Mimetesit

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Mimetesit
Mimetite-139756.jpg
Andere Namen
  • Mimetit
Chemische Formel Pb5[Cl|(AsO4)3]
Mineralklasse Phosphate, Arsenate, Vanadate
8.BN.05 (8. Auflage: VII/B.39) nach Strunz
41.08.04.02 nach Dana
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin hexagonal-dipyramidal \ 6/m [1]
Farbe farblos, weiß, grau, braun, honiggelb, orangegelb, grünlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) 7,1 bis 7,3 (Mittelwert: ~ 7,24)
Glanz Diamantglanz, Fettglanz, Harzglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch muschelig bis uneben
Spaltbarkeit undeutlich
Habitus kurze bis lange, prismatische o. pyramidale Kristalle; erdige, nadelige, traubige, radialstrahlige Aggregate
Zwillingsbildung sehr selten nach \lbrace 1 1 \bar 2 2 \rbrace
Kristalloptik
Brechungsindex ω=2,147 ; ε=2,128 [2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ=0,019 [2]; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Salpetersäure und Kalilauge löslich [3]

Mimetesit, auch unter den veralteten bergmännischen Bezeichnungen Arsenikbleispath, Bleiarsenapatit, Gorlandit, Grünbleierz oder Traubenblei bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Er kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb5[Cl|(AsO4)3] [4] und entwickelt prismatische oder pyramidale Kristalle, aber auch traubige, radialstrahlige oder erdige Mineral-Aggregate, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen bzw. Strukturfehler weiß, grau, braun, orangegelb, grünlich gefärbt sein können.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Mimetesit wurde 1832 von François Sulpice Beudant erstmals beschrieben und erhielt seinen Namen aufgrund seiner großen Ähnlichkeit zum Pyromorphit vom griechischen Wort μιμέομαι [miméomai] „nachahmen“, dessen Etymologie unklar ist.

Seine Typlokalität ist die „Treue Freundschaft Mine“ in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge (Sachsen, Deutschland).

Klassifikation[Bearbeiten]

In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) ist der Mimetesit noch ohne weitere Präzisierungen in der Abteilung der „wasserfreie Phosphate mit fremden Anionen“ zu finden, wo er mit vielen weiteren Mineralen Mitglied der Apatit-Pyromorphit-Gruppe ist.

Seit der neuen Strunz'schen Mineralsystematik (9. Auflage) sind die Abteilungen weiter unterteilt und teilweise neu definiert. Mimetesit steht nun in der Abteilung der „Phosphate etc. mit weiteren Anionen, ohne H2O“. Der Gruppenname wurde auf Apatit-Gruppe reduziert.

Die Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Mimetesit (Mimetite in die Abteilung „Anhydrous Phosphates, etc. Containing Hydroxyl or Halogen where (A)5 (XO4)3 Zq“ Übersetzung: Wasserfreie Phosphate etc. mit Hydroxylgruppe oder Halogen und der allgemeinen chemischen Zusammensetzung [...]) [5]

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Kampylit aus Cumberland, Cumbria, England
Gesamtgröße der Stufe: 7,9 × 6,8 × 3,5 cm
Arsendescloizit (grün, traubig) und Prixit (hellgelb, faserig) aus der Ojuela Mine, Mapimí, Durango, Mexiko (Bildbreite: 3 mm)

Bekannte Varietäten sind der Kampylit, ein phosphorhaltiger Mimetesit mit orangeroter Farbe, der unter anderem als tonnenförmige Kristalle in Cumberland gefunden wurden [3], sowie der Prixit, ein faserige bzw. haariges Aggregat.

Bellit ist dagegen ein Mineralgemenge aus Quarz, Mimetesit und Krokoit [6] und Belmontit ein Gemenge aus Mimetesit und einer Reihe weiterer Minerale [7]. Beide sind damit definitionsgemäß als Gestein zu werten.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Es ist ein Sekundärmineral in Oxidationszonen im Eisernen Hut von Blei- und Zink-Lagerstätten mit arsenhaltigen Mineralen und kommt deshalb häufig in Paragenese mit verschiedenen Blei-, Arsen- und anderen Mineralen wie zum Beispiel Galenit, Pyromorphit, Vanadinit, Wulfenit, Smithsonit und Calcit vor.

In Deutschland wurde das Mineral neben seiner Typlokalität Johanngeorgenstadt in Sachsen unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Spessart), Hessen (Taunus), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Bergisches Land, Eifel, Sauerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald) und in Sachsen-Anhalt (Harz) entdeckt.

Weltweit wurde Mimetesit bereits in Constantine in Algerien; Mendoza in Argentinien; mehrere Regionen von Australien; Provinz Luxemburg in Belgien; La Paz in Bolivien; Oblast Smoljan und Oblast Wraza in Bulgarien; Chile; Volksrepublik China; viele Regionen in Frankreich; Attika und Makedonien in Griechenland; Iran; Irland; mehrere Regionen in Italien; Hokkaidō, Honshū und Kyūshū in Japan; Nordwestliches Territorium und Québec in Kanada; Kasachstan; Souss-Massa-Daraâ in Marokko; mehrere Regionen in Mexiko; Namibia; auf der Nordinsel von Neuseeland; Akershus, Nordland und Telemark in Norwegen; Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol in Österreich; Polen; mehrere Regionen in Portugal; Russland; Dalarna und Värmland und Schweden; mehreren Kantonen in der Schweiz; Südafrika; mehrere Regionen in Spanien; Songkhla in Thailand; Böhmen und Mähren in Tschechien; Ungarn; sowie in vielen Regionen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten gefunden. [8]

Morphologie[Bearbeiten]

Sphärolithischer Mimetesit (grün) mit Wulfenit (orange)

Häufig tritt der Mimetesit in gut entwickelten Kristallen auf, die entweder kurz- bis langprismatisch gestreckt nach [0001], tonnen- oder walzenförmig nach \lbrace 1 0\bar 1 0 \rbrace bzw. \ \lbrace 1 0 0 0\rbrace oder spitzpyramidal geformt sein können. Daneben finden sich aber auch erdige, körnige, nadelige, traubige bzw. sphärolithische, nierige und radialstrahlige Kristall-Aggregate, oft aufgewachsen auf seine Begleitminerale. [2]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Mimetesit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P 63/m mit den Gitterparametern a = 10,211 Å und c = 7,4185 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle. [9]

Verwendung[Bearbeiten]

Es dient als Bleierz und zur Glasfabrikation.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Mimetite (englisch)
  2. a b c MinDat - Mimetite (englisch)
  3. a b  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 638.
  4.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  5. Webmineral - New Dana Classification of Anhydrous Phosphates, etc. Containing Hydroxyl or Halogen (englisch)
  6. Mineralienatlas:Bellit (Wiki)
  7. Mineralienatlas:Belmontit (Wiki)
  8. MinDat - Localities for Mimetite (englisch)
  9. American Mineralogist Crystal Structure Database (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 173.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 77.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mimetite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien