Grube Anna

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Dieser Artikel behandelt das Bergwerk in Alsdorf; für die Zeche Anna in Essen siehe Zeche Anna.
Grube Anna
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Bundesarchiv Bild 102-10604, Alsdorf, Grubenunglück.jpg
Anna II nach dem Grubenunglück 1930
Abbautechnik Untertagebau
Förderung/Jahr max. = 1.977.200 t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Beschäftigte bis zu 6653
Betriebsbeginn 1854
Betriebsende 1978
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Steinkohle
Geographische Lage
Koordinaten 50° 52′ 28″ N, 6° 9′ 30″ OKoordinaten: 50° 52′ 28″ N, 6° 9′ 30″ O
Grube Anna (Nordrhein-Westfalen)
Grube Anna
Lage Grube Anna
Standort Alsdorf
Land Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Revier Aachener Revier
p0

Die Grube Anna war ein Steinkohlebergwerk des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV) in Alsdorf in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen im Aachener Revier.[1] Das Bergwerk war über viele Jahre das größte Bergwerk im Aachener Revier.[2]

Grubenfeld und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grubenfeld der Grube Anna befand sich in der Wurmmulde.[3] Das Grubenfeld hatte eine Größe von 14,9 km2.[2] Die Wurmmulde ist im Zuge der Variszischen Gebirgsbildung durch Faltungen entstanden. Das Karbon erreicht hier eine Mächtigkeit von 1500 bis 2100 Meter. Der Anteil der Flözmächtigkeit beträgt etwa vier Prozent. Die Anzahl der Flöze über 0,15 Meter beträgt etwa 40 bis 50 Stück.[3]

Mineralfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ravatite-MA1296598364.jpg
Ravatit…
Rostite2 - Grube Anna, Alsdorf, Germany.jpg
…und Rostit aus der Grube Anna

Die Grube Anna und die Bergehalden von Anna-I, -II und -Noppenberg sind ein bekannter Fundort mit großer Vielfalt an Mineralen bzw. ihren Varietäten, die entweder als Begleitminerale in den Kohleflözen oder als Mineralneubildungen durch Haldenbrände entstanden. Bisher (Stand 2013) wurden hier rund 60 Minerale aus allen Mineralklassen entdeckt. Bekannte Minerale aus dieser Fundstätte sind unter anderem:[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund der verstärkten Nachfrage nach Steinkohle in der östlichen Wurmmulde, nordöstlich der sogenannten Feldbiß-Störung, zu ersten Prospektionen.[5] Dabei standen sich drei Bohrgesellschaften in Konkurrenz gegenüber.[2] Die beiden jungen Steiger Wilhelm Sassenberg und Eduard Honigmann tätigten Anfang der 1840er Jahre die ersten Bohrungen östlich des Feldbisses.[1] Zusätzlich traten noch die Vereinigungsgesellschaft und der Eschweiler Bergwerksverein als Konkurrenten zu Honigmann und seinem Partner auf. Dem Eigentümer der Vereinigungsgesellschaft, der Regierungsrat Theodor Jacob Brendt, gelang es, den Partner von Honigmann abzuwerben.[2] Honigmann suchte sich neue Partner und gründete zusammen mit diesen die Gesellschaft Bölling, Honigmann und Schoeller. Allerdings schlugen diese ersten Bohrungen fehl und erst die weiteren Bohrungen erbrachten den gewünschten Erfolg.[5] Bei einer Teufe von 43 Metern traf man in Hoengen und bei Alsdorf bei 85 Metern auf das erste bauwürdige Flöz.[1] Im Jahr 1848 wurden vom Bergamt die Konzessionen für die Grubenfelder Anna und Maria erteilt. Das Feld Maria mit einer Größe von 1,74 km2 erhielten Honigmann und seine Partner, das Feld Anna mit einer Größe von 14,9 km2 bekam die Vereinigungsgesellschaft.[2] Nur wenige Tage später wurde am 12. Juli desselben Jahres das Recht zum Betrieb eines Steinkohlenbergwerks an die Gesellschaft verliehen. Die Gesellschafter gaben dem neu zu bauenden Bergwerk den Namen „Anna“.[6]

