Mimetesit

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Mimetesit
Mimetite-139756.jpg
Mimetesit-Kristallstufe aus der Tsumeb Mine, Namibia (Größe: 4,1 cm × 3,5 cm × 2,8 cm)
Andere Namen
  • Mimetit
Chemische Formel

Pb5[Cl|(AsO4)3]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate, Vanadate
8.BN.05 (8. Auflage: VII/B.39) nach Strunz
41.08.04.02 nach Dana
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin hexagonal-dipyramidal; 6/m[1]
Farbe farblos, weiß, grau, braun, honiggelb, orangegelb, grünlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 3,5 bis 4[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,24; berechnet: 7,26[2]
Glanz Diamantglanz, Fettglanz, Harzglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit undeutlich nach {1011}; spröde
Bruch uneben bis schwach muschelig
Habitus kurze bis lange, prismatische o. pyramidale Kristalle; erdige, nadelige, traubige, radialstrahlige Aggregate
Häufige Kristallflächen {1010}, {0001} oder {1011}, selten {1121} oder {2131}[2]
Zwillingsbildung sehr selten nach {1122}[2]
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 2,147; nε = 2,128[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,019[3]; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Salpetersäure und Kalilauge löslich[4]
Besondere Kennzeichen piezoelektrisch; mögliche rote Fluoreszenz unter UV-Licht

Mimetesit, auch unter den veralteten bergmännischen Bezeichnungen Arsenikbleispath oder Grünbleierz bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Er kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb5[Cl|(AsO4)3][5] und entwickelt prismatische oder pyramidale Kristalle, aber auch traubige, radialstrahlige oder erdige Mineral-Aggregate, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen bzw. Strukturfehler weiß, grau, braun, orangegelb, grünlich gefärbt sein können.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Mimetesit ist piezoelektrisch, baut also ähnlich wie Quarz oder Turmalin bei periodisch wechselnder, elastischer Verformung eine elektrische Spannung auf.[2]

Unter UV-Licht zeigen manche Mimetesite eine rötliche Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.[2]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals als eigenständige Art wurde das Mineral 1832 durch den französischen Mineralogen François Sulpice Beudant beschrieben, der es aufgrund seiner großen Ähnlichkeit zum Pyromorphit als Mimetèse nach dem altgriechischen Wort μίμησις mímēsis für Nachahmung oder Nachahmer benannte.

August Breithaupt hängte 1841 in seiner deutschsprachigen Mineralbeschreibung die mineraltypische Endung -it an, entsprechend also Mimetesit, und gab als Synonyme pollachites arsenicus, Arsenischer Blei-Spath (auch Arsenikbleispath), Grünbleierz und Arsenikbleispath an.[6] Wilhelm von Haidinger wählte in seinen Aufzeichnungen von 1845 dagegen den Namen Mimetit, der sprachrichtig vom griechischen Wortstamm abgeleitet ist. Dieser setzte sich jedoch nur im englischen Sprachraum durch.[7]

Als Typlokalität gilt die Grube „Treue Freundschaft“ bei Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge in Deutschland.

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mimetesit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate, mit fremden Anionen F, Cl, O, OH“, wo er zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fermorit, Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylapatit, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit-M, Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Strontiumapatit, Svabit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/B.39 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mimetesit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach , so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen (OH, etc.):RO4 = 0,33:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit, Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit-M , Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.BN.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Mimetesit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „@@@“ ein. Hier ist er zusammen mit Hydroxylpyromorphit, Pyromorphit und Vanadinit in der „Pyromorphitgruppe“ mit der System-Nr. 41.08.04 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5(XO4)3Zq“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Kampylit aus Cumberland, Cumbria, England
Gesamtgröße der Stufe: 7,9 × 6,8 × 3,5 cm
Arsendescloizit (grün, traubig) und Prixit (hellgelb, faserig) aus der Ojuela Mine, Mapimí, Durango, Mexiko (Bildbreite: 3 mm)

Bekannte Varietäten sind der Kampylit, ein phosphorhaltiger Mimetesit mit orangeroter Farbe, der unter anderem als tonnenförmige Kristalle in Cumberland gefunden wurden[4], sowie der Prixit, ein faserige bzw. haariges Aggregat.

Bellit ist dagegen ein Mineralgemenge aus Quarz, Mimetesit und Krokoit.[8] Er ist sind damit definitionsgemäß als Gestein zu werten.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Es ist ein Sekundärmineral in Oxidationszonen im Eisernen Hut von Blei- und Zink-Lagerstätten mit arsenhaltigen Mineralen und kommt deshalb häufig in Paragenese mit verschiedenen Blei-, Arsen- und anderen Mineralen wie zum Beispiel Galenit, Pyromorphit, Vanadinit, Wulfenit, Smithsonit und Calcit vor.

In Deutschland wurde das Mineral neben seiner Typlokalität Johanngeorgenstadt in Sachsen unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Spessart), Hessen (Taunus), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Bergisches Land, Eifel, Sauerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald) und in Sachsen-Anhalt (Harz) entdeckt.

Weltweit wurde Mimetesit bereits in Constantine in Algerien; Mendoza in Argentinien; mehrere Regionen von Australien; Provinz Luxemburg in Belgien; La Paz in Bolivien; Oblast Smoljan und Oblast Wraza in Bulgarien; Chile; Volksrepublik China; viele Regionen in Frankreich; Attika und Makedonien in Griechenland; Iran; Irland; mehrere Regionen in Italien; Hokkaidō, Honshū und Kyūshū in Japan; Nordwestliches Territorium und Québec in Kanada; Kasachstan; Souss-Massa-Daraâ in Marokko; mehrere Regionen in Mexiko; Namibia; auf der Nordinsel von Neuseeland; Akershus, Nordland und Telemark in Norwegen; Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol in Österreich; Polen; mehrere Regionen in Portugal; Russland; Dalarna und Värmland und Schweden; mehreren Kantonen in der Schweiz; Südafrika; mehrere Regionen in Spanien; Songkhla in Thailand; Böhmen und Mähren in Tschechien; Ungarn; sowie in vielen Regionen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten gefunden.[9]

Morphologie[Bearbeiten]

Sphärolithischer Mimetesit (grün) mit Wulfenit (orange)

Häufig tritt der Mimetesit in gut entwickelten Kristallen auf, die entweder kurz- bis langprismatisch gestreckt nach [0001], tonnen- oder walzenförmig nach {1010} bzw. {1000} oder spitzpyramidal geformt sein können. Daneben finden sich aber auch erdige, körnige, nadelige, traubige bzw. sphärolithische, nierige und radialstrahlige Kristall-Aggregate, oft aufgewachsen auf seine Begleitminerale.[3]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Mimetesit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63/m mit den Gitterparametern a = 10,211 Å und c = 7,4185 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Es dient als Bleierz und zur Glasfabrikation.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 77.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 173.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mimetite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Mimetite (englisch)
  2. a b c d e f Mimetite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 63,1 kB)
  3. a b c Mindat - Mimetite (englisch)
  4. a b  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 638.
  5.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  6. Johann Friedrich August Breithaupt: Vollständiges handbuch der mineralogie. Arnoldische Buchhandlung, 1841, S. 289 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  7.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 233.
  8. Mineralienatlas:Bellit (Wiki)
  9. Mindat - Localities for Mimetite (englisch)
  10. American Mineralogist Crystal Structure Database (englisch)