
Quelle: [1][2]
Die Caspar-Voght-Straße am S–Bahnhof Hasselbrook

Hamm ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte. Einst ein bevorzugter Villenvorort wohlhabender Kaufleute, wuchs es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der bevölkerungsreichsten Stadtteile heran, bevor es im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde. Zwischen 1951 und 2010 war Hamm in drei Stadtteile (Hamm-Nord, -Mitte und -Süd) gegliedert. Auf Initiative der Bezirksversammlung wurden diese zum 1. Januar 2011 wieder zu einem Stadtteil vereinigt.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Hamm liegt etwa 5 km östlich des Hamburger Stadtzentrums. Es grenzt im Westen an Borgfelde und Hammerbrook, im Norden an Eilbek, im Osten an Marienthal und Horn sowie im Süden an Rothenburgsort.

Landschaftlich wird Hamm durch seine Lage am Nordrand des eiszeitlichen Elbe-Urstromtals geprägt und gegliedert: Während der nördliche Teil Hamms („Oben-Hamm“) einschließlich des Hammer Parks und des alten Dorfkerns auf dem Geestrücken liegt, gehört der südliche Teil („Unten-Hamm“, ehemals Hamm-Mitte und Hamm-Süd) zur rund 10 bis 15 Meter tiefer gelegenen Elbmarsch (vgl. auch Hammerbrook, niederdt. -bruch).

Hamm wird von mehreren in west-östlicher Richtung verlaufenden Verkehrsachsen durchschnitten, an denen sich auch die langjährige Gliederung in Hamm-Nord, -Mitte und -Süd orientierte. So bildete die Hammer Landstraße (mit den parallel verlaufenden U-Bahn-Linien U2 und U4) die Grenze zwischen Hamm-Nord und -Mitte, die Eiffestraße (B 5) hingegen diejenige zwischen Hamm-Mitte und -Süd.

Name[Bearbeiten]

Der Name Hamm wird zurückgeführt auf die sächsischen Wörter Ham, Hamme, Hemm oder Hemme und ist Bestandteil in mehreren Ortsbezeichnungen nördlich der Elbe. Die Bedeutung ist jedoch nicht zweifelsfrei festgestellt, so übersetzt ihn der Historiker Otto Clausen mit „Wald“, der Ortsnamenforscher Wolfgang Laur hingegen mit „Land in einer Flussbiegung“. Im Fall des Stadtteils hat „Wald“ eine Grundlage in der Entstehungsgeschichte: Hamm war eine altsächsische Siedlung in einem großen Waldgebiet, das sich über den Geestrücken zog. Der Bestandteil Ham im Namen „Hamburg“ verweist jedoch auf die frühe Siedlung an der Alsterschleife. Es gibt unbelegte Vermutungen, dass die Hammaburg nach dem alten Dorf Hamm benannt wurde.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

In Hamm befinden sich 25 679 Haushalte. Die überwiegende Mehrheit der Hammer Bevölkerung befindet sich im erwerbsfähigen Alter (73,6 %). Personen unter 18 und über 65 Jahren machen zusammengerechnet einen Bevölkerungsanteil von 26,4 % aus. Der Ausländeranteil liegt mit 17,2 % deutlich unter dem allgemeinen Ausländeranteil des Bezirks Mitte (25,9 %).[5]

Wohnen[Bearbeiten]

Im Stadtteil befinden sich aktuell 2273 Wohngebäude mit etwa 22000 Wohnungen. Die durchschnittlichen Wohnungsgröße liegt bei 57,4 Quadratmeter. Der überwiegende Anteil der Haushalte sind Einpersonenhaushalte. Der Anteil von Sozialwohnungen beträgt 5,5 %. Die Immobilienpreise (Eigentumswohnungen je Quadratmeter) in Hamm sind, nach Daten von Statistikamt Nord, seit 2004 um mehr als 41 Prozent gestiegen, wobei zuletzt eine starke Beschleunigung des Preisanstieges feststellbar war: So war allein zwischen den Jahren 2011 und 2012 ein Preisanstieg von mehr als 26 % zu verzeichnen.[6][7][8] Im Februar 2014 ging Hamm erstmal als beliebtester Stadtteil unter allen Hamburger Stadtteilen aus einer Marktstudie hervor.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Hamburg und Umgebung um 1800

Ursprünge[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1256, als die beiden Grafen Johann und Gerhard von Schauenburg-Holstein ihre östlich von Hamburg zwischen den Dörfern „Hamme“ und „Eilenbeke“ gelegenen Ländereien an die Stadt Hamburg verpachteten. 1383 verpfändete Graf Adolf VII. von Holstein-Kiel seinen Besitzanteil in Hamm und Hammerbrook zunächst an die Stadt Hamburg und verkaufte ihn einige Jahre später an diese. Die übrigen Hammer Ländereien befanden sich bereits seit 1288 im Besitz des Hamburger Domkapitels, das diese 1566 ebenfalls an die Stadt veräußerte. Bereits um 1410 war die „Landherrenschaft Hamm und Horn“ gebildet worden, zu der auch die heutigen Stadtteile St. Georg, Borgfelde, Eilbek, Uhlenhorst, Hammerbrook und Fuhlsbüttel gehörten.

Vom Villenvorort zum Stadtteil[Bearbeiten]

Landhaus „Hammer Hof“, um 1820
Hammer Kirche und Friedhof, um 1900

Seit dem 17. Jahrhundert begann sich der dörfliche Charakter Hamms allmählich zu ändern, als wohlhabende Hamburger Bürger dort Land kauften und Sommerhäuser erbauten. Viele Straßennamen (z.B. Beltgens Garten, Borstelmannsweg, Droopweg, Dobbelerstieg) erinnern noch heute an die einstigen Besitzer. Diese Neubürger veranlassten auch den Bau der 1693 geweihten Dreifaltigkeitskirche zu Hamm. 1781 kaufte der aus Genf stammende Kaufmann Jacques de Chapeaurouge einen Teil des Hammer Waldes und legte dort den Grundstein für den heutigen Hammer Park. Das Anwesen ging später durch Heirat in den Besitz der Familie Sieveking über und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt Hamburgs, als zahlreiche bekannte Persönlichkeiten im „Hammer Hof“ verkehrten.

Im Belagerungswinter 1813/14 wurde Hamm von den Franzosen niedergebrannt, um freies Schussfeld gegen das anrückende russische Heer zu schaffen; an die damaligen Opfer erinnert ein Mahnmal auf dem alten Hammer Friedhof. Nach dem Großen Hamburger Brand von 1842 ließen sich viele Sommerhausbesitzer dauerhaft in Hamm nieder, und seit der Aufhebung der Torsperre 1860 wanderten immer mehr Hamburger Bürger ins Umland ab. Um der zunehmenden Verstädterung gerecht zu werden, schied Hamm 1871 aus der Landherrenschaft aus und wurde als Vorstadt unter städtische Verwaltung gestellt. 1894 erfolgte schließlich die vollständige Eingemeindung als Stadtteil.

Etwa zur gleichen Zeit begann von Westen her die Aufschüttung des sumpfigen Marschlandes im Süden, um zusätzliches Bauland zu gewinnen. Kanäle wurden angelegt, die den gesamten ehemaligen Hammerbrook in west-östlicher Richtung durchziehen (Nord-, Mittel- und Südkanal). Zudem sorgte ein von Grundeigentümern gegründetes „Konsortium Hammerbrook“ für den Bau einer Feldbahn, die ab 1906 Sand aus den Boberger Dünen herbeischaffte, um das Gelände mehr als fünf Meter anzuheben. In der Folge wurden die neu gewonnenen Flächen intensiv mit Mietskasernen (so genannten „Schlitzbauten“) bebaut, die vor allem von Arbeitern und Kleingewerbetreibenden bewohnt werden. Der proletarische Charakter Süd-Hamms bildete einen starken Kontrast zum eher bürgerlich geprägten Norden, so dass die damals volkstümlich werdende Unterscheidung in „Oben-“ und „Unten-Hamm“ zugleich eine soziale Abgrenzung ausdrückt. Um diesen Gegensatz zu mildern, entstand in den 1920er und 1930er Jahren nach Plänen des damaligen Stadtbaudirektors Fritz Schumacher ein neues Wohngebiet im äußersten Nordosten Hamms – zwischen Hammer Steindamm und der damaligen Stadtgrenze zu Wandsbek.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten]

