Phil Hellmuth

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Phil Hellmuth
Phil Hellmuth (2018)
Phil Hellmuth (2018)
  Personenbezogene Informationen  
Geburtsdatum 16. Juli 1964
Geburtsort Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Madison
Spitzname The Poker Brat
Nicknames
0
#1_Lucky_OnePokerStars

LumestackinWSOP.com
Wohnort Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Palo Alto
Pokerturniere
Höchstes Live-Preisgeld 02.645.333 $
Gesamtes Live-Preisgeld 24.217.333 $
World Series of Poker
Bracelets 15
Geldplatzierungen 163
Bestes Main Event Sieg (1989)
  Main Event der World Poker Tour  
Titel keine
Geldplatzierungen 18
Letzte Aktualisierung: 11. April 2021

Phillip Jerome „Phil“ Hellmuth, Jr. (* 16. Juli 1964 in Madison, Wisconsin) ist ein professioneller US-amerikanischer Pokerspieler.

Hellmuth ist einer der populärsten und erfolgreichsten Pokerspieler der Welt.[1] Bei der World Series of Poker gewann er 15 Bracelets, so viele wie kein anderer Spieler. Er erzielte insgesamt 163 WSOP-Geldplatzierungen, womit er ebenfalls lange Rekordhalter war.[2] Insgesamt erspielte er sich bei Live-Pokerturnieren bisher mehr als 24 Millionen US-Dollar.[3]

Aufgrund seines Temperaments am Pokertisch trägt Hellmuth den Spitznamen „The Poker Brat“. Im Juli 2007 wurde er in die Poker Hall of Fame aufgenommen.[4] Im Rahmen der 50. Austragung der World Series of Poker wurde Hellmuth im Juni 2019 als einer der 50 besten Spieler der Pokergeschichte genannt.[5]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellmuth, der 2,01 m misst, wuchs als das älteste von fünf Kindern einer katholischen Familie in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin auf und besuchte die dort ansässige Madison West High School. Anschließend studierte er an der University of Wisconsin, an der sein Vater als Dekan arbeitete, verließ die Universität jedoch ohne Abschluss, um eine Karriere als professioneller Pokerspieler zu starten. Während des Studiums lernte er seine spätere Ehefrau kennen, die als Psychiaterin an der Stanford University arbeitet. Das Paar heiratete im Jahr 1990 und hat zwei Söhne. Hellmuth lebt in Palo Alto.[6][7]

Er hatte Cameo-Auftritte im 2007 erschienenen Poker-Filmdrama Glück im Spiel sowie 2017 in einer Episode der Fernsehserie Billions. Als Schauspieler agierte er 2007 in der Filmkomödie The Grand sowie 2012 in einer Folge der Fernsehserie Touch.[8]

Pokerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellmuth kam während seines Studiums erstmals mit Poker in Berührung und begann, so viel wie möglich mit Freunden und der Familie zu spielen. In Madison baute er sich durch das Spielen von Cash Games gegen Profis, Ärzte und Geschäftsleute eine erste Bankroll auf, die er in Las Vegas jedoch wieder verspielte. Hellmuth kehrte zu dieser Zeit immer wieder nach Madison zurück, um als Arbeiter auf einem Maisfeld Geld zum Pokern zu verdienen. Als er schließlich bei Spielen mit niedrigen Einsätzen in Las Vegas Erfolg hatte, begann Hellmuth, um höhere Einsätze zu spielen und an Pokerturnieren teilzunehmen.[6]

Turniererfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1989 wurde der damals 24-jährige Hellmuth zum bis dahin jüngsten Gewinner des wichtigsten Pokerturniers, dem Main Event der World Series of Poker in Las Vegas, nachdem er im Heads-Up Johnny Chan besiegt hatte. Damit sicherte er sich sein erstes Bracelet und eine Siegprämie von 755.000 US-Dollar.[9] Den Rekord als jüngster Gewinner des WSOP-Main-Events hielt Hellmuth bis 2008, ehe er von Peter Eastgate abgelöst wurde. Hellmuth hat bisher 15 Bracelets gewonnen, 12 davon in seiner Paradedisziplin Texas Hold’em. Er hält ebenfalls den Rekord der meisten WSOP-Finaltische und auch seine 163 WSOP-Cashes waren lange Spitzenwert, seit 2020 rangiert er in dieser Statistik hinter Daniel Negreanu auf dem zweiten Platz.[2] Hellmuth war Sieger der dritten Staffel von Late Night Poker. Im Jahr 2005 gewann er die erste Ausgabe der National Heads-Up Poker Championship. Hellmuth setzte sich dabei gegen Men Nguyen, Paul Phillips, Huck Seed, Lyle Berman und Antonio Esfandiari durch. Im Finale besiegte er Chris „Jesus“ Ferguson 2:1 nach Spielen, wobei Hellmuth das erste sowie das dritte – und entscheidende – Spiel gewann.[10] Hellmuth trat 2006 erneut an und verlor dort in der ersten Runde gegen David „Chip“ Reese. Bei der WSOP 2011 belegte Hellmuth hinter Brian Rast den zweiten Platz bei der Poker Player’s Championship für über eine Million US-Dollar Preisgeld.[11] 2012 erreichte Hellmuth beim teuersten Event der Serie, dem Big One for One Drop mit einem Buy-in von einer Million US-Dollar, den Finaltisch. Dort belegte er den vierten Platz und erhielt sein bis heute höchstes Preisgeld von mehr als 2,5 Millionen US-Dollar.[12] Anfang Oktober 2012 gewann Hellmuth das Main Event der World Series of Poker Europe in Cannes mit einer Siegprämie von über einer Million Euro.[13] Bei der WSOP 2015 wurde er beim High Roller for One Drop Sechster für knapp 700.000 US-Dollar.[14] Abseits der WSOP saß Hellmuth Anfang Juni 2016 am Finaltisch des Super High Roller Bowl im Aria Resort & Casino und erhielt für seinen vierten Platz ein Preisgeld von 1,6 Millionen US-Dollar.[15]

Hellmuth nahm an der ersten, vierten und sechsten Staffel der Serie High Stakes Poker auf Game Show Network teil, bei der er insgesamt mit Gewinn abschloss. Ende 2010 trennte er sich von seinem Sponsor UltimateBet.[16]

Braceletübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phil Hellmuth bei der WSOP 2006
Jahr Buy-in Turnier Teilnehmer Preisgeld
1989 E 10.000 $ World Championship – No Limit Hold’em 0178 0.755.000 $
1992 E 0.5000 $ Limit Hold’em 0088 0.188.000 $
1993 E 0.2500 $ No Limit Hold’em 0173 0.173.000 $
0.1500 $ No Limit Hold’em 0284 0.161.400 $
0.5000 $ Limit Hold’em 0063 0.138.000 $
1997 E 0.3000 $ Pot Limit Hold’em 0170 0.204.000 $
2001 E 0.2000 $ No Limit Hold’em 0441 0.316.550 $
2003 E 0.2500 $ Limit Hold’em 0194 0.171.400 $
0.3000 $ No Limit Hold’em 0398 0.410.860 $
2006 E 0.1000 $ No-Limit Hold’em (mit Rebuys) 0754 0.631.863 $
2007 E 0.1500 $ No-Limit Hold’em 2628 0.637.254 $
2012 E 0.2500 $ Seven Card Razz 0309 0.182.793 $
2012 E 10.450 Main Event – No-Limit Hold’em 0420 1.022.376 €
2015 E 10.000 $ Razz Championship 0103 0.271.105 $
2018 E 0.5000 $ No-Limit Hold'em (30 minute levels) 0452 0.485.082 $

Preisgeldübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Preisgeld (in $) Turniersiege
1987 00.00.1980
1988 00.239.275 2
1989 01.062.840 4
1990 00.066.794
1991 00.132.150 1
1992 00.385.575 2
1993 00.594.900 4
1994 00.161.685 1
1995 00.461.660 4
1996 00.145.775 2
1997 00.234.100 1
1998 00.314.020 3
1999 00.061.179
2000 00.436.046 5
2001 00.814.735 3
2002 00.285.290
2003 01.160.832 3
2004 00.096.441
2005 00.845.810 1
2006 01.271.502 2
2007 00.932.324 5
2008 01.156.544 4
2009 00.177.243
2010 00.427.656 1
2011 01.652.521
2012 04.394.823 3
2013 00.485.138 1
2014 00.303.604 1
2015 01.028.128 1
2016 01.669.246
2017 01.133.312 3
2018 00.684.190 1
2019 00.600.015 1
2020 00.700.000 3
2021 00.100.000 1
gesamt 24.217.333 63

Persönlichkeit und Streitigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phil Hellmuth (2008)

Hellmuth ist eine der auffälligsten Personen im Poker. Viele Fans und Beobachter haben eine klare Meinung über ihn, sowohl positiv als auch negativ. Während ihm seine 15 Bracelets viel Anerkennung bringen, kommt sein schlechter Ruf vor allem durch seine Reaktionen auf Niederlagen zustande.

Hellmuth machte bei Pokerturnieren oft prahlerische Bemerkungen, häufig nachdem er mit einer Hand verlor, bei der er statistisch als Favorit galt. Dies wird in der Pokersprache als Bad Beat bezeichnet. Einige Beispiele hierfür sind: “If luck weren’t involved I guess I’d win every one” (deutsch: „Wenn Glück keine Rolle spielen würde, würde ich wohl immer gewinnen“) und “I’ve revolutionized the way to play Texas hold 'em” (deutsch: „Ich habe die Art, Texas Hold’em zu spielen, revolutioniert“). Während des Main Events der WSOP 2005 entschied er sich in einer Runde seine Hand A K auf das Board 44AQ zu passen. Daraufhin zeigte ihm sein Gegner, dass er zwei Asse hatte, also ein Full House. Somit entging Hellmuth einem hohen Verlust und sagte, er könne Pistolenkugeln ausweichen (original “I can dodge bullets baby”, the bullets ist gleichzeitig der englische Ausdruck für zwei Asse auf der Hand). Im gleichen Turnier bezichtigte er einen Amateurspieler, das Wort „Poker“ nicht buchstabieren zu können, nachdem er von diesem mit viel Glück besiegt wurde.[17] Legendär ist auch sein Geschimpfe nach dem World Series of Poker Tournament of Champions im Jahre 2004, bei dem er im Heads-Up gegen Annie Duke verlor. Manchmal wird Hellmuth Hell Mouth (deutsch Höllenmund) genannt, ein Wortspiel mit seinem Nachnamen. Während viele Spieler Hellmuths Verhalten nicht mögen, wird dieses von Fernsehproduzenten durchaus geschätzt, sodass es nur selten vorkommt, dass Hellmuth (speziell bei der WSOP) seinen Gedanken freien Lauf lässt und keine Kamera anwesend ist.

Während der WSOP 2002 bot Hellmuth an, seinen Kopf zu rasieren, falls der Amateur Robert Varkonyi, der zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Chips hatte, das Main Event gewänne. Als Varkonyi gewann, beendete ESPN seine Sendung damit, zu zeigen, wie Hellmuths Locken abrasiert wurden. Hellmuth schrieb ein Buch namens Poker Brat, das sowohl autobiografisches Material als auch Pokerratschläge enthält. Während viele Profispieler, Amateure und Fans Hellmuths Verhalten als geschmacklos und manchmal grob empfinden, respektieren sie sein Pokertalent und seine Persönlichkeit abseits des Pokertisches. Es ist umstritten, ob Hellmuth absichtlich schlechte Etikette zeigt, da ein großer Teil seines Images darauf basiert, dass er sich als Poker Brat verkauft. Hellmuth engagiert sich als professioneller Pokerspieler auch für soziale Belange. Er nahm an vielen entsprechenden Veranstaltungen teil. Ferner kommentiert er immer wieder in Fernsehübertragungen und -sendungen Pokerpartien. Hellmuth beteiligte sich zudem an verschiedenen, auf Poker bezogenen Podcasts, inklusive Phil Gordons Podcast zur WSOP 2005.

