Ammergauer Alpen

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Ammergauer Alpen
Blick von der Zugspitze zum Ammergebirge mit Eibsee im Vordergrund

Blick von der Zugspitze zum Ammergebirge mit Eibsee im Vordergrund

Höchster Gipfel Daniel (2340 m ü. A.)
Lage Grenze Bayern / Tirol
Teil der Nördliche Kalkalpen
Einteilung nach AVE 7a
Koordinaten 47° 26′ N, 10° 53′ O47.43305555555610.882340Koordinaten: 47° 26′ N, 10° 53′ O
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Die Ammergauer Alpen, auch Ammergebirge genannt, sind eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den bayerischen Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben und im Tiroler Bezirk Reutte (Außerfern). Sie umfassen ein Gebiet von etwa 30 x 30 km. In ihrer Mitte entspringt der namensgebende Fluss Ammer. Der höchste Gipfel ist mit 2340 Metern der Daniel. Die Landschaft ist ausgesprochen dünn besiedelt, umfasst aber einige weithin bekannte Sehenswürdigkeiten: die Königsschlösser Neuschwanstein und Linderhof, das Kloster Ettal sowie die Wieskirche.

Geografie und touristische Infrastruktur[Bearbeiten]

Anteil an den Ammergauer Alpen haben die Länder Deutschland (etwa ¾ der Fläche) mit dem Freistaat Bayern sowie Österreich mit dem Bundesland Tirol. Die Ortschaften Füssen, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Ehrwald und Reutte umrahmen dieses Gebirge. Die Ammergauer Alpen sind wegen der vergleichsweise geringen Höhe ihrer Gipfel und der Lage am Nordrand der Alpen mit ihrer Nähe zu den Ballungszentren Süddeutschlands ein ideales Gebiet für durchschnittliche Bergwanderer. Die meisten Gipfel sind als Tagestouren von den Talorten aus erreichbar. Daraus resultiert eine nur kleine Zahl an Alpenvereinshütten. Auch die Erschließung mit Bergbahnen ist gering. Lediglich in den nördlichen Randbereichen existieren zwei Seilbahnen (Tegelberg, Laber Bergbahn) sowie drei Sessellifte (Buchenberg, Vorderes Hörnle, Kolbensattel). Im zentralen und südlichen Bereich fehlen Bergbahnen und Unterkunftshütten vollständig. Lediglich eine Busverbindung befördert Wanderer auf die privat geführte Kenzenhütte. Die Grenze zwischen den bayerischen Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben, die zugleich die Landkreisgrenze zwischen dem Garmisch-Partenkirchen und dem Ostallgäu ist, verläuft von Süd nach Nord durch die Ammergauer Alpen.

Panorama-Blick auf die Ammergauer Alpen (links im Bild zu sehen ist Wildsteig, Ortsteil Morgenbach)
Panorama-Blick vom Eibsee auf die Ammergauer Alpen

Geologie[Bearbeiten]

Geologisch sind die Ammergauer Alpen zum großen Teil aus Hauptdolomit aufgebaut, der markante Gipfel wie die Kreuzspitze bildet. Generell besteht der ganze südliche Abschnitt des Gebirges großflächig aus Dolomit mit kleinen Anteilen an Plattenkalk, weswegen er verhältnismäßig monotone Formen zeigt. Abwechslungsreicher mit einem komplizierten Wechsel in der Schichtfolge der Gesteine ist der nördliche Teil. Hier gibt es neben dem Dolomit kleinere Bereiche, in denen der Wettersteinkalk dominiert. Die Hochplatte sowie der Säuling sind die eindrucksvollsten Berge aus diesem Gestein. Zusätzlich bereichern kleinflächig Tonsteine, Mergel, Sandsteine, Radiolarite, Konglomerate und Kieselkalke das Landschaftsbild. Nahe am Alpenrand tritt jedoch der Flysch flächendeckend in Erscheinung (Hohe Bleick, Hörnle). Der Flysch bildet wegen seiner Erosionsanfälligkeit runde, häufig bis oben bewaldete Berge mit Mittelgebirgscharakter.

Die große Verbreitung von Dolomit verursacht eine typische Erscheinung der Ammergauer Alpen: Gewaltige Schuttströme aus Dolomitschutt, dem sogenannten Gries, die ganze Täler verschütten (Graswangtal). Die intensivste Schuttanreicherung findet man im Bereich der Kreuzspitze und in den Nordflanken des südlichen Hauptkamms. Das Friedergries und das Lindergries stellen bemerkenswerte Schuttflächen im Talbereich dar. Eine Besonderheit stellt der Kessel dar, ein großer Dolinentrichter im Bereich des Hasentalkopfs, der durch Gesteinslösung eingetieft wurde.