An zahlreichen Häusern in Hamm erinnern Gedenktafeln wie diese an die Zerstörung des Stadtteils im Juli 1943

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hamm bei alliierten Luftangriffen im Rahmen der Operation Gomorrha im Juli 1943 fast vollständig zerstört.[10] Tausende Menschen kamen im Feuersturm um; die Überlebenden flohen aufs Land oder zogen in Notunterkünfte (Nissenhütten) und Schrebergarten-Häuschen. Die über Hamm verteilten zahlreichen Luftschutzbunker sowie das in einem Röhrenbunker eingerichtete Bunkermuseum im Garten der Wichernkirche erinnern noch heute an die Schrecken des Krieges.

Seit Anfang der 1950er Jahre bauten vor allem Wohnungsbaugenossenschaften das zerstörte Hamm wieder auf. Dabei wurden, um die Wohnungsnot schnell zu beheben, vor allem viele kleine Wohnungen gebaut, was heute ein Problem für die Stadtteilentwicklung darstellt, da vor allem Familien mit Kindern kaum angemessenen Wohnraum finden. Zudem wurde der einstmals dicht besiedelte Südteil nach dem Krieg fast vollständig entvölkert und fortan gewerblich genutzt; Wohnbebauung findet man dort lediglich noch im Osterbrookviertel.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1811: 00 852
  • 1866: 03.162
  • 1894: 14.697
  • 1939: 90.316
  • 1946: 07.489
  • 1959: 53.835
  • 1990: 36.355
  • 2012: 37.607

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Wie das gesamte Hamburger Umland war auch Hamm seit der Reformation lange Zeit evangelisch-lutherisch geprägt. Seit dem Bau der ersten Dreifaltigkeitskirche im Jahre 1693 besteht eine eigene Hammer Gemeinde, die anfangs auch Horn und einen Teil von Eilbek umfasste. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden für die wachsende Bevölkerung mehrere Tochtergemeinden gegründet (Dankeskirche 1895, Wichernkirche 1934, Pauluskirche 1955, Simeonkirche 1965/66). Ein Teil davon schloss sich 1999 aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen wieder zu einer Gemeinde zusammen, der zur Zeit rund 7.400 Gläubige angehören.[11]

Daneben bestehen seit den 1950er Jahren eine eigene katholische Gemeinde (Herz Jesu Hamm) sowie mehrere evangelische Freikirchen (Methodistische Christuskirche, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hamburg-Hamm (Baptisten)[12], Dreieinigkeitskirche der SELK)[13].

In jüngerer Zeit kamen noch eine griechisch-orthodoxe Gemeinde (Nikolauskirche, seit 2003, ehemals Simeonkirche) sowie eine DITIB-Moschee[14] hinzu.

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Hamm zum Wahlkreis Hamburg-Mitte. Die Bürgerschaftswahl 2011 brachte folgendes Ergebnisse[15]:

  • SPD: 50,3 % (+ 12,0)
  • CDU: 16,6 % (– 20,5)
  • GAL: 12,2 % (+ 3,0)
  • Die Linke: 8,5 % (+ 0,7)
  • FDP: 4,3 % (+ 0,2)
  • Übrige: 8,1 % (+ 4,6)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Aufgrund der großflächigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind nur wenige historische Bauwerke im Stadtteil erhalten. Neben einigen wenigen Gründerzeitvillen im äußersten Nordwesten ist der Stadtteil daher vorwiegend durch die typischen roten Backsteinbauten der 1920er bis 1950er Jahre geprägt. Hervorstechend sind hier insbesondere die Schulbauten von Fritz Schumacher Osterbrook, Griesstraße sowie das ehemalige Mädchengymnasium in der Caspar-Voght-Straße, in dem heute das Ballettzentrum Hamburg von John Neumeier untergebracht ist (Kunst am Bau von Ervin Bossányi). Aus der gleichen Zeit stammt das Gebäude des ehemaligen Kirchenpauer-Gymnasiums, benannt nach dem früheren Ersten Bürgermeister der Stadt, an der Ecke Sievekingsallee/Hammer Steindamm, das seit 1987 als Bildungszentrum für die Hamburger Steuerverwaltung (seit 2010: Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht) genutzt wird.

