Vaals

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemeinde Vaals
Flagge der Gemeinde Vaals
Flagge
Wappen der Gemeinde Vaals
Wappen
Provinz Limburg Limburg
Bürgermeister Reg van Loo
Sitz der Gemeinde Vaals
Fläche
 – Land
 – Wasser
23,90 km²
23,80 km²
0,1 km²
CBS-Code 0981
Einwohner 9.599 (1. Apr. 2016[1])
Bevölkerungsdichte 402 Einwohner/km²
Koordinaten 50° 46′ N, 6° 1′ OKoordinaten: 50° 46′ N, 6° 1′ O
Bedeutender Verkehrsweg N278
Vorwahl 043
Postleitzahlen 6290–6295
Website www.vaals.nl
Lage von Vaals in den Niederlanden

Vaals (Zum Anhören bitte klicken! [f̠aːɫs]) ist der Name einer Gemeinde und eines gleichnamigen Ortes in dieser Gemeinde und befindet sich im äußersten Südosten der niederländischen Provinz Limburg, etwa 23 km östlich der Provinzhauptstadt Maastricht und 5,5 km westlich vom Stadtzentrum Aachens. Mundartlich wird Vaals „Vols“ genannt, die Einwohner nennen sich „Völser“.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vaals liegt direkt an der deutschen Grenze und geht in den Aachener Ortsteil Vaalserquartier über.

Die Grenzgemeinde besteht aus den drei Orten Vaals, Lemiers und Vijlen. Zu Vaals gehören die Siedlungen Raren und Wolfhaag, zu Lemiers Holset und Mamelis, zu Vijlen Camerig, Cottessen, Harles, Melleschet und Rott.

Auf dem Gemeindegebiet liegt der Vaalserberg, die höchste Erhebung der kontinentalen Niederlande. Seitdem die Karibikinsel Saba im Jahr 2010 offiziell eine Besondere Gemeinde der Niederlande geworden ist, gilt als der höchstgelegenste Punkt der Niederlande mit 877 m über dem Meeresniveau der dortige Vulkan Mount Scenery. Auf dem 322,50 m über NAP liegendem Vaalserberg befindet sich das Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande, welches zwischen 1839 und 1919 ein Vierländereck war. Ferner findet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Vaals, an der Straße nach Gemmenich (Belgien), der mit 275 m höchstgelegenste Grenzübergang der Niederlande.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehnshof St. Tolbert, die Keimzelle des Ortes Vaals

Die Gegend um Vaals war schon früh besiedelt. Grabhügel aus der Bandkeramischen Kultur (5300 bis 4900 v. Chr.) wurden bei Vijlen gefunden und Reste einer römischen Villa bei Lemiers. Ebenso wurden im Jahr 2016 im Rahmen von Tiefbaumaßnahmen Töpferscherben aus karolingischer Zeit geborgen.[2] Urkundlich wurde Vaals erstmals 1041 als Vaels (von lat. vallis = ‚Tal‘) erwähnt. Kaiser Heinrich III. schenkte laut dieser Urkunde Ländereien in Holset, Lemiers, Vijlen und Mamelis dem St.-Adalbert-Stift in Aachen, hier dialektisch St. Tolbert genannt. Der Lehnshof in Vaals, die „Keimzelle“ der Ortsentwicklung, existiert heute noch und ist Sitz des Heemkundekring Sankt-Tolbert Vaals. Durch die Bezeichnung in vallis sollte dieses Land deutlich abgegrenzt werden von Besitzungen auf den Hügeln (Berger Quartier).

Vom Mittelalter bis zur Napoleonischen Eroberung gehörten die Ländereien zum Herzogtum Limburg und zu Lehen an verschiedene Grundherren, die sie durch eine Hofgenossenschaft von Schöffen (sogenannte Laatbank) verwalten ließen. Während dieser Periode war die Grenze zum damaligen Aachener Reich durch den Aachener Landgraben befestigt. Er verlief vom Vaalserberg kommend hinunter ziehend zum Senserbach, weiter über Lemiers bis Mamelis und dann hinauf nach Orsbach und war an seinen Knickpunkten mit so genannten Adlersteinen markiert. An der Einmündung der Akenerstraat–Alte Vaalser Straße erinnert ein winziges Museum (Kleine Wache genannt, etwa 1 m²) an die Zeit, als die Grenzen noch nicht offen waren.

In der frühen Neuzeit wurde Vaals ein Industriestandort, besonders für die Tuch- und Nadelfabrikation. Dabei profitierte der Ort vor allem von dem rigiden Zunftrecht in der benachbarten Freien Reichsstadt Aachen mit seinen Einschränkungen bei der Niederlassungsfreiheit, der Technik, der Preisgestaltung und dem Personal. Dies hatte dazu geführt, dass vor allem Kupferschläger, Nadler und Tuchfabrikanten zu jenen Orten wechselten, wo sie ihr Gewerbe ohne diese Zunftauflagen betreiben konnten. Zudem war es die Zeit der ersten großen Aachener Religionsunruhen, die eine massive Auswanderung und Vertreibung von Aachener Bürgern mit evangelischem Glauben zur Folge hatte. Aus dieser Zeit stammen die Funde von Goldmünzen aus den Jahren 1454 bis 1466 und Silbermünzen aus den Jahren 1566 bis 1612, die im Jahr 2016 im Rahmen von Grabungen am von Clermontplein gefunden worden sind. Der Fund ist deshalb so wertvoll, da bisher in ganz Zuid-Limburg noch keine derartigen Goldmünzen gefunden worden sind[3]

Johann Arnold von Clermont, der Tuchbaron von Vaals

Prägend für die Region war der Aachener Textilfabrikant Johann Arnold von Clermont (1728–1795), der 1761 unter Druck der Gegenreformation seine Heimat verlassen musste. Er baute mehrere Betriebe und erwarb flächendeckend Grundbesitz in und um Vaals. Seine Produkte fanden europaweit Abnehmer bis zum russischen Zarenhaus. Darüber hinaus war Clermont der Erste, der sich maßgeblich mit der Kanalisation der verschiedenen Bäche beschäftigte, wovon nicht nur die Industrie, sondern auch die gesamte Bevölkerung profitierte und ein Großteil der vormals sumpfigen Wiesenflächen bebaubar wurden. Aber auch andere, eigentlich deutsche Unternehmerfamilien, wie beispielsweise Binterim, Peltzer, Troistorff und Tyrell sorgten in Vaals für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Offiziell Niederländisch wurde Vaals erst 1815 durch den Wiener Kongress, der Aachen Preußen zuschlug und Vaals dem Königreich der Niederlande. Als Belgien sich 1830 für unabhängig erklärte, wurde Vaals vorübergehend von 1830 bis 1839 belgisch, und danach erneut niederländisch.

Am 10. Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Vaals ein. In das Eckhaus Prins-Bernhardstraat/Maastrichterlaan, in dem sich heute eine Arztpraxis befindet, zog die NSDAP-Ortskommandatur ein. Vorher war dort bereits die Ortsgruppe Vaals der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung (NSB) beheimatet.[4]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

heutige St. Paulus-Kerk, Kerkstraat

Als Vorläufer der heutigen St. Paulus-Kerk werden bereits zum Ende des 11. Jh. in einer Auflistung der Reichsgüter des Aachener Marienstiftes Kirchen in Gemmenich und Vaals genannt. Eine andere Quelle (vor 1200) nennt bei den Reichsgütern von Gemmenich unter anderem zwei Kapellen, die in Montzen und Vaals gelegen sein sollen. Erst um 1266 und erneut um 1280 wird eine Kirche erwähnt, die an einem alten Gemeindeturm angebaut worden war.

gemeinschaftlich genutzter katholischer Glockenturm

Dieser Turm im romanischen Stil an der Ecke Kerkstraat/Bergstraat ist das älteste, noch erhaltene Gebäude in der Gemeinde Vaals. Außer seiner neuen Eigenschaft als Kirch- und Glockenturm diente er lange Zeit als Wacht- und Verteidigungsturm sowie in mehreren Perioden als Gefängnis. Außerdem haben dort zwischen 1580 und 1660 sowohl katholische Pfarrer und Schulmeister als auch evangelische Prediger ihre Wohnung gehabt. Bis 1967 gehörte der Kirchturm sowohl zur katholischen Kirche als auch zur 1672 an der Nordseite angebauten Hervormde Kerk und wird auch nach dem Abriss der katholischen Kirche im Jahr 1967 weiterhin von der evangelischen Kirche betrieben, obwohl er Eigentum der römisch-katholischen Kirchengemeinde ist.

