Helmut Rahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Fußballspieler Helmut Rahn; zu weiteren Personen gleichen Namens siehe Helmut Rahn (Begriffsklärung).
Helmut Rahn

Helmut Rahn im März 1962

Spielerinformationen
Geburtstag 16. August 1929
Geburtsort EssenDeutschland
Sterbedatum 14. August 2003
Sterbeort EssenDeutschland
Position Rechtsaußen
Vereine in der Jugend
1938–1946 SV Altenessen 1912
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1946–1950
1950–1951
1951–1959
1959–1960
1960–1963
1963–1965
SC Oelde 09
Sportfreunde Katernberg
Rot-Weiss Essen
1. FC Köln
Sportclub Enschede
Meidericher SV
0
30 0(7)
201 (88)
29 (11)
69 (39)
19 0(7)
Nationalmannschaft
1951–1960 Deutschland 40 (21)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Helmut Rahn (* 16. August 1929 in Essen; † 14. August 2003 ebenda) war ein deutscher Fußballspieler.

Rahn wurde durch seinen Treffer zum 3:2 im WM-Finale 1954 gegen Ungarn berühmt, der Deutschland zum Weltmeister machte und das „Wunder von Bern“ begründete. Er trug aufgrund seiner Fähigkeiten als Führungsspieler den Spitznamen „Der Boss“.

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Helmut Rahn wurde 1929 als dritter von vier Söhnen einer Bergmannsfamilie in Essen geboren und trat als Neunjähriger dem SV Altenessen 1912 bei, dem er bis nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv angehörte.

In der Nachkriegszeit spielte er von 1946 bis 1950 für den SC Oelde 09, wo er in einer Saison 52 Tore erzielte. Nach einem Jahr bei den Sportfreunden Katernberg (1950/51) wechselte er 1951 zu Rot-Weiss Essen, dem größten und traditionsreichsten Verein seiner Heimatstadt.

1953 gewann er mit Essen den DFB-Pokal, zwei Jahre später besiegte RWE den 1. FC Kaiserslautern im Finale um die deutsche Meisterschaft. Im Endspiel wurde die „Walter-Elf“ mit 4:3 bezwungen. 1957 fuhr Rahn mit seinem Wagen volltrunken in eine Baugrube und wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Die angerückten Polizisten hatte er mit Schlägen und Tritten attackiert.

Nach acht Jahren kündigte Rahn 1959 seinen Abschied aus Essen an und wechselte zum 1. FC Köln. Ein Jahr später stand er wieder im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, wo man jedoch dem Hamburger SV unterlag (2:3). Bei den Kölnern handelte sich Rahn diverse Disziplinarstrafen ein, 1961 geriet er erneut wegen Trunkenheit am Steuer in die Schlagzeilen und wurde als Wiederholungstäter zu vier Wochen Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Rahn (rechts) im Trikot des SC Enschede, 1960

Angebote von großen europäischen Clubs schlug er aus, bis auf ein dreijähriges Engagement beim Sportclub Enschede in den Niederlanden. Beim Start der Fußball-Bundesliga 1963 spielte Rahn beim Meidericher SV. In der ersten Bundesligasaison bestritt der Altstar 18 Spiele und schoss sieben Tore. Am vierten Spieltag im Spiel gegen Hertha BSC wurde er nach einer Tätlichkeit beim Spielstand von 1:2 (Endergebnis 1:3) als erster Bundesligaspieler überhaupt des Feldes verwiesen, er kam erst wieder im 8. Spiel zum Einsatz. In der nächsten Saison stand Rahn zwar noch im Kader der Meidericher, kam aber aufgrund von Problemen an der Achillessehne nur noch einmal, bei der 2:4-Niederlage gegen Borussia Neunkirchen, zum Einsatz. Aufgrund einer Operation an der Achillessehne musste Rahn seine Karriere 1965 im Alter von 35 Jahren beenden.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Ende 1951 wurde Rahn erstmals in den Kader der Nationalmannschaft berufen und debütierte am 21. November 1951 beim 2:0-Sieg über die Türkei in Istanbul. Wenige Wochen später gelang ihm beim 4:1 über Luxemburg sein erstes Länderspieltor, ausgerechnet in Essen.

1954 nominierte ihn Nationaltrainer Sepp Herberger für die WM-Endrunde in der Schweiz. Doch „der Boss“ war kein Stammspieler, und so gab Herberger in den beiden Vorrundenspielen gegen die Türkei (4:1 und 7:2) dem Schalker Berni Klodt den Vorzug. Rahn kam lediglich gegen Ungarn zum Einsatz, als Herberger fast die halbe Mannschaft schonte. Die deutsche Reserve-Elf wurde von den Ungarn mit 3:8 vorgeführt. Rahn war noch einer der besten und erzielte einen Treffer - für Herberger mit ein Grund, ihn im Viertelfinale gegen Jugoslawien aufzustellen, wo Rahn beim 2:0 erneut traf. Nach einem 6:1 über Österreich standen die Deutschen überraschend im Endspiel, wo sie als Außenseiter wieder auf Ungarn trafen. Nach 0:2-Rückstand glich die deutsche Elf durch Tore von Max Morlock und Rahn aus, der in der 84. Minute auch den Siegtreffer zum 3:2 erzielte. Das „Wunder von Bern“ war perfekt, und ganz Deutschland feierte seine Weltmeister. Im Kontext des sich langsam wieder entfaltenden Selbstbewusstseins von Nachkriegsdeutschland gilt der Siegtreffer gegen die favorisierten Ungarn bis heute als wohl berühmtestes Tor der deutschen Fußballgeschichte.

Obwohl Rahn in den folgenden Jahren aufgrund von Eskapaden in negative Schlagzeilen geraten war, hielt Herberger an seinem Rechtsaußen fest und verzichtete auch bei der WM 1958 in Schweden nicht auf ihn, den er einmal als „Meister der positiven Improvisation“ tituliert hatte. In der Vorrunde erzielte er zwei Treffer gegen Argentinien (3:1) sowie je ein Tor gegen Nordirland (2:2) und die CSSR (2:2). Ein weiteres Tor gelang Rahn im Viertelfinale gegen Jugoslawien, das Deutschland ins Halbfinale katapultierte. Zu mehr reichte es für den Titelverteidiger allerdings nicht: nach einem 1:3 gegen Gastgeber Schweden und einem 3:6 gegen Frankreich im Spiel um Platz Drei musste sich die DFB-Elf mit dem vierten Platz begnügen. Nach sechs WM-Treffern und einem starken Turnier wurde Rahn 1958 bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres auf Platz 2 gewählt und war damit bis 1970 bestplatzierter deutscher Spieler bei dieser Wahl.

Seinen letzten Einsatz für die Nationalmannschaft absolvierte er am 27. April 1960 beim 2:1 über Portugal, wobei ihm noch einmal ein Tor gelang. Nach 40 Länderspielen (21 Tore) zog er sich aus dem internationalen Geschäft zurück.

Denkmal am Georg-Melches-Stadion

Leben nach dem Fußball[Bearbeiten]

1965 konnte Rahn auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Als Geschäftsmann blieb der Essener aber weitgehend erfolglos. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans versuchte er sich als Gebrauchtwagenhändler, später arbeitete er als Repräsentant und Verkaufsleiter einer Entsorgungsfirma für Bauschutt. In den Siebzigern organisierte er einige Benefizspiele, bei denen er mitunter noch selber mitspielte. Danach vermied er öffentliche Auftritte im Zusammenhang mit seiner Fußballerzeit. Selbst für die Dreharbeiten zu Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“, in dem die Rolle von Helmut Rahn im Mittelpunkt steht, konnte er nicht für eine beratende Mitwirkung interessiert werden. Regelmäßig anzutreffen war er lediglich in seiner Stammkneipe, der "Friesenstube" in Essen auf der Frohnhauser Straße, vor der heute eine Tafel an ihn erinnert.

Familie[Bearbeiten]

Helmut Rahn heiratete 1953 die Verkäuferin Gerti. Er hatte zwei Söhne, Uwe (* 1954) und Klaus. [1] Der Enkel eines Cousins ist der ghanaische Nationalspieler Kevin-Prince Boateng.

Tod[Bearbeiten]

Das Grab von Helmut Rahn

Am 14. August 2003 starb Helmut Rahn nach langer, schwerer Krankheit zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag in seiner Essener Wohnung. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Margaretenfriedhof in Essen-Holsterhausen. Am 12. Juli 2004 wurde mit einem Festakt im Essener Georg-Melches-Stadion vor etwa 5.500 Zuschauern ein Denkmal zu seinen Ehren enthüllt. Die lebensgroße Bronzestatue von Inka Uzoma soll künftig auf dem geplanten Helmut-Rahn-Platz vor dem Stadion stehen.

Statistik[Bearbeiten]

  • 40 Länderspiele; 21 Tore für Deutschland
  • 1 B-Länderspiel; 2 Tore
  • 1. Bundesliga
    19 Spiele; 7 Tore Meidericher SV
  • Oberliga West
    201 Spiele; 88 Tore Rot-Weiss Essen
    29 Spiele; 11 Tore 1. FC Köln
  • Endrunde um die Deutsche Meisterschaft
    7 Spiele; 3 Tore 1. FC Köln
  • Westpokal
    2 Spiele; 2 Tore 1. FC Köln

Erfolge[Bearbeiten]

In der Kunst[Bearbeiten]

Der Spielfilm Das Wunder von Bern aus dem Jahre 2003 ist Helmut Rahn gewidmet.[2] Er wird in diesem Film von Sascha Göpel dargestellt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Rahn: Mein Hobby: Tore schießen. 1959, ISBN 3-421-05836-9
  • Helmut Rahn: In den guten Schuhen wird nicht Fußball gespielt. In: … der Boss spielt im Himmel weiter: Fußball-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Herausgeber: Hermann Beckfeld, Werner Boschmann, Verlag Henselowsky Boschmann, Bottrop 2006, ISBN 3-922750-62-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Helden von Bern[1]
  2. [2] Artikel im Tagesspiegel anlässlich Rahns Todes
  3. [3] Das Wunder von Bern in der Deutschen IMDb