Die Errichtung des Bergwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1850 begann man auf Anna mit den Teufarbeiten für den ersten Schacht.[1] Der Schacht erhielt den Namen Hermannschacht, die Teufarbeiten wurden unter der Leitung des Obersteigers Wilhelm Sassenberg durchgeführt. Aufgrund des geologisch problematisch aufgebauten Deckgebirges wurde der Schacht im Sackbohrverfahren erstellt. Für den Schachtausbau kamen Tübbinge zum Einsatz. Während der Teufarbeiten kam es mehrfach zu Schwimmsandeinbrüchen, sodass zunächst eine zweite und später auch eine dritte Tübbingsäule eingebracht werden musste. Aufgrund dieser Maßnahmen wurde der Schachtdurchmesser von 3,1 Meter auf 2,4 Meter verringert. Um das anfallende Grubenwasser heben zu können, wurde eine 40 PS starke Dampfmaschine installiert. Die Maschine war eine kombinierte Wasserhaltungs- und Fördermaschine. Die Fördermaschine erhielt als Seilträger eine Fördertrommel. Der Dampf zum Betrieb der Maschine wurden in einem Kesselhaus mittels drei Kesseln erzeugt.[2]

Die ersten Betriebsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenklore in der Alsdorf Innenstadt

Die erste Fettkohle wurde dort 1854 gefördert.[7] Die Kohlen wurden zunächst mittels Förderkübeln auf Fördergestellen zu Tage gefördert. Pro Kübel konnten so zwischen zwei und 2,25 Tonnen Rohkohle gefördert werden. Das Bergamt hatte in seiner Konzession eine Doppelschachtanlage zum Betrieb des Bergwerks zur Auflage gemacht. Aufgrund der Schachtquerschnittsverjüngung war dieses jedoch mit dem Hermannschacht nicht mehr möglich. Aus diesem Grund war man gezwungen, einen zweiten Schacht abzuteufen.[2] Es wurde nun der Josefsschacht auf dem Gelände von Anna I angesetzt.[1] Der Abstand zum Hermannschacht betrug rund 65 Meter. Aufgrund des problematischen Deckgebirges wurde auch der Schacht 2 mit Tübbingen ausgebaut. Der Durchmesser des Schachtes betrug dabei 2,06 Meter. Um die anfallenden Grubenwässer zu heben, wurde eine 250 PS starke Wasserhaltungsmaschine installiert und im Jahr 1855 in Betrieb genommen. Bereits nach sechs Monaten wurde der Schacht 2 in einer Teufe von 150 Metern mit der 1. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1862 wurde auf dem Bergwerk eine Kokerei in Betrieb genommen.[2] Am 10. Oktober des Jahres 1863 übernahm der EBV die Grube und baute sie in den Folgejahren weiter aus. Aufgrund des steigenden Absatzes an Fettkohle entschloss man sich von Seiten des EBV, einen zweiten Förderstandort zu errichten. Dieser Förderstandort erhielt den Namen Anna II.[6] Im Jahr 1865 wurde begonnen, einen zweiten Förderstandort zu errichten. Hierfür wurden die Tagesanlagen errichtet und die ersten Maschinen installiert.[8] Im Jahr 1868 wurde eine neue Wasserhaltungsmaschine mit einer 18 zölligen Pumpe in Betrieb genommen. Außerdem wurde über der 73 Lachter-Sohle ein Durchschlag zwischen dem Wilhelmschacht und den Grubenbauen des alten Schachtes geschaffen.[9]

Der weitere Ausbau des Bergwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annapark mit Zechendenkmälern

Im Jahr 1869 wurde auf dem Standort Anna I mit den Teufarbeiten für den Franzschacht begonnen.[1] Der Schacht wurde in einer Entfernung von 40 Lachtern nördlich vom Annaschacht angesetzt. Der Schacht wurde 70 Fuß im schwimmenden Gebirge abgeteuft.[9] Im Jahr darauf wurden von der Grube Anna regelmäßig eine bedeutende Menge Fettkohlen an die Fabriken in Stolberg und Eschweiler geliefert. Grund hierfür war, dass die Bergwerke des Inde-Reviers keine genügenden Mengen fördern konnten, um den Bedarf der Fabriken zu decken.[10] Der EBV ließ die Grube Anna ab dem Jahr 1870 weiter ausbauen. Ziel dieser Ausbaumaßnahmen war es, dass das Bergwerk die gesamte Förderung des EBV übernehmen könnte. Im Jahr 1871 erhielt das Bergwerk einen Eisenbahnanschluss der Rheinischen Eisenbahn zum Bahnhof Stolberg.[2] Ab dem Jahr 1872 wurde über diese Bahn nicht nur Kohle transportiert, sondern auch Personen befördert.[1] Im Jahr 1875 wurde das Bergwerk an die Aachener Industriebahn angeschlossen, dies ermöglichte dem Bergwerk eine unmittelbare und auch günstigere Verbindung mit den Industriebetrieben Aachens. Im Jahr 1878 wurde auf Anna I eine Kohlenwäsche errichtet. Im Jahr 1881 erreichte der Wilhelmschacht eine Teufe von 251 Metern.[2] Im Jahr 1885 wurde der Franzschacht für die Seilfahrt freigegeben.[1] Im Jahr wurden Untertage weitere Ausrichtungsarbeiten und Vorrichtungsarbeiten auf der 153-, der 192-, der 245- und der 252 Meter-Sohle durchgeführt. Vom Franzschacht ausgehend wurde über einen 147 Meter langen Querschlag die Hauptförderstrecke in Flöz A1 angebunden. Auf der 245 Meter-Sohle erreichte der Hauptquerschlag nach Norden in diesem Jahr eine Auffahrungslänge von 2560 Metern. Übertage wurde die Schwebebahn für den Abtransport des Kohlenstaubes zu den Kokskohletürmen fertiggestellt.[11]

Im Jahr 1901 wurde ein Liefervertrag mit den Röchling-Werken im Saarland abgeschlossen. Der Vertrag war auf zehn Jahre befristet und sicherte dem Bergwerk einen Absatz von 250.000 Tonnen Koks pro Jahr. Im Jahr 1903 wurde die erste Batterie der neuen Kokerei Anna in Betrieb genommen. Aufgrund weiterer Verträge mit der Eisenindustrie im Saarland, in Lothringen und in Luxemburg musste die Koksproduktion erhöht werden.[1] Im Jahr 1904 begann man auf dem Baufeld Anna II mit den Teufarbeiten für den Eduardschacht.[6] Der Schacht wurde benannt nach dem Aufsichtsratsvorsitzenden Eduard von Oppenheim.[1] Der Schacht wurde zunächst bis zur 225 Meter-Sohle geteuft.[6] Im Jahr 1907 wurde auf dem Eduardschacht die erste elektrisch betriebene Fördermaschine in Betrieb genommen.[1] Im Jahr 1911 wurde eine zweite Kokerei fertiggestellt. Die beiden Kokereien standen zwar nahe beieinander, wurden jedoch betrieblich voneinander getrennt geführt. Insgesamt wurden 402 Öfen in sieben Batterien betrieben, außerdem noch Nebenproduktionsanlagen für Benzol und Ammoniak. Das beim Verkokungsprozess entstandene Kokereigas wurde in einer eigenen Gasmaschinenzentrale in neun Gasturbinen mittels Generatoren in Strom umgewandelt. Mit den Generatoren wurden neun Megawatt Strom erzeugt. Die Kokerei war zu dieser Zeit eine der größten in Europa.[2] Im selben Jahr wurde am Eduardschacht die zweite elektrische Fördermaschine in Betrieb genommen. Im Jahr 1921 wurde auf Anna I mit den Teufarbeiten für den Hauptschacht begonnen. Der Schacht wurde im Gefrierverfahren erstellt.[1] Im Jahr 1922 wurde das Fördermaschinenhaus für den Hauptschacht Anna I erbaut.[12] Im Jahr 1923 erreichte der Hauptschacht in einer Teufe von 360 Metern die Hauptfördersohle.[1] Im Jahr 1925 begann man, auf Anna I im Bereich der heutigen Bahnhofstraße eine LKW-Einfahrt zu erstellen.[13] Ab dem Jahr 1927 begann man, auf der Kokerei Anna eine Ferngasanlage zu erbauen. Das überschüssige Kokereigas sollte dadurch an die Städte in der näheren Umgebung geliefert werden.[2] Im Jahr 1930 wurde die LKW-Einfahrt auf Anna I fertiggestellt.[13] Mitten in der Aufbauphase des Bergwerks ereignete sich im Jahr 1930 auf dem Bergwerk eines der schwersten Grubenunglücke des Steinkohlenbergbaus.[2]

Das Grubenunglück und die Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unglück von 1930

Am 21. Oktober 1930 kam es auf Anna zum schwersten Unglück in der Bergbaugeschichte des Aachener Reviers.[14] 271 Bergleute wurden dabei getötet; es gab 304 zum Teil schwer Verletzte. Viele kamen nicht unmittelbar bei der Explosion, sondern durch die Brandschwaden ums Leben.[15] Nach offiziellen Meldungen wurden außerdem 34 bis 35 Personen vermisst.[16] Die Schlagwetterexplosion ereignete sich im Bereich des Eduardschachtes (Anna II). Um 7:29 Uhr entzündeten sich auf der 360 Meter-Sohle schlagende Wetter. Die anschließende Schlagwetterexplosion war so gewaltig, dass sie die Erde erbeben ließ und man die Erschütterungen noch Übertage bemerkte.[15] Wenig später schoss eine mehrere Meter hohe Flamme aus dem Eduardschacht.[14] Die Wirkung der Detonation war so heftig, dass der Förderturm aus den Betonfundamenten gerissen wurde und umstürzte.[1] Das Fördergerüst stürzte beim Umfallen auf das Kauen- und Verwaltungsgebäude und zertrümmerte es.[15] In der umliegenden Bergarbeitersiedlung wurden durch den Druck der Detonation Wohngebäude beschädigt.[14] Untertage wurden auf den Sohlen die Hauptwetterwege beschädigt. An den Füllörtern wurden durch die Explosion ebenfalls starke Schäden verursacht. Insbesondere auf der 360 Meter-Sohle waren bis zu 300 Meter lange Brüche entstanden.[15] Die genaue Ursache für dieses Grubenunglück konnte nie geklärt werden.[14] Die Untersuchung ergab, dass an der Unglücksstelle zuvor keine Schlagwetteransammlungen wahrgenommen wurden.[15] Nach neueren Erkenntnissen betrug die Zahl der Toten, unter Berücksichtigung der vermissten Personen, 297 Personen.[16]

Zur Erinnerung an die Toten wurde in der Eifel das Alsdorfer Bergmannskreuz errichtet.

Der weitere Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1931 wurde die Ferngasanlage fertig gestellt.[2] Im selben Jahr erhielt die Fördermaschine auf Anna II einen mechanisch angetriebenen Teufenzeiger und für den Fördermaschinisten wurde der Arbeitsplatz mit einer Sitzgelegenheit nachgerüstet.[6] Im Jahr 1935 wurde auf Anna I das östliche Fördermaschinengebäude errichtet.[12] Während des Zweiten Weltkrieges blieb das Bergwerk von Bomberangriffen überwiegend verschont. Allerdings wurde das Bergwerk von mehreren Granateinschlägen getroffen. Durch einen Treffer wurde das Kesselhaus beschädigt, was zu einer Unterbrechung der Stromerzeugung führte. Außerdem wurde die Wasserhaltung unterbrochen. Dies führte letztendlich dazu, dass die 610 Meter-Sohle etwa 15 Meter unter Wasser stand. Der Betrieb wurde jedoch mit einer Notbelegschaft weiter geführt.[2] Im Jahr 1944 erging der Befehl des NS-Regimes, alle Industrieanlagen zu zerstören, damit sie nicht in Feindeshand geraten konnten. Im August desselben Jahres hatten die Bergwerksdirektoren des Aachener Reviers auf einer Sitzung den Beschluss gefasst, die Bergwerke unter allen Umständen zu halten. Der Bergwerksdirektor der Grube Anna, Günther Venn, wurde von einem Kommando der Rüstungsinspektion der NSDAP verhaftet, aber kurz darauf aufgrund einer Fürsprache der Kreisleitung wieder freigelassen. Um nicht wieder in Haft zu kommen, ließ er anschließend zwei unbedeutende Turbinen stilllegen. Am 7. Oktober desselben Jahres wurde die Grube Anna von amerikanischen Truppen besetzt.[17] Am 21. Januar des Jahres 1945 kam es auf Anna zu einem erneuten Unglück. Durch eine Explosion von überaltertem Sprengstoff verloren 21 Bergleute ihr Leben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm das Bergwerk schon bald den Betrieb wieder auf. Im Jahr 1951 begann man, die beiden Anlagen Anna I und Anna II zu einem Verbundbergwerk zusammenzulegen.[1]

Im Jahr 1952 wurde über dem Franzschacht ein 70 Meter hoher Betonförderturm errichtet.[1] Bereits im Jahr 1953 war der Verbund von Anna I und Anna II vollzogen und die Grube Anna war damit das größte Bergwerk im Wurmrevier.[5] Nach dem Verbund wurde ab dem Jahr 1954 die gesamte Kohle über den Franzschacht als zentralen Förderschacht gefördert. Die geförderten Kohlen wurden in der Kohlenwäsche am Standort Anna I aufbereitet. Die Kohlenwäsche von Anna II wurde von der Grube Emil Mayrisch genutzt. Der Eduardschacht wurde ab diesem Zeitpunkt nur noch für die Seilfahrt genutzt.[1] Anna war neben der Grube Carl Alexander auch das einzige Bergwerk im Aachener Revier, auf dem Koks erzeugt wurde. In den folgenden Jahren wurde die Kokerei auf Anna modernisiert. Zunächst wurde die Kokerei noch im Jahr 1954 mit 38 neuen Koksöfen und dann im Jahr 1957 mit weiteren 94 neuen Öfen ausgerüstet.[5] Im Jahr 1957 machte sich die Krise des deutschen Steinkohlenbergbaus auch auf der Grube Anna bemerkbar. Bereits gegen Ende der 1950er Jahre stagnierte die Förderung auf der Grube Anna.[1] Im Jahr 1961 wurde die LKW-Einfahrt an der Bahnhofstraße umgebaut. Bei den Bauarbeiten fand man den alten Lochstein des Bergwerks.[13] Für den übertägigen Transport erhielt die Grube Anna ein ausgedehntes Gleisnetz.[2] Für Rangier- und Fördertätigkeiten wurden im Laufe der Jahre mehrere Dampfloks und später auch Dieselloks in Betrieb genommen.[18] Ab dem Jahr 1963 wurde begonnen, den Haupt-, den Eduard- und den Franzschacht bis zur neuen Hauptfördersohle tiefer zu teufen. Die Sohle lag in einer Teufe von 860 Metern, die Teufarbeiten waren im Jahr 1968 beendet.[2] Im Jahr 1972 wurde die Grube Adolf mit der Grube Anna konsolidiert. Um die im Baufeld Adolf abgebauten Kohlen von Adolf nach Anna zu fördern, wurde auf der 860 Meter-Sohle eine Strecke zwischen beiden Bergwerken aufgefahren.[5]

Die letzten Jahre bis zur Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte der 1970 stiegen die Haldenbestände von Kohle und Koks auf dem Werksgelände der Grube Anna deutlich an. Grund für diesen Anstieg war die Absatzkrise des deutschen Steinkohlebergbaus.[1] Aus diesem Grund entschloss sich der Vorstand des EBV zu weiteren Rationalisierungsmaßnahmen. Die beiden noch verbliebenen Bergwerke Anna und Emil Mayrisch sollten zu einem Verbundbergwerk vereinigt werden. Im Jahr 1979 begann man mit der Auffahrung einer Verbindungsstrecke zwischen beiden Bergwerken.[5] Diese Strecke hatte eine Länge von fast sechs Kilometern und wurde auf der 860 Meter-Sohle aufgefahren. Um die Kohlen aus dem Baufeld Anna nach Emil Mayrisch zu fördern, wurde eine Bandstraße für die Kohleförderung installiert.[1] Das Bergwerk wurde nun mit der Grube Emil Mayrisch vereinigt.[2] Am 31. Dezember 1983 wurde die eigenständige Kohleförderung auf Anna eingestellt.[1] Die im Baufeld Anna abgebauten Kohlen wurden anschließend Untertage bis zum Förderstandort von Emil Mayrisch gefördert.[5] Dort wurden die Kohlen zu Tage gefördert und in der Kohlenwäsche von Emil Mayrisch aufbereitet. Die Aufbereitungsanlagen von Anna wurden anschließend abgerissen.[2] Anna diente nur noch als Fahr- und Wetterschacht.[1] Im Winter des Jahres 1985 wurden große Teile der Kohleverladung abgerissen. Anfang des Jahres 1987 wurde ein Gutachten veröffentlicht, das eine Ausdehnung des Bergwerks in nördlicher Richtung für unwirtschaftlich darstellte. Grund dafür war die geringe Mächtigkeit der dort anstehenden Flöze, sowie die massiven geologischen Verwerfungen. Diese geologisch bedingten Schwierigkeiten ermöglichten, trotz erheblicher Subventionen, keinen konkurrenzfähigen Betrieb des Bergwerks mehr.[18] Am 30. Oktober des Jahres 1992 wurde mit der Schließung des Verbundbergwerkes Emil Mayrisch auch der Betrieb auf Feld Anna beendet.[1] Die Tagesanlagen auf Anna II wurden in den folgenden Jahren, bis auf Verwaltungsgebäude, die Kaue, das Fördermaschinengebäude und das Schmiedegebäude, abgerissen.[6]

Förderung und Belegschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten bekannten Förderzahlen stammen aus dem Jahr 1855, in diesem Jahr wurden 26.000 Tonnen Steinkohle gefördert. Im Jahr 1860 stieg die Förderung an auf 61.000 Tonnen Steinkohle.[5] Im Jahr 1863 waren 531 Beschäftigte auf dem Bergwerk, die Förderung betrug in diesem Jahr 499.062 preußische Tonnen Steinkohle.[19] Im Jahr 1865 wurde eine Förderung von 132.000 Tonnen Steinkohle erbracht. Im Jahr 1870 lag die Förderung bei 149.000 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1877 wurde eine Förderung von 160.000 Tonnen Steinkohle erbracht, die Belegschaftsstärke lag bei 670 Beschäftigten. Im Jahr 1880 stieg die Förderung an auf 238.000 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1890 lag die Förderung bereits bei 380.000 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1895 wurden 451.000 Tonnen Steinkohle gefördert. Im Jahr 1900 lag die Förderung bei 632.000 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1910 wurde eine Förderung von 953.200 Tonnen Steinkohle erbracht. Nachdem die Förderung in den Jahren 1915 auf 751.600 und 1920 auf 648.000 Tonnen Steinkohle gesunken war, stieg sie im Jahr 1925 wieder an auf 915.000 Tonnen Steinkohle. Im letzten Kriegsjahr 1945 sank die Förderung auf 234.700 Tonnen Steinkohle.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Förderung sehr bald wieder an und erreichte im Jahr 1953 einen Wert von 6500 Tonnen Steinkohle pro Tag. Diese Leistung wurde mit 6653 Beschäftigten erreicht.[2] Im Jahr 1955 lag die Förderung bei 1.738.700 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1960 wurde eine Förderung von 1.882.600 Tonnen Steinkohle erbracht. Im Jahr 1965 ging die Förderung leicht zurück auf 1.749.500 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1970 erneuter Rückgang der Förderung auf 1.673.000 Tonnen Steinkohle. Die maximale Förderung des Bergwerks wurde im Jahr 1975 erbracht, es wurden 1.977.200 Tonnen Steinkohle gefördert. Im Jahr 1980 ging die Förderung zurück auf 1.629.900 Tonnen Steinkohle. Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 1982, in diesem Jahr wurden 1.642.800 Tonnen Steinkohle gefördert.[5]

