Roskow

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Roskow führt kein Wappen
Roskow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Roskow hervorgehoben
Koordinaten: 52° 28′ N, 12° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Amt: Beetzsee
Höhe: 27 m ü. NHN
Fläche: 39,26 km2
Einwohner: 1189 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km2
Postleitzahl: 14778
Vorwahlen: 033831, 033836
Kfz-Kennzeichen: PM
Gemeindeschlüssel: 12 0 69 541
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Chausseestr.33b
14778 Beetzsee
Webpräsenz: amt-beetzsee.de
Bürgermeister: Ulrich Pleßke
Lage der Gemeinde Roskow im Landkreis Potsdam-Mittelmark
Bad BelzigBeelitzBeetzseeBeetzseeheideBensdorfBorkheideBorkwaldeBrückBuckautalGolzowGörzkeGräbenHavelseeKleinmachnowKloster LehninLintheLintheMichendorfMühlenfließNiemegkNuthetalPäwesinPlanebruchPlanetalRabenstein/FlämingRosenau (Brandenburg)RoskowSchwielowseeSeddiner SeeStahnsdorfTeltowTreuenbrietzenWenzlowWerder (Havel)Wiesenburg/MarkWollinWusterwitzZiesarGroß KreutzBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Roskow [ˈʀɔskoː] ist eine Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte roskow.svg

Die Gemeinde Roskow hat eine Fläche von etwa 39 Quadratkilometern.[2] und liegt zwischen dem Beetzsee im Norden und der Havel im Süden im Havelland. Das Oberzentrum der Region Brandenburg an der Havel liegt unmittelbar westlich der Gemeinde, die Landeshauptstadt Potsdam circa 20 bis 25 Kilometer östlich. Die Stadtgrenze Berlins ist ebenfalls 25 Kilometer entfernt. Roskow gehört zur Metropolregion Berlin/Brandenburg. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit etwa 35 Meter nahe der Gemeindegrenze zu Beetzseeheide. Das Beetzseeufer hat demgegenüber nur eine Höhe von etwa 29 Metern.

Im Uhrzeigersinn grenzen an Roskow folgende Städte und Gemeinden: Im Südwesten liegen die zur kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel gehörenden Orte Saaringen und Klein Kreutz, im Westen das zu Beetzseeheide gehörende Mötzow. Der Beetzsee im Nordwesten gehört über seine gesamten Fläche ebenfalls zur Stadt Brandenburg. Die am gegenüberliegenden Seeufer liegenden Dörfer Beetzseeheide und Ketzür sind Ortsteile Beetzseeheides. Im Norden grenzt Roskow an Päwesin, und im Osten an die Stadt Ketzin/Havel mit der Gemarkung Gutenpaaren. Im Süden, am der Gemeinde gegenüberliegenden Havelufer liegt Groß Kreutz (Havel) mit Götz und Deetz.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Roskow gliedert sich in drei Ortsteile: Lünow im Norden, Roskow, das im Südosten der Gemeinde liegt, und Weseram im Südwesten. Hinzu kommen die Wohnplätze Grabow und Lindenhof.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besiedlung der näheren Umgebung ist bereits für die Steinzeit belegt. Archäologische Funde im Gemeindegebiet reichen mindestens bis in die Bronzezeit zurück. Die ersten Erwähnungen der Orte stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Landschaften Roskows sind überwiegend eiszeitlich geprägt. Weite Flächen sind als Naturpark, Landschafts- oder Naturschutzgebiet, mehrere historische Gebäude als Baudenkmale unter Schutz gestellt. Die Gemeinde führt wie auch die anderen Gemeinden des Amtes Beetzsee bislang kein eigenes Wappen.

Die Gegend um den Ortsteil Lünow war bereits spätestens in der früheren Bronzezeit bewohnt. Aus dieser Zeit stammen Funde wie Armringe, Lanzenspitzen, eine Sichel, eine Axt und eine Armberge. Weiterhin wurden ein spätbronzezeitliches Urnengrab mit Beigaben sowie slawische und frühdeutsche Scherben entdeckt.

1270 überschrieb Marggraf Otto IV. in einer Urkunde die Kirche des Dorfes „Roscowe“ dem Kloster Spandau. 1324 wurden Teile Roskows der Neustadt Brandenburg überschrieben. Weitere Teile gingen beispielsweise an das Kloster Lehnin.

Weseram wurde erstmals im Jahr 1317 als „Wyseram“ urkundlich erwähnt. Das Dorf hatte zu dieser Zeit 25 Hufen Land und wurde vom Bischof des Bistums Brandenburg an das Domkapitel überschrieben.[4] Wenig später erwarb es der Bischof zurück. Das Dorf lag im Hochstift Brandenburg, dem Fürstentum des Bischofs.[5]

Lünows urkundliche Ersterwähnung als „Lunowe“ stammt aus dem Jahr 1335, als es mit weiteren Dorfern entlang des Beetzsees, darunter Radewege und Butzow, verpflichtet wurde, an der Instandhaltung von Dämmen mitzuwirken. Grabow wurde als „Grabowe“ erstmals erwähnt. Im Landbuch Karls IV. von 1375 fanden die Orte Erwähnung. Grabow umfasste zu dieser Zeit 34 Hufen, wovon sechs einem Klaus von Wellen gehörten, und vier Kossäten. Örtliche Beetzseefischer hatten Abgaben an den Herren des Dorfes von Wellen zu leisten. Neben Groß Weseram existierte ein slawisch besiedeltes Klein Weseram, welches um 1400 aufgegeben und unmittelbar bei Groß Weseram neu errichtet wurde. Die Ober- und Niedergerichtsbarkeit in Roskow hatte die Familie von Bredow inne. Im Jahr 1404 erwarb das Brandenburger Domkapitel Grabow von einem Klaus Ruk. Nur eine kurze Zeit nach der Übernahme wurde es eine Wüstung, und die landwirtschaftlichen Flächen wurden dem Domkapitelhof in Mötzow zugeteilt.

Gutshaus Roskow der Familie von Katte

Ab dem 15. Jahrhundert gehörte Lünow der Familie Kloth, und im 16. Jahrhundert existierte in Grabow eine Schäferei, aus der sich ein neues Vorwerk entwickelte. Ab 1610 wechselten die Besitzer Lünows mehrfach. So waren die Familien zu Putlitz, von der Gröben, von Götze, von Flemming, von Grumbkow und von Görne Herren über den Ort. Im Jahr 1641 gab es in Weseram 35 Hufen Land. Nach 1650 verkaufte die Familie von Bredow Roskow an Hans Christoph von Katte, in dessen Familienbesitz es die nächsten Jahrhunderte blieb. 1723 bis 1727 ließ Christoph III. auf dem Rittergut das schlossartige Gutshaus Roskow im Stil des Barock errichten.

1726 verkaufte die Familie von Görne Lünow an das Domkapitel Brandenburg. In dessen Besitz blieb das Dorf bis ins späte 19. Jahrhundert. 1752 wurde die Barockkirche Weserams errichtet. Um das Jahr 1800 lebten in Grabow 21 Menschen. Nach einer Erhebung im Jahr 1809 lebten in Weseram ein Lehnschulze, zehn Bauern und ein Halbbauer, neun Kossäten, zwei Büdner und vier Einlieger. Es existierten eine Schmiede, eine Windmühle, ein Dorfkrug, 35 Bauernhöfe und zwei Lehnhöfe. Insgesamt zählte man im Ort 37 Feuerstellen. 1840 wurden 41 Wohnhäuser gezählt. 1860 gehörten zu Weseram zwei Abbauten in einer Kolonie Weseram, fünf öffentliche Gebäude, 40 Wohn- und 99 Wirtschaftsgebäude.

Im 19. Jahrhundert etablierte sich in der Gegend die Ziegeleiindustrie, so auch in Grabow, Lünow und Weseram. Hintergrund waren reiche Tonvorkommen und der Anschluss über den Beetzsee und die Havel an die Wasserstraßen nach Berlin, sodass ein kostengünstiger Transport in die Metropole möglich war. 1860 wurde Grabow als Gut mit vier Wohn- und 17 Wirtschaftsgebäuden beschrieben, von denen eines eine Ziegelei war. Auch Weseram wuchs im Laufe des Jahrhunderts. So wurden 1900 bereits 63 Wohnhäuser gezählt.

1901 wurden Lünow, Roskow und Weseram über die Westhavelländischen Kreisbahnen an das Schienennetz angebunden. Verbindungen existierten in die Stadt Brandenburg und nach Nauen. Noch heute existieren die Eisenbahnbrücke über den Beetzseesträng bei Lünow und das Bahnhofsgebäude in Roskow. 1928 löste man den Gutsbezirk Mötzow, zu dem Grabow gehörte, auf und gliederte das Dorf der Gemeinde Lünow an.[6] 1938 lebten in Weseram 472 und 1946, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, 744 Einwohner.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1947 und 1948 zu umfangreichen Enteignungen und Neuzuteilungen. Aufgeteilt wurden allgemein private ländliche Besitzungen über 100 Hektar Fläche. So wurden um Roskow 1118 Hektar landwirtschaftliche Fläche enteignet und unter landloser und landarmer Bevölkerung aufgeteilt. Das ehemalige Rittergut der Familie von Katte machte dabei 575 Hektar aus. Um Weseram wurden 334 Hektar enteignet.[8] Nicht enteignet wurden die verpachteten Besitzungen des Domstifts um Grabow. Jedoch musste das Stift, um einer Enteignung zu entgehen, die Flächen in der Folge allein bewirtschaften.[9]

Am 1. Februar 2002 wurden Lünow und Weseram nach Roskow eingemeindet.[10]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 470
1890 481
1910 541
1925 587
1933 522
1939 586
1946 940
1950 1 037
1964 725
1971 764
Jahr Einwohner
1981 670
1985 643
1989 625
1990 620
1991 610
1992 596
1993 585
1994 609
1995 596
1996 621
Jahr Einwohner
1997 615
1998 623
1999 656
2000 663
2001 670
2002 1 297
2003 1 289
2004 1 304
2005 1 302
2006 1 298
Jahr Einwohner
2007 1 274
2008 1 243
2009 1 253
2010 1 233
2011 1 215
2012 1 217
2013 1 208
2014 1 191
2015 1 189

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[11][12] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeindevertretung Roskows gehören zehn Gemeindevertreter und der ehrenamtliche Bürgermeister an. Die letzte Kommunalwahl fand am 25. Mai 2014 statt. Die Wahlen waren kombinierte Personen- und Listenwahlen. Jeder Wähler konnte bis zu drei Stimmen abgeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,0 Prozent. Unter den zehn gewählten Gemeindevertretern sind drei Frauen.