Nachdem Hellmuth im Finale der National Heads-Up Poker Championship das zweite Spiel gegen Ferguson verloren hatte, schüttelte er seinen Kopf und verließ den Saal. Der Kamera sagte er: “He had four outs, how lucky can you get?” (deutsch: „Er hatte nur vier Outs, wieviel Glück kann man haben?“). Als Hellmuth beim WSOP-Main-Event 2008 eine Hand gegen Cristian Dragomir verlor, beschimpfte er diesen anhaltend als Idioten: “Buddy, you are an idiot, that’s what you are.

Hellmuth vermarktet seine Fähigkeiten und seine Bekanntheit auch abseits des Pokertisches. Er ist der Autor zahlreicher Artikel des Card Player Magazine und von Pokerbüchern. Zudem hat er viele Poker-Anleitungsvideos gemacht, so u. a. Phil Hellmuth’s Million Dollar Poker Secrets. Hellmuth war Sprecher und Spieler bei UltimateBet, einem Onlinepokersaal. Er arbeitete mit Oakley Inc. zusammen, um eine Kollektion von signierten Sonnenbrillen im Pokerstil zu entwickeln. Es gibt eine Bekleidungsserie, die seinen Spitznamen Poker Brat trägt. In einem Online-Interview mit ESPN schätzte er, dass er außerhalb des Pokers bis zu 400 Millionen US-Dollar einnehmen könnte.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Buch Play Poker Like the Pros: The greatest poker player in the world today reveals his million-dollar-winning strategies to the most popular tournament, home and online games – William Morrow Paperbacks, 2003, ISBN 978-0-06-000572-6.
  • Buch Bad Beats and Lucky Draws: Poker Strategies, Winning Hands, and Stories from the Professional Poker Tour – William Morrow Paperbacks, 2004, ISBN 978-0-06-074083-2.
  • Buch Phil Hellmuth’s Texas Hold ’Em – William Morrow Paperbacks, 2005, ISBN 978-0-06-083460-9.
  • Buch Poker Brat: Phil Hellmuth’s Autobiography – D&B Publishing, 2017, ISBN 978-1-909457-74-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Phil Hellmuth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. All Time Most Popular Players in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  2. a b Phil Hellmuth in der Datenbank der World Series of Poker, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  3. Phil Hellmuth in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  4. Hellmuth, Enright Inducted Into Poker Hall of Fame auf cardplayer.com vom 6. Juli 2007, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  5. WSOP Reveals List of 50 Greatest Players in Poker History auf pokernews.com vom 27. Juni 2019, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  6. a b Das Leben des Phil Hellmuth: Vermögen, Größte Gewinne/Verluste und Privatleben auf somuchpoker.com vom 18. Juli 2019, abgerufen am 9. Juni 2020.
  7. World champ ‘Poker Brat’ Phil Hellmuth publishes memoir auf channel3000.com vom 14. Juni 2018, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  8. Phil Hellmuth in der Internet Movie Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  9. 20th World Series of Poker (WSOP) 1989 ($ 10,000 No Limit Hold’em World Championship) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  10. 2005 National Heads-Up Poker Championship (Heads-Up No Limit Hold’em) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  11. 42nd World Series of Poker (WSOP) 2011 ($ 50,000 The Poker Players Championship – 8 Game) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  12. 43rd World Series of Poker (WSOP) 2012 ($ 1,000,000 The Big One for One Drop (Event #55)) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  13. 2012 World Series of Poker – Europe (€ 10,000 + 450 No Limit Hold’em – Main Event (Event #7)) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  14. 46th World Series of Poker (WSOP) 2015 ($ 111,111 No Limit Hold’em High Roller for One-Drop (Event #58)) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  15. Super High Roller Bowl with 888poker ($ 300,000 No Limit Hold’em) in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  16. Die Sponsor-Suche von Phil Hellmuth auf pokerfirma.de vom 10. Januar 2011, abgerufen am 9. Juni 2020.
  17. Adam Levy Triggers Classic Phil Hellmuth Meltdown at the 2008 WSOP auf bluff.com vom 2. Mai 2014, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).