Beteiligte am Ersten Weltkrieg

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Beteiligte am Ersten Weltkrieg: Die Länder der Entente erscheinen in grün, die Mittelmächte in orange, neutrale Staaten in grau.[1]

Beteiligte am Ersten Weltkrieg waren diejenigen Staaten, Gebiete und Volksgruppen, die sich direkt oder indirekt am Ersten Weltkrieg beteiligten oder von ihm betroffen waren.

Entente und verbündete Mächte[Bearbeiten]

Die Entente bestand ursprünglich (bis 1914) nur aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Im Kriegsverlauf stießen zahlreiche Staaten oder Nationalitätengruppen als Verbündete oder Assoziierte hinzu, Russland schied aus.

Mittelmächte und Verbündete[Bearbeiten]

Der Zusammenbruch des Bündnissystem Bismarcks und die ungeschickte Außenpolitik seit 1890 hatten das Deutsche Reich in eine nahezu isolierte außenpolitische Situation gebracht. Die Mittelmächte setzten sich ursprünglich (1879) aus Deutschland und Österreich-Ungarn zusammen (Zweibund). Italien sah die Voraussetzungen des 1882 geschlossenen Dreibundes als Defensivbündnis nicht gegeben und erklärte sich im Ersten Weltkrieg zunächst als neutral, um später zu den Alliierten zu stoßen (Londoner Vertrag von 1915). Da das Osmanische Reich und Bulgarien auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eintraten, wurde auch der Begriff Vierbund verwendet.

Neutrale Staaten[Bearbeiten]

  • Afghanistan – Scheitern des Versuches der Niedermayer-Hentig-Expedition, in Afghanistan einen Freundschafts- und Beistandsvertag mit Lokalfürsten zu schließen und damit auch Britisch-Indien zu gefährden.
  • Argentinien.
  • Belgien – erklärte zunächst bewaffnete Neutralität, die von Deutschland nicht respektiert wurde.
  • Bolivien – diplomatische Beziehungen zu den Mittelmächten 1917 abgebrochen.[6]
  • Bhutan.
  • Chile – Häfen für deutsche Kriegsschiffe geöffnet.
  • Kolumbien.
  • Dänemark – Handel mit beiden Seiten; Verkauf Dänisch-Westindiens an die USA 1917.
  • El Salvador.
  • Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien) – empfing eine deutsche diplomatische Mission, die das Land zu Aktionen gegen die Briten in Afrika zu überreden suchte.
  • Liechtenstein – seinerzeit in Zoll- und Handelsunion mit Österreich. Alliierte unterbanden Zufuhr für Textilindustrie über die Schweiz.
  • Luxemburg – trotz Invasion und Besetzung durch deutsche Truppen keine Kriegserklärung an Deutschland, pro-deutsche Haltung der Großherzogin Marie Adelheid.
  • Mexiko – lehnte eine Allianz mit Deutschland ab (Zimmermann-Depesche).
  • Niederlande – Mobilmachung, nahm Flüchtlingswelle aus Belgien auf. Handel mit beiden Seiten, aber auch von der Seeblockade betroffen (Hungerunruhen 1917).
  • Norwegen – indirekt über Handelsflotte beteiligt, vorwiegend auf Seiten der Entente. 1200 Seeleute im Rahmen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges verschollen.
  • Paraguay.
  • Iran – von britischen und russischen Truppen besetzt. Im Nordiran unterstützten Deutschland und das Osmanische Reich die Rebellen von Mirza Kutschak Khan, der dort die Truppen des zaristischen Russland vertreiben konnte (→ siehe auch: Erster Weltkrieg in Persien).
  • Spanien – wirtschaftlicher Aufschwung durch Rohstofflieferungen an die Kriegsparteien, vornehmlich an die Entente.
  • Schweden – Teilmobilmachung auf dem Festland, Mobilmachung auf Gotland. Unterstützte finanziell und mit strategisch wichtigen Erzlieferungen Deutschland. Schwedische Ausbilder und Kommandeure im Iran unterstützten pro-deutsche Bewegung.
  • Schweiz – Die Schweiz erklärte den Belagerungszustand und eine „bewaffnete Neutralität“. Militärische Zusammenarbeit mit Deutschland für den Fall, dass Frankreich oder Italien Deutschland über die Schweiz angreift (→ siehe auch: Die Schweiz im Ersten Weltkrieg).
  • Venezuela – Unterstützte die Alliierten mit Öllieferungen.

Kriegserklärungen[Bearbeiten]

Europäische Militärbündnisse vor dem Krieg.
Die Alliierten und die Mittelmächte Anfang August 1914.
Alliierte und Mittelmächte Mitte 1918.

Kriegserklärungen sind formlose Willenserklärungen, die den Eintritt des Kriegszustandes ankündigen. In einigen Fällen ist es zu einem militärischen Engagement ohne Kriegserklärung, in anderen zu Kriegserklärungen ohne tatsächlichen Eintritt in Kampfhandlungen gekommen oder der Beginn der Kampfhandlungen ging den Kriegserklärungen voraus (vergleiche obige Abschnitte).