Das wohl bekannteste Wahrzeichen Hamms ist die 1956/57 neu erbaute Dreifaltigkeitskirche von Reinhard Riemerschmid mit ihrem charakteristischen Turm. Ein weiterer wichtiger Kirchenbau dieser Zeit ist die 1958 von Helmut Lubowski errichtete Christuskirche in der Carl-Petersen-Straße/Ecke Sievekingdamm. Diese Kirche wird u.a. in der Liste der erkannten Denkmäler Hamburgs geführt und 2007 in einer Ausstellung der Kulturbehörde zusammen mit anderen Kirchenbauten aus der Nachkriegszeit einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Unmittelbar neben der evangelischen Dreifaltigkeitskirche befindet sich die katholische Herz-Jesu-Kirche. Ebenfalls in Hamm-Nord steht die griechisch-orthodoxe Kirche des heiligen Nikolaus, die frühere evangelische Simeonskirche. Weitere evangelische Kirchen sind die Pauluskirche in Hamm-Nord, die Wichernkirche in Hamm-Mitte und die Dankeskirche in Hamm-Süd.

Parks[Bearbeiten]

Sieveking-Mausoleum auf dem alten Hammer Friedhof.

Mit dem von Otto Linne umgestalteten Hammer Park, der auf einen über 200 Jahre alten Landschaftsgarten der Familien Chapeaurouge und Sieveking zurückgeht, beheimatet Hamm eine der größten und ältesten Parkanlagen Hamburgs. Zum Park gehören ein Sportstadion, ein Kinderspielplatz, eine Rodelbahn, ein Planschbecken, mehrere Blumen- sowie Kräutergärten sowie ein Minigolfplatz.

Hinter der nach Kriegszerstörung neu erbauten Dreifaltigkeitskirche befindet sich der unter Denkmalschutz stehende historische Hammer Friedhof mit zahlreichen historisch bedeutsamen Gräbern, darunter Amandus Abendroth, Elise Averdieck und Johann Hinrich Wichern, der Gründer des Rauhen Hauses im benachbarten Hamburg-Horn. Daneben befindet sich auf dem Gelände das älteste Mausoleum Hamburgs, das Sieveking-Mausoleum, entworfen von dem Architekt Alexis de Chateauneuf. Es ist die Beisetzungstätte der Familien Sieveking und Chapeaurouge, darunter der Erbauer Karl Sieveking und dessen Cousine Amalie Sieveking. Mehrere Mahnmale erinnern an die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie an jene des Belagerungswinters 1813/14, als zahlreiche aus ihren Häusern vertriebene Einwohner Hamms in Erdlöchern und Grabgewölben hausten und dabei umkamen.[16]

Am Westrand zu Borgfelde befindet sich der Thörlspark, auf dessen Gelände früher eine der bedeutendsten Kaufmannsvillen Hamms stand.

Bunkermuseum[Bearbeiten]

In einem unterirdischen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg betreibt das Stadtteilarchiv Hamm seit 1997 ein Bunkermuseum. Der vollständig erhaltene Röhrenbunker im Garten der Wichernkirche wurde 1940/41 erbaut und besteht aus einem Eingangsbauwerk mit Treppe und Gasschleuse, einem Notausgangsbauwerk sowie vier Betonröhren. Die Sohle liegt etwa fünf Meter unter der Erde, die Röhren sind jeweils 17 Meter lang, zwei Meter breit und weisen eine lichte Höhe von 2,25 Meter auf. Jede der Röhren war für etwa 50 Personen vorgesehen, sie boten Raum für insgesamt 200 Menschen. Trockentoiletten, Beheizung und Beleuchtung sowie eine handbetriebene Lüftungsmaschine waren vorgesehen. Es sind Wandbeschriftungen im Innern erhalten, außerdem werden neben Ausstattungsgegenständen auch Dokumente zum Thema Luftschutz und Luftkrieg ausgestellt. Gezeigt werden außerdem Berichte von Zeitzeugen, die die Luftangriffe auf Hamburg-Hamm 1943 miterlebt haben. Der Röhrenbunker wird vom Stadtteilarchiv Hamm betreut und ist seit Oktober 2002 in die Hamburger Denkmalliste eingetragen.[17]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Der Kulturladen Hamm in der Carl-Petersen-Straße fördert in seinen Räumen die Stadtteilkultur. Zum Programm gehören politische Diskussionsrunden, bunte Nachmittage auf plattdeutsch, Kabarett-Vorstellungen, Kindertheater, Kursangebote von Töpfern über Yoga, Computer für Senioren bis zu Nachhilfeunterricht für Schüler. Jeweils einmal im Jahr finden ein großer Flohmarkt und, im Hammer Park, ein Kinderfest statt, die die Kommunikation der Stadtteilbewohner unter- und miteinander fördern sollen. Im selben Haus befindet sich auch der Betreiber des Bunkermuseums Hamm, das Stadtteilarchiv Hamm (30.000 historische Gebäudefotos, nach Straßen und Hausnummern sortiert, vielfach mit Bildersätzen „Vor dem Feuersturm des Bombenkriegs /kriegszerstörter Zustand /Wiederaufbau /heute“), eine Fundgrube für historisch oder familiengeschichtlich Interessierte. Im Programmangebot befinden sich regelmäßige Veranstaltungen wie Vorträge, Stadtteilrundgänge und historische Barkassenfahrten.

„Literarisches Kaffeesatzlesen“ in der „BaderAnstalt“ am Hasselbrookbahnhof (auf der Südseite des Bahnlinie, Hammer Steindamm 62 (Hinterhaus, 5. OG)), immer am letzten Sonntag des Monats um 16 Uhr. In der „BaderAnstalt“ finden gelegentlich auch andere Veranstalter wie etwa „Reederei Hamburg“ und „Hamburger Sprechwerk“ ihr Publikum.

Training im Polizeihundsportverein
Große Liegewiese im Aschbergbad.

Sport[Bearbeiten]

In Hamm sind mehrere traditionsreiche Sportvereine ansässig, darunter die Hamburger Turnerschaft von 1816 (HT16), nach eigener Aussage der „älteste Turn- und Sportverein der Welt“[18], sowie der „Hammerdeicher Ruderverein von 1893“[19], der mit dem mehrfachen Weltmeister und Olympiazweiten Peter-Michael Kolbe einen der erfolgreichsten deutschen Ruderer hervorgebracht hat. Der ebenfalls in Hamm ansässige SV St. Georg von 1895 genoss in früheren Jahren vor allem für seine Leichtathletikabteilung sowie seine Stadionfeste im Hammer Park überregionale Bekanntheit. Vereinsheim und Tennisanlage befinden sich noch heute in unmittelbarer Nachbarschaft des Parks.

Vergleichsweise jung ist hingegen der Fußball-Club „Hamm United FC“, dem nach seiner Gründung 2005 in nur wenigen Jahren der Aufstieg bis in die Landesliga gelang.[20] Seine Heimspiele bestreitet der Verein im Hammer-Park-Stadion.

Auf der Bille im Süden Hamms wird Wassersport getrieben, vor allem gerudert, Kanu und Kajak gefahren. An der Braunen Brücke liegt ein kleiner Yacht- und Motorboothafen, in dem der „Norddeutsche Sportboot Club“ ansässig ist.[21] Auf der gegenüberliegenden Billerhuder Insel (Rothenburgsort) ist der „Biller Ruder Club v. 1883 r.V.“ zu Hause, der 1883 als Arbeiter-Ruderverein „Theodor von der Bille“ gegründet wurde und ebenfalls zu den ältesten Sportvereinen am Ort zählt.

Ebenfalls in Hamm-Süd liegt der Trainingsplatz des „Polizeihundesportvereins Bille von 1925 e.V.“[22] sowie das Aschbergbad, ein Freibad der kommunalen Bäderland Hamburg mit der längsten Außenwasserrutsche der Stadt (110 Meter).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Hamm-Mitte befinden sich mehrere Discounter, Drogeriemärkte, Arztpraxen, zwei Apotheken und ein gutes Dutzend kleinerer Geschäfte und Kioske. Auch ein nur für weibliche Kundschaft geöffnetes Fitnesscenter ist dort ansässig.

