Borkheide

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Borkheide
Borkheide
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Borkheide hervorgehoben
Koordinaten: 52° 14′ N, 12° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Amt: Brück
Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 6,76 km²
Einwohner: 1924 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 285 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14822
Vorwahl: 033845
Kfz-Kennzeichen: PM
Gemeindeschlüssel: 12 0 69 052
Adresse der Amtsverwaltung: Ernst-Thälmann-Str. 59
14822 Brück
Bürgermeister: Andreas Kreibich

Partei = SPD

Lage der Gemeinde Borkheide im Landkreis Potsdam-Mittelmark
Bad Belzig Beelitz Beetzsee Beetzseeheide Bensdorf Borkheide Borkwalde Brück Buckautal Golzow Görzke Gräben Havelsee Kleinmachnow Kloster Lehnin Linthe Linthe Michendorf Mühlenfließ Niemegk Nuthetal Päwesin Planebruch Planetal Rabenstein/Fläming Rosenau (Brandenburg) Roskow Schwielowsee Seddiner See Stahnsdorf Teltow Treuenbrietzen Wenzlow Werder (Havel) Wiesenburg/Mark Wollin Wusterwitz Ziesar Groß Kreutz BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Borkheide ist eine Gemeinde im Zentrum des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg und Teil des Amtes Brück.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borkheide liegt zwischen den Städten Beelitz und Bad Belzig, im Zauchegebiet, einem eiszeitlichen Sander. Auf dem Sand wachsen hauptsächlich Kiefern, daher wird der Ort auch als Waldgemeinde bezeichnet. Westlich von Borkheide liegt ein großer Truppenübungsplatz der Bundeswehr.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fliegerheim im Jahr 2009

Die Gemeinde Borkheide ist, gegenüber den in der Nähe befindlichen Dörfern wie Alt-Bork, Neuendorf oder Schäpe, jüngeren Ursprunges. Erst seit 1898 gab es mit Jägern und Jagdpächtern einige Einwohner auf dem Gebiet der jetzigen Gemeinde. Der Startschuss für die Siedlung fiel mit dem Bau eines Bahnhofs an der Berlin-Wetzlarer Eisenbahn. Im gleichen Jahr wurde eine Waldschänke, das heutige Fliegerheim, gebaut. Dies waren zusammen mit dem Jagdschloss und dem Forsthaus Bork die ersten festen Gebäude im Ort. Bork begann durch die ruhige, waldreiche Lage für Immobilienmakler interessant zu werden. Der Geschäftsmann Poppenberg, gebürtiger Niemegker, und Georg Rothgießer erwarben große Flächen des Waldes, um sie zu vermarkten. Diese beiden Männer gelten als Gründer der kleinen Waldkolonie Bork.[2]

1909 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1909 siedelte sich der Flugpionier Hans Grade in Bork an. Im Jahr 1910 errichtete er in Bork eine Flugzeugfabrik und gründete die erste Flugschule in Deutschland. Beide waren bis 1914 in Betrieb. Es wurden 80 Flugzeuge gebaut und etwa 130 Schüler ausgebildet. Am 18. Februar 1912 fand hier die erste Flugpostbeförderung in Deutschland statt. Die Flugroute führte von Borkheide (damals noch Bork) nach Brück. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages untersagten nach dem Ersten Weltkrieg jegliche Flugzeugbau-Aktivitäten in Deutschland, sodass sich viele Flugzeugbauer auf benachbarte Gebiete wie den Fahrzeugbau begaben. So wurden von Grade im Jahr 1921 die Grade Automobilwerke in Bork zur Herstellung von Kleinwagen gegründet. Es wurden bis 1924 bis zu 1000 Autos produziert. In Grades Automobilwerk waren bis zu 800 Arbeiter beschäftigt. Es ging bereits im Jahr 1927 in Konkurs.

Seit 1910 war Bork das Ausflugsziel vieler Berliner, die die Flugzeuge sehen und auch einmal selbst mitfliegen wollten. Um den Bahnhof und das Marsfeld entstanden die ersten Landhäuser und Gärten. Auch gründete sich durch die Ansiedlung der Flugzeugwerke daneben eine Arbeitersiedlung.

Ende 1937 wurden die Dörfer des Umlands, die einen slawischen Namen trugen, umbenannt. Gleichzeitig wurde aus der Kolonie Bork die Gemeinde Borkheide. Im gleichen Jahr fanden hier die Dreharbeiten zum Film Ziel in den Wolken mit Brigitte Horney statt. Der ehemalige Flugplatz der Flugwerke wurde nach 1933 und während des Zweiten Weltkrieges militärisch genutzt. Ab 1944 haben in Borkheide viele Bewohner der näheren größeren Städte, insbesondere aus Berlin, Zuflucht vor den Fliegerangriffen gesucht.

1945 bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachkriegsentwicklung wurde dadurch geprägt, dass viele ehemalige Wochenendhäuser verfielen, da die Besitzer nicht mehr regelmäßig kamen. Dies lag zu einem großen Teil daran, dass viele der ehemaligen Besitzer aus der zerstörten Stadt Berlin weggezogen waren. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde dann auch den West-Berlinern der Zugang zu ihren Grundstücken und Wochenendhäusern endgültig abgeschnitten.

Ab den 1960er Jahren wurde Borkheide als Erholungsort von Bürgern aus dem Chemiedreieck BitterfeldWolfenMerseburg und Halle wiederentdeckt, die hier die ungenutzten Grundstücke und Wochenendhäuser übernahmen, um sich von den Umweltbelastungen in ihren Heimatorten zu erholen. Einige größere Betriebe aus dieser Region betrieben hier auch ihre betriebseigenen Erholungsobjekte und Betriebsferienlager für Kinder.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1939 828
1946 1 520
1950 1 382
1964 1 232
1971 1 227
1981 1 107
1985 1 104
1989 1 077
1990 1 066
Jahr Einwohner
1991 1 085
1992 1 109
1993 1 139
1994 1 351
1995 1 505
1996 1 650
1997 1 686
1998 1 749
1999 1 789
Jahr Einwohner
2000 1 819
2001 1 833
2002 1 826
2003 1 824
2004 1 883
2005 1 873
2006 1 865
2007 1 875
2008 1 879
Jahr Einwohner
2009 1 878
2010 1 857
2011 1 875
2012 1 850
2013 1 877
2014 1 895

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[3][4], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Borkheide besteht aus 12 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[5]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Kreibich (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 61,9 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[6] gewählt.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 12. Oktober 2000 genehmigt.

Blasonierung: „In Grün ein schräglinker silberner Propeller, begleitet oben von einem goldenen Posthorn und unten von zwei goldenen Pilzen.“[8]

Der Propeller steht dabei für die Flugzeugbau-Tradition und das Posthorn für den ersten Postflug. Die Farbe Grün und die Pilze beziehen sich auf den Gemeindenamen.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Borkheide und in der Liste der Bodendenkmale in Borkheide stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bilder aus dem Hans-Grade-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befinden sich das Grab von Hans Grade und das von Arthur Dizier als eines von 16 Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft, der hier im Wald durch SS-Aufseher erschossen wurde, als er bei einem Transport einer Häftlingsgruppe des KZ Buchenwald fliehen wollte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke DessauBerlin, ein Teil der früher auch unter dem Begriff Kanonenbahn bekannten Berlin-Wetzlarer Eisenbahn, führt durch das Gemeindegebiet und verbindet mit dem Regionalexpress RE 7 (sogenannter AirportExpress) den Ort mit Potsdam und Berlin (Fahrzeit 20 bzw. 40 min), aber auch mit den südlich gelegenen Städten Bad Belzig und Dessau. Die nahegelegene Bundesautobahn 9 ist über den Anschluss Beelitz zu erreichen.

Durch Borkheide führt der Europaradwanderweg R1, der die französische Kanalküste bei Boulogne mit St. Petersburg verbindet.

Waldbad Borkheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick aus einer Krangondel auf das Waldbad im Sommer 2006

Das im Jahr 2003 wieder eröffnete Waldbad Borkheide ist ein künstlich angelegtes chemiefreies Naturbad, welches das im Jahr 1972 erbaute, stark sanierungsbedürftige und deshalb 1998 geschlossene alte Waldbad ersetzte. Im Bad befinden sich seit Sommer 2005 auch eine Rutsche für Kinder und ein 3-Meter-Sprungturm. Da dieses Bad durch einen Verein betrieben wird, haben viele Mitglieder hier eine ergänzende Freizeitbeschäftigung, z.B. in Naturbad Borkheide e.V oder bei der DLRG Ortsgruppe Borkheide, gefunden.

Sport und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unweit des Waldbades befindet sich der Sportplatz des örtlichen Sportvereins Borkheider SV 90. Weiterhin besteht eine aktive Freiwillige Feuerwehr mit Jugendgruppe im Ort.

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. www.borkheide.de: Geschichtliches von Borkheide, hier online; zuletzt eingesehen am 16. Nov. 2009
  3. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 14–17
  4. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  5. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  6. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  7. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  9. Exposé zum Wappen der Gemeinde Borkheide, abgerufen 23. Juni 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Borkheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien