Musikwissenschaft

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Musikwissenschaft, auch Musikologie („Musiklehre“), ist eine Wissenschaft, die sich mit allen Aspekten der Musik und des Musizierens befasst. Sie betrachtet die Musik aus der Sicht aller relevanten Disziplinen; dazu gehören kultur-, sozial-, struktur- und naturwissenschaftliche Ansätze.

Gegenstand der Musikwissenschaft sind dabei sämtliche Ausprägungen von Musik, ihre Theorie, ihre Produktion und Rezeption, ihre Funktionen und Wirkungen sowie ihre Erscheinungsweisen vom akustischen Ausgangsmaterial bis zum komplexen musikalischen Einzelwerk.[1]

Teildisziplinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guido Adler (1855–1941), ein österreichischer Musikwissenschaftler, der das Fach Musikwissenschaft systematisch durchdachte und die Wiener Musikwissenschaft begründete

Die Musikwissenschaft erfuhr nach 1945 eine Ausdifferenzierung, die eine Gliederung in Teildisziplinen notwendig machte. Glen Haydon[2] (1896–1966) und Friedrich Blume (1893–1975) befürworteten eine Dreigliederung:

  1. Historische Musikwissenschaft, auch Musikgeschichte;
  2. Systematische Musikwissenschaft;
  3. Musikethnologie, auch Ethnomusikologie, heute vorzugsweise Vergleichende Musikwissenschaft genannt.

Diese Dreigliederung löste die von Guido Adler (1855–1941) geprägte Zweiteilung in Historische und Systematische Musikwissenschaft ab. Musikethnologie zählte Adler zum Bereich der Systematischen Musikwissenschaft. Weitere Einteilungen waren die fünfgliedrige Einteilung (Historische, Systematische, Musikethnologische, Musiksoziologische und Angewandte Musikwissenschaft) von Hans-Heinz Dräger (1909–1968) sowie die viergliedrige Einteilung (Systematische Musikwissenschaft, Musikgeschichte, Musikalische Volks- und Völkerkunde sowie Landes- und Gesellschaftskundliche Musikforschung) von Walter Wiora (1907–1997).

Historische Musikwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gegenstandsbereich der historischen Musikwissenschaft ist Musik und Geschichte. Man verwendet die Quellenforschung, Notenkunde und Notentextanalyse, um Sachverhalte der Vergangenheit aufzudecken. Die historische Musikwissenschaft will Quellen verfügbar machen, durch Musikphilologie erschließen, durch hermeneutische Prozesse verstehen und sie interpretieren.

Erst seit den 1960er Jahren wendet man sich der Musik des 20. Jahrhunderts zu. Vor allem die Geschichte der Europäischen Musik (Kunstmusik) hat sie zum Inhalt. Sie hat verschiedene Teilgebiete:

  • Die Musikphilologie beschäftigt sich mit Quellenforschung, Textkritik und wissenschaftlicher Edition von Musik. Musikphilologische Methoden schließen zunehmend digitale Methoden ein, vor allem in Bezug auf Modellierung und Musikkodierung sowie auf die Datenvisualisierung. Hauptgegenstand der Musikphilologie ist seit ihrer Begründung im 19. Jahrhundert die notenschriftliche Überlieferung. Analoge und digitale Klangdokumente, aber auch beispielsweise Klavierrollen geraten zunehmend in den Blick der Musikphilologie als Grundlagenforschung.
  • Die Instrumentenkunde behandelt unter historischen Aspekten Bau, Akustik, Klang, Verwendung und Spielweise von Musikinstrumenten. Sie unternimmt Versuche zur Klassifikation der Musikinstrumente und liefert Hinweise zur Aufführungspraxis.
  • Die Ikonografie wertet musikbezogene Bilddarstellungen als Quellen aus, um Erkenntnisse über Musikausübung und -anschauung, Instrumente, über Personen und soziale Zusammenhänge zu gewinnen.
  • Die Aufführungspraxis versucht, die jeweilige Realisierung von Notentexten im räumlich-akustischen, klanglichen, besetzungs- und spieltechnischen Kontext zu erschließen. Sie schafft die Grundlagen für die historische Aufführungspraxis, die eine werk- oder epochengetreue Wiedergabe anstrebt.
  • Die Interpretationsforschung fragt nach den Prozessen des Vermittelns und Deutens musikalischer Werke, sowohl in sprachlicher (hermeneutischer) als auch musikalischer (performativer) Form.
  • Die Notationskunde erforscht die Aufzeichnung von Musik, wobei im Zentrum ihres Interesses die Übertragung von Werken in eine zeitgenössische Notationsform steht.
  • Die Quellenkunde erschließt mit Hilfe philologischer, ikonografischer und diplomatischer Verfahren Primär- und Sekundärquellen zur Musikgeschichte.
  • Die Biografik, im 19. Jahrhundert eines der hauptsächlichen Forschungsfelder in den Kulturwissenschaften, beschreibt das Leben von Personen, deren Schaffen bedeutsam für die Musikgeschichte ist.
  • Die Satzkunde analysiert musikalische Strukturmerkmale wie z. B. Harmonik, Rhythmik, Kontrapunkt, Form oder Melodik. Ihre kompositionsgeschichtliche Forschung ergibt Aussagen über die geschichtliche Entwicklung der Musiktheorie.
  • Die Terminologie deutet und definiert Fachbegriffe, die der Beschreibung von Musik und der Kommunikation über sie dienen. Sie zielt auf die sachliche Klärung und trägt zur allgemeinen Verständigung über Fragen der Musik bei.
  • Die Stilkunde untersucht analog zu anderen Kulturwissenschaften Merkmale von Musik, die über einzelne Werke hinaus Gültigkeit besitzen, um epochen- und genrespezifische Eigenheiten herauszuarbeiten bzw. einen Personal-, Gruppen-, Gattungs-, Regional- oder Nationalstil zu charakterisieren.

Wichtige Hilfsdisziplinen sind:

Systematische Musikwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem ursprünglichen Konzept von Adler (1885) (Stichwort: „Gesetzesmäßigkeiten“) sowie der heutigen internationalen Wissenschaftspraxis geht hervor, dass Gegenstand der systematischen Musikwissenschaft nicht in erster Linie spezifische Erscheinungsformen der Musik wie Stücke, Werke, Aufführungen, Traditionen, Gattungen, Komponisten, Stile, Perioden usw., sondern eher die Musik an sich und musikalische Phänomene im Allgemeinen sind. Um abstrakte, allgemeine Aussagen über Musik zu ermöglichen ist eine „systematische“ Vorgehensweise nötig (Beispiele: Erkenntnistheorie, Logik, Klassifikation, Messung, Empirik, statistische Analyse, Modellierung, Vorhersage). Die Systematische Musikwissenschaft ist in folgende Einzeldisziplinen gegliedert:

  • Die musikalische Akustik untersucht die physikalischen Grundlagen des Schalls, der von Klangerzeugern ausgehend und unter raumakustischen Bedingungen unterschiedlich wahrgenommen wird.
  • Die Musikphysiologie beschäftigt sich einerseits als Stimm- und Gehörphysiologie mit den physiologischen Gegebenheiten von Bau und Funktion des menschlichen Stimm- bzw. Hörapparates (Ohr, Hörnerv, Cortex), andererseits untersucht sie als Physiologie des Instrumentalspiels Muskelaufbau und Motorik bei der musikalischen Tätigkeit sowie die psychophysiologischen Vorgänge beim Musizieren. Ihre Ergebnisse fließen gleichermaßen in Musiktherapie wie in musikpädagogische Lehre ein.
  • Die Ton- oder Hörpsychologie befasst sich als eigenständiges Teilgebiet der allgemeinen Musikpsychologie mit psychologischen Vorgängen der auditiven Wahrnehmung, psychoakustischen Erscheinungen und den Bedingungen, unter denen Reize aufgenommen, verarbeitet und beantwortet werden.
  • Die Musikpsychologie beschäftigt sich mit den Grundlagen, Bedingungen und Folgen der Musikwahrnehmung in gestalt- und in kognitionspsychologischer Hinsicht. Sie untersucht sowohl Reaktionen auf elementare Parameter (Tonhöhe, Lautstärke usw.) als auch komplexe Erscheinungen wie Musikalität und die daraus entstehenden Folgen für die Musikwahrnehmung. Dazu bedient sie sich u. a. statistischer und informatischer Arbeitstechniken.
  • Die Musiksoziologie untersucht mit Hilfe soziologischer Methoden die Beziehungen zwischen Musik und Gesellschaft sowie den in ihr vorhandenen Institutionen, um kausale Zusammenhänge der wechselseitigen Beeinflussung zu erkennen. Gegenstände dieser Teildisziplin sind das musikalische Schaffen und seine Rezeption, die mit den Mitteln der Sozialwissenschaft analysiert werden. Die häufige Überschneidung mit anderen Wissenschaften ergibt eine Verflechtung zu anderen Teildisziplinen, z. B. zur Musikpsychologie bei sozialpsychologischen Fragestellungen oder zur Ethnosoziologie bei Gegenständen außerhalb des westlich-europäischen Kulturraums.
  • Die Musikphilosophie als Element der Systematik und bestimmend für ihre geisteswissenschaftliche Ausrichtung untersucht die Frage nach dem Wesen der Musik. Neben ontologischen und ästhetischen Aspekten der anderen musikwissenschaftlichen Teilbereiche reflektiert sie Form, Sinn, Bedeutung und kommunikative Strukturen der Musik zunehmend mit semiotischen Mitteln.
  • Die Musikästhetik beschäftigt sich mit den Grundlagen der sinnlichen Erkenntnis der Musik, des Schönen in der Musik sowie dem Verstehen und Bewerten von Musik vor dem Hintergrund ihres jeweiligen historischen Kontextes. Ursprünglich ein Teilgebiet der Philosophie, etablierte sich die Musikästhetik mit Theodor W. Adorno auch als Teilgebiet auch innerhalb der Musikwissenschaft.

Allerdings ist diese Untergliederung der Systematischen Musikwissenschaft umstritten: Roland Eberlein und andere verstehen die musikalische Akustik, die Musikphysiologie, die Hörpsychologie, die Musikpsychologie und die Musiksoziologie nicht als Teildisziplinen der Systematischen Musikwissenschaft, sondern als Teile der Physiologie, der Akustik, Psychologie und Soziologie, welche von der Systematischen Musikwissenschaft rezipiert und mit Erkenntnissen der Historischen Musikwissenschaft oder Musikethnologie in Verbindung gebracht werden, um Theorien erstellen zu können, mit denen Aspekte von Musik erklärt werden können.[3] Da dafür die Systeme beschrieben werden müssen, welche die jeweilige Musik hervorbringen, schlug Jobst Fricke vor, den möglicherweise missverständlichen Namen „Systematische Musikwissenschaft“ in „Systemische Musikwissenschaft“ zu ändern.[4]

Kognitive Musikwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für eine Systematische Musikwissenschaft, die mit dem Forschungsansatz der Kognitionswissenschaft nach einer Theorie der Musik sucht, gebraucht im deutschsprachigen Raum Uwe Seifert die Bezeichnung „Kognitive Musikwissenschaft“.[5] Bei diesem Ansatz steht die Erforschung der neurologischen und neurovegetativen Wirkungen von Musik im Mittelpunkt. Die Kognitive Musikwissenschaft stützt sich in weit höherem Maß als die Musikpsychologie auf Methoden der Neurobiologie, Kognitions- und Computerwissenschaften.[6]

Musikethnologie, Ethnomusikologie und Vergleichende Musikwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jaap Kunst 1950 das englische Wort ethnomusicology einführte, wurden im Deutschen die Begriffe Musikethnologie oder Ethnomusikologie neben der Bezeichnung Vergleichenden Musikwissenschaft angewandt. Das Fachgebiet beschäftigt sich mit Musik außerhalb der westlichen Kunstmusik.

Übrig bleibt die europäische Volksmusik, die Musik der außereuropäischen Naturvölker und die Musikkulturen, die nicht vom europäischen Abendland abhängig sind, wie zum Beispiel die asiatische Kultur.

Historische und systematische Aspekte sind hier streng mit eingegliedert. Die Abkapslung des dritten Zweiges ist jedoch wichtig, da hier die verschiedenen Kulturen verschiedene Anforderungen stellen. So gibt es nicht in jeder Kultur den Begriff der „Musik“. Und wo fängt für die Wissenschaft „Musik“ überhaupt an? Oft bringt hier nur die Feldforschung die Wissenschaft voran, wo das tägliche Leben der Menschen in möglichst unveränderter Form beobachtet wird. Die wichtigsten Forschungsbereiche sind:

Populäre Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Populäre Musik wird von der Popularmusikforschung behandelt. Während sie früher eher der Musikethnologie zugerechnet wurde, ist sie heute entweder eigenständig oder Teil der Systematischen Musikwissenschaft.

Geschichte der Musikwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalische Wissenschaften bis zur Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Philosophie thront inmitten der sieben freien Künste“; die Musik ist im Kreis der Künste rechts unten lokalisiert, symbolisiert durch eine Harfenistin an der Kithara, flankiert durch Leier und Organistrum. Darstellung im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (um 1180).

Der in der hellenistischen Antike entwickelte Lehrplan basierte auf den beiden Säulen Musiké und Gymnastik, welche die Bildung des Geistes und des Körpers vermitteln sollten.[7] Deshalb nahm das Unterrichtsfach Musiké, das sich spätestens seit Platon auch mit mathematisch-musikwissenschaftlichen Fragen befasste, in seiner ursprünglichen und weit gefassten Bedeutung einen bevorzugen Platz im antiken Bildungswesen ein. Auch die aus dieser Tradition hervorgegangene ars musica wandte sich Themenfeldern zu, die heute den Fächern Musikwissenschaft bzw. einem speziellen Forschungszweig der Musiktheorie zugeordnet werden. In der mittelalterlich-universitären Ausbildung wurde der ars musica – als einer der vier mathematischen Künste (Quadrivium) der septem artes liberales – jedoch lediglich der Platz eines propädeutischen Faches der Philosophie zugewiesen. Letztere galt wiederum seit dem Mittelalter als ancilla theologiae und nahm als untere Fakultät gegenüber der höchsten Theologischen Fakultät nur eine dienende Funktion im christlich-abendländischen Bildungswesen ein. Das blieb nicht ohne Folgen für die ars musica, die sich gegenüber der Theologie mit einschlägigen Bibelzitaten hinsichtlich ihrer geistesgeschichtlichen Relevanz zu rechtfertigen versuchte. Eine endgültige Emanzipation der Philosophischen gegenüber den Theologischen Fakultäten fand erst in der Epoche der Aufklärung ab etwa 1740 statt,[8] wobei die Musik inzwischen aus dem Kanon der universitären Ausbildung herausgefallen war.[9]

Deutschland im 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lorenz Christoph Mizlers Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften (1738–1761) gilt als erste musikwissenschaftliche Gesellschaft. Mizler war mit seinen von 1736 bis 1742 gehaltenen Vorlesungen an der Leipziger Universität der erste Hochschullehrer, der nach dem Verfall der ars-musica-Tradition das Fach Musikwissenschaft gemäß einem von ihm vorgelegten Lehrplan an einer Universität unterrichtete.[10] Es war seine erklärte Absicht, „die musikalischen Wissenschaften, so wohl was die Historie anbelanget, als auch was aus der Weltweisheit, Mathematik, Redekunst und Poesie dazu gehöret, so viel als möglich ist, in vollkommenen Stand zu setzen.“[11] In der Folgezeit knüpfte die jetzt wieder an den Philosophischen Fakultäten betriebene Musikwissenschaft nicht mehr an der edlen Music-Kunst Würde (Werckmeister 1691) des antiken Musikbegriffs an, sondern wandte sich vornehmlich anderen Aufgabenfeldern zu.

Zeit der Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als universitäre Disziplin sah sich die Musikwissenschaft in der Zeit der Weimarer Republik zunehmend in die Ecke gedrängt. Sie wurde konfrontiert mit Vorwürfen des „Elitarismus“ und eines „Elfenbeinturm-Daseins“.[12] Darüber hinaus musste sie ihre Nützlichkeit für die Gesellschaft unter Beweis stellen und eine „aktivere Rolle in der Gesellschaft spielen.“[12] Besonders die Doppelerfahrung zahlreicher Musikwissenschaftler als Akademiker im Hochschulbetrieb als auch Praktiker im Bereich der Musik bzw. der Musikerziehung, war für diese Legitimation von besonderer Bedeutung und ermöglichte auf lange Sicht in einigen Fällen einen nahtlosen Übergang in das nationalsozialistische System.[12]

Die Musikwissenschaft war 1918 zu Beginn der Weimarer Republik eine relativ junge akademische Disziplin, jedoch waren es die Vorarbeiten von namhaften Musikwissenschaftlern der ersten Generation wie z. B. Hermann Kretzschmar, Guido Adler, Erich von Hornbostel, Curt Sachs und vielen anderen, die Pionierarbeit auf den Gebieten der Historischen, Systematischen und Vergleichenden Musikwissenschaft leisteten. So hatten „deutsche und österreichische Wissenschaftler in Forschung und Methodologie bahnbrechend gewirkt.“[13] Die sogenannten „Denkmäler deutscher Tonkunst“ galten in der Spätphase der wilhelminischen Epoche als Prestigeprojekt, um einerseits den Wert der deutschen Musik zu belegen und gleichzeitig die Musikwissenschaft als akademisches Fach zu legitimieren und deren Nützlichkeit für die Bevölkerung unter Beweis zu stellen. Als „‚Erzieher‘ hatten sie die Aufgabe, das deutsche Volk über sein musikalisches Erbe und seine musikalische Stärke aufzuklären.“[12] Trotz all dieser Bemühungen konnte die Musikwissenschaft während der Weimarer Republik nie eine bedeutsame kulturpolitische Position einnehmen.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ Siehe auch:

Noch immer nicht vollständig erforscht ist die Rolle der Musikwissenschaft im Nationalsozialismus und im sogenannten im Dritten Reich. Nach der Zwangsentlassung jüdischer Wissenschaftler übernahmen vielerorts überzeugte NSDAP-Mitglieder oder Gesinnungsgenossen die Institute und führten sie als willige Kunstvollstrecker im Sinne des Regimes. So fälschte etwa der Musikwissenschaftler Wolfgang Boetticher als Mitarbeiter im Sonderstab Musik im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg angebliche Briefe von Schumann an Mendelssohn im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Die Musikwissenschaftler Theophil Stengel und Herbert Gerigk veröffentlichten das rassistische Lexikon der Juden in der Musik. Seit 1914 überzog der Antisemitismus in Deutschland auch das Werk Georg Friedrich Händels, indem seine Oratorien von Musikwissenschaftlern „arisiert“ wurden: Israel in Egypt wurde in Mongolensturm umbenannt, und Judas Maccabaeus – zunächst in Der Feldherr umfirmiert – kam von 1933 bis 1945 nur noch unter dem Titel Wilhelm von Nassau zur Aufführung.

Musikverlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch deutsche Musikverlage brachten musikhistorische Schriften auf den Markt, welche die Stimmung dieser Zeit verstärkten. 1939 verlegte Breitkopf & Härtel, siebzig Jahre nach ihrem Ersterscheinen, Richard Wagners antisemitische Schrift Das Judenthum in der Musik.[14]

Grundsätzlich spricht Richard Wagner jüdischen Künstlern jede Form von Originalität ab: Juden mögen ihr Handwerk virtuos beherrschen, das Ergebnis werde aber immer Täuschung, ja Lüge sein.

Reichsmusiktage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den Reichsmusiktagen kamen viele Aspekte der Musik zur Sprache. Auch die Musikwissenschaft hatte ihr eigenes Format.

Bei der Eröffnung der Musikwissenschaftliche Tagung 1938, der größten Musiktagung des nationalsozialistischen Deutschlands, behauptete Propagandaminister Joseph Goebbels, dass Musik die ruhmreichste Kunst des deutschen Erbes sei. Es war zugleich die erste für die Öffentlichkeit sichtbare musikwissenschaftliche Tagung im NS-Staat.

Biographien zwischen 1933 und 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Musikwissenschaft in jener Zeit wird sichtbar in den Lebensläufen wichtiger Vertreter des Faches:

  • Robert Lach war ein Mitglied der „Bärenhöhle“, einer antisemitischen universitären Geheimclique.[17] In einem Brief aus dem Jahr 1933 schreibt er: „Wer hätte vor drei Jahren zu hoffen gewagt, dass die Macht des Judentums so plötzlich und schnell gebrochen werden würde, wie dies Gottlob jetzt wenigstens in Deutschland … der Fall ist.“ Lach verzögerte zudem aufgrund rassistischer Motive die Ernennung von Egon Wellesz. Gleichzeitig lehnte er Paul Nettl als Gutachter ab, weil dieser ein „Volljude von reinstem Schlage“ gewesen sei.

Einige akademische Musikwissenschaftler, unter anderem Herbert Birtner, Gotthold Frotscher, Wilhelm Heinitz, Felix Krueger (Musikpsychologe), Arthur Prüfer und Hermann Stephani, hatten im November 1933 das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler unterzeichnet.

Wieder andere waren unter den Schutz der Gottbegnadeten-Liste gestellt, eine im August 1944 in der Endphase des Zweiten Weltkrieges im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels zusammengestellten Liste deutscher Künstler und Wissenschaftler, die dem nationalsozialistischen Regime wichtig erschienen und daher von diesem unter besonderen Schutz gestellt wurden. Dazu gehörten unter anderem die Musikwissenschaftler Wilhelm Heinitz, Werner Neumann und zeitweise Heinrich Strobel.

Entartete Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite der Broschüre zur Ausstellung „Entartete Musik“ (1938)

Der Begriff Entartete Musik (analog zu Entartete Kunst) bezeichnete während der Zeit des Nationalsozialismus vor allem die musikalische Moderne, die nicht der Ideologie der Nationalsozialisten entsprach. Begleitend zu den Reichsmusiktagen im Mai 1938 in Düsseldorf – bei deren Kulturpolitischer Kundgebung Richard Strauss sein Festliches Präludium (1913) dirigierte – organisierte Hans Severus Ziegler in Anlehnung an die Münchner „Ausstellung Entartete Kunst“ von 1937 die Ausstellung „Entartete Musik“, in der er gegen Jazz, Neue Musik und jüdische Künstler und Komponisten polemisierte und deren Entfernung er aus dem deutschen Musikleben forderte. Komponisten der Moderne wurden als so genannte Vertreter der Entarteten Musik oder auch der „Negermusik“ verunglimpft, verfemt und politisch verfolgt, darunter „nicht-arische“ Künstler wie Arnold Schönberg, Ernst Krenek, Kurt Weill, Hanns Eisler, Franz Schreker, Erwin Schulhoff und Ernst Toch, aber auch „arische“ Komponisten wie Anton Webern, Paul Hindemith und Igor Strawinsky. Auch die Werke bereits verstorbener Künstler wie Alban Berg waren betroffen.