Katholisch St. Paulus-Kerk (rechts) und Hervormde Kerk mit gemeinsamen Glockenturm

Die im 13. Jahrhundert ostseitig an dem Turm angebaute katholische Kirche, die Anhand der Glockeninschrift von 1406 auf den Apostel Paulus getauft worden, diente von 1649 bis 1663 zusammen mit der neu gegründeten Niederdeutsch-reformierten Gemeinde zunächst als Simultankirche und dann vorübergehend bis zur Einweihung deren neuen Hervormde Kerk im Jahr 1672 ausschließlich als protestantische Kirche. Dennoch konnte die katholische Gemeinde ihre nun wiedererlangte Kirche aufgrund der zunehmenden Baufälligkeit nur eingeschränkt nutzen und sie erhielten schließlich 1751 die Genehmigung, an gleicher Stelle eine neue Kirche zu errichten, die aufgrund der gewachsenen Anzahl der Gemeindemitglieder bereits 1833 maßgeblich um- und ausgebaut werden musste. Schließlich wurde auch diese zu klein und es kam 1892 und etwa 200 m entfernt an der unteren Kerkstraat zum Neubau der heutigen neugotischen St. Paulus-Kirche nach Plänen des Maastrichter Architekten J. Kaiser. Der alte Kirchenbau diente noch längere Zeit als Veranstaltungsraum und wurde 1967 endgültig niedergerissen und das Areal zum Parkplatz umgebaut.

Als katholische Pastorei diente von den Anfangsjahren im 13. Jahrhundert bis zum Bau der heutigen St. Paulus-Kirche ein altes Haus direkt am alten Grenzübergang Kleine Wache in der Akerstraat 2–4, von dem heute nur noch die Grundfundamente vorhanden sind und auf dem ein neues Wohnhaus errichtet wurde. Im Zuge des Kirchenneubaus übernahm die Pfarre ein vor dem Portal stehendes altes Haus als neue Pastorei.

ehemalige St. Jozefkerk

Im Jahr 1956 erhielt Kaplan Peters von der St. Paulus-Kirche den Auftrag, eine zweite Pfarrkirche in Vaals zu planen. Die katholische Gemeinde kaufte ein Terrain nördlich der Maastrichter Laan und ließ dort die St. Jozefkerk nach Plänen des Architekten Jan Huysmans errichten. Der Grundstein wurde am 29. April 1956 gelegt und die Kirche am 28. April 1958 eingeweiht. Bereits am 19. Juni 2000 wurde sie aufgrund zurückgehender Gemeindemitglieder geschlossen und die Glocken entfernt. Heute stehen auf dem Platz eine Schule, eine Bibliothek und Wohnhäuser

Protestantische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1558 wurde in Aachen eine reformierte Gemeinde mit französischer Liturgiesprache gegründet, der überwiegend Kupfermeister aus der Wallonie und Frankreich beitraten, die um 1554 vor den Truppen des Herzogs von Alba geflohen waren. Nachdem die Freie Reichsstadt Aachen sich dann im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 zum katholischen Glauben bekannt hatte, wurden dort nach und nach die reformierten Gottesdienste verboten und die Prediger der neuen Konfession ausgewiesen. Viele zogen daraufhin nach Burtscheid, Stolberg und nach Vaals, wo die Religionsausübung nicht in diesem Maße eingeschränkt war, und hielten dort ihre Gottesdienste ab. Aber nicht nur die in Aachen und Umgebung wohnenden französisch sprechenden Reformierten, sondern auch zahlreiche religiös Verfolgte aus dem Eupener Raum, hier Geusen genannt, besuchten regelmäßig die Gottesdienste in Vaals, anfangs in Privatwohnungen. Noch heute zeugt der „Geusenweg“ in Vaalserquartier von dieser wechselvollen Geschichte.

Waalse Kerk vor 1850 (Blick von der „Alten Wache“, im Hintergrund der gemeinsame Turm der früheren St.-Paulus-Kerk und der Hervormde Kerk)

In der Frühen Neuzeit gehörte der Ort Vaals zur Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, auch Generalstaaten genannt, die im Rahmen des Westfälischen Friedens von 1648, der sowohl den Achtzigjährigen Krieg als auch den Dreißigjährigen Krieg beendet hatte, aus dem Heiligen römisches Reich (HRR) ausgeschieden waren. In den Generalstaaten herrschte im Gegensatz zum HRR, in dem die römisch-katholische Konfession bis zum Ende des Alten Reiches um 1794 die allein vorherrschende Religion blieb, eine weitgehende Toleranz gegenüber dem Protestantismus, der hier vor allem calvinistisch geprägt war.

Erst jetzt war es offiziell möglich, dass sich in Vaals zunächst 1649 die Französisch-Reformierte Gemeinde gründete, die 1667 die Waalse Kerk in der Akener Straat erbauen ließ. Diese Kirche hatte bis 1803 Bestand und wurde dann von der Hochdeutsch-Reformierten Gemeinde gekauft, die den Bau 1837 entwidmete und einem Bäcker weiterverkaufte. Die traditionell Französisch-Reformierten Gläubigen trafen sich fortan im Keller des gegenüberliegenden Gebäudes in der Kerkstraat 31/Ecke Akener Straat, heute Haus Schatulle (Schatzkästchen), wo sie noch über einen längeren Zeitraum ihre Gottesdienste abhielten.

Hervormde Kerk - Ostseite

Als weitere protestantische Gemeinde gründete sich am 21. März 1649 die Hochdeutsch-Reformierte Gemeinde, der besonders zahlreiche protestantische Bewohner aus Aachen und Burtscheid beitraten. Bis zum Jahr 1663 teilten sich die Reformierten mit der katholischen Gemeinde deren St. Paulus-Kirche als Simultankirche, die sie dann bis 1672 auf Veranlassung der Generalstaaten vorübergehend ganz übernahmen. Schließlich erhielten sie die Genehmigung zum Bau ihrer eigenen Hervormde Kerk, die nordseitig an dem katholischen Glockenturm angebaut und 1672 eingeweiht wurde. Die dazu gehörende Pastorei wurde 1716/1717 von dem Aachener Architekten Laurenz Mefferdatis in unmittelbarer Nachbarschaft gebaut. Seit jener Zeit konnte die reformierte Gemeinde weitestgehend ungestört ihre Gottesdienste in der Hervormde Kerk abhalten, die mittlerweile der Kirchengemeinde Maas-Heuvelland in der Protestantischen Kirche in den Niederlanden angehört.

De Kopermolen

Darüber hinaus gründete sich Mitte des 17. Jahrhunderts auf Initiative von Johannes Clermont (1612–1682) eine lutherische Gemeinde, die ab 1669 die ersten ungestörten Gottesdienste in einem Zimmer der Gaststätte Römer in Vaals abhalten konnten. Sein Sohn Esaias Clermont (1647–1706) erwarb im Jahr 1695 den Kupferhof Vaals auf dem heutigen von Clermontplein 11 und richtete in diesem Gebäude einen Raum für Gottesdienste und Andachten der lutherischen Gemeinde von Aachen und Burtscheid in deutscher Sprache ein. Dessen gleichnamiger Enkel Esaias (1698–1751), Erb- und Gerichtsherr zu Schloss Neuburg sowie Vater des späteren Tuchbarons von Vaals, Johann Arnold von Clermont, ließ für die lutherische Gemeinde neben seiner Kupfermühle schließlich ein Gotteshaus nach Plänen des Ingenieur-Majors von Littig bauen. Für diesen Kirchenbau musste der westlich des Innenhofes liegende Trakt des zuvor dreiflügeligen Kupferhofes abgerissen werden. Dieser lutherische Kirche sollte rein äußerlich so wenig wie möglich einer Kirche gleichen, um in Zeiten der Religionsunruhen die römisch-katholische Kirche nicht zu sehr zu provozieren. Bis 1955 diente De Kopermolen als Kirchenhaus und wurde dann zu einem Kulturzentrum umgebaut und ist derzeit Sitz des Centrums voor Kunst en Cultuur Vaals

Darüber hinaus existierte zu Beginn des 17. Jh. noch eine kleine Mennonitengemeinde, die sich ebenfalls aus Vertriebene aus Aachen und Burtscheid zusammensetzte und sich in einem kleinen Haus im Ort trafen. Um 1740 richtete sie in einem Gebäudekomplex gegenüber dem später, im Jahr 1761 erbauten Stammhaus der Familie Johann Arnold von Clermont ein eigenes Gotteshaus ein, welches sie nur bis etwa 1780 betrieben. Um diese Zeit hat Clermont dieses Haus übernommen und hier eine Weberei und Färberei eingerichtet, weshalb die Vaalser das Haus heute als Haus Verves (Färberei) bezeichnen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Rathaus Vaals
Neues Gemeindehaus Vaals

Die Politik von Vaals wird geleitet von einem gewählten Bürgermeister, der in dieser Eigenschaft sowohl der Vorsitzende des aktuell 13-köpfigen Gemeinderates aus gewählten Parteimitgliedern ist als auch des College van burgemeester en wethouders bestehend aus drei Beigeordnete. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist seit seinem Umbau in den Jahren 1975 bis 1979 das Clermonthauses, das vormalige Stammhaus der Tuchfabrik Johann Arnold von Clermont und später Ignaz Tyrell.

