Landkreis Münster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Münster
Landkreis Münster
Deutschlandkarte, Position des Kreises Münster hervorgehoben
Koordinaten: 51° 58′ N, 7° 38′ O
Basisdaten (Stand 1974)
Bestandszeitraum: 1816–1974
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Münster
Fläche: 787,01 km2
Einwohner: 136.000 (31. Dez. 1973)
Bevölkerungsdichte: 173 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: MS
Kreisschlüssel: 05 5 36
Kreisgliederung: 22 Gemeinden
Landrat: Hugo Pottebaum (CDU)
Lage des Kreises Münster in Nordrhein-Westfalen
Karte
Über dieses Bild

Der Landkreis Münster war ein Kreis im Norden von Nordrhein-Westfalen. Er bestand seit dem Jahr 1816, als infolge des Wiener Kongresses fast ganz Westfalen unter preußische Herrschaft kam, die Provinz Westfalen gebildet und in Landkreise gegliedert wurde. Aufgelöst wurde er im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1975 durch das Münster/Hamm-Gesetz. Verwaltungssitz des Landkreises war die kreisfreie Stadt Münster, die gleichzeitig Rechtsnachfolger des Kreises ist.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis lag in der von sandig-lehmigen Ablagerungen überdeckten Westfälischen Tieflandsbucht in einer von Streusiedlungen und Einzelhöfen geprägten Landschaft, dem Münsterland. Er umschloss die ehemalige Provinzhauptstadt Münster, die zum Sitz des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Münster wurde, vollständig.

Nachbarkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Münster grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Kreise Steinfurt, Tecklenburg, Warendorf, Beckum, Lüdinghausen und Coesfeld. Die kreisfreie Stadt Münster umschloss er vollständig.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis gliederte sich vor Beginn der kommunalen Neugliederung in eine amtsfreie Stadt, drei amtsfreie Gemeinden sowie fünf Ämter mit insgesamt einer Stadt und 18 Gemeinden. Er hatte eine Fläche von 786,79 km² und 115.801 Einwohner (Stand 30. Juni 1967).[1]

Gemeinde Amt heute zu Kreis Eingemeindung
Albachten Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975
Albersloh Amt Wolbeck Sendenhorst Warendorf 01.01.1975
Alverskirchen Amt Wolbeck Everswinkel Warendorf 01.01.1975
Amelsbüren Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975
Angelmodde Amt Wolbeck Münster kreisfrei 01.01.1975
Appelhülsen Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975
Bösensell Amt Roxel Senden Coesfeld 01.01.1975
Gimbte amtsfrei Greven Steinfurt 01.01.1975
Greven, Stadt amtsfrei Greven Steinfurt
Handorf Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975
Havixbeck amtsfrei Havixbeck Coesfeld
Hiltrup Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975
Nienberge Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975
Nottuln Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975
Rinkerode Amt Wolbeck Drensteinfurt Warendorf 01.01.1975
Roxel Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975
Saerbeck amtsfrei Saerbeck Steinfurt
Sankt Mauritz Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975
Schapdetten Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975
Telgte, Kirchspiel Amt Telgte Telgte Warendorf 01.07.1968
Telgte, Stadt Amt Telgte Telgte Warendorf
Westbevern Amt Telgte Telgte Warendorf 01.01.1975
Wolbeck Amt Wolbeck Münster kreisfrei 01.01.1975

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Münster im Jahr 1842

Die Geschichte des Landkreises Münster beginnt mit der Entscheidung im Wiener Kongress, dass Westfalen dem Königreich Preußen angegliedert wurde. Die Städte und Gemeinden des Landkreises kamen somit im Jahre 1815 unter preußische Herrschaft. Im Zuge der Gründung der Provinz Westfalen im Jahre 1816 entstand zum 10. August 1816 der Landkreis, zunächst bestehend aus den Bürgermeistereien Greven, Havixbeck (bis 1832 im Kreis Coesfeld), Ladbergen, Nottuln, Roxel, Sankt Mauritz, Saerbeck, Telgte und Wolbeck.[2] Die Stadt Münster war eine Immediatstadt und gehörte nicht zum Landkreis, wurde jedoch der Verwaltungssitz. 1832 wurde die Bürgermeisterei Ladbergen aus dem Landkreis Münster in den Kreis Tecklenburg umgegliedert.

Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.[3] Der Landkreis war seitdem in die folgenden sieben Ämter und 23 Gemeinden gegliedert:[4][5]

Amt Gemeinden
Greven Gimbte und Greven
Havixbeck Havixbeck
Mauritz Amelsbüren, Handorf, Hiltrup, Lamberti, St. Mauritz und Überwasser
Nottuln Appelhülsen, Nottuln und Schapdetten
Roxel Albachten, Bösensell, Nienberge und Roxel
Saerbeck Saerbeck
Telgte Stadt Telgte, Kirchspiel Telgte und Westbevern
Wolbeck Albersloh, Alverskirchen, Angelmodde, Rinkerode, Wigbold Wolbeck und Kirchspiel Wolbeck

Durch die Eingemeindungen, die am 1. Januar 1875 wirksam wurden, kamen Teile der Gemeinden Lamberti, Überwasser und Sankt Mauritz zur Stadt Münster.[6] Der Landkreis verlor dadurch circa 8,9 km² an Fläche. Am 1. Oktober 1894 wurden die beiden neuen Gemeinden Greven rechts der Ems und Greven links der Ems aus Greven ausgegliedert.[7] Am 1. April 1903 wurden Lamberti und Überwasser sowie weitere Teile des Amtes Mauritz in die Stadt Münster eingemeindet.[6] Insgesamt fiel dadurch eine Fläche von 56,4 km² an Münster. Die Ämter Havixbeck und Saerbeck wurden 1934 aufgehoben.[8] Am 10. August 1952 wurden Greven rechts der Ems und Greven links der Ems wieder nach Greven eingemeindet.[7] Greven und Gimbte waren seitdem amtsfrei. Zum 1. April 1957 wurden die Gemeinden Wigbold Wolbeck und Kirchspiel Wolbeck zur Gemeinde Wolbeck zusammengeschlossen.[9]

Durch das Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Telgte und der Gemeinde Kirchspiel Telgte wurde die Gemeinde Kirchspiel Telgte zum 1. Juli 1968 in die Stadt Telgte eingemeindet.[10] Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Münster.[11]

Durch das Münster/Hamm-Gesetz wurde der Kreis Münster, der zuletzt noch 22 Gemeinden umfasste, am 1. Januar 1975 aufgelöst und auf die Stadt Münster sowie die neugebildeten Nachbarkreise aufgeteilt. Außerdem wurden alle Ämter des Kreises aufgelöst und zahlreiche Gemeindefusionen vorgenommen:[12]:

An die kreisfreie Stadt Münster fielen

An den neuen Kreis Coesfeld fielen

An den neuen Kreis Steinfurt fielen

An den neuen Kreis Warendorf fielen

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1832 32.530 [2]
1858 40.339 [13]
1871 45.469 [14]
1880 37.572 [14]
1890 41.432 [15]
1900 45.947 [15]
1910 44.571 [15]
1925 51.885 [15]
1939 63.337 [15]
1950 91.263 [15]
1960 95.000 [15]
1970 122.200 [16]
1973 136.000 [17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.[18]

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD DZP FDP BHE
1946 46,9 16,2 30,5 4,6
1948 36,5 18,6 40,3 3,3
1952 40,3 19,4 24,1 7,5 8,0
1956 45,1 21,9 22,5 5,7 4,8
1961 53,5 20,3 16,3 6,7 2,9
1964 54,2 24,9 14,4 6,5
1969 59,1 29,5 5,9 5,5

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen des Landkreises wurde am 1. Juli 1936 verliehen und besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil zeigt das ehemalige Stiftswappen des Hochstifts Münster mit einem roten Balken auf goldenem Grund. Der untere Teil ist das Wappen der Grafen von Merveldt. Als Verwalter des Bischofs übten sie maßgeblichen Einfluss auf das Bistum aus.

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MS zugewiesen. Es wird in der Stadt Münster durchgängig bis heute ausgegeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sachverständigen-Kommission für die kommunale Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen: Die kommunale und staatliche Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen, Abschnitt B, Die Neugliederung der Städte und Gemeinden in den Ballungszonen und die Reform der Kreise. Gutachten erstattet am 9. April 1968, Siegburg 1968, S. 224, Kartenanlage Nr. 1.
  2. a b Westfalenlexikon 1832-1835. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Nachdrucke zur westfälischen Archivpflege. Band 3. Münster 1978, S. 234 (Nachdruck des Originals von 1834).
  3. Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB)
  4. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1843. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  5. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1844. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  6. a b Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 263.
  7. a b Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 237.
  8. Wolfgang Leesch: Verwaltung in Westfalen 1815–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Band 38. Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-06845-1, S. 388.
  9. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 297.
  10. Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Telgte und der Gemeinde Kirchspiel Telgte
  11. Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 314 f.
  13. Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 13
  14. a b Gemeindelexikon Westfalen 1887 S. 127
  15. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Januar 2015.
  16. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972
  17. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
  18. Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 liegen nicht vor.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]