Kommunalwahl 2014[13]
 %
40
30
20
10
0
36,9
26,3
11,8
10,5
8,0
3,8
2,6
FBüBa
WfRb
WGETSc
Schuld
Fritze
Wiesef
Dieterg
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008[14]
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,3
-4,5
-0,3
+3,4
-0,5
+3,8
-3,2
FBüBa
WfRb
WGETSc
Schuld
Fritze
Wiesef
Dieterg
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a Freie Bürger und Bauern
b Wir für Roskow
c Wählergemeinschaft Ernst-Thälmann-Straße
d Einzelbewerber Udo Schultze
e Einzelbewerberin Monika Fritz
f Einzelbewerber Holger Wiese
g Einzelbewerberin Rita Dieter
Wahl 2014 Anzahl  % +/- Sitze +/-
Wahlberechtigte 1049
Wähler 556 53,0 -5,1
ungültige Stimmzettel 27 4,9 +1,2
gültige Stimmen (bis drei pro Wähler) 1557 93,3 -1,3
Freie Bürger und Bauern1 557 36,9 +1,3 4 +1
Wir für Roskow2 410 26,3 -4,5 3 0
Wählergemeinschaft Ernst-Thälmann-Straße 183 11,8 -0,3 1 0
Einzelbewerber Udo Schultze 164 10,5 +3,4 1 0
Einzelbewerberin Monika Fritz 125 7,9 -0,5 1 0
Einzelbewerber Holger Wiese 98 3,8 +3,8 - 0
Einzelbewerberin Rita Dieter 41 2,6 -3,2 - -1

1 2008 als Bauernverband 2 2008 als Wählergruppe für ein lebenswertes Roskow

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde Roskow ist Ulrich Pleßke (Freie Bürger und Bauern), der bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 85,4 Prozent Ja-Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[15] gewählt wurde.[13] Er hatte bei der Wahl keinen Gegenkandidaten. Bereits bei den vorangegangenen Wahlen 2003 und 2008 war er zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt worden. Zuvor war er bereits Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Weseram.[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Lünow

In der Liste der Baudenkmale in Roskow und in der Liste der Bodendenkmale in Roskow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Roskow liegt an den Landesstraßen L 91 zwischen Brandenburg an der Havel und Nauen sowie L 92 nach Ketzin/Havel.

Der Bahnhof Roskow sowie der Haltepunkt Weseram lagen an der Bahnstrecke Röthehof–Brandenburg Krakauer Tor, die 1959 stillgelegt wurde. Auf der Bahnstrecke Roskow–Brandenburg Silokanalbrücke mit dem Bahnhof Roskow und den Haltepunkten Weseram Chaussee und Lünow wurde der Personenverkehr 1966 eingestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peggy Lukac (* 1949), Schauspielerin, wohnt seit 1999 im Ortsteil Lünow

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Statistischer Bericht. Bevölkerungsentwicklung und Flächen der kreisfreien Städte, Landkreise und Gemeinden im Land Brandenburg 2009. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2010, S. 27; abgerufen am 2. September 2014.
  3. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Roskow
  4. Die Territorien der Mark Brandenburg: Kreis West-Havelland, Ernst Fidicin
  5. Gustav Abb und Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil, In: Germania sacra, Berlin und Leipzig 1929, Walter de Gruyter, S. 68.
  6. Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 144.
  7. Geschichte Zeitleiste. Eingesehen am 29. Mai 2014.
  8. Schwarzbuch der Bodenreform - Enthaltene Gemeinden und Orte (Memento vom 28. Januar 2011 im Internet Archive)
  9. Ein Streifzug durch das Amt Beetzsee. Butzow, GT Mötzow. Stadtmagazin BS GmbH, 2007; abgerufen am 27. Juni 2014.
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  11. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 26–29
  12. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  13. a b Bekanntmachung des endgültigen Wahlergebnisses sowie die Namen der gewählten Bewerber zur Wahl der Gemeindevertretung Roskow am 25.05.2014. Mühlenberg, Wahlleiterin, 3. Juni 2014; abgerufen am 19. September 2014.
  14. Statistischer Bericht. Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008 Wahlen zu den Gemeindevertretungen. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, S. 114; abgerufen am 19. September 2014.
  15. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  16. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Potsdam-Mittelmark. Der Landeswahlleiter/Landesabstimmungsleiter; abgerufen am 19. September 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roskow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien