Steinbach-Hallenberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Steinbach-Hallenberg
Steinbach-Hallenberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Steinbach-Hallenberg hervorgehoben
50.70055555555610.566666666667426Koordinaten: 50° 42′ N, 10° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Höhe: 426 m ü. NHN
Fläche: 22,63 km²
Einwohner: 5053 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 223 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98587
Vorwahl: 036847
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 069
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 2
98587 Steinbach-Hallenberg
Webpräsenz: www.steinbach-hallenberg.de
Bürgermeister: Christian Endter (CDU)
Lage der Stadt Steinbach-Hallenberg im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Altersbach Aschenhausen Belrieth Benshausen Bermbach Birx Breitungen Brotterode-Trusetal Christes Dillstädt Einhausen (Thüringen) Ellingshausen Erbenhausen Fambach Floh-Seligenthal Frankenheim/Rhön Friedelshausen Grabfeld (Gemeinde) Grabfeld Henneberg (Thüringen) Hümpfershausen Kaltensundheim Kaltenwestheim Kühndorf Leutersdorf Mehmels Meiningen Meiningen Melpers Metzels Neubrunn Oberhof Oberkatz Obermaßfeld-Grimmenthal Oberschönau Oberweid Oepfershausen Rhönblick Rippershausen Ritschenhausen Rohr Rosa Roßdorf (Thüringen) Rotterode Schmalkalden Schwallungen Schwarza Springstille Steinbach-Hallenberg Stepfershausen Sülzfeld Unterkatz Untermaßfeld Unterschönau Unterweid Utendorf Vachdorf Viernau Wahns Wallbach Walldorf (Werra) Wasungen Wölfershausen Zella-Mehlis ThüringenKarte
Über dieses Bild

Steinbach-Hallenberg ist eine Stadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Die Stadt hat mehr als 5000 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Steinbach-Hallenberg, Blick nach Süden

Die Stadt liegt im Haseltal am Südwestabhang des Thüringer Waldes (etwa 4 km südlich des Rennsteigs) in etwa 420 bis 470 m Höhe. Im südlichen Teil der Stadt liegt der Stadtteil Herges-Hallenberg, der bis 1978 eine selbstständige Gemeinde war. In Herges-Hallenberg finden sich im Wesentlichen die Gewerbegebiete der Stadt.

Angrenzende Gemeinden sind Altersbach, Bermbach, Oberhof, Oberschönau, Rotterode, Springstille, Unterschönau, Viernau und Zella-Mehlis.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausschnitt einer Karte des Amtes Schmalkalden, Joist Moers, 1589

Die Anfänge von Steinbach-Hallenberg sind eng mit der Geschichte der jetzigen Ruine Hallenburg verbunden. Die Besiedlung des Steinbach-Hallenberger Grundes (Haseltal) vollzog sich vermutlich seit dem 12. Jahrhundert. Am 24. Oktober 1303 trennte die damalige Landesherrin von Schmalkalden Markgräfin, Anna von Brandenburg, die Kapelle St. Marie in Steinbach von der Schmalkaldener Mutterkirche. In dieser Urkunde findet das heutige Steinbach-Hallenberg seine erste dokumentierte Erwähnung. Ältere belegte Zeugnisse liegen jedoch von der Hallenburg vor. So wird im Jahre 1228 Reginhard von Hallenberg genannt. Es ist zu vermuten, dass bereits in diesem Jahr eine Siedlung unter der Hallenburg bestanden hat. Erwähnenswert ist ebenso, dass sich die Burg unter den von Kaiser Otto IV. im Jahre 1212 zerstörten Schlössern befunden haben soll. Die dynastische Kleinherrschaft der Herren von Haldenberg könnte sogar bis in die Anfänge des 12. Jahrhunderts zurückgehen, da der Grenzverlauf der Reinhardsbrunner Klosterurkunden aus dem Jahre 1111 Rückschlüsse auf ein Herrschaftsgebiet um die Hallenburg zulässt.

Am 18. Juli 1595 wurde der Gemeinde Steinbach unter Hallenberg das Schank- und Braurecht, im Juni 1669 das Marktrecht und am 30. Juni 1936 das Stadtrecht verliehen.

Steinbach war 1603 von Hexenverfolgung betroffen: Christina Reich wurde in einem Hexenprozess hingerichtet. 1629 gerieten zwei weitere Frauen in einen Hexenprozess.[2]

Unter- und Obersteinbach[Bearbeiten]

Die Stadt Steinbach-Hallenberg entstand aus ursprünglich zwei selbstständigen Siedlungen. Die Karte „Warhaffter Abriss der Herrschaft Schmalkalden“ aus dem Jahre 1589 zeigt Undern Steinbach und Obern Steinbach. Obersteinbach wurde von den Siedlungen am Schlossberg und an der „Burg“ (heutige Moosburgstraße) gebildet. Untersteinbach hingegen entwickelte sich aus einer Siedlung, die entlang des im Erbstal fließenden Gewässers bestand. Beide Siedlungen gehörten vom 16. Jahrhundert bis 1822 zum Amt Hallenberg (seit 1619 zur hessischen Herrschaft Schmalkalden), woraus später der Doppelname Steinbach-Hallenberg entstand.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 90 Frauen und Männer aus Frankreich, der Ukraine und den Niederlanden Zwangsarbeit leisten: in kleineren Metallbetrieben, bei Bäcker Arthur Fuchs, bei Gastwirt Rudolf Waitz, in der Firma Kurt Wilhelm. Mindestens drei Frauen mit Kind starben an den erbärmlichen Lebensbedingungen und wurden auf dem Friedhof Im Eichelbach von Schmalkalden begraben. [3]

Territoriale und politische Zugehörigkeit[Bearbeiten]

12. Jh.–1228/1232 dynastische Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg
1228/1232–1274 Grafschaft Henneberg (ungeteilt)
1274–1391 Grafschaft Henneberg-Hartenberg (dazwischen vor 1374–1391 Pfandschaft der Herren von Bibra)
1391–1549 Grafschaft Henneberg(-Aschach)-Römhild (1532-1549 Seitenlinie Henneberg-Schwarza)
1549–1583 Grafschaft Henneberg-Schleusingen
1583–1619 Kurfürstentum Sachsen
1619–1626 Landgrafschaft Hessen-Kassel
1626–1646 Pfandherrschaft Hessen-Darmstadt
1646–1807 Landgrafschaft Hessen-Kassel (seit 1803 Kurfürstentum Hessen)
1807–1813 Königreich Westphalen (Werra-Departement, Distrikt Eschwege)
1813–1866 Kurfürstentum Hessen
1866–1944 Land Preußen (Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel)
1944–1945 Land Preußen (Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt)
1945–1952 Land Thüringen (1945–1950 Landkreis Schmalkalden, 1950–1952 Landkreis Suhl)
1952–1990 Bezirk Suhl, Kreis Schmalkalden
seit 1990 Freistaat Thüringen (1990–1994 Landkreis Schmalkalden, seit 1994 Landkreis Schmalkalden-Meiningen)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahlen von Steinbach-Hallenberg
Einwohnerzahlen 1564 bis 1895[4]
Jahr Einwohner
1564 400
1647 620
1747 1450
1773 2011
1796 1911
1802 2019
1828 2426
1830 2475
1848 2666
1875 3000
1890 3240
1895 3664
Einwohnerzahlen 1900 bis 1999[4][5]
Jahr Einwohner
1900 4009
1933 5978
1935 6034
1939 6077
1946 7010
1960 6392
1965 6295
1974 6242
1994 6130
1995 6147
1996 6152
1997 6220
1998 6167
1999 6168
Einwohnerzahlen ab 2000[5]
Jahr Einwohner
2000 6149
2001 6034
2002 5960
2003 5868
2004 5777
2005 5727
2006 5620
2007 5530
2008 5471
2009 5414
2010 5347
2011 5191
2012 5084

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Blau über Rot; oben zwischen zwei grünen Tannen eine silberne Burgruine auf silbernem Felsen; unten schräggekreuzt goldener Hammer und goldene Schmiedezange.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften bestehen mit den hessischen Orten Steinbach (Taunus) bei Frankfurt am Main und Lohra im Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie der nordrhein-westfälischen Gemeinde Wilnsdorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Hallenburg

Die auf einem 80 m hohen Porphyrfelsen als Wahrzeichen der Stadt thronende Burgruine Hallenburg gehört wohl zu den herausragendsten historischen Gebäuden der Stadt. Die spätromanische Burg am Arnsberg mit dem 20 m hohen Bergfried und Resten der Kernburg wurde in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1268 als castum Haldenberc erstmals urkundlich erwähnt.

Außerdem befindet sich in Steinbach-Hallenberg eine im Jahre 1652 und 1698 erbaute, frühbarocke Kirche. Die drei Emporen sind mit Bildern der biblischen Geschichte verziert. Erwähnenswert ist auch die Kanzel, das Werk eines unbekannten Nürnberger Meisters. Sie wurde vom Schultheiß Hans Happ aus Unterschönau 1658 der Kirche gestiftet. Ebenfalls sehenswert ist das steinerne Eingangstor des Friedhofs von 1605. Der rechte obere Schlussstein enthält die Namen der Dorfmeister (Vorsteher) und Zwölfer (Gemeindevertretung) von Steinbach-Hallenberg sowie des Schultheißen des Amtes Hallenberg. Die Friedhofskapelle wurde 1739 erbaut.

Am Schlossberg befindet sich das Heimatmuseum „Glockenhaus“, ein Fachwerkhaus mit Unterbau aus dem Mittelalter. Es war ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude des Burgbezirks. Aus der Tradition des Metallhandwerks entstand die museale Besonderheit des Haselgrundes, das Metallhandwerksmuseum. Hier und in den kleinen dazugehörigen Werkstätten kann man zusehen, wie Nägel und die einstige Spezialität des Ortes - Korkenzieher - in Handarbeit gefertigt wurden. Auf dem Gelände des Handwerksmuseums befindet sich noch eine alte, originalgetreu eingerichtete Korkenzieherwerkstatt. Das komplette Gebäude wurde 2004 von ihren ursprünglichen Standort, auf Tieftransportern gezogen, dort neu aufgestellt. Jeweils im September, zum Tag des offenen Denkmals, findet hier das Schmiedefest mit Schauvorführungen statt.[7]

Erwähnenswert ist neben vielen Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert auch das 1900 erbaute Rathaus.

Die Anlauftürme und der Aufsprunghang der Schanzenanlage im Kanzlersgrund befinden sich auf der Gemarkung von Steinbach-Hallenberg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Firmen und Branchen[Bearbeiten]

Traditionell herrscht in Steinbach-Hallenberg das metallverarbeitende Gewerbe vor. Heute findet man einen Branchenmix aus Metall-, Kunststoff- und Holzverarbeitung, Elektrotechnik, Kartonagenherstellung, Bau- und Handwerksbetrieben sowie Verkaufseinrichtungen aus allen Bereichen des Einzelhandels vor. Die drei Gewerbegebiete Im Erlich, Am Schertzer und Am Stiller Berg haben insgesamt eine erschlossene Fläche von 35,8 ha.

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

In Steinbach-Hallenberg gibt es neben zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule (Umweltschule in Europa) und eine Regelschule. Beide Schulen wurden zentrumsfern auf den Hergeser Wiesen neu errichtet. Dort befindet sich ebenso eine Dreifelder-Mehrzweckhalle mit Kegelbahn. Eine Bibliothek besteht gegenüber dem Rathaus. Weiterhin gibt es eine Postagentur, ein evangelisches Altenhilfezentrum, eine Rettungswache (DRK KV Schmalkalden e.V.) und ein Heim für betreutes Wohnen. In Steinbach-Hallenberg praktizieren mehrere Ärzte (Allgemeinmediziner, Augenarzt, Gynäkologe, Zahnärzte) sowie Physiotherapeuten. Es gibt zwei Apotheken.

Sommer-Grand-Prix in Steinbach-Hallenberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alexander Köbrich: Geschichte von Steinbach- und Amt Hallenberg. Selbstverlag des Verfassers, Steinbach-Hallenberg 1894 (Reprint mit Nachwort von Volker Wahl, 2008).
  •  Volker Wahl: Steinbach-Hallenberg – Vergangenheit und Gegenwart. interdruck Leipzig, Steinbach-Hallenberg 1978.
  •  Volker Wahl: Ein Gang durch die Geschichte von Steinbach-Hallenberg und Umgebung. Hallenburg-Verlag, Steinbach-Hallenberg 1990.
  •  Wieland Jung, Wolfgang Diller: Steinbach-Hallenberg – Geschichte in Bildern. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-803-4.
  •  Autoren der Arbeitsgruppe Chronik, Stadtverwaltung Steinbach-Hallenberg (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Steinbach-Hallenberg – Beschreibung eines Jahrhunderts von 1900–2000. 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinbach-Hallenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes', über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Untermaßfeld 2012, S. 351; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Steinach, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 244f. und 253f.; Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 568.
  3.  Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. In: Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8, Thüringen, Erfurt 2003, ISBN ISBN 3-88864-343-0, S. 259f..
  4. a b Volker Wahl: Geschichte von Steinbach-Hallenberg
  5. a b Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
  6. Heinz Gröschel, Hg.: Lexikon Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut, 3. Auflage, Leipzig 1985
  7. Translozierung der Korkenzieherwerkstatt