Plombières

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Plombières (Begriffsklärung) aufgeführt.
Plombières
Plombières (Lüttich)
Plombières
Plombières
Staat Belgien
Region Wallonien
Provinz Lüttich
Bezirk Verviers
Koordinaten 50° 44′ N, 5° 58′ O50.7380555555565.9611111111111Koordinaten: 50° 44′ N, 5° 58′ O
Fläche 53,18 km²
Einwohner (Stand) 9907 Einw. (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 186 Einw./km²
Postleitzahl 4850 (Montzen, Moresnet)
4851 (Gemmenich, Sippenaeken)
4852 (Homburg)
Vorwahl 087
Bürgermeister Thierry Wimmer (URP)
Adresse der
Kommunalverwaltung
Administration communale
Place du 3ème millenaire, 1
4850 Plombières
Webseite www.plombieres.be

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Plombières (Bleiberg oder Bleyberg; auf Ersuchen des Ortes wurde Bleyberg 1919 durch kgl. Beschluss der Ortsname Plombières gegeben) ist eine politische Flächengemeinde in Belgien. Die Gemeinde ist Teil des Dreiländerecks zwischen dem belgischen Königreich, der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande. Sie hat 9907 Einwohner (Stand 1. Januar 2012) und gehört zur Wallonischen Region, zur Provinz Lüttich und zum Arrondissement (Bezirk) Verviers. Sie gehört ebenso zur Euregio Maas-Rhein.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ein Teil der Gemeindegrenzen ist mit der Staatsgrenze identisch. Die Gemeinde liegt etwa 12 km westlich von Aachen (D), 17 km nördlich von Eupen (B), etwa 40 km östlich von Lüttich/Liège (B), 20 km östlich von Verviers (B) und 33 km südöstlich von Maastricht (NL) entfernt.

Die Nachbargemeinden/-städte sind in Belgien: Kelmis, Lontzen, Aubel, Welkenraedt, Teuven/Voeren, sowie in den Niederlanden: Vaals und Gulpen-Wittem und in Deutschland Aachen.

Landschaft[Bearbeiten]

Flusstal an der Göhl

Die Gemeinde ist ländlich geprägt, doch zeichnet sie sich verkehrsmäßig durch ihre große Nähe zu den drei auch überregional bedeutenden Großstädten Lüttich (B), Aachen (D) und Maastricht (NL), der Bezirkshauptstadt Verviers (B) und Eupen (B), der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, aus.

Ein beliebter regionaler Ausflugsort ist das Dreiländereck B-D-NL auf dem Vaalserberg mit Ausflugslokalen, dem Aussichtsturm Tour Baudouin / Balduinturm – zu Gemmenich gehörend, ca. 50 m auf belgischer Seite – auf niederländischer Seite mit dem größten Labyrinth Europas und, nur 30 m vom „Drielandenpunt“ entfernt, dem höchsten Punkt der europäischen Niederlande, zu Vaals gehörend, sowie vielen Wandermöglichkeiten im Aachener Wald in und durch alle drei Staaten. Durch den Ort fließt die Göhl in einem malerischen Flusstal, sie mündet später in den Niederlanden in die Maas. Für den früheren Bleibergbau im Ort wurde ihr Flusslauf dauerhaft verlegt. Hierfür wurde ein Tunnel durch einen Felsen gesprengt; heute fließt die Göhl durch denselben über ein kleines Sperrwehr und einen idyllischen, künstlichen Wasserfall.

Gliederung[Bearbeiten]

Rathaus von Plombières

Plombières besteht aus neun Ortsteilen:

  • Plombières (Bleiberg/Bleyberg)
  • Moresnet bzw. Moresnet-Village (Village, französisch für ‚Dorf‘) (1975 eingemeindet)
  • Eikschen (a gen Ekske) oder Moresnet-Chapelle (Gemeindeteil von Moresnet) (Chapelle, frz, ‚Kapelle‘)
  • Hombourg (Homburg) (1975 eingemeindet)
  • Gemmenich (1975 eingemeindet)
  • Völkerich (Gemeindeteil von Gemmenich)
  • Montzen (1975 eingemeindet)
  • Montzen-Gare (Gare frz. ‚Bahnhof‘) (Gemeindeteil von Montzen)
  • Sippenaeken (Sippenaachen) (1975 eingemeindet)

Die Postleitzahlen von Plombières lauten: 4850, 4851 und 4852.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Madonna von Moresnet

Die Gemeindegrenzen von Plombières (siehe auch Französische Gemeinschaft Belgiens) grenzen darüber hinaus innerbelgisch an die Sprachen- und Regionengrenzen der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und flämischen Gemeinschaft Belgiens.

