Mülheim (Köln)

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Dieser Artikel behandelt den Kölner Stadtteil Mülheim; zu dem gleichnamigen Stadtbezirk Kölns siehe Köln-Mülheim (Stadtbezirk).
Wappen von Mülheim
Wappen von Köln
Mülheim
Stadtteil 901 von Köln
Lage des Stadtteils Mülheim im Stadtbezirk Köln-Mülheim
Koordinaten 50° 57′ 44″ N, 7° 0′ 15″ O50.9622222222227.0041666666667Koordinaten: 50° 57′ 44″ N, 7° 0′ 15″ O
Fläche 7,067 km²
Einwohner 41.711 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 5902 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1914
Postleitzahlen 51063, 51065
Vorwahl 0221
Stadtbezirk Mülheim (9)
Verkehrsanbindung
Autobahn A3
Bundesstraße B8 B51 B506
DB-Anschluss Köln-Mülheim
Stadtbahnlinien 3 4 13 18
Buslinien 151 152 153 155 159 190 250 260 434
Quelle: Kölner Stadtteilinformationen – Zahlen 2013

Mülheim (op Kölsch: Müllem) ist ein Stadtteil von Köln, der dem Bezirk Mülheim den Namen gegeben hat. Mit 41.814 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2012) ist Mülheim der bevölkerungsreichste Stadtteil der Stadt.

Lage[Bearbeiten]

Mülheimer Brücke und ein „Müllemer Böötche“
„Müllemer Böötche“ an ihrem Anlegeplatz um 1900
Ausschnitt Köln und Mülheim „Carte des Herzogtums Berg“ Wiebeking um 1790 Quelle: Mülheim im Museum Kölnisches Stadtmuseum 1991
Lithographierte Postkarten um 1900. Mülheimer Gottestracht.
Lithographierte Postkarte 1914 Mülheim mit Mülheimer Gottestracht
Lithographierte Postkarte 1897 Fisscher
Litho Gruss aus Mülheim 1898 Wwe Jacobi

Mülheim grenzt im Osten an Höhenhaus und Buchheim, im Süden an Buchforst und Deutz, im Westen an den Rhein und im Norden an Stammheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des heutigen Stadtteils entstammt den einst am Strunderbach existierenden Mühlen. Die Anfänge des Ortes gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Politisch gehörte Mülheim seit dem Mittelalter zum Herzogtum Berg.

  • Die erste Erwähnung des Ortes (als Mulenheym) erfolgte – angeblich (s. u.) – im Jahr 1098. Andere Schreibweisen des Ortes zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert sind Mulinheim oder Molenheym. Mülheim war damals unbedeutender als das benachbarte Buchheim, von dessen Pfarrei es bis zum Ende des 16. Jahrhunderts abhängig blieb. Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass neuere Forschungen das Datum der ersten Erwähnung von 'Mülheim' anzweifeln: Vielfach wird auch heute noch das Jahr 1098 als Jahr der Ersterwähnung der 1914 nach Köln eingemeindeten Stadt Mülheim angenommen. Diese inzwischen widerlegte Annahme reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.[1] Der vermeintliche Erstbeleg „Mulenheim“ von 1098 für Mülheim am Rhein existiert jedoch als solcher gar nicht, sondern bezieht sich nur auf Ereignisse, die erst in Urkunden des Klosters St. Pantaleon von [1112/15] und 1139 berührt werden und nur grob mit der Regierungszeit des Erzbischofs Hermann III. (1089–1099) datiert werden können. Der Bezug auf das Kloster St. Pantaleon verweist zugleich aber auf das westlich von Köln gelegene Hermülheim, in dem das Kloster St. Pantaleon in späterer Zeit immer Besitzungen hatte, während sich in Mülheim am Rhein zu keiner Zeit Besitzungen des Klosters nachweisen lassen.[2] Die verlorene Urkunde von 1089/99 ist jetzt maßgeblich ediert bei E. Wisplinghoff.[3] Die ersten ganz sicher auf Mülheim am Rhein zu beziehenden Belege ergeben sich aus Urkunden vom 1. Oktober 1151 (Mulnehim), 11. August 1157 (Mulenheim) und aus dem Jahre 1166 (Mulenheim)[4] sowie aus einer im 15. Jh. angefertigten Kopie einer Urkunde des Jahres [1152] (Molenheym).[5]
  • 1268 stieg Mülheims Bedeutung, weil es wegen seiner Hochuferlage Fährplatz des Klosters Altenberg wurde, was es bis 1700 blieb. Seit dieser Zeit bis zur französischen Besetzung 1795–1801 wurde Mülheim durch den Grafen von Berg als Vorposten gegen Köln genutzt. 1275 wurde der Ort mit Mauern befestigt. Adolf von Berg errichtete in Mülheim auch eine Münzstätte.
  • 1308 schwerer Eisgang
  • Am 7. März 1322 wurden Mülheim die Rechte einer Freiheit verliehen, „Freiheit“ (heute noch unter dem Namen „Mülheimer Freiheit“ als Straßenzug vorhanden).
  • 1363 Erwähnung in der Bergischen Ämterverfassung für den Anschluss an die Grafschaft Berg.
  • Die beabsichtigte Konkurrenz der Grafen von Berg zur Stadt Köln wurde von den Kölnern argwöhnisch betrachtet. Die gegen Köln gerichteten Befestigungen, Wall und Graben wurden auf Kölner Veranlassung immer wieder geschleift, zuletzt 1641. Köln hat immer wieder versucht, den Ausbau Mülheims zur Stadt einzuschränken (Befestigungen Mülheims: 1255–1286, 1288–?, 1414–1417, 1588–1615,[6] 1637–1641).
  • Die Konkurrenz zur Stadt Köln zeigt sich auch in der Hoffnung, dass der Rhein oberhalb der Stadt Köln bei Poll nach Mülheim durchbricht, dauerhaft sein Bett ändert und Köln von dieser Verkehrsader abschneidet. In diesem Sinne wehrten sich die Grafen von Berg lange Zeit gegen eine Befestigung des Poller Rheinufers mittels der Poller Köpfe.[7]
  • 1656 macht Mülheim Köln Konkurrenz als Marktort. Es erhält das Recht, dreimal im Jahr Markt abzuhalten. 1688 und 1715 werden diese Sonderrechte nochmals bestätigt. Im Jahr 1785 erhielt Mülheim das Stadtrecht.
  • Im 18. Jahrhundert gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das kleinere Mülheim nutzte dagegen Schwächen der größeren Konkurrentin. Seit 1609 gab es im Bergischen Land die freie Religionsausübung. 1610 errichteten die Protestanten in Mülheim die erste evangelische Kirche. Mülheim lockte durch diese religiöse Toleranz wohlhabende protestantische Kaufleute an, die sich im streng katholischen Köln nicht ansiedeln durften (seit den religiösen Wirren von 1714). Zuerst kam die Seidenfabrik des Christoph Andreae (sen.) nach Mülheim. Auch half man rheinaufwärts fahrenden Händlern, das Kölner Stapelrecht zu umgehen, indem deren Schiffe ausgeladen wurden, um die Waren auf dem Landweg um Köln herum zu transportieren: Man vermied somit die Verpflichtung, alle Waren in Köln auszuladen und sie dort drei Tage zum Verkauf anzubieten.
  • 1784 Das große Rheinhochwasser im Februar zerstörte Mülheim fast völlig.
Plan Entfestigung Köln-Mülheim 1614. „Gantz Eigentliche Abbildung der newen vor dreyen Jahren angefangenen Statt Mülheim, darin nicht nur deroselben nunmehr abgeworffene Wall stras/sen, sondern auch all und iegliche neuwe heuser auffs fleissigst abgerissen“.[8]
  • 1815 Mülheim gelangt an das Königreich Preußen, wird Sitz des neu gebildeten Kreises Mülheim in der Rheinprovinz und entwickelt sich in der Folge zur Industriestadt. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ließen sich einige Unternehmen auf Mülheimer Gebiet nieder die überregionale Bekanntheit erreichen sollten, so 1851 die Bleiweißfabrik „Lindgens & Söhne“, 1872 die Schamottefabrik „Martin & Pagenstecher“, 1872 das Walzwerk „Böcking & Cie“ und 1874 die Drahtseilerei „Felten & Guilleaume“.
  • 1843 passiert Heinrich Heine auf seiner Fahrt von Köln nach Hagen Mülheim, wie in Deutschland. Ein Wintermärchen, Caput VIII, beschrieben.
  • 1845 Einweihung der Köln-Mindener Eisenbahn. Mülheim wird allmählich Eisenbahnknotenpunkt (1868 Bergisch-Märkische Eisenbahn, 1879 Rheinische Eisenbahn).
  • 1888 ersetzte eine Schiffsbrücke den Fährbetrieb.
  • 1901 offizielle Anerkennung Mülheims als „Stadt“.
  • 1914 Die Eingemeindung der Stadt Mülheim am Rhein nach Köln erfolgte gegen den Widerstand der Bevölkerung am 1. April.
  • 1929 ersetzte die erste feste Mülheimer Hängebrücke die alte Schiffsbrücke.
  • 1951 wurde die heutige Mülheimer Brücke eröffnet.

Beschreibung der ‚Freiheit Mülheim‘ von 1729 [Bearbeiten]

Johann Wülfing: Beschreibung der vornehmen Handelsstädte und Flecken des Bergischen Landes (1729)

Mülheim

„Die Freiheit oder der Mark-Flecken Mülheim lieget in einer schönen, lustigen Ebene am Rhein vor der Reichsstadt Cöllen, ist in der Lage weitwendig mit prächtigen Häuseren erbauet und ist einer sehr feinen Stadt ähnlich. Allhier gibt es sehr viele vornehme Kauf- und Handelsleute, so mit Seiden in frembde Länder eine starke Handlung treiben, wie auch Frucht- und Weinhändler. Bürgermeister und Rat seind römisch-katholischer Religion, auch die mehreste Bürger jedoch haben die Evangelisch-Lutherische und Reformierte allhier ihre Kirchen und freies Exercitium Religionis (Relegionsausübung). Die Evangelisch-Lutherische und Reformierte in der Stadt Cöllen müssen Sonn- und Feiertage über den Rhein fahren und halten allhier ihren Gottesdienst; sonsten haben die Römisch-Katholischen allhier eine schöne Kirche.“

Einzelheiten zum Prozess der Eingemeindung nach Köln[Bearbeiten]

Das enorme Raumbedürfnis der wachsenden Großstadt Köln im 19. Jahrhundert sorgte dafür, dass die Stadt zunehmend mit umliegenden Ortschaften Verhandlungen über eine Eingemeindung aufnahm. Aber ausgerechnet die Kontakte zu Mülheim scheiterten immer wieder, was auf andere rechtsrheinische Orte abfärbte. Deshalb überlegte sich der Kölner Stadtrat, wie er auf Mülheim erhöhten Druck ausüben konnte.

Eine erste Maßnahme war, Mülheim einzukesseln mit ehemals selbständigen, jetzt nach Köln eingemeindeten Stadtteilen. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Wallraf verstärkte beispielsweise die Kontakte zum Merheimer Bürgermeister Bensberg. Anfangs hatte man in Mülheim gehofft, dass man sich mit Merheim gegen Köln zusammentun könnte. Aber Kölns Vorgehen war erfolgreicher. Am 29. Oktober 1912 kam zwischen Köln und Merheim ein Eingemeindungsvertrag zustande. Ein entscheidendes Lockmittel war dabei das Angebot, für die Bürger Merheims Steuergleichheit zu Köln zu gewährleisten. Es gab aber auch mehr ‚private’ Angebote: so erhielt der Merheimer Bürgermeister Bensberg auf Lebenszeit 10.000 Mark als jährliche Zahlung garantiert – persönlich.

Damit war Mülheim weitgehend eingekreist. Neben dem Rhein im Westen lagen nun Merheim im Norden und Osten sowie Deutz und Kalk im Süden in Kölner Hand. Der damalige Mülheimer Oberbürgermeister Clostermann sah sich jetzt auch noch einem leichten Druck der Preußischen Staatsregierung gegenüber, die hier auch noch mitzureden hatte. Man empfahl ihm in Berlin, sich erneuten Verhandlungen mit Köln nicht entgegenzustellen. Der Regierungspräsident griff im März 1913 vermittelnd ein. Und so fand dann im Jahr 1913 in den politischen Kreisen Mülheims ein Stimmungsumschwung statt. Man spürte, dass man sich den kommenden Entwicklungen nicht entziehen konnte, und nutzte die Gunst der Stunde. Am 18. März 1913 kam es zu einem Eingemeindungsvertrag, dem die beiden Stadtverordnetenversammlungen am 27. März ohne Gegenstimme zustimmten. Man erreichte in den weiteren Verhandlungen mit Köln nicht nur die Steuergleichheit, sondern auch – als deutlichstes Zeichen – die Errichtung einer großen Hängebrücke an Stelle der alten Schiffsbrücke. Daneben wurden vereinbart: Einrichtung einer eigenen örtlichen Verwaltungsstelle, Beibehaltung des Königlichen Amtsgerichts und des Gewerbegerichts, ein Ausbau der Werft und die Garantie, dass die Mülheimer Gottestracht weiter bestehen sollte. Trotzdem gab es immer noch massive Proteste in der Mülheimer Bürgerschaft. Ein „Komitee zur Abwehr der Eingemeindung“ hatte 4.000 Unterschriften gesammelt und reichte im Berliner Reichstag eine Petition ein. Die entscheidende Abstimmung fand also gar nicht in Köln statt, sondern in Berlin. Am 10. Juni 1914 – 18 Tage vor dem Attentat in Sarajewo, das den Ersten Weltkrieg einleitete – entschied eine breite Mehrheit in Berlin, dass Mülheim nunmehr ein Bestandteil Kölns sei. Damit war auch der letzte Widerstand gebrochen.[9]

Verkehrsgeschichte in Mülheim[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofes Mülheim am Rhein (1910)
Hauptartikel: Bahnhof Köln-Mülheim

Für Mülheim begann das Eisenbahnzeitalter mit dem 15. Dezember 1845, als die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft ihren Betrieb auf der Teilstrecke Deutz-Düsseldorf mit Bahnstation an der Frankfurter Straße in Betrieb nahm. Zunächst blieb der Verkehr auf dieser Strecke sehr gering, lediglich vier Personenzüge und ein Güterzug fuhren täglich von Deutz nach Minden und zurück. Erst nach dem Krieg 1870/71 begann ein Aufschwung im Eisenbahnverkehr, der sich dann fortwährend steigerte. Im Jahre 1914 wurde die Stadt Mülheim von sieben Eisenbahnlinien berührt:

Strecken mit Anschluss an die Bahnhöfe in Köln-Mülheim:

Strecken, die das Stadtgebiet im Süden tangieren:

Plan Köln und Umgebung mit Mülheim 1899 Grevens Adressbuch-Verlag
Bahnhöfe in Mülheim Rhein um 1895 an der Buchheimer Straße

Die Bahnlinien der verschiedenen Eisenbahngesellschaften verliefen lange Zeit getrennt von denen der Rheinischen Eisenbahn zu den Endstellen Deutzerfeld, Deutz, Kalk – und zwar derart, dass große Teile des wirtschaftlich aufstrebenden Mülheimer Stadtgebietes voneinander getrennt wurden. Dies führte zu erheblichen Verkehrsstörungen und Gefährdungen, meist betroffen waren die Knotenpunkte der Bahn mit den Hauptverkehrsstraßen. Getrennte Bahnhöfe der Köln-Mindener und Bergischen Eisenbahngesellschaft lagen nebeneinander an der Buchheimer Straße (Höhe Wiener Platz), da beide Eisenbahngesellschaften ein eigenes Schienennetz hatten. Dies führte zu zwei Jahrzehnte langen Überlegungen, die dringend erforderliche Umlegung der Bahnhöfe durchzuführen, um den Schienenverkehr in einem neuen Bahnhof auszugliedern. Die Bauarbeiten begannen 1903, am 1. Juli 1909 konnte der neue Bahnhof an der heutigen Stelle eröffnet und der gesamte Güter- und Personenverkehr über die neu erbaute Strecke verlegt werden.

Am 30. März 1910 ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall: Ein Militärzug und ein Lloyd-Express stießen zusammen. 22 Menschen starben, 56 wurden darüber hinaus verletzt.[10]

Straßenbahn[Bearbeiten]

Elektrische Straßenbahn der Linie Mülheim-Ehrenfeld an der Buchheimer Straße um 1910. Quelle: Die Handelskammer für den Kreis Mülheim am Rhein (1871–1914) Heinz Hermanns.

Am 28. April 1877 wurde zwischen den damals noch nicht nach Köln eingemeindeten Orten Deutz und Kalk die erste Pferdebahnverbindung eröffnet. Die ab dem Jahre 1880 betriebene Pferdebahn zwischen Mülheim und Deutz beförderte 1885 noch 390.831 und 1900 bereits 815.726 Personen zum Fahrpreis von zunächst 25 Pfg. wurde aber – nachdem die Lokaldampfschiffahrt Mülheim-Köln im Jahre 1895 ihren Tarif ermäßigte – zum 1. Januar 1896 auf 15 Pfg. heruntergesetzt.

Zum 1. April 1900 wurde der Betrieb der Kölner Pferdebahnen von der Stadt Köln übernommen. Von diesem Zeitpunkt wurde die Umstellung auf die Elektrische zügig vorangetrieben und im wesentlich bis 1903 abgeschlossen sowie das Straßenbahnnetz in den Folgejahren systematisch ausgebaut.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war bereits in Mülheim ein Konsortium zum Bau und Betrieb der Mülheimer Straßenbahnen gegründet worden. Geplant war ein weiträumiges Netz, welches auch zahlreiche Orte im Einzugsgebiet Mülheims einschließen sollte. Damit kam man in Konflikt mit der Stadt Köln, welche ebenfalls ein, von Deutz ausgehendes, Vorortbahnnetz plante. Dieser Konflikt zwischen den Bahnen der Stadt Köln und den Mülheimer Kleinbahnen sollte sich noch fast 20 Jahre nach der Eingemeindung Mülheims hinziehen.

Zunächst jedoch gab es auch noch andere Probleme zu lösen. Ein Problem waren die schwierigen Eisenbahnverhältnisse. Die ebenerdig angelegten Eisenbahnstrecken durften von mit Fahrgästen besetzten Straßenbahnfahrzeugen nicht überquert werden. Daher musste mit vielen Baumaßnahmen bis zum Neubau des Mülheimer Bahnhofs und seiner Zulaufstrecken gewartet werden.

Ein anderes Problem waren die Rechte der Pferdebahn. Laut der Konzession von 1879 war Mülheim noch bis 1904 an die Pferdebahngesellschaft gebunden. Diese Rechte waren auf Grund des Abfindungsvertrages an die Stadt Köln bis zum 30. April 1904 an die Stadt Köln übergegangen. Dies führte zunächst zu dem Kuriosum, dass die elektrische Kölner Straßenbahn für ein Jahr an der Stadtgrenze Mülheims endete und in die Pferdebahn umgestiegen werden musste.