Werkshalle für Papier-Recycling

In Hamm-Süd befinden sich einige Industrieanlagen, etwa für Papier-Recycling, zahlreiche Lagerhallen, Internetdienstleister und Speditionen. Eine Reihe von Auto- und Motorboothändlern sind ebenfalls hier ansässig. An der Süderstraße liegt die Kaffeerösterei der Tchibo GmbH', eine der größten Röstereien Europas. Für eine zusätzliche wirtschaftliche Belebung soll das im Juni 2005 fertiggestellte Störtebekerhaus (Kosten: rund 20 Millionen Euro), benannt nach dem Seeräuber Klaus Störtebeker, sorgen. Es ist ein 10.000 Quadratmeter umfassendes Büro- und Gewerbehaus, das durch seine aufwändig gestaltete historisierende Fassade auffällt. Gegenüber am Borstelmannsweg liegt das vor etwa zwanzig Jahren eröffnete „Apartment-Hotel“, ein zertifiziertes 3-Sterne-Hotel mit insgesamt 119 Gästezimmern.

Das Störtebekerhaus

Stadtweit bekannt ist das Tierheim am Ende der Süderstraße (40.000 Quadratmeter, 80 Pfleger), wo pro Jahr etwa 11.000 herrenlose und ausgesetzte Haustiere aufgenommen und an neue Eigentümer vermittelt werden. Das Tierheim gehört dem Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. und ist die einzige amtliche Annahmestelle für herrenlose Tiere in Hamburg. Der Betrieb kostet mehr als fünf Millionen Euro jährlich und wird von der Stadt mit etwa einer Million Euro gefördert.

Besonders abends befindet sich in der Süderstraße ein Straßenstrich, der jedoch deutlichen Abstand zum Wohngebiet hält und sich auf den Straßenabschnitt im Gewerbegebiet zwischen Ausschläger Weg und Borstelmannsweg beschränkt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Hansaburg

Eines der wichtigsten Unternehmen von Hamm-Süd ist die bereits erwähnte Kaffee- und Kakaorösterei der Tchibo GmbH. Daneben gibt es zahlreiche Speditionen, etwa die Hoyer GmbH, die in der Wendenstraße 493 ihren Hauptsitz hat und Güter in 87 Länder transportiert, lagert und umschlägt. Ebenfalls Ihren Hauptsitz in der Wendenstraße hat die Spedition Konrad Zippel GmbH & Co KG. Sie steuert von hier aus ein Jahresvolumen von mehr als 150.000 Überseecontainern in die Regionen Berlin, Leipzig und Dresden per Ganzzug, Binnenschiff und LKW. Erwähnenswert ist zudem die Fragrance Resources GmbH & Co. KG (Borstelmannsweg 169), die Düfte für Parfüm, Shampoo, Duschgel und andere Pflege- und Haushaltsprodukte entwickelt. Am Ende der Wendenstraße hat die Weiterbildungseinrichtung „Stiftung Berufliche Bildung (SBB)“, die Fortbildungsseminare für Arbeitslose anbietet, ihren Sitz. Sie residiert hinter der historischen Backsteinfassade der Hansaburg (erbaut 1913–1915), der ehemaligen Papierfabrik Lehmann und Hildebrandt, die überwiegend Briefpapier und -umschläge herstellte. Neben der Schule Osterbrook ist die Hansaburg eines der wenigen Gebäude in Hamm-Süd, das zumindest teilweise den Feuersturm von 1943 überstanden hat.

Verkehr[Bearbeiten]

Im kleinen Bille-Hafen an der Braunen Brücke liegen neben zahlreichen Motorbooten auch Hausboote.
Blick über den Südkanal

Durch Hamm verlaufen in west-östlicher Richtung mehrere Hauptverkehrsachsen, darunter die Bundesstraße 5 (Eiffestraße) in Richtung Berlin sowie die Sievekingsallee, die als Zubringer zur Bundesautobahn 24 (Anschlussstelle Hamburg-Horn) zu den meistbefahrenen Straßen Hamburgs zählt.

An den öffentlichen Nahverkehr innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) ist Hamm durch die S-Bahn-Stationen Landwehr und Hasselbrook der S-Bahn-Linien S1 und S11 sowie die U-Bahn-Stationen Burgstraße, Hammer Kirche und Rauhes Haus der Linien U2 und U4 angebunden.

Parallel zur Strecke der U2/U4 verläuft der Straßenzug Borgfelder Straße/Hammer Landstraße, der weiter nach Billstedt und Bergedorf führt und bereits im Mittelalter als Heerweg genutzt wurde. Er war vor dem Ausbau der Eiffestraße nach Bergedorf (diese endete früher vor dem Bahndamm der Güterumgehungsbahn an der Schurzallee-Nord) Haupteinfallstraße für den aus Osten kommenden Verkehr. Hier verkehren tagsüber die Stadtbuslinie 116 (Wandsbek Markt → Billstedt) und die Schnellbuslinie 31 (Innenstadt – Bergedorf – GeesthachtLauenburg), nachts verkehrt die Nachtbuslinie 609 (Bahnhof AltonaNettelnburg). Auch die Metrobuslinie 25 (Altona → Winterhude → Hammerbrook) berührt Hamm.

Weitere Buslinien in Hamm sind die Linie 112, die den Süden des Stadtteils mit der Hamburger Innenstadt verbindet, sowie die Linie 161 vom Berliner Tor nach Öjendorf. Abends verkehrt die Linie 312 zwischen den Endhaltestellen Osterbrookplatz und Berliner Tor. Ab U-Bahnhof Burgstraße verkehrt tagsüber die Linie 130 Richtung Billstedt über die Braune Brücke (Ecke Süderstraße/Diagonalstraße) und Rothenburgsort.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Hamm besitzt vier Grundschulen, davon zwei in staatlicher und zwei in freier Trägerschaft, sowie zwei weiterführende Schulen:

  • Grundschule Hohe Landwehr
  • Ganztagsgrundschule Osterbrook
  • Evangelische Paulus-Grundschule Quellenweg
  • Katholische Schule Hammer-Kirche (Grundschule mit Beobachtungsstufe)
  • Stadtteilschule Hamburg-Mitte, Standort Griesstraße
  • Gymnasium Hamm[24]
  • Förderschule Pröbenweg

Berufliche Bildungseinrichtungen:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Adolf Diersen: Aus der alten Landherrenschaft Hamm und Horn. Hamburger Heimatbücher, Hamburg 1961
  • Kerstin Rasmußen, Gunnar Wulf: Veränderungen 1894–1994. Hamburg-Hamm im Spiegel erlebter Geschichte(n). Stadtteilarchiv Hamm – Bd. 5, Hamburg 1994, ISBN 3-9803705-2-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Hamm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein. (Daten für Hamm-Mitte, -Nord u. -Süd kumuliert)
  2. Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2009: Nord: 22737; Mitte: 11319; Süd: 4165. Fläche in km²: Nord:1,8 ; Mitte:0,9 ; Süd: 1,1.
  3. Durch Änderung des Gesetzes über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 6. Juli 2006 (HmbGVBl. S. 397), vgl. Pressemitteilung der Innenbehörde vom 2. November 2010. sowie Pressemitteilung des Statistikamtes Nord vom 15. Dezember 2010.
  4. Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 49
  5. http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/NR13_Stadtteil-Profile_2012.pdf
  6. http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/Stadtteil_Profile2004.pdf
  7. http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/NR11_Stadtteil-Profile_2011.pdf
  8. http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/NR13_Stadtteil-Profile_2012.pdf
  9. http://www.mopo.de/nachrichten/wohnungssuche-so-viel-wuerden-die-hamburger-zahlen,5067140,26252344.html
  10. Stadtplan der Zerstörungen 1945
  11. http://www.hammer-kirche.de/index.php/unsere-gemeinde.html
  12. http://www.efg-hamburg-hamm.de/
  13. http://www.selk-hh.de/
  14. http://www.ditib-nord.de/
  15. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  16. Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer – Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung. Christians-Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-7672-1215-3
  17. Das Bunkermuseum Hamburg. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  18. http://www.ht16.de
  19. http://www.rudern.de/verband/mitglieder/?details=11510
  20. http://www.hamm-united.de
  21. http://www.nsc-bille.de/
  22. http://www.phv-bille.de/
  23. http://www.hh-hamm.de
  24. http://gyha.de/
  25. http://kfz-schule.hamburg.de/index.php/
  26. http://www.stiftung-berufliche-bildung.de/
  27. http://www.asklepios.com/bzg
  28. http://www.hamburgballett.de/d/schule.htm