Der Musikwissenschaftler Peter Raabe sorgte als Präsident der Reichsmusikkammer dafür, dass Vertreter der modernen Musik und vor allem die „nichtarischen“ Musiker entweder erst gar nicht in die RMK aufgenommen oder entlassen wurden. Das bedeutete für die betroffenen Musiker ein existenzbedrohendes Berufsverbot, weil eine Mitgliedschaft in der RMK Voraussetzung für eine Tätigkeit als Künstler war. Insgesamt sind mehr als 3000 von Raabe persönlich unterzeichnete Berufsverbote bekannt. Er war gegen die „Negermusik“ und die moderne Musik eines Alban Berg und Arnold Schönberg.[29]

Weitere Beispiele für nationalsozialistische Musikwissenschaftler sind Ernst Bücken, Robert Haas, Werner Korte und Hans Joachim Moser.

Deutschland 1945–2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Last der Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um musikwissenschaftliche Bücher nach 1945 weiter verkaufen zu können, mussten Passagen mit NS-Ideologie überklebt oder geschwärzt werden. Hier zu sehen in der Geschichte der deutschen Musik von Joseph Müller-Blattau: Auf der rechten Seite hat der Verlag 1947 Passagen überklebt und ein Wort geschwärzt.

Die deutsche Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus ging auch nach 1945 in den Einrichtungen der Musikwissenschaft nicht spurlos vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten viele belastete Musikwissenschaftler den Musikdiskurs sowohl in der Bundesrepublik als auch in der Deutschen Demokratischen Republik. Manche dieser Musikwissenschaftler waren zum Teil bis zum Ende des 20. Jahrhunderts publizistisch tätig.

Für die DDR galt nicht nur im Blick auf die Musikwissenschaft: „Auch wenn sich die DDR während ihrer gesamten Existenz in ihrer Herrschaftsideologie ununterbrochen als antifaschistischer Staat legitimierte, sah die Lebenswirklichkeit einer entnazifizierten Gesellschaft grundlegend anders aus. Die SED griff beim Aufbau ihres sozialistischen Staates auch auf Angehörige von nationalsozialistischen Organisationen zurück – und zwar in einem außerordentlich hohen Maße.“[30]

Dies prägte Biographien von Musikwissenschaftlern in beiden deutschen Staaten nach 1945, wie man an ausgewählten Lebensläufen zeigen kann:

  • Als Gösta Neuwirth Anfang der sechziger Jahre in Wien promovieren wollte und deshalb eine Arbeit zu Franz Schreker begann, wurde er vom Wiener Ordinarius für Musikwissenschaft Erich Schenk mit den harschen Worten abgefertigt: „Mit Juden gebe ich mich nicht ab!“[31] Auch Anton Webern lehnte Schenk als Dissertationsthema ab. Nachweislich war Schenk seit den 1930er-Jahren ausgeprägt antisemitisch eingestellt, eine Haltung, die er bis zu seinem Tod 1974 nicht korrigierte. Im Jahr 1950 wurde er zum Dekan der Philosophischen Fakultät gewählt und 1957 schließlich zum Rektor der Universität Wien.
  • Hans Pischner, Musikwissenschaftler und Cembalist, fand als zuletzt über Hundertjähriger äußerst konsequent einen sehr weiten und vielgestaltigen Weg vom Musiker im Nationalsozialismus[35] über die Funktionen des Opernintendanten und Kulturpolitikers in der DDR bis hin zum Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED.[36] Er selbst gab in seiner Autobiografie zu, wie er das System während seiner Intendantenzeit geschickt manipulativ für sich nutzen konnte: „Ich kannte mich aus, konnte im allgemeinen meine Vorstellungen durchsetzen und wußte mir auch in komplizierten Situationen zu helfen. Wenn man es verstand, auf der Klaviatur der – auch untereinander nicht selten uneinigen – Apparate zu spielen, nicht zu viele Fragen zu stellen und damit unerwünschte Antworten zu provozieren, gab es Möglichkeiten, kunstfeindliche politische Strangulierungen zu unterlaufen, dem Gesinnungsterror zu entkommen.“[37]

Viele Biografien, die nach 1945 geschrieben worden sind, verschwiegen wesentliche Details der Zeit vor 1945. In Rudolf Gerbers Selbstdarstellung in MGG Band 4 (1955) verbarg er seine Tätigkeiten für die NSDAP und betonte, dass er seit 1938 Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und seit 1952 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen war.

Andere Musikwissenschaftler fehlten im deutschsprachigen Raum, weil sie emigriert waren: Curt Sachs, Manfred Bukofzer, Mieczyslaw Kolinski, Otto Gombosi, Klaus Wachsmann, Hans Eppstein und Alfred Einstein gehörten dazu. Nach Europa blickte Einstein nach dem Krieg nur noch mit Argwohn: So lehnte er 1949 eine Einladung von der Freien Universität Berlin ab, weil er keine Sehnsucht nach einem „Besuch im Vierten Reich“ verspürte. Ebenso wies er im selben Jahr die Goldene Mozart-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg zurück, publizierte nicht mehr in Deutschland und verfolgte aufgebracht die Entnazifizierungsprozesse von Musikern und Wissenschaftlern.

„Der vom Holocaust verursachte Verlust für die Musik ist eine Katastrophe,
deren Ausmaß für immer unbekannt bleiben wird.[42]

Sarah Nathan-Davis (Musikwissenschaftlerin)

Aufarbeitung der „Musik im Exil“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An manchen Instituten beginnt die systematischen Forschungsarbeit zum Thema „Musiker im Exil“. Die Arbeitsgruppe „Exilmusik“ (1985–2012) an der Universität Hamburg unter Leitung von Peter Petersen engagiert sich mit zahlreichen Forschungsprojekten, Konzerten, Ausstellungen, Tagungen und Buchpublikationen. 1993 erschien der von Hanns-Werner Heister, Claudia Maurer Zenck und Peter Petersen herausgegebene Band „Musik im Exil. Folgen des Nazismus für die internationale Musikkultur“.

Themen und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es tun sich aber auch andere und neue Themen auf: Frauen in der Musik[43] ist ein in der Musikwissenschaft im Zuge der Frauenbewegung seit den 1970er Jahren verstärkt in den Blick gerücktes Begriffsfeld.[44]

Bis 1945 beschäftigte sich die Musikwissenschaft praktisch nicht mit der Gegenwartsmusik; vielmehr spezialisierten sich die Fachvertreter vor allem auf einzelne ältere Epochen. Erst ab den 1960er Jahren wurde die Untersuchung der Musik des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen. Für die Hinwendung insbesondere zur Neuen Musik war Rudolf Stephan (1925–2019) von großer Bedeutung. Stephan sah die Musikgeschichte als Teil der allgemeinen Kunst- und Kulturgeschichte.

Im Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie werden ab 1965 in Wien von Walter Deutsch die Volksmusikforschung und die Ethnomusikologie in einer Einrichtung zusammengeführt.

Musikalische Quellen werden neu erschlossen durch Errichtung neuer Archive und Forschungsstellen. Im 1972 gegründeten Heinrich-Schütz-Archiv werden möglichst vollständig Kopien von allen Quellen des Komponisten gesammelt. Inzwischen nennt sich die Einrichtung in Dresden mit einem deutlich erweiterten Auftrag Forschungsinstitut für mitteldeutsche Musikgeschichte.

1992 kommt es zur Errichtung eines Brahms-Institutes in Lübeck, um die Quellen zur Brahmsforschung zu sichern.

Das Sammeln und Dokumentieren von Komponisten der Gegenwart macht sich eine Arbeitsgruppe von Musikwissenschaftler seit 1992 zur Aufgabe.