Vaals ist der Ort in den Niederlanden mit dem höchsten Einwohneranteil deutscher Staatsbürger (26 %). Bei den Kommunalwahlen am 7. März 2006 wurde mit Georg Götz erstmals in den Niederlanden ein deutscher Staatsbürger in einen Gemeinderat gewählt – zuerst für die lokale Partei „Burgerbelang“ (Bürgerinteressen), die er 2007 verließ, und erneut bei den Kommunalwahlen am 3. März 2010 für seine neue eigene Partei „Betaalbaar & Duurzaam Vaals“ (B&DV; etwa: Bezahlbares & Nachhaltiges Vaals). Für „Vrij & Onafhankelijk“ (V&O; Frei & Unabhängig) nimmt seitdem auch Babette Lemmer als weitere Deutsche Platz im Vaalser Gemeinderat. Seit der letzten Kommunalwahl im Jahr 2014 wird Vaals von einer Koalition aus V&O (3 Sitze), Partij van de Arbeid (PvdA; Sozialdemokraten, 2 Sitze) und B&DV (2 Sitze) verwaltet.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurhaus, Ballsaal und Kurhotel Vaals

Nach 1840 stagnierte die industrielle Entwicklung, bedingt durch zunehmende Konkurrenz und politische Isolierung vom deutschen und belgischen Hinterland. Vaals wurde nun zum Erholungs- und Entspannungsort für die Aachener; man sprach vom „Vaalser Paradies“. Zu diesem Zweck erhielt Vaals 1898 ein Kurhaus mit angrenzendem Konzertsaals im Auftrag der Aachener Brauerei Dittmar & Sauerländer. Dazu wurde ferner das benachbarte alte Haus Binterim, 1790 von Joseph Moretti erbaut und Wohnhaus des Bürgermeisters Carl von Clermont und des Tuchfabrikanten Theodor Binterim, Ende des 19. Jahrhunderts zum Kurhotel umgebaut.

Alter Grenzübergang Kleine Wache

Für diesen Aufschwung hatte vor allem der um 1825 fertiggestellte Bau einer neuen geradlinigen und breiten Durchgangsstraße, der heutigen Maastrichter Laan, gesorgt. Zuvor quälte sich der Durchgangsverkehr über die alte Trasse, die von Aachen kommend in Vaalserquartier von der heutigen Vaalserstraße abzweigte und als "Alte Vaalser Straße" die vormalige Grenze Kleine Wache passierte. Danach verlief die Durchgangsstraße über die schmalen und unbefestigten Dorfstraßen weiter mit den heutigen Namen Akener Straat, Bergstraat, Bloemendalstraat, Vaalser Hagweg, Heuvelweg zum Oude Aker Weg in Richtung Vijlen.

Bedingt durch die neue Maastrichter Laan gab es ab 1889 eine Pferdebahn nach Aachen, die 1895 zur ersten elektrischen Straßenbahn in den Niederlanden wurde. 1925 baute die Limburgsche Tramweg Maatschappij (LTM) eine Dampfstraßenbahnlinie von Vaals über Wijlre nach Maastricht, wodurch der deutsche Grenztourismus in der Weimarer Republik zunehmend in Gang kam. Außerdem gab es eine Umsteigemöglichkeit in die Aachener Straßenbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhr die Aachener Straßenbahn nur noch bis zur Grenze in Vaalserquartier; sie wurde als letzte Straßenbahn im Raum Aachen 1974 eingestellt. Heute verkehren Linienbusse des AVV sowie aus Belgien grenzüberschreitend nach Vaals.

Grenzübergang um 1960

Seit 1948 blühte die Wirtschaft wieder auf. Die Aachener nutzten Vaals, wegen der im Vergleich zu Deutschland günstigeren Preise, bevorzugt wieder zum Einkaufen, den sogenannten Butterfahrten. Ende der 1960er-Jahre lohnte sich der Lebensmitteleinkauf (und damit dessen Schmuggel nach Deutschland) nicht mehr sonderlich, da durch die 1957 gegründete Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sich die Lebensmittelpreise allmählich anpassten. Allerdings waren Kaffee, Tee und besonders Zigaretten lange Jahre noch wesentlich billiger als in Deutschland, und deshalb florierte dieser „grenzübergreifende Handel“ außerordentlich gut – und damit auch der Schmuggel. Benzin- und Dieselkraftstoffe waren so billig, dass es sich nicht nur für die Aachener Bevölkerung, sondern weit bis in den Kölner Raum hinein lohnte, zum Tanken über die Grenze zu fahren und gleichzeitig noch groß einzukaufen. An Samstagen konnte man oft einen Fahrzeugrückstau vom Grenzübergang ein bis zwei Kilometer in Richtung Aachen beobachten. Diesen Jahrzehnte andauernden Umständen war es zu verdanken, dass die Gemeinde Vaals durch solchen Handel einen recht bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Erst die Grenzöffnung 1969 sowie in der Folge mit dem Schengener Abkommen und schließlich der Einführung der gemeinsamen Währung des Euro entwickelten sich die Preise für diese Güter auf ein in etwa gleich hohes Niveau wie in Deutschland.

Ökonomisch betrachtet ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle für Vaals, seitdem ab den 1960er Jahren erst die benachbarte Kohlenindustrie und danach auch die Textilindustrie verloren ging. Die meisten Einwohner pendeln heute zur Arbeit in die größeren Nachbarstädte Heerlen, Kerkrade und Maastricht sowie nach Aachen und Umgebung. Ein Sechstel der Bevölkerung ist nach dem aktuellen nationalen Armutsmonitor in den Niederlanden als arm eingestuft.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei(Vier)ländereck (Drielandenpunt) Belgien, Deutschland, Niederlande (und Neutral-Moresnet) auf dem Vaalserberg

Touristisch bietet Vaals mit Gebäuden überwiegend aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und den Kunstwochen Tri-Arte (Bildende Kunst, Literatur, Musik) im Juli Kulturelles an. Mit Grenzen zu Belgien und Deutschland sowie dem Dreiländereck werden alte Schmugglerrouten in den Naturgebieten und im kleinsten Museum der Niederlande (limburgisch: De Kleng Wach, deutsch: Die kleine Wache) wieder lebendig. 2006 wurde das Naturreservat Cottessen zum schönsten Naturgebiet der Niederlande erklärt. Die Kirche von Vijlen ist darüber hinaus die höchstgelegene Kirche der Niederlande.

Neben Radfahrwegen und Wanderrouten gibt es im Gebiet um das Dreiländereck mehrere Golfplätze. Historische Besitzungen des Textilfabrikanten Johann Arnold von Clermont, wie Schloss Vaalsbroek und Schloss Blumenthal, wurden zu gehobenen Hotels umfunktioniert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter:

  • Willi Hoss (1929–2003), deutscher Gewerkschafter und Politiker

Personen mit Beziehung zur Stadt:

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Marskrater mit einem Durchmesser von 10,6 km wurde nach Vaals benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolph Vaessen: Die Geschichte von Vaals. (Online-Text)
  • Andreas Lechtape: Abdij S. Benedictusberg, Vaals. 2. Auflage. Deutsche Ausgabe. (= Kunstführer; Nr. 1886). Schnell und Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-5604-5.
  • J. F. van Agt: Zuid-Limburg. Vaals, Wittem en Slenaken (= De Nederlandse Monumenten van Geschiedenis en Kunst.). Staatsuitgeverij, 's-Gravenhage 1983, ISBN 90-12-04096-5 (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand April 2016Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Martina Stöhr: Archäologen machen bei Bauarbeiten am Königin Julianaplein in Vaals ínteressante Entdeckungen. In: Aachener Nachrichten vom 23. Juni 2016
  3. Martina Stöhr: Archäologen machen bei Bauarbeiten am Königin Julianaplein in Vaals ínteressante Entdeckungen. In: Aachener Nachrichten vom 23. Juni 2016
  4. Gemeente Vaals eigenaar van ’t Vereinshoes, Abschnitt Invloed Tweede Wereldoorlog auf vaals.nl/actueel vom 9. Januar 2015
  5. Ergebnisse Kommunalwahlen 2014 in Vaals (Ort in Suchleiste eingeben)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vaals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Vaals – Reiseführer