Hanna-Renate Laurien

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Hanna-Renate Laurien auf dem CDU-Bundesparteitag 1978

Hanna-Renate Laurien (* 15. April 1928 in Danzig, Freie Stadt Danzig; † 12. März 2010[1] in Berlin) war eine deutsche Politikerin (CDU). Die Oberstudiendirektorin war von 1976 bis 1981 Kultusministerin in Rheinland-Pfalz, von 1981 bis 1989 Schulsenatorin von Berlin und von 1991 bis 1995 Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Hanna-Renate Laurien wurde als Tochter einer Lehrerin und eines Chemikers geboren. Später arbeitete der Vater als Ministerialrat. Sie besuchte Gymnasien in Spremberg in der Niederlausitz und in Berlin. Wegen guter Leistungen übersprang sie eine Klasse. 1944 bis 1945 war sie beim Reichsarbeitsdienst. Nach dem Abitur 1946 studierte sie Germanistik, Anglistik und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1948 wurde sie Mitbegründerin der Freien Universität Berlin.

1951 legte Hanna-Renate Laurien ein Staatsexamen ab und wechselte in den nordrhein-westfälischen höheren Schuldienst, zunächst in Euskirchen, dann in Bonn. 1952 promovierte sie in Germanistik. Von 1957 bis 1963 arbeitete sie im Düsseldorfer Kultusministerium. 1963 bis 1965 war sie Fachleiterin an einem Studienseminar.

Als Oberstudiendirektorin der Königin-Luise-Schule in Köln von 1965 bis 1970 sorgte sie 1967 dafür, dass eine schwangere Schülerin entgegen damals geltenden Gesetzen zum Abitur zugelassen wurde. Ebenso setzte sie ein Jahr später durch, dass eine unehelich schwangere Lehrerin nicht disziplinarisch abgestraft und versetzt wurde.

Wegen ihres resoluten Auftretens als Berliner Schulsenatorin wurde Hanna-Renate Laurien in den 1980er Jahren auch mit dem Spitznamen „Hanna Granata“ bezeichnet.

Partei[Bearbeiten]

Hanna-Renate Laurien trat 1966 der CDU bei. 1967 bis 1970 war sie stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU in Köln.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Grab Hanna-Renate Lauriens und ihrer Eltern auf dem Spandauer Friedhof In den Kisseln

Laurien gehörte von 1975 bis 1981 dem rheinland-pfälzischen Landtag an.

Bei der konstituierenden Sitzung des am 2. Dezember 1990 neu gewählten Berliner Abgeordnetenhauses wurde sie am 11. Januar 1991 als erste und bislang einzige Frau zur Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin gewählt. Sie setzte sich vehement für die Verlegung des Sitzes der Bundesregierung von Bonn nach Berlin ein. Die Berliner Bevölkerung rief sie im Herbst 1992 erfolgreich zu Demonstrationen gegen aufkeimende Ausländerfeindlichkeit und Rassismus auf. Es ist dem Einsatz von Hanna-Renate Laurien zuzuschreiben, dass fünf Gemälde von Gerhard Richter im Festsaal des Abgeordnetenhauses aufgehängt werden konnten. Ein sehr lukratives Angebot eines Museums für die Übernahme der Bilder schlug sie aus. Als sie zu den Berliner Parlamentswahlen 1995 nicht wieder kandidierte, gab ihr ein Chor von Abgeordneten aller Fraktionen zum Abschied ein Ständchen.

1996 schied sie aus dem CDU-Bundesvorstand aus. Seither hatte sie sich aus der Politik zurückgezogen. Hanna-Renate Laurien lebte bis zu ihrem Tod in Berlin-Lankwitz. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof In den Kisseln in Berlin-Spandau.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Ab 1970 war Hanna-Renate Laurien Hauptabteilungsleiterin, ab 1971 Staatssekretärin in Mainz unter dem rheinland-pfälzischen Kultusminister Bernhard Vogel, mit dem sie seit dieser Zeit befreundet war.[2]

Von 1976 bis 1981 gehörte sie als Kultusministerin dem Kabinett Bernhard Vogel an, als er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde. Von 1977 bis 1981 war Markus Schächter der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Ministerium.[3]

1981 holte Richard von Weizsäcker sie nach seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister von Berlin als Schul- und Jugendsenatorin nach Berlin. Als von Weizsäcker 1984 Bundespräsident wurde, bewarb sie sich um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, unterlag jedoch in einer CDU-internen Kampfabstimmung Eberhard Diepgen. Laurien blieb jedoch Senatorin und wurde 1986 zusätzlich Bürgermeisterin von Berlin.

Mit dem Wahlsieg Walter Mompers im Januar 1989 schied sie aus beiden Ämtern aus.

Hanna-Renate Laurien war ehrenamtlich an der Spitze des Internationalen Bundes, als Vorsitzende des Diözesanrates der Erzdiözese Berlin, als Mitbegründerin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gegen das Vergessen – für Demokratie, Schirmherrin der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft Berlin und von Kirche positHIV und als Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses tätig. Sie war ferner Schirmherrin der Tabea-Kinderbegräbnisstätte auf dem Kreuz-Friedhof in Berlin-Lankwitz, der ersten Berliner Kinderbegräbnisstätte.

Katholikin[Bearbeiten]

Laurien wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf. 1952 konvertierte sie zum Katholizismus. Ihre Schwester war jahrelang evangelische Pastorin an der St.-Nikolai-Kirche (Spandau).

Sie war von 1967 bis 2000 Mitglied des Hauptausschusses im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und leitete von 1975 bis 1997 die Kulturpolitischen Kommissionen des ZdK. Von 1972 bis 1975 war sie Präsidiumsmitglied der Würzburger Synode und von 1991 bis 2000 Vorsitzende des Berliner Diözesanrats der Katholiken. Von 1996 bis 2004 war Laurien Vorsitzende des Berliner Diözesanverbands des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Sie sprach im Ersten Deutschen Fernsehen das Wort zum Sonntag.[4]

Sie engagierte sich als Predigerin und Vortragsrednerin. Laurien war unverheiratet und hatte als Laiendominikanerin gegenüber der katholischen Kirche das Gelübde der Ganzhingabe abgelegt. Sie wohnte in Berlin-Lankwitz und fühlte sich in besonderem Maße der Gemeinde Mater Dolorosa und als Mitglied der Laiengemeinschaft den Dominikanern – vor allem dem Berliner Institut M.-Dominique Chenu[5] – verbunden.[6]

Als Mitglied von „Donum Vitae“ stellte sie sich am 20. Juli 2006 mit einem „Zwischenruf“, gemeinsam mit den Politikern Hans Maier, Bernhard Vogel, Annette Schavan und Friedrich Kronenberg, gegen eine Erklärung der deutschen Bischöfe vom 20. Juni 2006 zum Verein Donum Vitae.[7]

Gedenkkultur[Bearbeiten]

Hanna-Renate Laurien setzte sich in der öffentlichen Diskussion intensiv mit dem Nationalsozialismus, der Würdigung seiner Opfer und der Bekämpfung seiner Nachfolger auseinander. So hielt sie am 17. August 2004 anlässlich einer Gegendemonstration zu den jährlichen Aufmärschen der Neonazis am Todestag von Rudolf Heß in dessen Begräbnisort Wunsiedel eine viel beachtete Rede gegen den „schamlosen Mythos“ um Heß. Sie wandte sich gegen den Ausdruck „Arischer Friede“, der kein Friede, sondern der Abschied von der Menschenwürde der Unterschiedlichen sei. „Wir wollen nicht Arier, wir wollen Menschen sein“, betonte sie. Sie war Befürworterin der Errichtung eines zentralen Mahnmals zur deutschen Homosexuellenverfolgung und sagte in diesem Bezug: „Wir dürfen die Opfer des Terrors nicht in Güteklassen einteilen. Gott hat jedem Menschen die gleiche Würde gegeben.“

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1996 wurde Hanna-Renate Laurien der Ehrentitel einer Stadtältesten von Berlin verliehen.

Laurien wurde 1999 mit der Louise-Schroeder-Medaille des Abgeordnetenhauses von Berlin ausgezeichnet. 2002 gab sie aus Protest gegen die Auszeichnung der Schriftstellerin Daniela Dahn die Medaille zurück.

Sie war Ehrenmitglied des Freundes- und Förderkreises des Georg-Meistermann-Museums Wittlich „Der Schwebende Punkt“.[8]

Laurien wurde für ihr katholisches Engagement mit der Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälische Wilhelms-Universität Münster geehrt.

1981 wurde sie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Bernhard Vogel, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und 1995 mit dem dazugehörigen Stern ausgezeichnet.

Kabinette[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hanna-Renate Laurien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Pressemitteilung bei erzbistumberlin.de, 12. März 2010 (aufgerufen am 12. März 2010)
  2. Granata mit Courage im Tagesspiegel vom 15. April 2008
  3. wdr.de
  4. Sprecher und Sprecherinnen 1954 bis 2003 – katholisch Das Wort zum Sonntag – Geschichte, www.daserste.de (online abgerufen am 7. November 2011)
  5. institut-chenu
  6. Hanna-Renate Laurien bei www.mater-dolorosa-lankwitz.de. Berliner Morgenpost: Fünfundzwanzig Sonntagsfragen an Hanna-Renate Laurien; Ausgabe vom 10. Juni 2008
  7. „Hanna-Renate Laurien verstorben“, Katholisches, eingesehen am 13. März 2010
  8. www.derschwebendepunkt.de