Arendsee (Altmark)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Arendsee (Altmark)
Arendsee (Altmark)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Arendsee (Altmark) hervorgehoben
Koordinaten: 52° 53′ N, 11° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel
Höhe: 25 m ü. NHN
Fläche: 269,68 km2
Einwohner: 6929 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km2
Postleitzahl: 39619
Vorwahlen: 039003, 039034, 039036, 039384
Kfz-Kennzeichen: SAW, GA, KLZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 81 030
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 3
39619 Arendsee (Altmark)
Webpräsenz: www.stadt-arendsee.eu
Bürgermeister: Norman Klebe
Lage der Stadt Arendsee (Altmark) im Altmarkkreis Salzwedel
Apenburg-WinterfeldArendsee (Altmark)BeetzendorfDähreDiesdorfGardelegenJübarKalbe (Milde)KlötzeKuhfeldeRohrbergSalzwedelWallstaweKarte
Über dieses Bild

Arendsee (Altmark) (Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine Stadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Norden der Altmark am Südufer des Arendsees, des größten und tiefsten natürlichen Sees in Sachsen-Anhalt. Nur wenige Kilometer entfernt befinden sich das Wendland in Niedersachsen und die Prignitz in Brandenburg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in folgende Ortschaften und Ortsteile:[2]

  • Arendsee mit den Ortsteilen (OT) Arendsee, Genzien und Gestien
  • Binde mit den OT Binde und Ritzleben
  • Fleetmark mit den OT Fleetmark, Lüge, Molitz und Störpke
  • Höwisch mit dem OT Höwisch
  • Kaulitz mit dem OT Kaulitz
  • Kerkau mit den OT Kerkau und Lübbars
  • Kläden mit den OT Kläden und Kraatz
  • Kleinau mit den OT Kleinau, Dessau und Lohne
  • Leppin mit den OT Leppin, Harpe und Zehren
  • Mechau mit dem OT Mechau
  • Neulingen mit dem OT Neulingen
  • Rademin mit den OT Rademin und Ladekath
  • Sanne-Kerkuhn mit den OT Sanne und Kerkuhn
  • Schrampe mit den OT Schrampe und Zießau
  • Thielbeer mit den OT Thielbeer und Zühlen
  • Vissum mit den OT Vissum, Kassuhn und Schernikau
  • Ziemendorf mit dem OT Ziemendorf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Arendsee

Den namensgebenden See erwähnten bereits die fränkischen Reichsannalen 822 als Arnseo. Um 1150 nannte Saxo die Ortschaft Arnsee, 1183 hieß sie Arnse und Arnes(s)e. Der erste Wortteil stammte von Arn, der Kurzform eines altsächsischen Personennamens. Dies wurde abgewandelt zu Arnd 1312, Arndt 1483, Arnt 1440 und letztlich gestreckt zu Arend 1556.[3]

Arendsee in Deutsche Sagen lag erstaunlich dicht an der namenkundlichen Erklärung, verband den Orts- mit dem Personennamen Arend und einem hiesigen See:[4][3]

„Von dem Arendsee in der Altmark wird folgendes erzählt: An der Stelle, wo jetzt der See und der Ort dieses Namens liegt, stand vor alters ein großes Schloß. Dieses ging urplötzlich unter, und nicht mehr kam davon als ein Mann und ein Weib. Wie die beiden nun fortgingen, sah sich das Weib ungefähr um und ward der schleunigen Veränderung inne. Verwundert brach sie in die Worte aus: „Arend see!“ (Arend sieh! Den jenes war ihres Mannes Name) und darum gab man nachher dem Städtlein die Benennung, das an dem See auferbaut wurde. In diesem See ragt der feinste, weiße Streusand hervor, und wann die Sonne hell scheint, soll man (wie auch beim See Brock neben den Ossenberg) noch alle Mauern und Gebäude des versunkenen Schlosses sehen. Einige haben einmal vorgehabt, das Wasser zu gründen, und ein Seil eingelassen; wie das herauszogen, fand sich ein Zettel daran mit dem Gebote: „Lasset ab von eurem Unternehmen, sonst wird eurem Orte widerfahren, was diesem geschehen ist.““

Brüder Grimm (Hrsg.): Deutsche Sagen[4]

Vom Mittelalter bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fränkischen Reichsannalen berichteten im Jahr 822 im Zusammenhang mit dem Einbruch eines Salzstocks vom Arnseo – dem Arendsee.

1183 wurde das Kloster Arendsee gegründet, ein Benediktinerinnenkloster, das Markgraf Otto I., Sohn Albrechts des Bären, gestiftet hatte. Die ab 1185 entstandene romanische Klosterkirche ist erhalten.

Die Stadtrechte erhielt Arendsee im Jahr 1457 unter Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt Arendsee mehrfach geplündert. Im Jahr 1685 versank die Mühle des Ortes bei einem Salzstockeinbruch im See und verhalf ihm zu seiner heutigen Form. Er ist der größte Einbruchssee Norddeutschlands. 1831 brannte eine im Ort seit etwa 1381 bestehende Kapelle nieder. 1881/82 wurde die heutige Sankt-Johannes-Kirche gebaut. Der Wanderprediger gustaf nagel errichtete ab 1910 das heute nur noch in Teilen erhaltene gustaf-nagel-Areal am Ufer des Arendsees. Ab 1939 wurde das 1837/38 für die Stadtschule errichtete Haus als Rathaus Arendsee genutzt. 1942 zerstörten HJ-Marineschüler die Garten- und Tempelanlage gustaf nagels.

Zu DDR-Zeiten hatte Arendsee einen bedeutenden Tourismus aufzuweisen. Der See und seine Umgebung bildeten in Maßen einen Ersatz für den Ostseestrand. Zahlreiche Ferienwohnheime und ein Campingplatz dienten als Unterkunftsmöglichkeiten. Seit der Wende ist die Zahl der Tagesausflügler hoch geblieben, die Zahl der Übernachtungen jedoch stark gesunken. Das Kinderferienlager KiEZ Arendsee bietet seit DDR-Zeiten Ferienlagerangebote an. Errichtet und unterhalten wurde es vom VEB Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ Magdeburg. Damals trug es den Namen des KPF-Vorsitzenden Maurice Thorez.

Der Ortsteil Arendsee (Altmark) hat den Status eines staatlich anerkannten Luftkurortes. Die Stadt gehörte bis zum 30. Juni 1994 zum Landkreis Osterburg.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1928 wurde der Gutsbezirk Arendsee-Remontedepot im Landkreis Osterburg mit der Stadtgemeinde Arendsee in demselben Kreis vereinigt.[5] Einige Monate später, am 17. Oktober 1928 wurde der am See gelegene Teil des Gutsbezirks Arendsee, Forst mit der Stadtgemeinde Arendsee vereinigt. Der restliche an der hannoverischen Grenze gelegene unbewohnte Teil wurde mit der Landgemeinde Ziemendorf vereinigt.[6]

Am 1. Januar 2010 wurden die vormals eigenständigen Gemeinden Binde, Höwisch, Kaulitz, Kerkau, Kläden, Kleinau, Leppin, Neulingen, Sanne-Kerkuhn, Schrampe, Thielbeer und Ziemendorf in die Stadt Arendsee (Altmark) eingemeindet.[7][8] Arendsee wurde Einheitsgemeinde, die Verwaltungsgemeinschaft Arendsee-Kalbe mit Sitz in Arendsee wurde aufgelöst.

Bevölkerungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1964 10.963
1971 10.802
1981 9.401
1990 8.597
1995 8.311
2000 8.223
2005 7.724
2010 7.381
Jahr Einwohner
2011 7.237
2012 7.176
2013 7.056
2014 7.023
2015 6.929

1964–1981 Ergebnis der Volkszählung, ab 1990 Stand 31. Dezember des jeweiligen Jahres, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011[9]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kapelle

Die meisten Einwohner sind konfessionslos.

Die evangelische Kirchengemeinde Arendsee gehört zum Kirchenkreis Stendal, zu ihr gehört die Kirche des ehemaligen Klosters Arendsee. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in zu Arendsee eingemeindeten Ortschaften.

Die katholische Kirche ist mit der Kapelle „Christ König“ in Arendsee vertreten, sie wurde 1934 errichtet und befindet sich in einem Wohnhaus an der Lindenstraße. Heute gehört sie zur Pfarrei „St. Laurentius“ in Salzwedel.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 51,2 % zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats:[10]

Rathaus und Stadtkirche
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 32,2 % 6
Die Linke 22,4 % 4
SPD 10,5 % 2
WG Arendsee-Land 27,4 % 6
Freie Liste 4,2 % 1
WG Wrana-Schackert 3,3 % 1
Gesamt 20

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 wurde der Jurist Norman Klebe zum neuen Bürgermeister gewählt, er wurde 2016 im Amt bestätigt.[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 20. September 1938 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „In Silber ein goldbewehrter roter Adler über blauem Wellenschildfuß mit fünf silbernen Wellen.“

Wann Arendsee erstmals ein Wappen führte, lässt sich nicht mehr feststellen. Frühere Embleme enthielten den fliegenden preußischen Adler, mit Krone, Zepter und Reichsapfel sowie dreizehn Seerosen, womit die Zahl der Ratsmitglieder gemeint war. Sie wurden jedoch als „Spielerei aus dem Jahrhundert des heraldischen Verfalls“ aufgegeben. Der heute gezeigte märkische Adler kennzeichnet die Zugehörigkeit der Stadt zur Mark Brandenburg, die Wasserfläche symbolisiert den nahegelegenen Arendsee.

Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge der Stadt ist Weiß-Rot gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arendsee gibt es die Sportvereine SV Arendsee 1920 e. V. (Fußball), TSV Arendsee (unter anderem Tennis, Tischtennis und Kegeln) und Arendsee’r Regattaverein 08 (Segeln). Arendsee gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die im Altmärkischen Wanderverein organisiert sind.[12] Die Stadt war ein Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit geistiger Behinderung. Seit 1998 wird der Arendsee-Triathlon vom Verein Triathlonfüchse Osterburg veranstaltet[13] und seit 2009 findet jährlich ein Schülertriathlon statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kluthturm, Teil des Klosters Arendsee

Durch die Lage am Arendsee spielt der Tourismus eine wichtige Rolle in der Stadt. In der Kernstadt gibt es Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, Übernachtungsmöglichkeiten auch in einigen Ortsteilen. 2014 wurden 179.010 Übernachtungen bei 45.023 Ankünften registriert.[14]

Im Nordosten der Stadt liegt nahe dem See ein Strandbad mit Sandstrand und Seetribüne, das in den Monaten Mai bis September geöffnet ist.[15] Ein nahegelegener Campingplatz verfügt über 320 Dauercampingplätze und großzügig bewaldete Flächen für circa 150 Touristcamper.[16] Seit 2013 befindet sich dort das JugendFilmCamp, das einen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche der Filmproduktion gibt. Innerhalb einer Woche entstehen dort Kurzfilme, die von Jugendlichen ab 16 Jahren produziert werden. An der Konzeption und an der Durchführung des JugendFilmCamps arbeiten Dozenten mit, die sowohl in der künstlerischen Praxis als auch in der Ausbildung tätig sind.[17]

Im Osten der Stadt liegt auf einem neun Hektar großen Gelände die Ferienanlage KiEZ Arendsee. Zu den touristischen Anziehungspunkten gehört neben dem See und dem Klostergelände das gustaf-nagel-Areal am Südufer des Sees.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arendsee wurde 1908 durch die Kleinbahn Arendsee–Stendal an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Ab 1922 war die Stadt zudem wichtigster Unterwegsbahnhof der Bahnstrecke Salzwedel–Wittenberge – eine der letzten Nebenbahnstrecken, die in Deutschland erbaut wurden. Die Strecke nach Stendal ist seit 1978 und die Verbindung in Richtung Salzwedel/Wittenberge seit 2004 stillgelegt. Zeitweise gab es Pläne, die Fahrtroute für Atommüll in Castor-Behältern über die Bahnstrecke Salzwedel–Arendsee und von dort über Straßen ins nahe Gorleben führen zu lassen. Diese Pläne wurden aber wieder fallengelassen. Heute ist Arendsee mit dem Landesbus 200 zu erreichen.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Volkszählung in der Europäischen Union 2011 zeigte, dass von den 7280 Einwohnern der Stadt Arendsee (Altmark) rund 29 % der evangelischen und rund 4 % der katholischen Kirche angehörten.[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arendsee (Altmark) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Arendsee – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2015 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Arendsee (Altmark). 2. September 2014, § 1 (4), S. 1 (stadt-arendsee.eu [PDF; 45 kB; abgerufen am 3. Februar 2017]).
  3. a b Ernst Eichler, Hans Walther: Städtenamenbuch der DDR. 1. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-323-00007-2, Arendsee, S. 42–43.
  4. a b Brüder Grimm (Hrsg.): Deutsche Sagen. Vollständige Ausgabe nach dem Text der dritten Auflage von 1891. 1. Auflage. Rütten & Loening, Berlin 1983, DNB 840917341, Erster Band. 112. Arendsee, S. 76.
  5. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 7.
  6. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 231.
  7. Amtsblatt für den Altmarkkreis Salzwedel. Jahrgang 15, Nummer 8. Altmarkkreis Salzwedel, 26. August 2009; abgerufen am 2. Januar 2014 (PDF; 315 kB).
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  9. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Bevölkerungsbewegungen (Gemeinden anklicken)
  10. Stadt Arendsee – Kommunalwahl 2014 (Memento vom 1. November 2014 im Internet Archive)
  11. http://www.sachsen-anhalt-wiki.de/index.php/Norman_Klebe
  12. Altmärkischer Wanderverein e. V., abgerufen am 9. Mai 2016.
  13. Beschreibung des Wettbewerbs 2015, abgerufen am 25. Dezember 2015
  14. Kleine Anfrage 6/9015 von Nadine Hampel (SPD) im Landtag Sachsen-Anhalt, Antwort vom 18. Januar 2016, abgerufen am 26. Juli 2016
  15. Strandbad Arendsee. Abgerufen am 23. Juli 2016.
  16. Campingplatz Arendsee. Abgerufen am 23. Juli 2016.
  17. Internetpräsenz des JugendFilmCamps. Abgerufen am 23. Juli 2016.
  18. Datenbank Zensus 2011, Arendsee (Altmark), Stadt, Religion