Nachfolgenutzung und heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt mit ehemaligem Stellwerk
euregiobahn in Alsdorf-Annapark
Busbahnhof am Annapark im September 2014

Nach der endgültigen Schließung der Grube Anna und dem Abriss der fast 130 Gebäude stand man vor der Frage der Nachnutzung des Bergwerksgeländes. Im Jahr 1994 wurde von der Stadt Alsdorf der städtebauliche Rahmenplan Anna verabschiedet. Im Jahr 1995 übernahm das Land NRW als neuer Eigentümer das Gelände. Nach der Sanierung des Geländes wurde auf dem Areal der Anna Park eingerichtet. Auf einem Teil des Geländes von Anna II wurde das Bergbaumuseum Grube Anna eingerichtet.[1] Die Rangierloks wurden teilweise auf noch bestehende EBV Bergwerke transportiert und dort eingesetzt.[2] Bei den Delmenhorst-Harpstedter-Eisenbahnfreunden (DHEF) in der Nähe von Bremen ist seit 2001 die ehemalige Werklok Anna 4 in Betrieb. Sie befördert dort die Museumsbahnzüge auf der Strecke zwischen Harpstedt und Delmenhorst.

Annapark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahren wurde das Zechengelände in das neue Stadtquartier Annapark mit neuen Geschäfts-, Wohn- und Gewerbegebieten umgewandelt. An die Alsdorfer Bergbaugeschichte erinnern nurmehr die Bergehalden, ein als Denkmal stehengelassenes Fördergerüst und einige teils denkmalgeschützte Betriebsgebäude. Auf einem großen Teil des ehemaligen Grubengeländes befinden sich mittlerweile Freizeitanlagen (wie der zentrale Annapark), Wohnbauflächen sowie ein Gewerbepark und ein Einkaufszentrum. Ebenso wurden soziale Einrichtungen wie eine Kindertagesstätte, eine Grundschule sowie eine Einrichtung des Vinzenz-Heimes, Aachen, angesiedelt.[20]

Bahnhof Alsdorf-Annapark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsdorf-Annapark war von Dezember 2005 bis zum 10. Dezember 2011 Endhaltepunkt der Euregiobahn aus Richtung Herzogenrath. Der Bahnhof an der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath war zunächst ein eingleisiger Haltepunkt. Er ist barrierefrei und ausgestattet mit gläsernen Wartehäuschen, Fahrkartenautomaten, Blindenleitsystem und sanitärer Anlage. Am Bahnhof kommen alle Alsdorfer Buslinien zusammen, welche den vorherigen Rendezvouspunkt Alsdorf Denkmalplatz bedienten. Ein zweites Gleis wurde bis zum 30. März 2008 fertiggestellt. Am 11. Dezember 2011 wurde Alsdorf-Annapark mit der Verlängerung der Euregiobahn bis Alsdorf-Poststraße zum zweigleisigen Bahnhof. Der vollständige Wiederaufbau der Strecke bis Stolberg ist im Juni 2016 realisiert worden.[21] Neben Alsdorf-Busch ist es der zweite Bahnhof, der in Alsdorf betriebsbereit war. Siehe auch Liste der Bahnstationen in der Region Aachen.

Energeticon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Euregionale 2008 wurden die Gebäude, Fördermaschinenhaus Eduardschacht, Schmiede und Kaue umgenutzt. Im historischen Fördermaschinenhaus entstand eine Veranstaltungshaus. Das Erlebnismuseum wurde am 8. September 2014 eröffnet.[22] Bis Ende 2014 werden die weiteren Gebäude und das Außengelände zu einem Erlebnisausstellung zum Thema Energie ausgebaut.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x Michael Schumacher: Alsdorf und Anna. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 26, Druck Holländer (Herzogenrath), Alsdorf Mai 2007, ISSN 1864-5526, S. 4–20.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Walter Buschmann: Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau, Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet. Gebr. Mann, Berlin 1998, ISBN 3-7861-1963-5.
  3. a b Matthias Kaever: Die sozialen Verhältnisse im Steinkohlenbergbau der Aachener und Südlimburger Reviere. LIT Verlag Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-8258-9310-3, S. 26–27.
  4. Mineralienatlas: Bergehalden Anna 1, Anna 2 und Anna-Noppenberg in Alsdorf und Mindat - Locality Anna Mine, Alsdorf, Aachen, North Rhine-Westphalia, Germany (Fundortbeschreibung und Mineralliste)
  5. a b c d e f g h i j Matthias Kaever: Nicht erneuerbare Energieträger zwischen Maas und Rur. 1. Auflage, LIT Münster, Münster 2004, ISBN 3-8258-7424-9.
  6. a b c d e f Friedrich Ebbert: Das Fördermaschinenhaus – Eduardschacht der Schachtanlage Anna II. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 32, Alsdorf Juni 2010, ISSN 1864-5526, S. 19–25.
  7. Dieter E. Holhorst: Bergbauliche Entwicklung im Aachener Steinkohlenrevier. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 31, Alsdorf Dezember 2009, ISSN 1864-5526, S. 4–11.
  8. R. Hocker: Die Großindustrie Deutschlands, ihre Geographie, Geschichte, Production und Statistik. Erster Band: Die Großindustrie Rheinlands und Westfalens, Quandt & Händel, Leipzig 1867.
  9. a b Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Siebzehnter Band, Ernst & Korn, Berlin 1871.
  10. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Neunzehnter Band, Ernst & Korn, Berlin 1871.
  11. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Sechsundvierzigster Band, Ernst & Korn, Berlin 1898.
  12. a b Friedrich Ebbert: Das Fördermaschinenhaus Hauptschacht Anna I. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 33, Druck Holländer (Herzogenrath), Alsdorf Dezember 2010, ISSN 1864-5526, S. 19–25.
  13. a b c Karl-Peter Schröder: Lochstein Grube Anna. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 33, Druck Holländer (Herzogenrath), Alsdorf Dezember 2010, ISSN 1864-5526, S. 28–29.
  14. a b c d Guido Block-Künzler: Einmal Aachen und zurück – mit dem Rad rund um Nordrhein-Westfalen. 2. Auflage, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8391-8933-7.
  15. a b c d e Das Grubenunglück vom 21. Oktober 1930. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Sonderheft 3, Alsdorf Oktober 2010, ISSN 1864-5526, S. 3–10.
  16. a b Philipp van Biesbrock: Zum Alsdorfer Grubenunglück von 1930: Eine Korrektur der Liste der tödlich Verunglückten. In: Bergbaumuseum Grube Anna e.V. (Hrsg.): Anna Glückauf Berichte-Mitteilungen-Nachrichten. Nr. 25, Alsdorf November 2006, ISSN 1864-5526, S. 37–39.
  17. Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. 2. Auflage, R. Oldenbourg Verlag GmbH, München 1996, ISBN 3-486-56175-8, S. 422–424.
  18. a b Dieter Spillner: Nur noch bis nächstes Jahr. Das Ende der EBV-Dampflokära steht fest. In: Eisenbahn Journal, November 1991, ISSN 0720-051X, S. 6–9.
  19. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Zwölfter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1864.
  20. Viele Tricks und laute Musik: Skate-Anlage im Annapark eingeweiht., Artikel in AZ-Web vom 9. September 2013.
  21. Verspätung bei der Euregiobahn: Ringschluss erst 2014, Aachener Zeitung vom 16. Dezember 2012.
  22. ENERGETICON

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]