Bracelet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ein Bracelet der WSOP 2005

Das Bracelet (deutsch Armband) ist die Trophäe, die jeder Spieler, der ein Turnier der World Series of Poker (WSOP) gewinnt, neben dem Preisgeld erhält. Obwohl es erst seit der WSOP 1976 offiziell verliehen wird, ist ein Bracelet heutzutage mit einem Turniersieg gleichzusetzen. Die Qualität des Armbandes stieg im Laufe der Jahre stetig an. Während die ersten nur einen Wert von einigen Hundert US-Dollar hatten, werden die heutigen Bracelets von renommierten Juwelieren entworfen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewinner der WSOP 1970, Johnny Moss, erhielt für seinen Triumph eine Silbertasse und das Geld, das er sich an den Turniertagen erspielt hatte.[1] Nach Angaben von Becky Behnen, der Tochter des WSOP-Gründers Benny Binion, wurde von 1971 bis 1974 eine unbeschriebene Trophäe verliehen.[2] Auch bei der WSOP 1975 wurde kein Armband, sondern ein Pokal vergeben. Bracelets werden bei der World Series seit 1976 vergeben.

Heute entspricht die Anzahl der Bracelets eines Spielers in der Regel der Anzahl der gewonnenen Turniere, auch wenn dazu Turniere vor 1976 gehören. Es gibt zwei Sonderfälle, in denen Spieler auch ohne Turniergewinn ein Armband erhielten: Bei der WSOP 1980 und 1981 bekamen die Pokerspieler H. D. Hale und David „Chip“ Reese goldene Armbänder als Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen in verschiedenen Pokervarianten.[3] Diese Auszeichnung, die heute am ehesten mit dem Player of the Year Award zu vergleichen ist, wird nicht als offizielles Armband gewertet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Armband des Weltmeisters 2007

Das erste Armband, das 1976 vergeben wurde, soll noch „wie ein flachgehämmertes Nugget“ ausgesehen haben.[2] Diese Armbänder hatten einen geschätzten Wert von etwa 500 US-Dollar. Ab den 1980ern lagen die alleinigen Produktionsrechte bei dem in Las Vegas ansässigen Juwelier Mordechai Yerushalmi. Diese Partnerschaft fand ein Ende, als Harrah’s Entertainment die Rechte an der World Series of Poker im Jahr 2004 aufkaufte.[2]

Die Armbänder, die bei der WSOP 2006 an die Sieger übergeben wurden, wurden von Frederick Goldman, Inc. gefertigt, während der Schweizer Uhrenhersteller Corum einige Uhren in das Preispaket integrierte. Die Armbänder der Weltmeister waren mit 259 Steinen bestückt und 7,2 Karat schwer. Es wurden 120 Gramm Gold und Weißgold implementiert. Zudem wurden Rubine verwendet, um die Kartensymbole Herz und Karo nachzuahmen. Für das Pik wurde ein Saphir verwendet, als Kreuz wurden drei schwarze Diamanten eingesetzt.[2]

Im Jahr 2007 wurde Corum zum alleinigen Produzenten der Armbänder. Einige der Sieger erhielten sowohl ein Bracelet als auch eine wertvolle Armbanduhr. Für die 56 Wettbewerbe wurden vier verschiedene Bracelets produziert. Die Sieger der „gewöhnlichen“ 53 Bewerbe erhielten die Standardvariante mit 53 Diamanten.[4] Das Bracelet für die Siegerin des Frauenturniers war mit 4 schwarzen Diamanten, 2 Rubinen und 87 blauen Saphiren bestückt.[5] Die Trophäe, die an den Sieger des renommierten H.O.R.S.E.-Turniers, Freddy Deeb, ging, besaß 91 schwarze Diamanten und 2 Rubine.[6] Das Armband für den Sieger des Hauptturniers, Jerry Yang, konnte 120 Diamanten auf 136 Gramm schwerem Weißgold vorweisen.[6] Der wahre Wert der Armbänder wurde zwar nicht bekannt gegeben, allerdings liegt der typische Preis für eine Corum-Uhr zwischen 1500 und 30.000 US-Dollar.[7][8][9]

Prestige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Anfangsjahren erfreuten sich die Armbänder keiner großen Beliebtheit. So gab der zehnfache Turniergewinner Doyle Brunson an, dass ihm das Schmuckstück nach seinem ersten Triumph völlig egal gewesen sei.[10] Viele professionelle Pokerspieler sind inzwischen der Meinung, dass es zwei Arten von Spielern gibt – jene, die bereits ein Armband gewonnen haben, und jene, die immer noch darauf warten. Erstere würden einem exklusiven Klub angehören.[10] Der Kommissar der World Series of Poker, Jeffrey Pollack, erklärte 2006, dass es für einen Spieler unmöglich sei, ein Bracelet zu sehr zu schätzen. Es sei gleichzustellen mit dem Sieg eines Eishockeyteams im Stanley Cup.[11] Viele Pokerspieler stellen auch die Anerkennung, die ein Turniersieg mit sich bringt, in den Vordergrund. So gab Phil Gordon an, dass er das Armband mehr als alles andere wolle.[12] Freddy Deeb gab dagegen an, dass er sein erstes Armband nicht richtig schätzte, sein zweites aber alles für ihn bedeute.[13] Die Schauspielerin und Armbandträgerin Jennifer Tilly gab unmittelbar nach ihrem Sieg 2005 an, dass ein Bracelet besser als ein Oscar sei.[10] Der sechsfache Turniersieger Ted Forrest soll Hamid Dastmalchi ein Armband, das diesem nicht gefiel, für 1500 US-Dollar abgekauft haben. Forrest berichtete auch, dass drei seiner Armbänder im Laufe der Jahre gestohlen wurden und er eines seiner Tochter gab.[14]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekordsieger ist der US-Amerikaner Phil Hellmuth, der seit 1989 insgesamt 16 Bracelets sammeln konnte. Damit liegt er 6 Armbänder vor Doyle Brunson, Phil Ivey und Johnny Chan. Letzterer war die erste Person, die 10 Turniere gewann.

Deutschsprachige Braceletgewinner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand der Daten: 16. November 2022 (nach der World Series of Poker Europe)

Spieler Herkunft Bracelets Jahr(e) itm Quellen
Dominik Nitsche Deutschland 4 2012, 2014 (2), 2017 E 052 [1][2]
George Danzer Deutschland Brasilien 4 2014 (2), 2014 A, 2016 027 [3][4]
Greg Müller Kanada Deutschland 3 2009 (2), 2019 049 [5]
Manig Löser Deutschland 2 2021 O, 2022 097 [6]
Claas Segebrecht Deutschland 2 2022 O (2) 044 [7][8]
Jonas Lauck Deutschland 2 2019, 2022 O 040 [9]
Fedor Holz Deutschland 2 2016, 2020 O 021 [10][11]
Eduard Scharf Deutschland 2 2001, 2003 019 [12][13]
Hanh Tran OsterreichÖsterreich 2 2018, 2018 E 007 [14]
Emil Bise Schweiz 2 2021 E, 2022 E 006 [15]
Maximilian Klostermeier Danemark Deutschland 2 2019, 2021 E 002 [16]
Ismael Bojang Deutschland OsterreichÖsterreich 1 2019 101 [17]
Giuseppe Pantaleo Deutschland ItalienItalien 1 2018 060 [18]
Christian Rudolph Deutschland 1 2020 O 051 [19]
Christopher Frank Deutschland 1 2017 050 [20][21]
Daniel Smiljkovic Deutschland 1 2021 O 048 [22][23][24]
Koray Aldemir Deutschland 1 2021 047 [25]
Markus Prinz Deutschland 1 2022 O 047 [26][27]
Martin Finger Deutschland 1 2013 042 [28][29]
Stefan Lehner OsterreichÖsterreich 1 2022 039 [30][31]
Stefan Schillhabel Deutschland 1 2022 O 035 [32][33][34]
Andreas Klatt Deutschland 1 2017 E 033 [35][36]
Nino Ullmann Deutschland 1 2022 033 [37][38][39]
Dietrich Fast Deutschland 1 2015 E 032 [40][41]
Ivo Donev OsterreichÖsterreich 1 2000 030 [42][43]
Ole Schemion Deutschland 1 2021 029 [44]
Paul Höfer Deutschland 1 2015 027 [45][46]
Jens Lakemeier Deutschland 1 2017 026 [47][48]
Jessica Teusl OsterreichÖsterreich 1 2022 026 [49]
Sebastian Langrock Deutschland 1 2017 022 [50]
Adrian Apmann Deutschland 1 2015 021 [51]
Max Kruse Deutschland 1 2022 E 020 [52][53]
Paul Michaelis Deutschland 1 2015 020 [54][55]
Johannes Becker Deutschland 1 2018 019 [56]
Matthias Rohnacher Deutschland 1 1997 018 [57]
Jan-Peter Jachtmann Deutschland 1 2012 016 [58]
Igor Kurganow RusslandRussland Deutschland 1 2017 015 [59][60]
Nikolaus Teichert Deutschland 1 2013 014 [61]
Michael Keiner Deutschland 1 2007 010 [62]
Arne Kern Deutschland 1 2018 010 [63][64]
Thomer Pidun Deutschland 1 2022 E 010 [65]
Florian Langmann Deutschland 1 2014 009 [66]
Marc Radgen Deutschland 1 2022 O 009 [67][68][69]
Fabian Brandes Deutschland 1 2022 008 [70]
Hossein Ensan Deutschland Iran 1 2019 008 [71]
Sebastian Ruthenberg Deutschland 1 2008 007 [72]
Katja Thater Deutschland 1 2007 006 [73]
Pius Heinz Deutschland 1 2011 005 [74]
Jörg Peisert Deutschland 1 2009 005 [75]
Thomas Bihl Deutschland 1 2007 E 004 [76]
Jens Vörtmann Deutschland 1 2008 004 [77]
Besim Hot Schweiz 1 2019 E 003 [78]
Carsten Joh Deutschland 1 2009 003 [79][80]
Helmut Phung Deutschland 1 2022 E 003 [81]
Martin Kläser Deutschland 1 2008 002 [82]
Gregor Müller OsterreichÖsterreich 1 2020 O 002 [83]
Siamak Tooran Deutschland 1 2019 E 002 [84]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bracelets – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johnny Moss (Memento vom 11. August 2007 im Internet Archive) auf pokerplayerpress.com (englisch)
  2. a b c d Poker's glory is about the bracelet, not the money (Memento vom 22. April 2009 im Internet Archive), Albuquerque Tribune, 28. Juli 2006 (englisch).
  3. Biografie von H. D. Hale, Seite 127–132, (englisch; PDF; 11 kB).
  4. Corum stellt neue Bracelets der World Series of Poker vor (Memento vom 11. Dezember 2009 im Internet Archive), GlobalInvestor, 5. Juni 2007 (englisch).
  5. Poker Academy Student bests largest-ever field to become 2007 World Series of Poker Ladies Champion auf worldseriesofpoker.com vom 13. Juni 2007 (englisch).
  6. a b Corum stellt neue Bracelets der World Series of Poker vor auf worldseriesofpoker.com vom 5. Juni 2007 (englisch).
  7. Corum-Preisliste auf nextag.com
  8. Corum-Preisliste auf thewatchery.com (Memento vom 27. Mai 2010 im Internet Archive)
  9. Corum-Preisliste auf overstock.com
  10. a b c ESPNs Übertragung der World Series of Poker 2007, Episode 2.
  11. Die neuen Bracelets enthüllt auf pokernews.com vom 7. Juni 2006 (englisch).
  12. Interview, pokerlistings.com vom 10. Juni 2005 (englisch)
  13. Freddy Deeb wins 50.000 $ H.O.R.S.E.-Event auf worldseriesofpoker.com vom 29. Juni 2007.
  14. Ted Forrest auf ixgames.com, abgerufen am 17. Juli 2019 (englisch)