Poppenhausen (Wasserkuppe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe)
Poppenhausen (Wasserkuppe)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) hervorgehoben
50.4883333333339.8691666666667524Koordinaten: 50° 29′ N, 9° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Fulda
Höhe: 524 m ü. NHN
Fläche: 40,77 km²
Einwohner: 2561 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36163
Vorwahl: 06658
Kfz-Kennzeichen: FD
Gemeindeschlüssel: 06 6 31 021
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Von-Steinrück-Platz 1
36163 Poppenhausen
Webpräsenz: www.poppenhausen-wasserkuppe.de
Bürgermeister: Manfred Helfrich (CDU)
Lage der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) im Landkreis Fulda
Eiterfeld Burghaun Rasdorf Hünfeld Nüsttal Bad Salzschlirf Großenlüder Fulda Petersberg (Hessen) Hofbieber Tann (Rhön) Hilders Dipperz Künzell Poppenhausen (Wasserkuppe) Ehrenberg (Rhön) Gersfeld (Rhön) Ebersburg Eichenzell Kalbach Flieden Hosenfeld Neuhof (bei Fulda) Main-Kinzig-Kreis Bayern Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Poppenhausen (Wasserkuppe) ist eine Gemeinde im Landkreis Fulda in Osthessen, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt mit ihren Ortsteilen in der Hochrhön, am Hang der Wasserkuppe, des Pferdskopfes und des Eubeberges. Durch den Ortsteil Poppenhausen fließt die Lütter, ein Nebenfluss der Fulda.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Poppenhausen grenzt im Norden an die Gemeinden Hofbieber und Hilders, im Nordosten an die Gemeinde Ehrenberg, im Südosten und Süden an die Stadt Gersfeld, sowie im Westen an die Gemeinden Ebersburg, Künzell und Dipperz (alle im Landkreis Fulda).

Gliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den fünf Ortsteilen Poppenhausen, Abtsroda (mit Sieblos und Tränkhof), Gackenhof, Rodholz und Steinwand.

Zum Ortsteil Gackenhof gehört unter anderem auch der Hettenpaulshof. Der alte Hofname lautete „Babelshof“. Bis 2005 war dort ein über 300 Jahre altes Auszugshäuschen, bekannt als Rhönhandweberei, zu finden, in dem Agnes Diel noch bis vor wenigen Jahren auf ebenfalls über 300 Jahre alten Webstühlen webte. Einer dieser Webstühle ist im Fremdenverkehrszentrum Poppenhausen ausgestellt.

Geschichte [2][Bearbeiten]

Ortsteil Abtsroda mit der Wasserkuppe

Das Dorf Poppenhausen entstand im 9. Jahrhundert. Seine Geschichte ist mit dem Kloster Fulda und den Rittern von Ebersberg und von Steinau/Steinrück verbunden. Unter dem Gasthof Stern und dem Von-Steinrück-Platz sind Keller der ehemaligen Burg Poppenhausen erhalten.

1635 tobte die Pest in der Gegend. Aus Dankbarkeit, dass die Pestgefahr vorüber war, errichtete der Geselle Johannes Farnung 1639 einen Bildstock. Am 21. Juni 1647 gelobte die Gemeinde, jedes Jahr eine Wallfahrt zu diesem Bildstock durchzuführen. Dieser örtliche Pest- und Hagelfeiertag wird jährlich an diesem Tag mit einer Wallfahrt zur Kapelle am Stein gefeiert.

Am 30. September 1903 verwüstete ein Brand im Ortskern 17 Wohnhäuser. Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts öffnete sich der Ort für Sommerfrischler, so wurden die Weichen für den heutigen Tourismus gestellt. Am 15. Dezember 1961 wurde der Kerngemeinde Poppenhausen vom hessischen Wirtschaftsministerium das Prädikat Luftkurort verliehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1972 entstand im Zuge der hessischen Gebietsreform aus den einst selbständigen Gemeinden Abtsroda (mit seinen Ortsteilen Tränkhof und Sieblos), Gackenhof, Poppenhausen an der Wasserkuppe, Rodholz und Steinwand die Großgemeinde Poppenhausen. Diese erhielt auch Teile der Nachbargemeinden Dipperz, Ebersburg und Hofbieber mit damals etwa 100 Einwohnern.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 ergab folgende Sitzverteilung:

Kommunalwahl 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,9 %
34,1 %
n. k.
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-4,6 %p
+19,7 %p
-9,6 %p
-5,5 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 65,9 10 70,5 11
CWE Christliche Wähler-Einheit 34,1 5 14,4 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands - - 9,6 1
OBL Offene Bürgerliste - - 5,5 1
Gesamt 100 15 100 15
Wahlbeteiligung in % 64,9 63,1