Die Reihe neu gegründeter Fachgesellschaften hat die für die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Musikwissenschaft seit der Nachkriegszeit so prägende Überblendung von Musikgeschichte, Philologie und musikalischer Analyse ausdifferenziert. Die methodische Vielfalt des Fachs wurde sichtbarer.[45]

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bislang geltenden Grenzen empirisch-experimenteller und kulturwissenschaftlich-historischer, aber auch musikethnologischer und popularmusikologischer Forschung verschieben sich. Die Rolle von Musikarchiven wird hinterfragt, das musikphilologische Arbeiten unter digitalen Vorzeichen muss neu ausgerichtet werden. Es wird gefragt, ob angesichts der methodisch offenen Situation noch verbindliche Normen gelten, ob neue Normen und Normierungen entstehen oder ob sich die Transformationsprozesse außerhalb von Normen vollziehen.

Die Musikforschung des 21. Jahrhunderts „zeigt sich als fragende Disziplin, die vielfältige Anregungen aufgreift, aber auch mit großen Herausforderungen konfrontiert ist, etwa in Gestalt des Anthropozän und posthumanistischer Theorien. Hier bestehen gesellschaftliche und kulturpolitische Erwartungen an das Fach: Es geht darum, Musik und musikalische Praxen im Spiegel dieser Entwicklungen theoriegeleitet zu reflektieren.“[46]

Musikwissenschaftliche Seminare und Institute an Hochschulen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musikwissenschaft als akademische Disziplin ist seit dem 19. Jahrhundert an Universitäten und Hochschulen angesiedelt. Dort geschieht Forschung, Reflexion und Lehre im Blick auf die Inhalte des Faches.

Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Basel aus der Sicht vom Petersplatz

Ausbildungsziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikwissenschaft wird in der Regel nicht berufsspezifisch, sondern akademisch gelehrt. So befähigen die Abschlüsse im Idealfall für ein breites und sich ständig änderndes Betätigungsfeld. Die akademische Qualifizierung im Fach Musikwissenschaft beschränkt sich nicht auf die Universitäten und Musikhochschulen, sondern sie kann in sehr vielfältige Bereiche der Bildung oder der Kultur- und Wissenschaftsverwaltung führen, ebenso zu Archiv- und Bibliothekswesen, Museum, Journalismus und Verlagswesen sowie zu Produktion und Management.

Abschlüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1977 hat die Musikhochschule Detmold in Kooperation mit der Universität Paderborn ein gemeinsames Musikwissenschaftliches Seminar gegründet, in dem das Promotionsrecht ausgeübt werden konnte. In den 1980er Jahren setzten weitere Musikhochschulen ihr eigenes Promotionsrecht in Gang, zunächst in West-Berlin, Hannover und Köln, inzwischen nahezu überall.

Mit der Bologna-Reform haben sich über die Promotion hinaus auch zunehmend musikwissenschaftliche Bachelor- und Master-Studiengänge sowohl an zahlreichen Musikhochschulen als auch an vielen Universitäten verbreitet.

Prägende Musikwissenschaftler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Musikhistoriker Friedrich Chrysander, Gemälde von Leopold von Kalckreuth (1901)
Hermann Kretzschmar 1897 in seiner Zeit als Universitätsmusikdirektor in Leipzig
Hugo Riemann 1889 als Privatdozent

Als eigenes wissenschaftliches Fach wurde die Musikwissenschaft nach und nach erst im 19. Jahrhundert geformt und ausgestaltet, so dass man die Begründer des modernen Faches ebenfalls erst ab dem 19. Jahrhundert finden und benennen kann.

Adolph Bernhard Marx (1795–1866)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolph Bernhard Marx wurde 1830 Musikprofessor der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und 1832 Universitätsmusikdirektor. Er war Gründungsmitglied des Berliner Tonkünstlervereins, des ersten Tonkünstler-Berufsverbands auf deutschem Boden. Marx erwarb sich als musikwissenschaftlicher Autor, als Verfasser einer Beethoven-Biografie, des Buches Gluck und die Oper und als Herausgeber der Werke Händels und Bachs Ansehen. Ein fundamentaler Beitrag zur Musiktheorie sind seine Definitionen der Sonaten(haupt)satzform und ihrer Bestandteile. Der Begriff „Sonatenform“ als ideales, von Gattungskriterien (Sinfonie, Quartett etc.) abstrahiertes Modell erscheint in ausführlicher Beschreibung erstmals in seiner Kompositionslehre (Die Lehre von der musikalischen Komposition, Leipzig 1837–1847). Marx’ Kompositionslehre etablierte die Begriffe „Exposition“, „Hauptsatz“, „Modulationsteil“, „Seitensatz“ und „Schlussgruppe“. 1824 begründete er die Berliner Allgemeine Musikalische Zeitung, die er bis 1830 herausgab.

Friedrich Chrysander (1826–1901)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Chrysander war der große Händel-Forscher des 19. Jahrhunderts (Herausgabe der ersten Gesamtausgabe von Händels Werken und einer fragmentarischen mehrbändigen Biografie Händels). Chrysander hatte schon vor der Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft andere maßgebliche Musikzeitschriften redigiert: Die Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung in den Jahren 1868 bis 1871 und 1875 bis 1882 sowie die in zwei Bänden (1863 und 1867) erschienenen Jahrbücher für musikalische Wissenschaft, die als Vorläufer der Vierteljahrsschrift anzusehen sind. Auch die Initiative zur Gründung der Vierteljahrsschrift scheint von ihm ausgegangen zu sein, und er hatte nach längerer Vorbereitungszeit in dem Bach-Forscher und Berliner Musikprofessor Spitta wie in dem Prager Musikwissenschaftler Adler die geeigneten Partner gefunden, mit denen ein streng wissenschaftliches Periodikum zu gründen und zu leiten möglich war. Das Geflecht seiner Beziehungen und Korrespondenzen mit Musikern und Wissenschaftlern seiner Zeit war groß.

Gustav Jacobsthal (1845–1912)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Jacobsthal gehörte zu den Musikhistorikern, die im ausgehenden 19. Jahrhundert die Musik des Mittelalters wissenschaftlich erforschten und wieder zugänglich machten. 1872 wurde er an der neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg habilitiert und unterrichtete dort zunächst als Privatdozent für Geschichte und Theorie der Musik, 1875 als außerordentlicher, ab 1897 als einziger ordentlicher Professor für Musikwissenschaft im Deutschen Reich. Zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts (Palestrinas weltliche Madrigale), zur Operngeschichte (sowohl Monteverdis L’Orfeo als auch Mozarts Kindheitsopern und Idomeneo) sowie zur Instrumentalmusik (Haydns, Mozarts und Beethovens Streichquartette; Carl Philipp Emanuel Bachs Württembergische Sonaten) hinterließ er Analysen.

Philipp Spitta (1841–1894)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Spitta[47] war ein fleißiger Bach-Forscher. Ab 1875 wurde er Musikprofessor an der Berliner Universität und administrativer Direktor der Musikhochschule (an der Seite Joseph Joachims als künstlerischem Leiter) in Berlin. Er begann als ausgebildeter und zunächst auch praktizierender Altphilologe und wechselte dann zur Musikforschung mit ausgesprochen philologischer Prägung. Er war ein sammel- und publikationsfreudiger Musikforscher mit einem breiten Blickfeld auf Gegenstände aus der Antike bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In die Volkslied-Forschung war er engagiert. In der Leitung der Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft war er federführend. Neben seiner Bach-Biographie wurde er durch eine Gesamtausgabe der Orgelwerke Dietrich Buxtehudes und der Werke von Heinrich Schütz bekannt. Zusammen mit Friedrich Chrysander und Guido Adler gab er seit 1885 die Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft, erschienen in Leipzig, heraus. Philipp Spitta gilt heute als einer der Begründer der modernen Musikwissenschaft.

Guido Adler (1855–1941)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guido Adler[48] stammte aus Mähren und war ursprünglich juristisch ausgebildeter, dann in Musikwissenschaft promovierter und habilitierter Musikprofessor. Zuerst lehrte er ab 1885 in Prag, dann von 1898 bis 1927 auf dem Wiener Ordinariat als Nachfolger von Eduard Hanslick. Er führte die Periodisierung der Musikgeschichte nach Stilbegriffen in die Musikwissenschaft ein, entwickelte ihre Aufgabenstellung und Methodik, betätigte sich als Editor und gab nach seiner Emeritierung ein mehrbändiges Handbuch zur Musikgeschichte heraus, das seinen Prinzipien folgte.

Hermann Kretzschmar (1848–1924)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Kretzschmar war von 1887 bis 1904 in Leipzig als Universitätsmusikdirektor tätig. Im Jahr 1890 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Er gründete 1890 die Leipziger Akademischen Konzerte, die er bis 1895 leitete. 1904 wurde er als ordentlicher Professor der Musik an die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität berufen. Eines seiner Fachgebiete war die Hermeneutik im Blick auf das Verstehen von Musik.

Hugo Riemann (1849–1919)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugo Riemann gehört zu den markantesten und bedeutendsten Persönlichkeiten unter den Musikwissenschaftlern. 1901 wurde er zum außerordentlichen, 1905 zum planmäßigen Professor an der Universität Leipzig berufen. Schließlich wurde er 1908 Direktor des von ihm gegründeten musikwissenschaftlichen Instituts (Collegium musicum). 1911 wurde Riemann in Leipzig Honorarprofessor und schließlich 1914 Direktor des von ihm gegründeten „Staatlich sächsischen Forschungsinstituts für Musikwissenschaft“. Seine größten Verdienste hat er errungen auf dem Gebiet der Musiktheorie. Zu fast allen Bereichen hat er wesentliche Beiträge geliefert, zu vielen musikalischen Fachbegriffen Abhandlungen geschrieben. Sein wohl bekanntestes Werk, das Riemann Musiklexikon, ist bis heute ein anerkanntes Standardwerk.

Peter Wagner (1865–1931)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Wagner schuf Beiträge zur Erforschung des lateinischen einstimmigen liturgischen Gesangs (Gregorianik). 1927 wurde er 1. Präsident der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft. Er war Mitglied der Schwedischen Akademie der Tonkunst und der Deutschen Akademie in München. Aus Wagners Habilitationsschrift entstand das dreibändige Standardwerk zur Choralforschung Einführung in die Gregorianischen Melodien. Seine wissenschaftlichen Choralforschungen galten als richtungsweisend.

Friedrich Ludwig (1872–1930)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name von Friedrich Ludwig ist eng verbunden mit der Erforschung und Neuentdeckung der Musik des Mittelalters im 20. Jahrhundert, insbesondere mit der Kompositionstechnik der isorhythmischen Motette in der Ars nova. Für ungefähr ein Jahrzehnt unternahm er zahlreiche Reisen durch Europa, die ihm zur Erforschung der Quellen mittelalterlicher Musik dienten. 1905 habilitierte er sich und wurde Nachfolger des gleichzeitig emeritierten Gustav Jacobsthal, ab 1910 als Außerordentlicher Professor für Musikgeschichte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er aus dem nun zu Frankreich gehörenden Straßburg ausgewiesen. Ab 1920 war er Ordentlicher Professor an der Georg-August-Universität Göttingen, deren Rektor er 1929/30 wurde. Zu Ludwigs Leistungen zählen die Erforschung des Organums, die Entzifferung der frühen Quadratnotation, die Entdeckung der Modalrhythmik in einstimmigen Liedern des 13. Jahrhunderts, die systematische Darstellung der Notre-Dame-Epoche und der Motettenkompositionen der Ars nova. Dabei übertrug er eine Vielzahl mehrstimmiger Werke bis ins 15. Jahrhundert hinein und publizierte sie in kritischen Editionen. Ludwig entdeckte das Kompositionsprinzip der Isorhythmie, deren Bezeichnung er auch prägte.

Erich Moritz von Hornbostel (1877–1935)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berlin wurde Erich Moritz von Hornbostel am Psychologischen Institut Assistent des Psychologen Carl Stumpf, der auf dem Gebiet der Tonpsychologie forschte. Hornbostel arbeitete beim Aufbau des Berliner Phonogramm-Archivs mit, das er bis 1933 leitete. Gemeinsam mit Curt Sachs entwickelte er ein System zur Klassifizierung von Musikinstrumenten, das als Hornbostel-Sachs-Systematik bekannt ist. Er leistete Pionierarbeit bei der Erforschung afrikanischer und asiatischer Musik und entwarf ein System zur schriftlichen Aufzeichnung dieser Musik. Als „Halbjude[49] 1933 seiner Ämter enthoben, emigrierte von Hornbostel in die Schweiz, später in die USA.

Curt Sachs (1881–1959)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Curt Sachs hat sich 1919 an der Berliner Universität mit dem Handbuch der Musikinstrumentenkunde habilitiert. Bereits 1913 erschien sein Reallexicon der Musikinstrumente, das einflussreichste Lexikon über historische und weltweit verbreitete Musikinstrumente. Ab September 1920 wurde er Direktor der Sammlung alter Musikinstrumente bei der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg. 1928 wurde er etatsmäßiger Professor an der Universität Berlin, seit 1926 lehrte er zusätzlich Instrumentenkunde an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Er bemühte sich intensiv, die umfangreiche Kollektion der Musikinstrumentensammlung der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen. 1933 wurde Sachs als Jude von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben. Er emigrierte daraufhin in die Vereinigten Staaten. Dort lehrte er von 1937 bis 1953 an der New York University und arbeitete außerdem für die New York Public Library und das Metropolitan Museum of Art. Sein Buch The history of musical instruments (1940) ist ein bedeutendes Werk zum Thema. Darin werden die Instrumente nach Kulturen und die europäischen Instrumente gesondert nach Kulturperioden eingeteilt.

Fachverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft für Musikforschung ist ein Fachverband der in Studium, Forschung und Lehre tätigen Musikwissenschaftler und Institute. Sie hat rund 1600 Mitglieder (Stand 2021). Sitz des Vereins ist Kassel (Hessen).[50] Die Gesellschaft wurde 1946 gegründet, nachdem es schon eine Vorgängerinstitution gegeben hatte.

Die International Musicological Society (IMS) (Deutsch: Internationale Gesellschaft für Musikwissenschaft) ist eine am 30. September 1927 in Basel gegründete Organisation für die internationale Koordination der Musikwissenschaft.

Die Österreichische Gesellschaft für Musikwissenschaft ist ein musikwissenschaftlicher Fachverband mit österreichischen und ausländischen Mitgliedern. Die Gründung des Verbandes erfolgte im Jahr 1973.

Als regionaler Verband mit musikhistorischem Schwerpunkt zeigt sich die Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte, gegründet 1957.

Als interdisziplinär arbeitender Verband trat ab 1983 die Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie hervor, die vor allem Musikwissenschaft und Psychologie in einen Austausch und Dialog bringen möchte.

Fachzeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift für Musikwissenschaft war eine der ersten musikwissenschaftlichen Fachzeitschriften, die von 1918 bis 1935 im Verlag Breitkopf & Härtel, Leipzig, erschienen ist, hier die Ausgabe von 1918

Die Allgemeine musikalische Zeitung (kurz AmZ) zählt neben der Neuen Zeitschrift für Musik zu den bedeutendsten Musikfachblättern des 19. Jahrhunderts.

Die Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft stellt eines der wichtigsten Zeugnisse dar für die Bemühungen der deutschsprachigen Musikwissenschaft, sich institutionell an den Universitäten zu festigen und publizistisch als fleißig arbeitende Kulturwissenschaft hervorzutreten. Der Anspruch eines ständigen Autorenkreises ist spürbar, offene und brennende Fragen der systematischen und historischen Musikforschung einer Lösung zuzuführen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musikforschung ist eine musikwissenschaftliche Zeitschrift, die im Auftrag der Gesellschaft für Musikforschung herausgegeben wird. Seit 1948 erscheint sie im Bärenreiter-Verlag. In ihr werden wissenschaftliche Beiträge aus Musikgeschichte, Musiktheorie und Musikpraxis veröffentlicht, wodurch die Zeitschrift zu einem wichtigen Forum der deutschen Musikwissenschaft geworden ist.