Naturschutz[Bearbeiten]

Naturschutzgebiet Ammergebirge: Blick vom Branderschrofen (1880 m) nach Osten zur Hochplatte (links der Geiselstein, in der Bildmitte die Hochplatte)

Das Ammergebirge ist ein relativ naturnahes, wenig erschlossenes Gebirge mit sehr geringer Bevölkerungsdichte geblieben. Es ist das größte bayerische Naturschutzgebiet. Gegenwärtig wird die Ausweisung eines Nationalparks im Ammergebirge diskutiert. Als Kerngebiet sind etwa 23.000 ha Fläche aus dem Besitz des Freistaates Bayern vorgesehen.[1][2]

Pflanzenwelt[Bearbeiten]

Aufgrund der ständigen Bewegung der Griese sind sie auch ökologisch von hohem Wert, denn diese Dynamik ermöglichst die Existenz von seltenen Pflanzen. Im Friedergries wächst z. B. die seltene Baumart Spirke, die ausschließlich bei häufiger Schuttbewegung konkurrenzfähig ist. Außerdem kommen zahlreiche weitere seltene Pflanzen vor. Die vor allem südalpischen Pflanzenarten Soldanella minima ssp. minima (Eisglöckchen) und die Monte-Baldo-Segge besitzen in den Ammergauer Bergen ihre einzigen Vorkommen in den Nordalpen. Von internationaler Bedeutung sind die vielfältigen Hoch- und Niedermoore. Sehr wertvoll sind auch bestimmte Waldgesellschaften wie einzigartige Block- und Schluchtwälder oder Buntreitgras-Kiefernwälder. Extensive Wiesennutzungen wie Magerrasen, Feuchtgrünland und Borstgrasrasen bereichern zusätzlich die Flora.

Seen[Bearbeiten]

Mit dem Plansee und dem Heiterwanger See weisen die Ammergauer Alpen zwei der schönsten Seen von Tirol auf. Die Seen befinden sich in Tallage (eine Seltenheit in den Nördlichen Kalkalpen) und sind fjordartig in die bewaldeten Berghänge eingeschnitten. Ihre Ufer sind nahezu unbebaut. Weitere Seen gibt es am Nordwestrand des Gebirges (Alpsee, Schwansee, Bannwaldsee).

Moore[Bearbeiten]

In den Ammergauer Alpen wird an etwa zwei Dutzend Moorlöchern alpines Bergkiefern-Hochmoor abgebaut und an Kurbetriebe und Wellness-Hotels der Region geliefert. Das Moor der Ammergauer Alpen enthält Substanzen, die Stoffwechsel und Hormondrüsen anregen sollen und weist einen erhöhten Gehalt an Fulvin- und Ulminsäuren auf. Die Moose und Filze im Ammertal und seiner Nachbarschaft sind der letzten Eiszeit zu verdanken, die vor etwa 10.000 Jahren zu Ende ging.[3]

Wirtschaft und Kultur[Bearbeiten]

Die landschaftsprägendste menschliche Nutzung ist die Forstwirtschaft, die die natürliche Zusammensetzung der Wälder z. T. stark verändert hat und ein ziemlich dichtes Forststraßennetz aufgebaut hat. In manchen Bereichen (z. B. am Friederspitz) verursacht eine zu intensive Schafbeweidung Probleme wegen der Zerstörung durch Erosion von alpinen Grashängen. Im Gegensatz zu den benachbarten Gebirgsgruppen im Westen und Südwesten weisen die Ammergauer Alpen nur wenige Wiesen und Almen auf. Der größte Teil des Gebirges ist mit Wald bedeckt. Dies hat seine Ursache darin, dass weite Teile der Ammergauer Alpen königliches Jagdgebiet waren und dass Dolomit- und Flyschböden für die Alm- und Grünlandwirtschaft ungünstige Bedingungen schaffen (trockene, karge Böden beim Dolomit bzw. zu rutschungsanfällig beim Flysch).

In den Ammergauer Alpen liegen Baukunstwerke von internationalem Rang. Dazu gehören die Schlösser Linderhof und Neuschwanstein sowie das Kloster Ettal.

Gliederung[Bearbeiten]

Umgrenzung[Bearbeiten]

Der Hohe Straußberg (1934 m) vom Tegelberg
Der Daniel: Höchster Gipfel der Ammergauer Alpen (von der Zugspitze gesehen)

Im Norden bildet das Alpenvorland die Grenze vom Lech bis zur Loisach. Der Lech bildet die Grenze im Westen von seinem Austritt in das Alpenvorland flussaufwärts bis Reutte. Die Loisach begrenzt die Ammergauer Alpen im Osten, Südosten und Süden von ihrem Austritt in das Alpenvorland flussaufwärts bis in das Ehrwalder Becken. Im Südwesten stellt das Zwischentoren genannte Tal die Verbindung zwischen dem Ehrwalder Becken und dem Reuttener Talkessel her.
Das Zwischentoren bildet auch einen kaum ausgeprägten Talpass aus, der die Ammergauer Alpen mit den Lechtaler Alpen verbindet.

Untergruppen[Bearbeiten]

Der Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen und Ammergauer Alpen teilt die Ammergauer Alpen in die folgenden Untergruppen auf (jeweils mit höchstem Gipfel):

  • Trauchberge
    (Hohe Bleick, 1638 m)
  • Klammspitzkamm
    (Klammspitze, 1924 m)
  • Laber-Hörnle-Gruppe
    (Laber, 1686 m)
  • Hochplatten-Tegelberg-Gruppe
    (Hochplatte, 2082 m)
  • Säulinggruppe
    (Säuling, 2047 m)
  • Kreuzspitzgruppe
    (Kreuzspitze, 2185 m)
  • Kramergruppe
    (Kramer, 1985 m)
  • Südlicher Hauptkamm
    (Danielkamm) (Daniel, 2340 m)

Die Kreuzspitzgruppe mit der Kreuzspitze und den Geierköpfen stellt den alpinsten Teil der Ammergauer Alpen dar. Die höchsten Gipfel der Ammergauer Alpen befinden sich im südlichen Hauptkamm (Danielkamm). Der vielgestaltigste und auch touristisch interessanteste Teil der Ammergauer Alpen befindet sich in der Hochplatten-Tegelberg-Gruppe.

Gipfel[Bearbeiten]

Die Kreuzspitze (2185 m) von Süden

Die zehn höchsten Gipfel der Ammergauer Alpen:

1. Daniel    2340 m 6. Kreuzspitze    2185 m
2. Upsspitze    2332 m 7. Pitzenegg    2179 m
3. Plattberg (Hochschrutte)    2247 m 8. Geierköpfe    2164 m
4. Kohlbergspitze    2202 m 9. Kleines Pfuitjöchle    2145 m
5. Großes Pfuitjöchle    2197 m 10. Kesseljoch    2131 m

Weitere Gipfel:
In den Ammergauer Alpen gibt es knapp 200 benannte und mit Höhenkote versehene Gipfel. Zu den bekannteren gehören (geordnet nach der Höhe):

Benachbarte Gebirgsgruppen[Bearbeiten]

Die Ammergauer Alpen grenzen an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

Im Norden grenzen die Ammergauer Alpen an das Alpenvorland.

Ortschaften[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Fern- und Weitwanderwege[Bearbeiten]

Die Via Alpina, ein grenzüberschreitender Weitwanderweg mit fünf Teilwegen durch die ganzen Alpen, verläuft auch durch die Ammergauer Alpen. Der violette Weg der Via Alpina verläuft mit drei Etappen durch die Ammergauer Alpen wie folgt:

  • Etappe A60 verläuft von Garmisch-Partenkirchen nach Linderhof
  • Etappe A61 verläuft von Linderhof zur Kenzenhütte
  • Etappe A62 verläuft von der Kenzenhütte nach Füssen

In den Tälern zwischen Unterammergau, Oberammergau, Ettal und Schloss Linderhof gibt es im Winter weitverzweigte und sehr schneesichere Loipenverbindungen. Jedes Jahr findet hier am ersten Wochenende im Februar der bekannte König-Ludwig-Lauf statt. Alpinskimöglichkeiten existieren in Oberammergau, Bad Kohlgrub und Unterammergau. In Bad Kohlgrub gibt es vom Hörnle eine 4,5 km lange Rodelbahn.

Im Sommer steht ein großes Wanderwege-Netz zur Verfügung, so z. B.:

  • Oberammergau - Unterammergau (Der Altherrenweg)
  • Oberammergau - Ettal (Der Vogelherdweg)
  • Oberammergau - Linderhof (Der Sonnenweg)

Ein Großteil des Gebirges bildet das 288 km² große Naturschutzgebiet Ammergebirge, das größte Naturschutzgebiet Bayerns.

Berghütten[Bearbeiten]

Im bayerischen Teil der Ammergauer Alpen gibt es drei Hütten des Alpenvereins sowie eine privat betriebene Hütte. Im Tiroler Teil des Gebirges befinden sich keine Alpenvereinshütten.

  • August-Schuster-Haus auf dem Pürschling: 1564 m, bewirtschaftet ganzjährig, im November geschlossen, 54 Betten, 12 Matratzenlager, Talort: Unterammergau, Gehzeit von Unterammergau: 2 Stunden
  • Brunnenkopfhäuser: 1602 m, bewirtschaftet von Pfingsten bis Oktober, 35 Matratzenlager, Talort: Oberammergau, Gehzeit von Schloss Linderhof: 1,75 Stunden
  • Hörndlhütte: 1390 m, bewirtschaftet sommers von Anfang Mai bis Ende Oktober, winters von Anfang Dezember bis Ende März, im April und im November geschlossen, 23 Matratzenlager, Talort: Bad Kohlgrub, Gehzeit von Bad Kohlgrub: 1,25 Stunden
  • Kenzenhütte: 1294 m, Talort: Halblech, mit dem „Kenzenbus“ von dort erreichbar

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Seibert: AVF Allgäuer Alpen und Ammergauer Alpen, Rother Verlag München 2004, ISBN 3-7633-1126-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ammergauer Alpen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ammergauer Alpen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Sebald:Am Ammergebirge scheiden sich die Geister in: 'Süddeutsche Zeitung' vom 24./25. September 2011, Seite 50
  2. Ralf Müller: Grüne drängen auf Nationalpark Ammergebirge. In: merkur-online.de, 12. September 2011. Abgerufen am 26. September 2011.
  3. Mitteilung über die Ammergauer Moore