Im Herbst 1903 wurde auf der alten Strecke der Pferdebahn, von Mülheim nach Deutz, der elektrische Betrieb der Mülheimer Straßenbahngesellschaft eröffnet. Die alten Rechte der Strecke der Pferdebahn lagen aber noch bei der Stadt Köln, sodass für ein halbes Jahr der Betrieb mit Kölner Fahrzeugen durchgeführt wurde. Von diesem Zeitpunkt an übernahm die Mülheimer Kleinbahn den Betrieb dieser Strecke. Jedoch wurde keine Einigung mit der Kölner Bahn über einen durchgehenden Betrieb erzielt. Das hatte zur Folge, dass die Fahrt nach Köln nur durch lästiges Umsteigen in Deutz möglich war.

In und um Mülheim begannen unmittelbar nach Ablauf der Pferdebahnkonzession umfangreiche Baumaßnahmen zur Schaffung eines eigenen Straßenbahnnetzes. Dem standen jedoch die Streitigkeiten mit der Kölner Straßenbahn gegenüber. Schließlich einigte man sich darauf, mit Wirkung vom 1. Januar 1910, die Linien Deutzer-, Freiheit-, Dünnwalder-, Berliner Straße und Danzier, Damm-, Gladbacher Straße, auf die Dauer von 10 Jahren, gegen bestimmte Bedingungen der Stadt Köln zu überlassen.

Somit betrieben die Mülheimer Kleinbahnen ein knappes Jahrzehnt nach ihrer Gründung zwei Linien. Die eine führte von Höhenberg – wo Anschluss an die Kölner Linie nach Bensberg bestand – auf der Frankfurter Straße über Mülheim nach Dünnwald, die andere über Wiesdorf nach Opladen. Alle anderen Straßenbahnlinien auf Mülheimer Gebiet wurden von den Kölner Straßenbahnen betrieben. Die Linie nach Dünnwald wurde 1928 bis Schlebusch verlängert.

Im Jahre 1913 bestanden im Kreis Mülheim am Rhein neun Straßenbahnstrecken, die entweder in Köln oder Mülheim ihren Ausgang nahmen.

  • Mülheim—Opladen, eröffnet 1910.
  • Mülheim—Dünnwald, eröffnet 1908.
  • Mülheim—Buchheim—Höhenberg, eröffnet 1909
  • Köln—Mülheim über Deutz, eröffnet 1903
  • Köln—Königsforst über Rath-Heumar, eröffnet 1904.
  • Köln—Bergisch Gladbach über Buchheim—Holweide, eröffnet 1906.
  • Mülheim—Holweide, eröffnet 1906.
  • Köln—Porz über Poll, eröffnet 1909.
  • Köln—Bensberg über Brück, eröffnet (1906) 1913.

Die ersten drei Strecken befanden sich im Eigentum der Mülheimer Gesellschaft, für die übrigen Linien war die Stadt Köln Betreiber.

Nach der Eingemeindung Mülheims 1914 änderte sich daran wenig, da die Konzession der Mülheimer Kleinbahn noch bis 1927 Bestand hatte. Die Übernahme durch die Kölner Bahnen fand jedoch erst im August 1933 statt, da sich die Mülheimer Kleinbahnen einige Jahre mit juristischen Mitteln gegen diese Übernahme wehrten.

Im Anschluss an die Übernahme wurden die Strecken nach Opladen und Schlebusch in das Kölner Vorortbahnnetz einbezogen und begannen ihren Linienweg in der Kölner Innenstadt. Die Strecke von Mülheim auf der Frankfurter Straße nach Höhenberg wurde bereits 1934 zugunsten einer Busbedienung stillgelegt.

Für die weitere Entwicklung siehe den Artikel zur Stadtbahn Köln.

Schiff[Bearbeiten]

Einfahrt des Mülheimer Hafens 1953

Der Mülheimer Sicherheitshafen entstand zwischen 1892 und 1898 in Höhe des Stromkilometers 691.

Mühlen an der Strunde[Bearbeiten]

In Mülheim gab es bis in die 1910er Jahre an der Strunde, die damals hier noch floss, mehrere Mühlen: die Markermühle (bis 1912), die Lohmühle und die Dominikusmühle (bis 1910).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sakralbauten[Bearbeiten]

St. Clemens und Pohlsches Haus
Mülheim um 1630 mit der romanischen Clemenskirche (Wenzel Hollar)

St. Clemens[Bearbeiten]

Die frühere Schifferkirche St. Clemens ist die bekannteste Kirche Mülheims. Sie wurde auf Grund ihrer Lage direkt am Rhein über einer hohen Aufmauerung errichtet. Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass es hier bereits im 12. Jahrhundert eine einschiffige dreiachsige Kapelle, also eine romanische Saalkirche, gegeben hatte. Die bewegte Baugeschichte hat dazu geführt, dass der Grundriss unregelmäßig ist. Es existieren kaum korrekte Achsenverhältnisse und rechte Winkel. Die Clemenskirche ist Ausgangs- und Endpunkt der „Mülheimer Gottestracht“.

In den Jahren 1692 und 1720 – soviel zumindest ist dokumentarisch belegt – wurde die Kirche phasenweise erweitert zu einem dreischiffigen Putzbau mit vierachsigem Mittelschiff und dreiachsigen Seitenschiffen. Der Ostabschluss wurde gebildet durch drei in gleicher Flucht liegende dreiseitige Apsiden. Hinter der Hauptapsis erhebt sich noch heute der quadratische Chorturm. Dieser Ostturm zeigt über der quadratischen Grundform einer Balustrade, ein Achteckgeschoß, darauf aufsitzend eine welsche Haube mit abschließender Laterne. Dieser Formenkanon war nicht neu. Bereits der Turm von St. Mariä Himmelfahrt in der Innenstadt von Köln in der Marzellenstraße hatte diesen Aufbau und später noch die Klosterkirche St. Maria vom Frieden in der Schnurgasse. 1864 wurde St. Clemens kirchenrechtlich zur Nebenkirche der Liebfrauengemeinde.

Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer mitgenommen. Bei ihrer Wiederherstellung verzichtete man auf eine Westvorhalle und auf Maßwerkfenster. Das ehemalige Steingewölbe wurde von 1952 bis 1960 durch Joachim Schürmann durch eine hölzerne Flachdecke ersetzt. „Da man erst 1939 bei Renovierungsarbeiten in der barocken Kirchenanlage einen romanischen Kern entdeckt hatte, folgte der Architekt bei der Wiederherstellung dem Prinzip einer ‚Romanisierung im Geiste der Moderne‘, d. h. er versuchte, mit den verbliebenen Gebäudeteilen ein an die Romanik erinnerndes Erscheinungsbild der Kirche herzustellen, ohne dabei originale Teile zu restaurieren.“

Das heutige „Irische Portal“ aus dem Jahr 1960 stammt ebenfalls von Joachim Schürmann. Auf seiner Innenseite befinden sich Szenen aus dem Leben des hl. Clemens. Das Altarkreuz im Innenraum der Kirche hat Werner Schürmann, der Bruder des Nachkriegs-Baumeisters geschaffen. Damit war der Beitrag dieser Familie aber noch nicht vollendet. Das Tabernakel und die Fenster der Clemenskirche stammen von Gerda Schürmann-Frömel.

Gegenüber dem Hauptportal steht seit 1992 die neugeschaffene Statue des hl. Nepomuk (Schutzheiliger der Brücken) auf der Rheinmauer. Sie wurde geschaffen von dem Dürener Bildhauer Michael Pohlmann und ist eine Kopie eines 300jährigen, mittlerweile sehr verwitterten Originals. Die Statue aus Belgisch Granit wiegt 800 kg. Während des Deichneubaus 2007/2008 wurde sie gründlich restauriert, imprägniert und mit einer Schutzschicht gegen Graffiti überzogen. Am 22. August 2008 wurde sie feierlich enthüllt.

Luther-Notkirche Mülheim

Lutherkirche (Luther-Notkirche)[Bearbeiten]

Als Zentralkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein wurde 1893–95 nach Plänen des Kölner Architekterbüros Schreiterer & Below die Lutherkirche als Quaderbau mit Gliederung in rotem Sandstein errichtet. Im Zweiten Weltkrieg (1942 und 1944) wurde die Kirche zerstört, nur der Turm blieb als Ruine übrig. Aus den Trümmern wurde die Luther-Notkirche (Adamsstr. 47, 51063 Köln) nach Plänen des Architekten Otto Bartning neben der Turmruine errichtet. Sie wurde 1949 eingeweiht. Es ist eine freitragende Holzkonstruktion, in deren Zwischenräume die Trümmersteine gemauert wurden. Die Kirche erinnert an ein umgedrehtes Schiff. Nach diesem Muster entstand eine Vielzahl von Notkirchen in Deutschland. Der Wiederaufbau des Turmes erfolgte in den Jahren 1968 bis 1978. Die Luther-Notkirche beherbergt heute die übergemeindliche Jugendkirche „geistreich - jugend macht kirche“, die dort Gottesdienste, Workshops und Konzerte für Jugendliche und junge Erwachsene anbietet. Sie bietet vielen Jugendlichen die Chance, selber aktiv Kirche mitzugestalten.[11][12]

Friedenskirche[Bearbeiten]

Friedenskirche

1655 wurde von der lutherischen Gemeinde die erste Kirche in Mülheim erbaut. Sie wurde 1784 durch Eisgang zerstört. Nur der Kirchturm blieb erhalten, wurde aber abgebrochen. Seine barocke Schweifhaube wurde der evangelischen Gemeinde in Monschau verkauft. Von 1784–86 wurde von Wilhelm Hellwig ein schlichter Zentralbau errichtet, eine Durchdringung von Kreuzform und Kreis. 1845–48 wurde ein dreigeschossiger Westturm hinzugefügt – nach Plänen Zwirners. 1935 wurde die Kirche barock überarbeitet. Nach der Zusammenlegung der Lutherischen und der Reformierten Gemeinde erhielt die Kirche den Namen Friedenskirche. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau sehr zerstört. Danach wurde versucht, zumindest den Außenbau auf den Zustand von 1935 zu bringen. Ende der 90er Jahre wurde der Innenraum neugestaltet. Heute ist sie die Hauptkirche der evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein.

Herz-Jesu-Kirche

Herz-Jesu-Kirche[Bearbeiten]

1893–1900 vom Regierungsbaumeister Julius Busch als neugotische dreischiffige Halle mit Querhaus, polygonaler Ostapsis und Westturm mit hohem Helm errichtet. Der Krieg ließ nur die Außenmauern stehen. Dennoch sind einige Ausstattungsstücke erhalten, so der vom Mülheimer Bildhauer des Historismus Ferdinand Hachenberg geschaffene Altar. Ab 1955 wurde sie durch Otto Bongartz wieder aufgebaut, aber vereinfacht ohne Gewölbedecken und unter Verzicht auf den hohen Turmhelm. Für den Wiederaufbau wurde eine Marienstatue des 17. Jahrhunderts aus Österreich angekauft und eine gegenüber aufgestellte Christusfigur, die ihn als Schmerzensmann zeigt, entstand um 1520 in der Schweiz.[13]

Liebfrauenkirche[Bearbeiten]

Liebfrauenkirche

1857–64 nach Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner errichtet als dreischiffiger neugotischer Backsteinbau mit vorgesetztem Westturm. Die Kirche wurde im Krieg schwer zerstört. Erhalten sind der Westturm und die zurecht gestutzte Umfassungsmauer des Langhauses.

St. Antonius[Bearbeiten]

Für die schnell wachsende Bevölkerung Mülheims plante man im ausgehenden 19. Jahrhundert eine neue Kirche im neogotischen Stil. St. Antonius ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und Rechteckchor. Über dem Chor erhebt sich ein achteckiger Turmhelm, der nach Süden und Norden von zwei kleinen quadratischen Türmen begleitet wird. Vor der Westfassade befinden sich zwei eingeschossige Eingangshallen, die wie Verlängerungen der Seitenschiffe wirken. Beide besitzen spitze Pyramidendächer.

Die Pläne zu diesem neugotischen Neubau stammen von Heinrich Renard. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Neubau in zwei Phasen errichtet. 1921 konnte Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte die Schlussweihe vollziehen. Die Antoniuskirche wurde im Zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigt. Nur die Fenster und Teile des Daches mussten ersetzt werden. Bereits am 12. Juni 1946 konnte wieder der erste Gottesdienst gefeiert werden. 1967 wurde der Innenraum von Gottfried Böhm neu gestaltet. Gleichzeitig ging die Kirche in die Hände der Salesianer Don Boscos über. 1993 wurde die Kirche erneut restauriert.

Zum Innenraum: In der Vierung steht der Zelebrationsaltar aus Travertin, den ebenfalls Gottfried Böhm geschaffen hat. Zwischen der Vierung und dem Chor hängt ein neogotisches Triumphkreuz des Mülheimer Bildhauers Schmitz. Es war ursprünglich nicht für diese Stelle vorgesehen, sondern Teil des Hochaltars. Dieser wurde jedoch 1916 durch einen neuen ersetzt.

Weitere Kirchen im Stadtteil[Bearbeiten]

  • St. Elisabeth
  • St. Bruder Klaus
  • Erlöserkirche (Baptisten)
  • Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde Regentenstraße
  • Alfonsus-Haus der Redemptoristen Sonderburgerstr.

Andere Bauten[Bearbeiten]

Zwischenwerk XIb, (Mülheim), Cottbuser Straße, südlich der Berliner Straße, westlich der Autobahn; 1877–179: erbaut; 1922: zum Teil geschleift; 1923: Umgestaltungsplan von Fritz Encke als Erholungsanlage; 1927: Ausführung; seit 1969: Vereinsräume des Musikzug Holweide; heute: Vereinsräume des Jugend-Musik- und Fanfarencorps Holweide, Gartenamt, erhalten: Kehlkaserne, Flanken- und Frontgraben sowie Wallgraben als Zieranlage in veränderter Höhenlage gärtnerisch umgestaltet.

Pohlsches Haus[Bearbeiten]

Direkt neben der Clemenskirche liegt das ausgezeichnet restaurierte Pohlsche Haus. Es verdankt seinen Namen dem ehemaligen Bürgermeister Mülheims, Peter Pohl, der es von 1916–1933 bewohnt hatte. Gebaut wurde es jedoch schon 1773 von Franz Josef Bertoldi auf der Rückseite seines Grundstücks an der Mülheimer Freiheit, wo er einen Zollhof betrieb. Im Gebäude befand sich der Rheinsaal, in dem die Familie Bertoldi Feste feierte und Empfänge gab. Wie viele andere Häuser Mülheims verschonte der Eisgang von 1784 auch dieses Haus nicht – die beiden Obergeschosse wurden zerstört, aber wieder aufgebaut. Der Zweite Weltkrieg ließ von dem Gebäude nur drei Außenmauern übrig. 1965 war das Haus wiederhergestellt. Dabei wurden Verzierungen des abgebrochenen Hauses Mülheimer Freiheit 111 wieder verwandt und mit eingebaut. 1992 fand eine erneute Restaurierung statt.[14]

Haus Krahnenburg[Bearbeiten]

Krahnenstraße 8. Erbaut 1758. Barockbau mit neun Achsen, zwei Geschossen mit Mansarddach. Der Dreiflügelbau besitzt zwei Keller („Krahnenburgkeller“). Die sorgfältig restaurierte Stuckfassade zeigt Werksteingliederungen.

Haus Bertoldi[Bearbeiten]

Haus Bertoldi

Buchheimer Straße 29, ehem. Bärenhof, heute Hirsch-Apotheke. Erbaut 1780. Feine fünfachsige Louis XVI.-Fassade, zweigeschossiges Mansarddach. Hier wurde Napoleon vom damaligen Bürgermeister Bertoldi bewirtet.

Nach schweren Kriegszerstörungen 1963 wieder aufgebaut.

Stadtbrunnen[Bearbeiten]

Der Stadtbrunnen Mülheims liegt an dem Knickpunkt der Straße Mülheimer Freiheit. Dieser „Mülheimia“ betitelte Brunnen wurde 1884 von Wilhelm Albermann geschaffen. Er stellt auf der Spitze einer säulenähnlichen Konstruktion die Stadtgöttin dar. Die Säule wird im Mittelteil umgeben von drei mittelalterlich gekleideten Knaben, die den Handel, die Industrie und den Ackerbau darstellen, entsprechend der früheren Bedeutung des Ortes als florierende Industriestadt.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Durch Naturkatastrophen, Krieg und Wiederaufbau sind von der ursprünglichen barocken Bebauung des alten Mülheims nur einige wenige Häuser erhalten. Die ehemalige Hauptstraße, die Mülheimer Freiheit, wurde in ihrem Verlauf seit der Errichtung der Rheinbrücke 1927–29 nachhaltig gestört. Das alte Mülheim lag damals hauptsächlich zwischen der parallel zum Rhein verlaufenden Mülheimer Freiheit und der landseitigen Begrenzung im Bereich der heutigen Wallstraße. Aber bis auf einige Grundrisslinien südlich der Brücke sind diese Spuren verwischt. Erhalten – wenn auch nicht in originaler Bausubstanz – sind aus der barocken Epoche noch die Häuser Mülheimer Freiheit Nr. 31, 33, 102 und 119 und die Krahnenstraße Nr. 8 (Haus Krahnenburg).

Stadtplan Mülheim am Rhein Anfang 19. Jahrhundert

In den klassizistischen Häusern des 19. Jahrhunderts Mülheimer Freiheit 69, 71, 113 und 121 hat sich zumindest die barocke Grundstruktur erhalten. Von den denkmalgeschützten Häusern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ist noch das vergleichsweise hohe Haus Mülheimer Freiheit 2–4 aus dem Jahr 1907 erwähnenswert, das mit seinem markanten, reichdekorierten Giebelfenster schon von weitem die Häuserreihe am Rhein bestimmt. Hier hat bis 1979 der Comiczeichner und fotorealistische Maler Josta Stapper gewohnt.

Von den Straßen, die damals zum Randbereich gehörten, haben sich vor allem in der Regenten-, Adam-, Keup- und Münsterer Straße gründerzeitliche Villen wohlsituierter Bürger erhalten.

  • Wohnhaus „Zum goldenen Berg“, Mülheimer Freiheit 40: dort frühstückte Napoleon mit dem damaligen Besitzer, Seidenfabrikant Karl Christian Andreae.

Brunnen

  • Genoveva-Brunnen
  • Märchen-Brunnen
  • Schifffahrt-Brunnen-Denkmal

Denkmäler

Alter Katholischer Friedhof

Der äußere Festungsring

  • Zwischenwerk XIb

Friedhöfe[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Hölderlin-Gymnasium
  • Rhein-Gymnasium
  • Genoveva-Gymnasium
  • Elly-Heuss-Knapp Realschule
  • Johann-Bendel-Realschule (vormals Realschule Danzierstraße, davor Realschule Pestalozzistraße)
  • Realschule Lasallestraße
  • Hauptschule Tiefentalstraße
  • Katholische Grundschule Luzerner Weg

Vereine[Bearbeiten]

Bekannte Sportvereine in Köln-Mülheim sind der Mülheimer Turnverein (MTV), der Fußballverein SC Köln-Mülheim Nord und die Turngemeinde Mülheim am Rhein von 1879.