Die Zeitschrift für Musikwissenschaft war eine musikwissenschaftliche Fachzeitschrift, die von 1918 bis 1935 im Verlag Breitkopf & Härtel, Leipzig, erschien. Herausgeber war die Deutsche Musikgesellschaft bzw. Deutsche Gesellschaft für Musikwissenschaft.

Das Archiv für Musikwissenschaft ist eine deutsch- und englischsprachige musikhistorische und musikwissenschaftliche Fachzeitschrift, das Artikel sowohl von bekannten Wissenschaftlern als auch von Nachwuchswissenschaftlern veröffentlicht.

Die Tonkunst ist ein Magazin für klassische Musik und Musikwissenschaft, das vom gleichnamigen Verein mit Sitz in Weimar herausgegeben wird.

Neben der theologischen Ausrichtung hat Musik und Kirche auch eine musikwissenschaftliche. Ihr Ausgang ab 1929 war die Bach- und Schütz-Renaissance, die Orgelbewegung und die Singbewegung mit einer Tendenz zur Alten Musik.

Musikwissenschaftliche Reihen und Jahrbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kölner Beiträge zur Musikforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kölner Beiträge zur Musikforschung (KBMf) ist eine der ältesten noch erscheinenden Musikbuchreihen in Deutschland. Als vorrangig monografische Reihe wurde sie 1938 von dem Kölner Musikwissenschaftler Theodor Kroyer gegründet und erscheint im Gustav Bosse Verlag. Seit 2004 erscheinen die Kölner Beiträge zur Musikforschung unter dem Namen Kölner Beiträge zur Musikwissenschaft (KBMw).

Schütz–Jahrbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schütz-Jahrbuch ist ein seit 1979 jährlich erscheinender Aufsatzband mit musikwissenschaftlichen Abhandlungen über die Musik und Musikkultur im 17. Jahrhundert, bevorzugt im Umkreis des Komponisten Heinrich Schütz. Die Beiträge werden zumeist in deutscher, vereinzelt auch in englischer Sprache veröffentlicht.

Jahrbuch Musikpsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1984 erscheint das von Klaus-Ernst Behne, Günter Kleinen und Helga de la Motte-Haber gegründete Jahrbuch Musikpsychologie. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie (DGM) herausgegeben und erscheint seit 2018 als Online-First-Publikation mit OpenAccess-Zugriff beim Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID).[51]

Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie (JLH) ist ein wissenschaftliches Periodikum mit Aufsätzen, Arbeitsberichten und Rezensionen zur Liturgiewissenschaft und Hymnologie aus evangelisch-lutherischer Perspektive in ökumenischem Horizont.

Testcard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainzer Ventil Verlag gibt seit 1995 die Reihe Testcard heraus, die sich mit Populärer Musik und Popkultur beschäftigt.[52]

Musikbibliotheken und Archive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikbibliotheken mit Sammlungsschwerpunkt Musiktonträger und Musikalien sind wesentlich für die Arbeit in der Musikwissenschaft. Von den 24 Musikhochschulen in Deutschland verfügen vor allem diejenigen über einen musikwissenschaftlichen Sammelschwerpunkt, die das Promotionsrecht besitzen.

Beispiele für große Musikbibliotheken sind:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guido Adler: Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft. In: Vierteljahresschrift für Musikwissenschaft. 1, 1885, S. 5–20.
  • Herbert Bruhn, Helmut Rösing: Musikwissenschaft. Ein Grundkurs. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-55582-4.
  • Dieter Christensen, Artur Simon: Musikethnologie. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil 6, 1997, Sp. 1259–1291.
  • Carl Dahlhaus et al. (Hrsg.): Neues Handbuch der Musikwissenschaft. Laaber, Laaber 1998.
  • Matthew Gardner, Sara Springfeld: Musikwissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung, mit einem Geleitwort von Nicole Schwindt-Gross. Kassel 2014.
  • Heinrich Husmann: Einführung in die Musikwissenschaft. Quelle & Meyer, Heidelberg 1958.
  • Joseph Kerman: Musicology. Fontana, London 1985 ISBN 0-00-197170-0.
  • Stefan Keym, Melanie Wald-Fuhrmann: Wege zur Musikwissenschaft. Gründungsphasen im internationalen Vergleich. Kassel 2018 (= Spektrum Fachgeschichte Musikwissenschaft. Band 1), ISBN 978-3-476-04669-7.
  • Richard Middleton: Studying Popular Music. Open University Press, Philadelphia 1990/2002 , ISBN 0-335-15275-9.
  • Thomas Nußbaumer: Alfred Quellmalz und seine Südtiroler Feldforschungen (1940–1942): eine Studie zur musikalischen Volkskunde unter dem Nationalsozialismus. StudienVerlag, Innsbruck/Wien/München 2001, ISBN 3-7065-1517-2.
  • Richard Parncutt: Systematic musicology and the history and future of Western musical scholarship. In: Journal of Interdisciplinary Music Studies. Band 1, 2007, S. 1–32 (online, Abruf am 22. Oktober 2021)
  • Pamela M. Potter: Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. Stuttgart 2000. (Zugleich Dissertation an der Yale University, 1998)
  • James W. Pruett, Thomas P. Slavens: Research guide to musicology. American Library Association, Chicago 1985, ISBN 0-8389-0331-2.
  • Hugo Riemann: Grundriß der Musikwissenschaft. 2. Auflage. Quelle & Meyer, Leipzig 1914.
  • Helmut Rösing, Peter Petersen: Orientierung Musikwissenschaft. Was sie kann, was sie will. Reinbek 2000, ISBN 3-499-55615-4.
  • Albrecht Schneider: Systematische Musikwissenschaft: Traditionen, Ansätze, Aufgaben. In: Systematische Musikwissenschaft. Band 1, 1993, Nr. 2., S. 145–180.
  • Nicole Schwindt-Gross: Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel, Techniken, Aufgaben. 1992; 5. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2003,
  • Uwe Seifert: Systematische Musiktheorie und Kognitionswissenschaft. Zur Grundlegung der kognitiven Musikwissenschaft. Orpheus Verlag für systematische Musikwissenschaft, Bonn 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Musikwissenschaften – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Musikwissenschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meyers Taschenlexikon Musik. Band 2, S. 320.
  2. Glen Haydon, Introduction to Musicology: a survey of the fields, systematic & historical, of musical knowledge & research (1941) ISBN 0-313-20429-2
  3. Roland Eberlein: Was ist Systematische Musikwissenschaft? Vorlesung an der Universität zu Köln (PDF; 2,7 MB) walcker-stiftung.de, abgerufen am 3. August 2021.
  4. Jobst Fricke, Systematische oder Systemische Musikwissenschaft? Systematische Musikwissenschaft 1/2, 1993, S. 181–194.
  5. Uwe Seifert: Systematische Musiktheorie und Kognitionswissenschaft. Zur Grundlegung der kognitiven Musikwissenschaft. Orpheus Verlag für systematische Musikwissenschaft, Bonn 1993
  6. Barbara Tillmann: Music Cognition. In: Encyclopedia of Social Measurement. Elsevier, 2005, ISBN 978-0-12-369398-3, S. 795–801 (sciencedirect.com).
  7. Josef Dolch: Lehrplan des Abendlandes. Darmstadt 1982, S. 25ff. Plato betonte in Politeia (III. Buch), die „musische und gymnastische Bildung [als …] Grundsätze für Bildung und Erziehung“ Quelle online.
  8. In diesem Jahr konnte der Philosoph Christian Wolff, der von der Theologischen Fakultät in Halle geächtet und 1723 vom preußischen König Friedrich Wilhelms I. seines Professoren-Amtes entbunden worden war, seine universitäre Unterrichtstätigkeit in Halle wieder aufnehmen. Erst ab diesem Zeitpunkt galt für die Philosophie und die ihr angeschlossenen Disziplinen die Freiheit der Lehre. Zum Prioritätenstreit vgl. Immanuel Kant: Der Streit der Facultäten in drei Abschnitten, Königsberg 1798 (Text online).
  9. Mattheson berichtet, dass ein Leipziger Professor bei der Prüfung von 14 Kandidaten, welche die Würde eines Magisters der sieben freien Künste erwerben wollten, die Musik „als unwürdiges Glied, eigenmächtig und unchristlich“ fortließ (Johann Mattheson: Mithridat wider den Gift einer welschen Satyre genannt La musica, Hamburg 1749, S. 189 Quelle online)
  10. Lorenz Christoph Mizler: De usu atque praestantia Philosophiae in Theologia, Iurisprudentia, Medicina, breviter disserit, simulque Recitationes suas privatas indicat M. Laurentius Mizlerus, Leipzig 1736, S. 16: „Novam scholam musicam aperire constitui“ etc. Quelle online. Sein Vorlesungskonzept wird präziser beschrieben in „recitationes suas mathematicas philosophicas musicas de novo futur“ als Anhang zu der philosophischen Schrift Lorenz Christoph Mizler: De natura syllogismi, Leipzig 1742, S. 16 (Quelle online).
  11. Musikalische Bibliothek, I.4 [1738], S. 73ff.,(Quelle online)
  12. a b c d Vgl. Potter, Pamela: Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. Stuttgart 2000, S. 56.
  13. Potter: Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. S. 57.
  14. Richard Wagner: Das Judentum in der Musik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  15. Deutsches Rundfunkarchiv 1641062-18, -19, -20, 1890827-24, -25, -26 und -27.
  16. Müller-Blattau Joseph Maria in der Datenbank Saarland Biografien.
  17. Kurt Ehrenberg: Othenio Abel’s Lebensweg, unter Benützung autobiographischer Aufzeichnungen. Kurt Ehrenberg, Wien 1975, S. 85 f., ausgewertet bei Klaus Taschwer: Geheimsache Bärenhöhle. Wie ein antisemitisches Professorenkartell der Universität Wien nach 1918 jüdische und linke Forscherinnen und Forscher vertrieb. In: Regina Fritz, Grzegorz Rossoliński-Liebe, Jana Starek (Hrsg.): Alma mater antisemitica: Akademisches Milieu, Juden und Antisemitismus an den Universitäten Europas zwischen 1918 und 1939. Band 3, new academic press, Wien 2016, S. 221–242, hier S. 230 (online).
  18. Zitat von Fred K. Prieberg, abgedruckt bei Ernst Klee, Kulturlexikon. S. 48.
  19. a b c d Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 106.
  20. Thomas Phleps: Ein stiller, verbissener und zäher Kampf um Stetigkeit – Musikwissenschaft in NS-Deutschland und ihre vergangenheitspolitische Bewältigung. In: Isolde v. Foerster et al. (Hrsg.), Musikforschung – Nationalsozialismus – Faschismus, Mainz 2001, S. 471–488. online Uni Giessen
  21. Willem de Vries: Sonderstab Musik. Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940–45. Köln 1998
  22. Joseph Wulf: Musik im Dritten Reich, 1983, S. 177–178.
  23. Kurt Gudewill: Erinnerungen an die Semlersche Kapelle in Itzehoe und an Musiker aus dem Umkreis der Stadt. In: Steinburger Jahrbuch 31 (1987), S. 286–296, hier: S. 293.
  24. Kurt Gudewill: Erinnerungen an die Semlersche Kapelle in Itzehoe und an Musiker aus dem Umkreis der Stadt. In: Steinburger Jahrbuch 31 (1987), S. 286–296, hier: S. 292.
  25. Martin Gietzelt, Ulrich Pfeil: Dithmarschen im Dritten Reich 1933–1945. In: Verein für Dithmarscher Landeskunde (Hg.): Geschichte Dithmarschens. Boyens, Heide 2000, ISBN 3-8042-0859-2, S. 327–360, hier: S. 342.
  26. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, Kiel 2004, CD-Rom-Lexikon, S. 7796
  27. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 669.
  28. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 670.
  29. Raabe war 1932 zunächst angetan von der Aachener Aufführung von Bergs Wozzeck, 1938 widerrief er diese Auffassung: „Die Atonalität war eine Zeitkrankheit, der sehr begabte Künstler vorübergehend verfallen sind“ (Nina Okrassa: Peter Raabe. Dirigent, Musikschriftsteller und Präsident der Reichsmusikkammer (1872–1945), Böhlau Verlag, 2004, ISBN 3-412-09304-1 (Google Books, S. 101,308)).
  30. Sandra Meenzen, Wie ehemalige Nazis in der SED Karriere machten, in der Sächsischen Zeitung vom 21. Januar 2010, abgerufen am 27. September 2022
  31. music austria
  32. Das Rasseproblem in der Musik. Entwurf zu einer Methodologie musikwissenschaftlicher Rasseforschung, Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel/Berlin 1939 und 1944
  33. Rektoratsreden (HKM)
  34. Univ. Kiel (PDF; 38 kB)
  35. Christiane Niklew: Pischner, Hans. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  36. Matthias Braun: Kulturinsel und Machtinstrument: Die Akademie der Künste, die Partei und die Staatssicherheit. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2007, S. 375. Google-Books
  37. Tasten, Taten, Träume. Musik und Politik zwischen Utopie und Realität. Autobiographie. Henschel Verlag, Berlin 2006, S. 143.
  38. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 417.
  39. Inschrift Deutschordenshof, Singerstraße: Hans Joachim Moser 1963 (abgerufen am 10. Juni 2014)
  40. Josef Wulf: Kultur im Dritten Reich. Musik. 1989, S. 100, dort Wiedergabe des Schriftwechsels des Kampfbundes Deutscher Kultur mit Entlassungswünschen und Einstellungswünschen sowie Honorarfragen. Schreiben Steins für den Kampfbund vom 1. April 1933
  41. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 588.
  42. Zitiert auf der Homepage des Abgeordnetenhauses von Berlin, Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, anlässlich der Eröffnung des Louis-Lewandowski-Festivals am 20.12.2013 im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Berlin, abgerufen am 12. September 2022
  43. Frauen in der Musik Literatur bei worldcat.org
  44. Zum Hintergrund siehe: Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster (Hrsg.): Philosophische Geschlechtertheorien. Ausgewählte Texte von der Antike bis zur Gegenwart 2002.
  45. Homepage des deutschen Musikinformationszentrums, abgerufen am 9. September 2022
  46. Fragestellungen einer Tagung der Gesellschaft für Musikforschung im Oktober 2022 auf der Homepage https://www.musikforschung.de, abgerufen am 22. August 2022
  47. Monatshefte für Musikgeschichte. Berlin, 1891 (google.com [abgerufen am 10. Februar 2022]).
  48. Markus Stumpf, Herbert Posch, Oliver Rathkolb: Guido Adlers Erbe: Restitution und Erinnerung an der Universität Wien. V&R unipress GmbH, 2017, ISBN 978-3-7370-0721-4 (google.com [abgerufen am 10. Februar 2022]).
  49. Siehe auch hier.
  50. Die Gesellschaft. In: musikforschung.de. Abgerufen am 23. Dezember 2021.
  51. Jahrbuch Musikpsychologie bei der DGM. Abgerufen am 11. September 2022.
  52. [1] testcard beim Ventil Verlag