Plombières gehört zu den sogenannten Plattdeutschen Gemeinden. Viele Einwohner von Plombières sind mehrsprachig und sprechen zwei bis drei Sprachen. Die Autochthonen sprechen als Muttersprache zu einem Teil eine Variante des Ripuarischen (Nordmittelfränkische Sprache bzw. Rheinländisches Platt) und Hochdeutsch, zum anderen aber auch eine niederrheinisch bis niederländisch gefärbte limburgische Mundart des Niederfränkischen (bzw. Rheinmaasländischen). Eine Mischform stellt etwa das Gemmenicher Platt dar. Außerdem wird zugleich eine wallonische Mundart und das Französische gepflegt. Hochdeutsch war die Schul- und Kirchsprache bis 1918. Seit der Abstimmung über die sprachliche Zuordnung in Belgien im Jahre 1963 ist Französisch die offizielle Amtssprache in Plombières. Aus den Betrachtungen der Sprachforschung heraus stellt Plombières ein hochinteressantes Gebiet dar.

In früheren Zeiten lebten die Bewohner "Bleybergs" vom Bergbau. Erste Erwähnungen des Bleiabbaus stammen aus dem 14. Jahrhundert. Am 23. Juni 1825 erhielten die Brüdern John und James Cockerill die Konzession für das Bergwerk Bleyberg[1]. Nach den Tod der Brüder wurde durch deren Nachlassverwalter Barthold Suermondt eine neue Gesellschaft unter der Bezeichnung „Société du Bleybergen Belgique“ gegründet, die dann am 8. Juli 1846 in „Compagnie des Mines et Fonderies du Bleyberg“ (Gesellschaft der Bergwerke und Gießereien Bleyberg) umfirmiert wurde und im gleichen Jahr auf deutscher Seite auch die Bleihütte Münsterbusch bei Stolberg einrichtete. Die letzte Zeche in Plombieres wurde 1975 geschlossen und die Gemeinde leidet seither unter einer hohen Arbeitslosigkeit und einem vermehrten Fortzug gerade von jungen Menschen.

Geschichte[Bearbeiten]

Plombières blickt als Grenzgemeinde auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Es liegt in einer landschaftlich reizvollen Mittelgebirgslandschaft in den Ausläufern der Ardennen und der Eifel.

Plombières hält in ganz Belgien einen politischen Rekord: Am 4. Dezember 2006 wurde Thierry Wimmer zum Bürgermeister von Plombières gewählt. Er war mit 22 Jahren, zum Zeitpunkt seiner Wahl, der jüngste Bürgermeister Belgiens.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kalvarienberg von Moresnet
Eisenbahn-Viadukt von Moresnet

Moresnet-Chapelle oder Eikchen, auch a gen Ekske (‚an der kleinen Eiche‘) genannt, ist als Wallfahrtsort mit seinem Gnadenbild, der Wallfahrtskirche und dem parkartig angelegten Kreuzweg (mit 14 Stationsbildern von Wilhelm Albermann) von regionaler Bedeutung. Der Kalvarienberg (Kreuzweg) wurde bis Anfang 2006 von einem Franziskanerkloster betreut, das jetzt in eine katholische Begegnungsstätte umgewandelt wird[2].

In Moresnet-Village überspannt der Göhltalviadukt, einer der längsten europäischen Eisenbahn-Viadukte, das Tal der Göhl, mit einer Länge von 1120 m und einer Höhe von bis zu 58 m. Er wurde 1916 erbaut, als der Ort von den Truppen des kaiserlichen deutschen Reiches besetzt war; von 2002 bis 2004 wurde der Viadukt aufwändig restauriert.

In unmittelbarer Nähe zum Bleibergwerk befand sich das im Jahr 1823 von James Cockerill erworbene Schloss Alensberg, welches er später testamentarisch seiner Tochter Caroline (1819–1867) und ihren Ehemann Karl Suermondt (1822–1902), einem Bruder von Barthold, übertrug. Nach Karls Tod ging das Anwesen zunächst auf seinen Sohn Armand Suermondt (1849-1921) über, der das Schloss aufwändig restaurierte. 1921 erhielt es dessen Bruder Arthur Suermondt (1845-1922), der jedoch nur ein Jahr später verstarb. Seine Familie gab das Anwesen daraufhin zum Verkauf frei[3][4]. Heutzutage ist das Schloss zerstört, nur noch das dazugehörende Bauernhaus existiert.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergbaugesellschaft Bleyberg. S. 36
  2. Kirche, Kapelle und Calvaire von Morestne-Chapelle
  3. Aufzeichnungen über Karl und Caroline Suermondt
  4. Schloss Alensberg auf trois-frontieres.be