Verkehr[Bearbeiten]

Zentraler Punkt des Stadtteils ist der Wiener Platz. Hier kreuzen sich die Bundesstraßen 8 und 51, und es beginnt die Bundesstraße 506. Im Zuge der B 51 beginnt hier die rechtsrheinische Brückenrampe der Mülheimer Brücke. Auf und unter dem Platz kreuzen sich mehrere Stadtbahnlinien.

Der Bahnhof Köln-Mülheim liegt an der Bahnstrecke Köln–Wuppertal[15] mit Halt der Rhein-Wupper-Bahn (RB 48), an der Bahnstrecke Köln–Duisburg[16] mit Halt von NRW-Express (RE 1), Rhein-Express (RE 5) und der S6 der S-Bahn Rhein-Ruhr, an der Bahnstrecke Köln-Mülheim–Bergisch Gladbach[17] mit Bedienung durch die S11 der S-Bahn Rhein-Sieg, sowie an der nur von Güterzügen befahrenen Bahnstrecke Mülheim-Speldorf–Troisdorf. Es gibt Umsteigemöglichkeit zu zwei Stadtbahn- und mehreren Buslinien.

Das Gelände des Mülheimer Hafens gehört nicht - wie die anderen Kölner Häfen - der HGK, sondern ist Bestandteil der gemäß § 1 Bundeswasserstraßengesetz gewidmeten internationalen Wasserstraße „Rhein“. Deshalb gehört der Hafen der Bundesrepublik; das hier mit einer Außenstelle vertretene Wasser- und Schifffahrtsamt Köln ist lediglich Betreiber für die Bundesrepublik. Die Kölner Schiffswerft Deutz mit Propellerreparatur und Binnenschiffswerft[18] hat hier ebenfalls ihren Betrieb.[19] Die Freizeitindustrie nimmt immer mehr Raum ein. Ein großer Beachclub mit Strandkörben und Palmen im Kübel bestimmt das Bild neben der Filmstadt für Die Anrheiner. Außerdem entsteht am Hafenrand immer mehr Wohnbebauung.

Kultur und Veranstaltungen[Bearbeiten]

Feste[Bearbeiten]

Schiffsprozession bei der Mülheimer Gottestracht 2013 vor St. Clemens. Rechts die Statue des heiligen Nepomuk

Das größte Fest in Mülheim ist die „Mülheimer Gottestracht“, die wahrscheinlich seit dem 14. Jahrhundert gefeiert wird. Hierbei handelt es sich um die größte Schiffsprozession auf dem Rhein. Das Schützen- und Volksfest der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Mülheim am Rhein von 1435 beginnt mit der Prozession an Fronleichnam und endet am Sonntag der gleichen Woche. Der Festplatz für das viertägige Schützen- und Volksfest ist unter der Mülheimer Brücke am Rheinufer.

Veranstaltungshallen[Bearbeiten]

Stadthalle Köln-Mülheim
E-Werk Köln-Mülheim
  • Das E-Werk ist eine Veranstaltungshalle in der Schanzenstraße, die vor allem für Rock- und Popkonzerte genutzt wird. 1991 entstand diese Eventhalle mit einer Veranstaltungsfläche von 1600 m² für 2000 Besucher aus einem Industriedenkmal. Von BAP[20] über David Bowie, Peter Maffay bis Status Quo reicht die Liste der Gaststars. Zur Karnevalszeit findet hier die Kölner Stunksitzung statt.
  • Das Palladium liegt gegenüber vom E-Werk und steht unter der gleichen Leitung. Es befindet sich ebenfalls auf dem Gelände der ehemaligen Kölner Kabelfabrik Felten & Guilleaume. Auf rund 3000 m² bietet das Palladium bei Konzert- und Eventveranstaltungen Platz für bis zu 4000 Personen.[21] Es bietet auch Platz für kleinere Veranstaltungen an. 2008 hat der zuständige Unterausschuss des Kölner Stadtrates sich einstimmig für das Palladium als Ausweichquartier für die Kölner Oper während der großen Sanierungsarbeiten ab 2010 ausgesprochen.[22]
  • Die zentral nahe dem Wiener Platz gelegene Mülheimer Stadthalle wird ebenfalls für Konzerte genutzt. Außerdem finden dort auch diverse andere Veranstaltungen wie Antikmärkte, Verkaufsmessen und Modellbahnbörsen statt. Auf rund 1500 m² bietet die Halle Platz für rund 2200 Besucher. Eine ungewollte Berühmtheit erreichte diese Halle, als am 25. April 1990 der damalige SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine bei einem Wahlkampfauftritt von der psychisch kranken Adelheid Streidel mit einem Messerstich nahe der Halsschlagader lebensgefährlich verletzt wurde.

Medien[Bearbeiten]

Im Dezember 2007 erwarb die Beos GmbH das 127000 m² große, brachliegende Werksgelände des Carlswerks an der Schanzenstraße, um einen Gewerbecampus mit einer Mischung aus Büro-, Gewerbe- und Serviceflächen zu errichten. Es beinhaltet mehr als 20 Gebäude (erbaut zwischen 1896 und 1984). Kernstück ist ein 103 Meter langes Hauptgebäude aus 1961, das im Januar 2010 der Bastei-Lübbe-Verlag bezog. Die ehemalige Spulenfabrik stammte aus 1938-1948 (saniert bis März 2009), das Laborgebäude aus 1922 (Dezember 2008), das Quartier 2 aus 1917 (Sommer 2010), Quartier 1 aus 1897 (Juni 2009), Quartier 4 (Kupferhütte) aus 1896 (August 2009). Seit August 2009 siedelten sich hier hafenferne Nutzer, insbesondere Medien, an.

Hier liegt der Standort zahlreicher Fernsehstudios, in denen u. a. die TV-Shows heute-show, Harald Schmidt, TV total, Schlag den Raab oder Was guckst du?! aufgezeichnet werden bzw. wurden. Im Hafen von Mülheim ist für die Serie Die Anrheiner ein eigenes Veedel entstanden, das 2013 nach der letzten Folge wieder zurück gebaut wurde. Seit Januar 2010 ist die Verlagsgruppe Bastei-Lübbe unter der neuen Firmierung Bastei Lübbe GmbH & Co. KG in der Schanzenstraße angesiedelt. Seit dem 31. Januar 2014 befinden sich in der Schanzenstraße 28 die Studios von Radio Köln.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Malergruppe „Mülheimer Freiheit“[Bearbeiten]

In einem Hinterhofatelier in dem Haus „Mülheimer Freiheit Nr. 110“ formierte sich 1979 eine neue Gruppe neoexpressionistischer Maler, die sich nach dieser Adresse „Mülheimer Freiheit“ nannte. Sie bestand aus Hans Peter Adamski, Peter Bömmels, Walter Dahn, Jiri Georg Dokoupil, Gerard Kever und Gerhard Naschberger. Von 1979 bis 1982 vertrat der Kölner Galerist Paul Maenz die jungen Künstler auf dem internationalen Markt. 1984 löste sich die Gruppe auf.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1815–1819 Karl Brünninghausen
  • 1820 Franz Joseph Nuß (kommissarischer Bürgermeister, Februar bis Dezember)
  • 1820–1830 Karl Joseph Alster
  • 1831–1836 Alois Mathias Böcker
  • 1836–1844 Peter Joseph Maßen
  • 1844–1863 Johann Heinrich Bau
  • 1852–1875 Ludwig Blin
  • 1874–1876 Viktor Kaifer
  • 1876–1908 Friedrich Wilhelm Steinkopf (seit dem 25. Oktober 1898 Oberbürgermeister)
  • 1909–1914 Bernhard Clostermann (seit dem 3. September 1914 unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Köln)

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Steinkopf (1842–1911), von 1876 bis 1908 Bürgermeister von Mülheim, zum Ehrenbürger gewählt am 7. Dezember 1907 anlässlich seines dreißigjährigen Dienstjubiläums.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rechtsrheinisches Köln. Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde. Band 5, 1979, S. 76.
  • Johann Bendel: Die Stadt Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen. Mülheim am Rhein 1913.
  • Johann Bendel: Die Gottestracht zu Mülheim am Rhein. Mülheim am Rhein 1914.
  • Johann Bendel: Der Landkreis Mülheim am Rhein. Beschreibung, Geschichte, Sagen und Erzählungen. Mülheim am Rhein 1911.
  • Johann Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen. Köln-Mülheim 1925.
  • Heinz Hermanns: Die Handelskammer für den Kreis Mülheim am Rhein 1871-1914 und die Wirtschaft des Köln-Mülheimer Raumes. . Hrsg. Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln 1969.
  • Dieter Höltge, Axel Reuther: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Bd. 7, Aachen, Düren, Köln, EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-88255-338-3.
  • Bernhard Kempkes: Köln-Mülheim in alten Bildern. Verlag Sutton, 2002, ISBN 3-89702-492-6.
  • Georg Dehio, Ruth Schmitz-Ehmke und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967, S. 412–414.
  • Henriette Meynen (Hrsg.): Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen. Herman-Josef Emons Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-89705-780-7.
  • Landeskonservator Rheinland: Denkmälerverzeichnis 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim). Köln 1979, S. 84–140.
  • Stefan Pohl, Georg Mölich: Das rechtsrheinische Köln. Seine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Wienand, Köln 1994, ISBN 3-87909-391-1.
  • Ilse Prass: Mülheim am Rhein. Stadtgeschichte in Strassennamen. 1988, ISBN 3-7616-0935-3
  • Vinzenz von Zuccalmaglio: Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim a. R. Köln 1846.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Th. J. Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. 1, Düsseldorf 1840. V. von Zuccalmaglio: Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim, Mülheim 1846, Nachdruck Köln 1981. J. Bendel: Die Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1913, Nachdruck Köln 1972 und 1981, S. 11–15.
  2. Belege für Hermülheim finden sich bei Th.J. Lacomblet: Urkundenbuch…, Bd. 1, Nr. 281 und 338. F.W. Oediger: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 1, Bonn 1957, Nr. 1227. R. Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe…, Bd. 2, Bonn 1901, Nr. 119, 192 und 373. B. Hilliger: Urbare von St. Pantaleon, Bonn 1902, S. 78, 110 und Register.
  3. Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Bd. 2, Düsseldorf 1994, Nr. 308, S. 315f.
  4. H. Mosler: Urkundenbuch der Abtei Altenberg, Bd. 1, Bonn 1912, Nr. 6, 5 und 8.
  5. R. Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe…, Bd. 2, Nr. 28, S. 44.
  6. Illustration von Frans Hogenberg von 1613: Eigentliche Abbildung der neuwen angefangenen Statt Mullheim ... (Digitalisat)
  7. Peter Simons: Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll. Nagelschmidt, Cöln–Deutz 1913, S.102ff Poller Köpfe und Weiden
  8. Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln: Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde, Band 19, Eigenverlag, Köln, 1992
  9. * Carl Dietmar: Mülheim wehrte sich vergebens. Kölner Stadt-Anzeiger vom 28. Juli 1984, S. 20.
  10. Martin Weltner: Bahn-Katastrophen. Folgenschwere Zugunfälle und ihre Ursachen. München 2008. ISBN 978-3-7654-7096-7, S. 14.
  11. http://www.geistreich-koeln.de/geistreich
  12. http://www.kirche-koeln.de/aktuell/artikel.php?id=2590&archiv
  13. Pfarrei Sankt Clemens und Mauritius - Herz Jesu Kirche. Abgerufen am 10. Juni 2013.
  14. Susanne Zimmermann: Scheint die Sonne, entstehen im Stein die feinen Risse. Kölner Stadt-Anzeiger vom 14. Mai 1992 (Pohlsches Haus).
  15. DB-Streckennummer 2730/2652/9
  16. DB-Streckennummer 2650
  17. DB-Streckennummer 2663 Technische Universität Dresden, Streckenarchiv
  18. Die Kölner Schiffswerft Deutz (KSD) im Oktober 2004. 15. März 2005, abgerufen am 21. September 2010..
  19. Verzeichnis der Sachverständigen für Lade- und Löschschläuche. In: Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS). Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, 17. August 2010, abgerufen am 21. September 2010..
  20. E-Werk Historie. Köln Event Veranstaltungsgesellschaft mbH, abgerufen am 21. September 2010: „Mitglieder der Kölner Band BAP (kamen) auf die Idee, einen neuen Veranstaltungsort ins Leben zu rufen“
  21. Palladium Köln - Zahlen und Fakten. Köln Event Veranstaltungsgesellschaft mbH, abgerufen am 21. September 2010: „Das Palladium bietet Raum für 4.000 Personen“
  22. Palladium: Ausweichquartier für Kölner Oper? In: koeln.de Archivbereich, Artikel vom 6. Juni 2008. NetCologne im Auftrag der Stadt Köln, abgerufen am 21. September 2010: „Unterausschuss des Stadtrates stimmt für das Mülheimer Modell“.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Köln-Mülheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien