Thann

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Thann
Wappen von Thann
Thann (Frankreich)
Thann
Region Grand Est
Département Haut-Rhin
Arrondissement Thann-Guebwiller (Unterpräfektur)
Kanton Cernay
Gemeindeverband Thann-Cernay
Koordinaten 47° 48′ N, 7° 6′ OKoordinaten: 47° 48′ N, 7° 6′ O
Höhe 328–922 m
Fläche 12,51 km2
Einwohner 7.780 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 622 Einw./km2
Postleitzahl 68800
INSEE-Code
Website http://www.ville-thann.fr/

Blick auf die Altstadt von Thann

Thann (elsässisch Dànn, deutsch Thann, zeitweilig auch Tann) ist eine französische Stadt mit 7780 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Thann-Guebwiller.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thann liegt in den Vorbergen der Vogesen am Flüsschen Thur, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Mülhausen, im Regionalen Naturpark Ballons des Vosges, auf 350 m ü. NHN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thann, das im Mittelalter als Wallfahrtsort nachgewiesen ist, wird urkundlich erstmals im Jahr 1290 erwähnt. 1324 kam er durch die Heirat von Herzog Albrecht II. von Österreich mit Johanna von Pfirt an die Habsburger. 1360 erhielt der Ort das Stadtrecht. Die über Thann gelegene Engelsburg war Wohnsitz der Grafen von Pfirt und diente später einem von Albrechts Enkel, dem Herzog Leopold IV. von Österreich, als Residenz. Dessen Ehefrau Katharina von Burgund nutzte Thann nach 1411 als einen ihrer Witwensitze.[1] Die Stadt war bis zum Dreißigjährigen Krieg Teil von Vorderösterreich.

In Thann wütete die frühneuzeitliche Hexenverfolgung besonders stark. Allein im Zeitraum von 1572 bis 1620 wurden annähernd 140 Menschen hingerichtet, meist auf dem Scheiterhaufen.[2]

1659 kam die Stadt durch Schenkung von König Ludwig XIV. in den Besitz von Kardinal Jules Mazarin, den der Sonnenkönig für seine Verdienste belohnen wollte.

Den Adelstitel eines Grafen von Thann und Rosemont (frz. Comte de Thann et de Rosemont) trägt heute der jeweils regierende Fürst von Monaco (seit 2005 Fürst Albert II.).

Rathaus
Die Thur fließt durch Thann
Blick auf das Industriegebiet und den Bahnhof

Im 19. Jahrhundert und bis in die 1960er Jahre hinein war Thann stark von der Textilindustrie geprägt. Dazu gesellte sich eine Chemiefabrik zur Unterstützung der Textilproduktion (Färberei). Dieses heute noch existierende Werk gilt als die älteste Chemiefabrik in Europa. Den Interessen der örtlichen Industrie ist es auch zu danken, dass 1839 eine der ersten französischen Zugverbindungen für den Personenverkehr von Mülhausen nach Thann eröffnet wurde.

Im Jahr 1861 hatte Thann 8854 Einwohner.[3] Im Krieg von 1870/71 fiel Thann mit dem Elsass an das Deutsche Reich. Einige Einwohner verließen die Stadt, weil sie französisch bleiben wollten.

Um 1900 hatte Thann eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Realschule, ein Amtsgericht und eine Oberförsterei.[4]

Im Ersten Weltkrieg wurde Thann schon 1914 von den Franzosen erstürmt, nicht ohne erhebliche Zerstörungen in Kauf zu nehmen, und galt vier Jahre lang als ‚Hauptstadt des befreiten Elsass‘.

Heute ist Thann eine Dienstleistungs- und Touristenstadt, in der auch der Weinbau eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. So befindet sich auf dem Gemeindegebiet auch eine der bekanntesten Weinbaulagen des Elsass, der Rangen. Diese Lage ist eine von insgesamt 50 Alsace-Grand-Cru-Lagen.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährliche Bevölkerungszahlen während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871–1919)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1872 8154 [5]
1890 7425 davon 692 Evangelische, 6560 Katholiken, 155 Juden[3]
1905 7901 [3], meist katholische Einwohner[4]
1910 7413 [3]
Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 7.736 8.218 8.519 7.788 7.751 8.033 7.973

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Thann mit Zügen des Tram-Train und (mittig) der SNCF

Thann hat zwei Bahnhöfe (Thann Gare seit 1839 und Thann Saint-Jacques seit 1863) an der Bahnstrecke Lutterbach–Kruth. Mit der Eröffnung des Tram-Train Mulhouse–Vallée de la Thur kam 2010 die Station Thann Centre hinzu.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm des Münster St. Theobald beherrscht das Stadtbild

Thann pflegt folgende Städtepartnerschaften:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Thann

Blick durch das Hexenauge, im Hintergrund die Stadt Thann

Das gotische Münster St. Theobald mit seinen prächtigen und gut erhaltenen Sandsteinfiguren (Gotischer Torbogen), Bleiglasfenstern und Heiligenfiguren ist nach dem Straßburger Münster eines der besten Beispiele Oberrheinischer Gotik im Elsass. Es wurde vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erbaut, der 76 m hohe Turm wurde 1516 vollendet.

Die Ruine der Burg „Engelsburg“ aus dem 13. Jahrhundert (Château d'Engelbourg) ist über der Stadt zu besichtigen. Kurios ist deren umgekippter Bergfried, der in der Region auch als „Hexenauge“ bezeichnet wird.

Château de Marsilly – Institut für geistig behinderte Erwachsene im Stadtteil Kattenbach.

Stadtmauer mit Toren und Türmen – in dem sogenannten „Hexenturm“ befindet sich eine Dauerausstellung der Winzer der Region, der Eintritt ist kostenlos.

Zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gehört das Staufen-Kreuz, ein Monument in Form eines Lothringerkreuzes. Es wurde 1949 zur Feier der 300-jährigen Zugehörigkeit von Teilen des Elsass zu Frankreich seit 1648 errichtet. Das Denkmal kam 1981 in die Schlagzeilen, weil es innerhalb eines halben Jahres zweimal von Separatisten der Elsässischen Kampfgruppe Schwarze Wölfe (ESKW) gesprengt wurde.

Thann ist mit drei Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris („Nationalrat der blühenden Städte und Dörfer“) vertreten.[6] Die Auszeichnung wird im Rahmen eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1278–1306.
  • Karl Scholly: Die Geschichte und Verfassung des Chorherrenstifts Thann – nach archivalischen Quellen bearbeitet, J. H. E. Heitz, 1907.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation und Selbstdarstellung habsburgischer Fürsten im Spätmittelalter, phil. Dissertation, Wien, 2009, S. 165
  2. Wilhelm Gottlieb Soldan: Soldans Geschichte der Hexenprozesse. Band I. Outlook, Bremen 2011, ISBN 978-3-86403-185-4, S. 492 (Digitalisat [abgerufen am 13. November 2012] Reprint der Originalausgabe von 1880).
  3. a b c d M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 453 (Zeno.org)
  5. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 61 (online)
  6. Haut-Rhin, Palmarès des communes labellisées@1@2Vorlage:Toter Link/www.cnvvf.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (französisch) Abgerufen am 14. Januar 2010