Die folgende Tabelle zeigt das Datum der jeweiligen Kriegserklärungen unter den beteiligten Staaten. Einträge mit gelbem Hintergrund bedeuten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen ohne Kriegserklärung. In der Literatur variieren die Angaben zum genauen Datum bzw. zur genauen Uhrzeit in manchen Fällen geringfügig.

Datum Erklärender Staat Adressat
1914
28. Juli (11 Uhr)[7] Österreich-Ungarn Serbien
1. August (16/19 Uhr)[8] Deutsches Kaiserreich Russisches Kaiserreich
3. August (18 Uhr) Deutsches Kaiserreich Frankreich
4. August (6 Uhr)[9] Deutsches Kaiserreich Belgien
4. August (23/24 Uhr)[10] Großbritannien und Dominions Deutsches Kaiserreich
5. August[11] Montenegro Österreich-Ungarn
6. August Österreich-Ungarn Russisches Kaiserreich
Serbien Deutsches Kaiserreich
9. August[12] Montenegro Deutsches Kaiserreich
11. August Frankreich Österreich-Ungarn
12. August Großbritannien Österreich-Ungarn
22. August Österreich-Ungarn Belgien
23. August Japan Deutsches Kaiserreich
25. August Japan Österreich-Ungarn
8. September Südafrikanische Union Deutsches Kaiserreich
1. November[13] Russisches Kaiserreich Osmanisches Reich
2. November[14] Serbien Osmanisches Reich
3. November Montenegro Osmanisches Reich
5. November Großbritannien
Frankreich[15]
Osmanisches Reich
1915
23. Mai Italien Österreich-Ungarn
3. Juni San Marino Österreich-Ungarn
21. August Italien Osmanisches Reich
14. Oktober Bulgarien Serbien
15. Oktober Großbritannien
Montenegro
Bulgarien
16. Oktober Frankreich Bulgarien
19. Oktober Italien
Russisches Kaiserreich
Bulgarien
1916
9. März Deutsches Kaiserreich Portugal
15. März Österreich-Ungarn Portugal
27. August Rumänien Österreich-Ungarn
Italien[16] Deutsches Kaiserreich
28. August Deutsches Kaiserreich Rumänien
30. August[17] Osmanisches Reich Rumänien
1. November[17] Bulgarien Rumänien
1917
6. April Vereinigte Staaten von Amerika Deutsches Kaiserreich
7. April Kuba Deutsches Kaiserreich
10. April Bulgarien Vereinigte Staaten von Amerika
13. April Bolivien Deutsches Kaiserreich
20. April Osmanisches Reich Vereinigte Staaten von Amerika
29. Juni Griechenland Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
Osmanisches Reich
Bulgarien
22. Juli Siam Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
4. August Liberia Deutsches Kaiserreich
14. August China Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
6. Oktober Peru Deutsches Kaiserreich
7. Oktober Uruguay Deutsches Kaiserreich
26. Oktober Brasilien Deutsches Kaiserreich
7. Dezember Vereinigte Staaten von Amerika Österreich-Ungarn
7. Dezember Ecuador Deutsches Kaiserreich
10. Dezember Panama Österreich-Ungarn
16. Dezember Kuba Österreich-Ungarn
1918
23. April Guatemala Deutsches Kaiserreich
8. Mai Nicaragua Deutsches Kaiserreich
Österreich-Ungarn
23. Mai Costa Rica Deutsches Kaiserreich
12. Juli Haiti Deutsches Kaiserreich
19. Juli Honduras Deutsches Kaiserreich
10. November Rumänien Deutsches Kaiserreich

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kettler, J. I.: Kriegs-Weltkarte, 1917. (Digitalisierte Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin)
  2. Die indischen Truppen an der Artois-Front
  3. Darfur 1916 (engl.)
  4. Madan Kumar Bhattarai: Diplomatic history of Nepal, 1901–1929. A critical appraisal of Nepal-British India relations. New Delhi 1990, ISBN 81-85304-11-4, S. 33.
  5. Die Portugiesen im Ersten Weltkrieg
  6. Chronik des 20. Jahrhunderts. Weltbild, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-130-9, S. 236.
  7. Abgang des Telegramms von Wien. Der österreichische Gesandte hatte Belgrad schon zuvor verlassen.
  8. Zeitverschiebung Berlin - St. Petersburg: drei Stunden.
  9. Die deutsche "Sommation" wird in der Literatur ganz überwiegend nicht als Kriegserklärung gewertet.
  10. Zeitverschiebung Berlin - London: eine Stunde, Dominions bis zu 11 Stunden (Neuseeland).
  11. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 7. August.
  12. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 12. August.
  13. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 758): 2. November.
  14. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 29. Oktober.
  15. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637): 6. November.
  16. Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 99, 637): 28. August.
  17. a b Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 638): 28. August.