Steinheim an der Murr

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Steinheim an der Murr
Steinheim an der Murr
Deutschlandkarte, Position der Stadt Steinheim an der Murr hervorgehoben
48.9666666666679.2833333333333200Koordinaten: 48° 58′ N, 9° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ludwigsburg
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 23,19 km²
Einwohner: 11.937 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 515 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71711
Vorwahlen: 07144, 07148 (Kleinbottwar)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LB, VAI
Gemeindeschlüssel: 08 1 18 070
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktstraße 29
71711 Steinheim an der Murr
Webpräsenz: www.stadt-steinheim.de
Bürgermeister: Thomas Rosner (parteilos)
Lage der Stadt Steinheim an der Murr im Landkreis Ludwigsburg
Erdmannhausen Erdmannhausen Remseck am Neckar Schwieberdingen Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Oberstenfeld Oberstenfeld Mundelsheim Mundelsheim Affalterbach Asperg Benningen am Neckar Besigheim Besigheim Bönnigheim Erligheim Freudental Gemmrigheim Großbottwar Großbottwar Hessigheim Löchgau Murr (Gemeinde) Murr (Gemeinde) Pleidelsheim Pleidelsheim Steinheim an der Murr Tamm Walheim Ingersheim Freiberg am Neckar Bietigheim-Bissingen Bietigheim-Bissingen Ditzingen Eberdingen Kornwestheim Möglingen Oberriexingen Sersheim Vaihingen an der Enz Sachsenheim Korntal-Münchingen Ludwigsburg Markgröningen Hemmingen Gerlingen Kirchheim am NeckarKarte
Über dieses Bild

Steinheim an der Murr ist eine Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg.

Steinheim ist Fundort des Homo steinheimensis, der mit einem geschätzten Alter von etwa 250.000 Jahren der drittälteste Fund aus der Frühgeschichte der Menschheit in Europa ist.

Geografie[Bearbeiten]

Steinheim liegt am Unterlauf der Murr in 190 bis 392 Meter Höhe im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg und hat Anteil an den Naturräumen Neckarbecken und Schwäbisch-Fränkische Waldberge.[2] Die Bottwar durchfließt den Ort und mündet ein wenig westlich des Ortszentrums in die Murr.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Steinheim an der Murr besteht aus den Stadtteilen Höpfigheim, Kleinbottwar und Steinheim. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit denen der ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestriche verbunden nachgestellt der Name der Stadtteile. Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und in den Stadtteilen Höpfigheim und Kleinbottwar sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Zum Stadtteil Höpfigheim gehören das Dorf Höpfigheim (3 km nordwestlich von Steinheim an der Murr) sowie die abgegangene Ortschaft Spießhof. Zum Stadtteil Kleinbottwar gehören das Dorf Kleinbottwar (2 km nördlich von Steinheim an der Murr an der Bottwar gelegen), der Weiler Forsthof und Schloss und Gehöft Schaubeck. Zum Stadtteil Steinheim gehören das Dorf Steinheim an der Murr, die Weiler Lehrhof und Vorderbirkenhof und das Gehöft Buchhof sowie die abgegangenen Ortschaften Hornungshof und Sigebotsbůch.[3][4]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wichtigste Nachbarorte sind Großbottwar im Norden, Murr (unmittelbar westlich angrenzend) und Rielingshausen (Stadtteil von Marbach am Neckar) im Osten. Ebenfalls im Osten begrenzt der Hardtwald das Stadtgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet Steinheims war bereits in der Römerzeit besiedelt (90–260 n. Chr.), wovon Ausgrabungen eines römisches Bades und mehrerer Ziegelbrennöfen zeugen. Um ca. 500 n. Chr. wurde durch die Merowinger ein Steinheimer Ortsadel eingesetzt, die Herren von Steinheim. So entstand in der Folgezeit ein fränkisches Dorf. Die Herren von Steinheim besaßen auf dem heutigen Burgberg eine Wehrburg und Warte, die ca. 800 n. Chr. erbaut wurde. Vermutlich 1250 wurde sie vollständig zerstört. Seine erste Erwähnung findet Steinheim im Lorscher Codex, der vom Jahr 832 datiert. Im 12. Jahrhundert errichteten die Markgrafen von Baden auf den Überresten des römischen Bades einen Herrenhof. Ab 1255 bestand in Steinheim im früheren badischen Herrenhof ein einflussreiches Frauenkloster der Dominikanerinnen, das u. a. auch Ländereien in Esslingen am Neckar erwarb und ab 1271 die Ortsherrschaft innehatte. Der Stadtname lautete seinerzeit noch „Steinen“. Das Kloster Mariental wurde während der Reformation zwischen 1550 und 1560 säkularisiert und brannte im Jahre 1643 vollständig ab; Ausgrabungsfunde sind heute im Stadtmuseum zu besichtigen. Vor dem Übergang an Württemberg im Jahre 1564 wurde der Ort gelegentlich als Stadt bezeichnet, formell wurde das Stadtrecht jedoch erst 1955 verliehen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Steinheim zu einem bedeutenden Standort der württembergischen Möbelindustrie, welche heute allerdings so gut wie keine Rolle mehr spielt. Steinheim gehörte zum Oberamt Marbach und kam nach dessen Auflösung 1938 zum Landkreis Ludwigsburg.

1933 wurde bei Steinheim der Schädel eines Frühmenschen, des sogenannten Homo steinheimensis, gefunden. Es ist bis heute der drittälteste Menschenfund in ganz Europa. Dem Homo steinheimensis ist das Urmensch-Museum in Steinheim gewidmet.

Im Steinbruch an der Straße zwischen Steinheim und Kleinbottwar ereignete sich am 17. April 1945 eines der Kriegsende-Verbrechen. Der Wehrmachtssoldat Erwin Kreetz, der vom Tode seiner Frau erfahren hatte, entfernte sich von der Truppe, wurde ergriffen und auf Befehl des Generalmajors Kurt von Mühlen, Kommandeur der 559. Volks-Grenadier-Division, in diesem Steinbruch erschossen. Daran erinnert seit 1989 ein Gedenkstein.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[6] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 2.614
1. Dezember 1880 ¹ 2.822
1. Dezember 1890 ¹ 2.945
1. Dezember 1900 ¹ 2.866
1. Dezember 1910 ¹ 2.836
16. Juni 1925 ¹ 2.969
16. Juni 1933 ¹ 3.100
17. Mai 1939 ¹ 3.187
13. September 1950 ¹ 4.215
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 5.344
27. Mai 1970 ¹ 7.071
31. Dezember 1980 8.537
27. Mai 1987 ¹ 9.454
31. Dezember 1990 10.316
31. Dezember 1995 10.923
31. Dezember 2000 11.152
31. Dezember 2005 11.636
31. Dezember 2010 12.039

Politik[Bearbeiten]

Marktbrunnen und Rathaus

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 14. Dezember 2008 setzte sich Thomas Rosner im zweiten Wahlgang mit 57,90 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen gegen noch drei Mitbewerber durch.

Gemeinderat[Bearbeiten]

In Steinheim an der Murr wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Steinheim hat nach der letzten Wahl 24 Mitglieder (vorher: 22). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
38,38 %
25,50 %
18,75 %
17,37 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,07 %p
+2,79 %p
-4,34 %p
+1,62 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,38 9 38,45 9
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands

(2009: SPD-Fortschrittliche Bürger)

25,50 6 22,71 5
FW Freie Wählervereinigung 18,75 5 23,09 5
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 17,37 4 15,75 3
gesamt 100,0 24 100,0 22
Wahlbeteiligung 57,90 % 53,51 %

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen
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Die Blasonierung des Stadtwappens lautet: „In Rot unter dem reichsapfelähnlichen goldenen Fleckenzeichen sechs aufeinandergeschichtete Silberne Steine (1:2:3).“

Das Wappen wurde bereits vor 1558 im Gemeindesiegel geführt. Erste Überlieferungen des reichsapfelähnlichen Fleckenzeichens stammen von 1422.[7] Die Stadtflagge ist rot-gelb-weiß und in dieser Farbfolge seit 1863 belegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Steinheim ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Großlage Wunnenstein im Bereich Württembergisch Unterland des Weinbaugebietes Württemberg gehören.

ehemaliger Bahnhof von Steinheim an der Murr

Verkehr[Bearbeiten]

Kleinbottwar und Steinheim lagen an der Bottwarbahn, einer Schmalspurstrecke von Marbach am Neckar nach Beilstein, die 1894 eingeweiht wurde. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten die Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhöfe vom Typ I bzw. IIa.[8] Später wurde die Strecke bis nach Heilbronn-Süd erweitert.

1966 wurde der Personenverkehr jedoch eingestellt, der Güterverkehr wurde nach Umspurung zwischen Marbach und Steinheim bis 1989 weitergeführt. Heute erinnert in Steinheim am alten Bahnhof die Lokomotive 99 651 (im Volksmund „Entenmörder“ genannt) an die Zeit der Schmalspurbahn.

Seit Einstellung des Eisenbahnverkehrs besteht die ÖPNV-Anbindung Steinheims nur noch aus Buslinien. Die Linie 460 (Marbach–Beilstein) der Regional Bus Stuttgart verkehrt im Halbstundentakt, zur Hauptverkehrszeit verkehrt zusätzlich die Linie 461, die über das Neubaugebiet Horrenwinkel fährt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Urmensch-Museum
  • Museum zur Stadtgeschichte
  • Fachwerkrathaus von 1686
  • Wasserrad von 1896
  • Schmalspur-Tenderlokomotive 99 651 von 1918 (sog. „Entenmörder“)
  • Mineralwellenfreibad Wellarium

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinheim an der Murr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 455–458
  4. Hauptsatzung der Stadt Steinheim an der Murr vom 13. November 2001, zuletzt geändert am 20. Juli 2010 (PDF; 35 kB)
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0. S. 85
  6. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  7. Steinheimer Geschichte
  8.  Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96, Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.
  9. Informationen zur Partnerstadt auf der Homepage der Stadt Steinheim