Plombières

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Plombières (Begriffsklärung) aufgeführt.
Plombières
Plombières (Lüttich)
Plombières
Plombières
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Lüttich
Bezirk: Verviers
Koordinaten: 50° 44′ N, 5° 58′ OKoordinaten: 50° 44′ N, 5° 58′ O
Fläche: 53,18 km²
Einwohner: 10.279 (1. Jan. 2016)
Bevölkerungsdichte: 193 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4850 (Montzen, Moresnet)
4851 (Gemmenich, Sippenaeken)
4852 (Homburg)
Vorwahl: 087
Bürgermeister: Thierry Wimmer (URP)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Administration communale
Place du 3ème millenaire, 1
4850 Plombières
Website: www.plombieres.be
lwlflblelslh

Plombières (Bleiberg oder Bleyberg; auf Ersuchen des Ortes wurde Bleyberg 1919 durch kgl. Beschluss der Ortsname Plombières gegeben) ist eine politische Flächengemeinde in Belgien. Die Gemeinde ist Teil des Dreiländerecks zwischen dem belgischen Königreich, der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande. Sie hat 10.279 Einwohner (Stand 1. Januar 2016) und gehört zur Wallonischen Region, zur Provinz Lüttich und zum Arrondissement (Bezirk) Verviers. Sie gehört ebenso zur Euregio Maas-Rhein.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der Gemeindegrenzen ist mit der Staatsgrenze identisch. Die Gemeinde liegt etwa 12 km westlich von Aachen (D), 17 km nördlich von Eupen (B), etwa 40 km östlich von Lüttich/Liège (B), 20 km östlich von Verviers (B) und 33 km südöstlich von Maastricht (NL) entfernt.

Die Nachbargemeinden/-städte sind in Belgien: Kelmis, Lontzen, Aubel, Welkenraedt, Teuven/Voeren, sowie in den Niederlanden: Vaals und Gulpen-Wittem und in Deutschland Aachen.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flusstal an der Göhl

Die Gemeinde ist ländlich geprägt, doch zeichnet sie sich verkehrsmäßig durch ihre große Nähe zu den drei auch überregional bedeutenden Großstädten Lüttich (B), Aachen (D) und Maastricht (NL), der Bezirkshauptstadt Verviers (B) und Eupen (B), der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, aus.

Ein beliebter regionaler Ausflugsort ist das Dreiländereck B-D-NL auf dem Vaalserberg mit Ausflugslokalen, dem Aussichtsturm Tour Baudouin / Balduinturm – zu Gemmenich gehörend, ca. 50 m auf belgischer Seite – auf niederländischer Seite mit dem größten Labyrinth Europas und, nur 30 m vom Drielandenpunt entfernt, dem höchsten Punkt der europäischen Niederlande, zu Vaals gehörend, sowie vielen Wandermöglichkeiten im Aachener Wald in und durch alle drei Staaten. Durch den Ort fließt die Göhl in einem Flusstal, sie mündet später in den Niederlanden in die Maas. Für den früheren Bleibergbau im Ort wurde ihr Flusslauf dauerhaft verlegt. Hierfür wurde ein Tunnel durch einen Felsen gesprengt; heute fließt die Göhl durch denselben über ein kleines Sperrwehr und einen künstlichen Wasserfall.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Plombières

Plombières besteht aus neun Ortsteilen:

  • Plombières (Bleiberg/Bleyberg)
  • Moresnet bzw. Moresnet-Village (Village, französisch für ‚Dorf‘) (1975 eingemeindet)
  • Moresnet-Chapelle (Gemeindeteil von Moresnet), auch: Eikschen (a gen Eikske) genannt.
  • Hombourg (Homburg) (1977 eingemeindet)
  • Gemmenich (1977 eingemeindet)
  • Völkerich (Gemeindeteil von Gemmenich)
  • Montzen (1977 eingemeindet)
  • Montzen-Gare (Gare frz. ‚Bahnhof‘) (Gemeindeteil von Montzen)
  • Sippenaeken (Sippenaachen) (1977 eingemeindet)

Die Postleitzahlen von Plombières lauten: 4850, 4851 und 4852.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Madonna von Moresnet

Die Gemeindegrenzen von Plombières (siehe auch Französische Gemeinschaft Belgiens) grenzen innerbelgisch an die Sprachen- und Regionengrenzen der Deutschsprachigen Gemeinschaft und flämischen Gemeinschaft Belgiens.

Plombières gehört zu den sogenannten Plattdeutschen Gemeinden. Viele Einwohner von Plombières sind mehrsprachig und sprechen zwei bis drei Sprachen. Die Autochthonen sprechen als Muttersprache zu einem Teil eine Variante des Ripuarischen und Hochdeutsch, zum anderen aber auch eine niederrheinisch bis niederländisch gefärbte limburgische Mundart des Niederfränkischen (bzw. Rheinmaasländischen). Eine Mischform stellt etwa das Gemmenicher Platt dar. Außerdem wird zugleich eine wallonische Mundart und das Französische gepflegt. Hochdeutsch war die Schul- und Kirchsprache bis 1918. Seit der Abstimmung über die sprachliche Zuordnung in Belgien im Jahre 1963 ist Französisch die Amtssprache in Plombières. Aus den Betrachtungen der Sprachforschung heraus stellt Plombières ein hochinteressantes Gebiet dar.

In früheren Zeiten lebten die Bewohner Bleybergs vom Bergbau. Erste Erwähnungen des Bleiabbaus stammen aus dem 14. Jahrhundert. Am 23. Juni 1825 erhielten die Brüder John und James Cockerill die Konzession für das Bergwerk Bleyberg.[1] Nach dem Tod der Brüder wurde durch deren Nachlassverwalter Barthold Suermondt eine neue Gesellschaft unter der Bezeichnung Société du Bleybergen Belgique gegründet, die dann am 8. Juli 1846 in Compagnie des Mines et Fonderies du Bleyberg („Gesellschaft der Bergwerke und Gießereien Bleyberg“) umfirmiert wurde und im gleichen Jahr auf deutscher Seite auch die Bleihütte Münsterbusch bei Stolberg einrichtete. Die letzte Zeche in Plombières wurde 1975 geschlossen und die Gemeinde leidet seither unter einer hohen Arbeitslosigkeit und einem vermehrten Fortzug gerade von jungen Menschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Neutral-Moresnet (1815 - 1919)

Plombières blickt als Grenzgemeinde auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Es liegt in einer Mittelgebirgslandschaft in den Ausläufern der Ardennen und der Eifel.

Plombières hält in ganz Belgien einen politischen Rekord: Am 4. Dezember 2006 wurde Thierry Wimmer zum Bürgermeister von Plombières gewählt. Er war mit 22 Jahren zum Zeitpunkt seiner Wahl der jüngste Bürgermeister Belgiens.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalvarienberg von Moresnet, 12. Station: „Jesus stirbt am Kreuze“
Eisenbahn-Viadukt von Moresnet

Moresnet-Chapelle oder Eikchen, auch a gen Ekske (‚an der kleinen Eiche‘) genannt, ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts als Wallfahrtsort mit seinem Gnadenbild, welches ursprünglich an einer Eiche stand, der Wallfahrtskirche und dem zwischen 1901 und 1903 von den Bürgern parkartig angelegten Kreuzweg von regionaler Bedeutung. Der Kalvarienberg (Kreuzweg) mit 14 Stationsbildern von Wilhelm Albermann wurde bis zum 31. Dezember 2005 von Franziskanern der Kölnischen Franziskanerprovinz betreut. Die Franziskaner waren 1875 nach Moresnet gekommen, als der Preußische Staat im Kulturkampf die Ordensgemeinschaften verbot. Das Kloster wird in eine katholische Begegnungsstätte umgewandelt[2].

In Moresnet-Village überspannt der Göhltalviadukt, einer der längsten europäischen Eisenbahn-Viadukte, das Tal der Göhl, mit einer Länge von 1120 m und einer Höhe von bis zu 58 m. Er wurde 1916 erbaut, als der Ort von den Truppen des kaiserlichen deutschen Reiches besetzt war; von 2002 bis 2004 wurde der Viadukt aufwändig restauriert.

Schloss Alensberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsausgang, in unmittelbarer Nähe zum Göhltalviadukt und zum ehemaligen Bleibergwerk befand sich Schloss Alensberg. Es wurde 1823 von Arnold Timothée de Lasaulx an James Cockerill verkauft, dieser vermachte es später testamentarisch seiner Tochter Caroline (1819–1867) und ihrem Ehemann Karl Suermondt (1822–1902), einem Bruder von Barthold, übertrug. Nach Karls Tod ging das Anwesen zunächst auf seinen Sohn Armand Suermondt (1849–1921) über, der das Schloss aufwändig restaurierte. 1921 erhielt es dessen Bruder Arthur Suermondt (1845–1922), der jedoch nur ein Jahr später verstarb. Seine Familie gab das Anwesen daraufhin zum Verkauf frei.[3] Im September 1944 wurde das Schloss bei der Sprengung des nahegelegenen Viadukts derart in Mitleidenschaft gezogen, dass die Besitzer es bis auf den mittelalterlichen, fünfstöckigen Wohnturm und das dazugehörende Bauernhaus abrissen. Der Wohnturm und die Umfassungsmauern wurden ab 2015 wieder instand gesetzt.[4]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bergbaugesellschaft Bleyberg. S. 36
  2. Kirche, Kapelle und Calvaire von Moresnet-Chapelle
  3. Aufzeichnungen über Karl und Caroline Suermondt
  4. Schloss Alensberg auf trois-frontieres.be