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kletterfelsen „Steinwand“ im Ortsteil Steinwand
  • Die katholische Pfarrkirche St. Georg wurde von 1606 bis 1622 erbaut. 1857 wurde sie mit den Bau des Querschiffes erweitert, 1993 bis 1994 im neugotischen Stil restauriert. Vor der Kirche befindet sich ein Steinkreuz aus dem Jahre 1763 sowie der Pfarrbrunnen von 1993.
  • Nordwestlich von Poppenhausen befindet sich die Wallfahrtskapelle St. Maria auf dem Stein. Sie wurde 1736 errichtet und besitzt eine Steinkanzel, einen Kreuzweg von 1765 und eine Kreuzigungsgruppe.
  • Im Sieblos-Museum im Rathaus sind Fossilfunde aus der Braunkohle von Sieblos ausgestellt.
  • Nördlich des Ortsteils Abtsroda baute 1898 der Abtsrodaer Schmiedemeister Damian Ebert eine Marienkapelle an den Berg. Er war zuvor zum zweiten Mal nach Lourdes gepilgert.
  • Etwa vier Kilometer östlich von Poppenhausen liegt der natürliche Guckaisee.
  • Am 7. September 2012 wurde der 2,5 km lange Themenwanderweg „Liebesweg“ eröffnet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde bietet heute etwa 800 Arbeitsplätze. Der bestimmende Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr, der im Sommer und durch die relativ schneesichere Lage auch im Winter zahlreiche Arbeitsplätze bietet. Neben dem örtlichen Handel und Gewerbe sind auch einige mittelständische Industriebetriebe ansässig. Einer davon ist die Firma Schleicher, weltbekannter Hersteller von Segelflugzeugen.

Verkehr[Bearbeiten]

Poppenhausen liegt drei Kilometer südlich der Bundesstraße 458 FuldaHilders. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Altenfeld und Gersfeld (Rhön) an der südlich von Poppenhausen verlaufenden Rhönbahn, jeweils etwa acht Kilometer entfernt. Die Buslinie 26 der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft Fulda mbH stellt eine direkte Verbindung nach Fulda her.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Joseph Bub (* 2. März 1873; † 30. April 1945) wurde nach einem Großbrand 1904 Bürgermeister, auch Standesbeamter des Kirchspiels, 1913 Leiter der Postagentur, hatte ohne Vereine 14 weitere Ämter inne, war Stellvertreter des Landrates Dr. Wiechens (Gersfeld). Als Zentrumspolitiker wurde Bub trotz Wiederwahl 1934 durch den Fuldaer NS-Landrat als Bürgermeister abgesetzt.
  • Ludwig Nüdling (* 26. Februar 1874; † 27. März 1947 Oberrothof bei Motzlar) Priester und rastloser Heimatdichter sowie Schriftsteller. Er schrieb u. a. die bekannten historischen Bühnenstücke „Die Schutzfrau von Münnerstadt“, das Würzburger „Kiliani-Spiel“ und „Im Banne der Berge“.
  • Ottmar Vey (* 5. Nov. 1877; † 15. Sept. 1937 Zuchthaus Brandenburg/Havel), ein Opfer des Naziterrors; als Ordensbruder und Priester Hyazinth wurde der Generaloberer der Barmherzigen Brüder Montabaur 1935 verhaftet, in Berlin wegen "Volksverrat und Devisenvergehen" verurteilt, und verstarb 1937 im Nazi-Vollzug.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Mott: Die Wasenmeisterei zu Poppenhausen (Scharf- und Nachrichterei), in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung; 58. Jahrg., Nr. 1, 4. Januar 1985, S. 1,2; 57. Jahrg., Nr. 13, 12. Juli 1984 S. 52; Nr. 14, 20. Juli 1984, S. 56.
  • Michael Mott: Unter dem "Zeigefinger Gottes" / Kleiner Streifzug durch die Geschichte von Poppenhausen / Im Mittelalter eine mächtige Wasserburg, in: Fuldaer Zeitung, 3. Aug. 1985, S. 16.
  • Michael Mott: Hatte Poppenhausen um das Jahr 900 ein eigenes Gotteshaus?, in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung; 62. Jahrg., Nr. 4, 22. Februar 1989, S. 13,14.
  • Michael Mott: Das Marktwesen zu Poppenhausen / Traditioneller Marktflecken mit Dreikönigs- und Michaelismarkt, in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung; 66. Jahrg., Nr. 30, 11. Dez. 1993, S. 120; 67. Jahrg., Nr. 2, 17. Januar 1994, S. 5,6.
  • Michael Mott: Gründung von Poppenhausen/Wasserkuppe / Schenkung eines Rodungsgutes an das Kloster Fulda, in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung; 67. Jahrg., Nr. 12, 3. Juni 1994, S. 45,46; Ortsname und Gründer, Nr. 13, 8. Juni 1994, S, 49,50; Poppo und die Popponen, Nr. 14, 24. Juni 1994, S. 53,54; Ersterwähnung und Echtheit der Schenkung, Nr. 15, 29. Juni 1994, S. 58,59.
  • Michael Mott: Von Raubrittern und Steinkugeln / Mittelalterliche Wurfgeschosse - Stiefkinder der Burgenforschung / Zeitzeugen historischer Kriegsführung, in: Fuldaer Zeitung, 16. Februar 1995, S. 11 (Serie: DENK-mal!).
  • Michael Mott: Dank für Rettung aus der Gefahr / Fußwallfahrt in Poppenhausen auf dem "Stein" / Auslöser für die Bittwallfahrt war die Pest von 1635, in: Fuldaer Zeitung, 15. Mai 1997, S. 14.
  • Michael Mott: Ein Pakt mit dem Teufel zur Rettung der Burg / Die Sage vom eingemauerten Mädchen in Poppenhausen / Kellersysteme existieren noch heute, in: Fuldaer Zeitung, 22. Januar 2010, S. 18 (Serie: Sagen und Legenden).
  • Michael Mott: Ottmar Vey - ein Opfer des Naziterrors /Geboren 1877 in Poppenhausen - gestorben 1937 im NS-Gefängnis Brandenburg, in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung; 87. Jahrg., Nr. 10, 6. Mai 2014, S. 37-39.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Geschichte von Poppenhausen auf der Gemeindeseite
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 395.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Poppenhausen (Wasserkuppe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien