Eichenzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Eichenzell
Eichenzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Eichenzell hervorgehoben
50.4938888888899.6972222222222314Koordinaten: 50° 30′ N, 9° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Fulda
Höhe: 314 m ü. NHN
Fläche: 55,96 km²
Einwohner: 11.120 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 199 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36124
Vorwahlen: 06659, 0661 (Schloss Fasanerie)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: FD
Gemeindeschlüssel: 06 6 31 006
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schlossgasse 4
36124 Eichenzell
Webpräsenz: www.eichenzell.de
Bürgermeister: Dieter Kolb (parteilos)
Lage der Gemeinde Eichenzell im Landkreis Fulda
Eiterfeld Burghaun Rasdorf Hünfeld Nüsttal Bad Salzschlirf Großenlüder Fulda Petersberg (Hessen) Hofbieber Tann (Rhön) Hilders Dipperz Künzell Poppenhausen (Wasserkuppe) Ehrenberg (Rhön) Gersfeld (Rhön) Ebersburg Eichenzell Kalbach Flieden Hosenfeld Neuhof (bei Fulda) Main-Kinzig-Kreis Bayern Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Eichenzell ist eine Gemeinde im Landkreis Fulda in Osthessen, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Eichenzell liegt in einer Hügellandschaft in der hessischen Rhön Richtung Vogelsberg, etwa acht Kilometer südlich der Kreisstadt Fulda direkt am Fluss Fulda.

Der Ort grenzt im Norden an die Stadt Fulda und die Gemeinde Künzell (Ortsteil Engelhelms), im Osten an die Gemeinde Ebersburg, im Süden an die Gemeinde Kalbach, sowie im Westen an die Gemeinde Neuhof (alle im Landkreis Fulda).

Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Eichenzell die Ortsteile Büchenberg (mit dem Weiler Zillbach), Döllbach, Kerzell (mit dem Weiler Steinberg), Löschenrod, Lütter, Rothemann, Rönshausen (mit dem Weiler Melters) und Welkers.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kerndorf Eichenzell wurde im Jahre 927 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda erwähnt. Die urkundliche Erwähnung anderer Dörfer in der Gemeinde erfolgte schon früher: Lütter 815, Döllbach 852, Zillbach 859 und Rönshausen 866. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gegend südlich von Fulda schon bald nach der Gründung des Klosters im Jahre 744 planmäßig gerodet und besiedelt wurde.

Im Jahr 1971 wurde Eichenzell hessischer Landessieger beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen im Jahr 1972 kamen zu Eichenzell die Gemeinden Kerzell, Löschenrod, Welkers, Rönshausen, Lütter, Rothemann, Döllbach und Büchenberg hinzu. Die Gemeinden Zillbach und Melters hatten sich bereits vor der Gebietsreform an Büchenberg und Rönshausen angeschlossen.

Das Eichenzeller Schlösschen ist das Wahrzeichen der Gemeinde, erbaut im Renaissance-Stil durch die Ritter von Ebersberg um das Jahr 1548. In seiner wechselvollen Geschichte wurde es als Ritterresidenz, Wohnhaus, Pfarrhaus, Gotteshaus, Gaststätte und Gemeindesaal genutzt. Heute ist es der Sitz der Gemeindeverwaltung mit modernem Bürgerbüro und wurde im Mai 2007 von Bürgermeister Rudolf Breithecker neugestaltet eingeweiht.

„Weckfresser“[Bearbeiten]

Von alters her werden die Einwohner der Kerngemeinde „Eichezeller Weckfresser“ genannt. Im Garten des Eichenzeller Schlösschens ist ein solcher „Weckfresser“ in Stein gemeißelt. Bis 1785 gehörte Eichenzell zur Pfarrei Florenberg. An besonderen Festtagen oder bei bestimmten Wallfahrten gingen die Eichenzeller auf den Florenberg zur Kirche. Trotz des langen Weges waren sie, sehr zum Verdruss der anderen Wallfahrer aus den Nachbarorten, immer die Ersten. Bis die anderen auf dem Berg eintrafen, hatten die Eichenzeller meist schon alle Festtagswecken aufgekauft. Da es werktäglich meist nur das schon Wochen voraus gebackene Brot gab, war der Festtagsweck eine beliebte Abwechslung. Verärgert darüber, dass die Eichenzeller schon alles aufgekauft hatten, bezeichneten die Nachbargemeinden sie als Eichezeller Weckfresser. Diese Bezeichnung ist ihnen geblieben. Allerdings gilt diese traditionelle Bezeichnung in dieser Form nur für die alteingesessenen Bürger, während die Eichenzeller Neubürger sich, den alten Begriff scherzhaft umdeutend, als Brötchengenießer bezeichnen.

Planung eines Stausees[Bearbeiten]

Im Döllbachtal war in den 1970er Jahren westlich des Ortsteils Döllbach in Richtung des Nachbarorts Thalau eine Talsperre geplant, die als Wasserreservoir für den Raum Frankfurt und der Energieerzeugung dienen sollte. Der entstehende Stausee sollte als Naherholungsgebiet genutzt werden. Die Stützen der A 7-Autobahnbrücke wurden daher mit besonderem Beton ausgeführt, sie hätten später mitten im See gefußt. Der Stauseeplan wurde jedoch aus verschiedenen Gründen aufgegeben, unter anderem weil die Wasserversorgung für den Raum Frankfurt anders gesichert werden konnte. Für den Ortsteil Döllbach hatte das für die lange Zeit von der Planung bis zur Verwerfung einen Baustopp zur Folge, es wurden keine Baugebiete im Ort ausgewiesen.

Ein weiteres Kuriosum war im Jahre 2006 die Idee, oberhalb des Industrieparks Rhön einen Flugplatz mit 1,5 Kilometern Asphaltpiste zu erstellen. Der Unternehmer Lutz Helmig wollte dort investieren, um einen Sonderlandeplatz für kleinere Strahlflugzeuge einzurichten. Die Idee scheiterte jedoch am massiven Widerstand der Anwohner in Rönshausen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Büchenberg, Döllbach, Lütter, Rönshausen, Rothemann und Welkers eingegliedert. Am 1. April 1972 kam Kerzell hinzu. Löschenrod folgte am 1. August 1972.[2]

Religionen[Bearbeiten]

Eichenzell ist hauptsächlich katholisch geprägt; in allen Ortsteilen sind katholische Kirchen zu finden. Jedoch gibt es in Eichenzell eine evangelische Kirche (Trinitatiskirche).

Politik[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Kommunalwahl 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,2 %
35,9 %
8,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+4,1 %p
-8,3 %p
+4,3 %p
Parteien und Wählergemeinschaften 2011 2006
 % Sitze  % Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 56,2 21 52,1 19
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 35,9 13 44,2 16
Christliche Wähler-Einheit (CWE) 8,0 3 3,7 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung 53,8 % 52,5 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Dieter Kolb (parteilos) ist seit 2008 Bürgermeister der Gemeinde Eichenzell.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. Juli 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In einem von Silber und Rot gespaltenen Schild vorn eine blaue Lilie und hinten ein silbernes Eichenblatt.“[3]

Flagge[Bearbeiten]

„Auf einer breiten weißen Mittelbahn, die von zwei schmaleren roten Steitenstreifen eingefasst ist, das Wappen der Gemeinde Eichenzell.“[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ortskern[Bearbeiten]

Ortskern

  1. Renaissance-Schlösschen mit Gemeindeverwaltung
  2. Katholische Kirche St. Peter und Paul mit Pfarrzentrum
  3. Grundschule Eichenzell
  4. Kultur- und Festscheune Am Hof
  5. Freiwillige Feuerwehr Eichenzell, Musikverein Eichenzell
  6. Fluss Fulda
  7. Rhön-Eisenbahn Strecke von Fulda (links) nach Gersfeld (rechts)
  8. Heimatmuseum, Rhönklub, Bücherei
  9. Gasthaus Altes Brauhaus (historisch Gasthaus Adler)
  10. Gasthaus Kramer an der Hauptstraße L3307
  11. Alter Friedhof und evangelische Trinitatis-Kirche

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Fasanerie „Adolphseck"
  • Renaissance Schlösschen im Ortskern
  • Ehemalige Schenkstätte mit Brauerei der Ebersberger Ritter, später Gaststätte zum "Adler", heute "Altes Brauhaus" (Kulturdenkmal)
  • Wartturm des Rhönklub Eichenzell östlich der Kerngemeinde
  • Heimatmuseum im Ortskern
  • Schloss Fasanerie Adolphseck. Das Schloss, einstmals fürstbischöfliche und später kurfürstlich-hessische Sommerresidenz, steht in der Gemarkung Eichenzell und wurde in den Jahren 1730 bis 1757 erbaut. Die Barockanlage, die sich der Fuldaer Fürstbischof Amand von Buseck schuf, spiegelt dessen Macht und Prachtliebe wider. Architekt war der in fürstbischöflichen Diensten stehende italienische Hofbaumeister Andreas Gallasini. Das Schloss und die in Europa einmalige Porzellansammlung können besichtigt werden, in den Sommermonaten finden täglich außer montags Führungen statt.

Männertanzgarden[Bearbeiten]

Im Sommer 2007 wurde die Männertanzgarde Eichezeller Schreckschruwe bei den Meisterschaften in Köln Deutscher Meister. 2008 konnten sie ihren Erfolg wiederholen, 2009 und 2010 wurden sie Deutscher Vizemeister. 2012 wurden sie bei den deutschen Meisterschaften des BvDM (Bundesverband Deutscher Männerballette) in Oberpleis bei Bonn wieder Deutscher Meister.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Eichenzell hat in der Mitte Deutschlands eine besondere Bedeutung als Wirtschaftsstandort. Im Gewerbegebiet Industriepark Rhön, seinerzeit von Bürgermeister Karl Ebert Anfang der 1970er Jahre initiiert, sind über 4000 Arbeitnehmer in kleinen und großen Unternehmen auf einer Fläche von 120 Hektar beschäftigt. Derzeit entsteht das Gewerbegebiet Am Eichenzeller Weg zwischen Kerzell und Löschenrod direkt am Eichenzeller Kleeblatt, dem Kreuz der A 66 mit der als Kraftfahrstraße ausgebauten B 27.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Gemeinde verlaufen die Bundesstraßen 27 und 40, sowie die Autobahnen 7 und 66. Alle Straßen haben Ab- und Auffahrten, die Eichenzell gut erschließen. Die Deutsche Bahn AG betreibt die Bahnstrecke Fulda–Gersfeld, die mehrere Haltestellen in Eichenzell und den Ortsteilen hat.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet führen Radwanderwege:

Bildung[Bearbeiten]

In Eichenzell, Lütter und Hattenhof (Gemeinde Neuhof) befinden sich Grundschulen, in Eichenzell darüber hinaus eine Real- und Hauptschule, die Von-Galen-Schule. Eine Gesamtschule ist in Neuhof. Gymnasien gibt es in Fulda.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Mott: Bald ein Hotel garni? / Am historischen „Adler“ in Eichenzell nagt der Zahn der Zeit. In: Fuldaer Zeitung. 19. Januar 1995, S. 10 (Serie: DENK-mal!).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eichenzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394 und 395.
  3. a b Genehmigung des Wappens und der Flagge durch den Hessischen Minister des Innern (StAnz. 30/1969 S. 1267) Seite 3 der tif-Datei 4,83 MB