Rosa (Farbe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rosa
(Farbcode: #ffccdd)

Rosa oder Rosarot ist eine helle bläulich-rote Körperfarbe, eine Mischfarbe aus viel Weiß und blaustichigem Rot. Als Lichtfarbe, also für eine Rosabeleuchtung, sind besondere Voraussetzungen nötig, weil nur geringe Buntheit erforderlich ist. Im HSV-Farbraum liegen die Rosatöne bei etwa 330 Grad Färbung, wenn der Hellwert V sehr hoch ist. Die erreichbare Sättigung der Rosatöne ist dadurch begrenzt. Im Englischen heißt Rosa „pink“, dennoch wird zuweilen der Ton „grelles Rosa“ („shocking pink“) für eine eigene Farbe anstelle einer Nuance gehalten.[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Rosa in einer Akeleiblüte

Für die Bezeichnung des Farbtons der in Europa einheimischen Wildrosen standen im mittelhochdeutschen die Wörter rōse(n)var, rœselvar, rōsīn, rōse(n)rōt und rōsic zur Verfügung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die neuhochdeutschen Entsprechungen (rosenfarb, rosenfarbig, rosenrot, rosig) nicht mehr genutzt. Der lateinische Blumenname rosa (‚Rose, Edelrose‘) als Benennung der Farbe wurde ins Deutsche übernommen. Für übernommene Farbwörter typisch ist die Flexion unsicher. Zunächst wurde es nur in Zusammensetzungen wie „Rosaband“, „Rosakleid“, „Rosatuch“ verwendet. Zunehmend wird es prädikativ und in der Umgangssprache auch attributiv als Adjektiv verwendet.[2]

Als unattraktiv angesehene Einfärbungen werden landläufig oft als Schweinchenrosa bezeichnet.

Farblehre[Bearbeiten]

Die Nuance „Rosa“ gehört zum Purpur, es werden L- als auch die S-Zapfen erregt. Durch den hellen Ton sind auch M-Zapfen erregt. Die Komplementärfarbe ist ein frühlingshaftes Grün.

Zur Unterscheidung der Farbnuancen werden Zusammensetzungen benutzt:

  • Altrosa, ein stärker gebrochenes Rosa, ein Rosaton, der leichte Grautöne hat
  • Hell- oder Lichtrosa
  • Dunkelrosa

Optimistisch[Bearbeiten]

Der Farbton wird im Sinne von „optimistisch, erfreulich, positiv“ genutzt; diese Deutung geht auf „rosig“ beziehungsweise „rosarot“ zurück. Wendungen mit dieser Bedeutung sind „rosige Zeiten“, „ihm geht es nicht gerade rosig“ oder „alles durch eine rosa(rote) Brille sehen“. Der Übergang dieser Bedeutung von „rosig“ auf den Farbton Rosa ist vollzogen. Die weiterführende Bedeutung ist „unrealistisch, verklärend“, wie in „die Zukunft in rosigem Licht sehen“ oder „für sie ist die Welt rosarot“.[2]

Geschlechterzuordnung[Bearbeiten]

Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit den 1920er Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird. Vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton. Rot hat die Assoziationen Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf.[3] Somit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet. Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Farbe von Maria. Somit war Hellblau, das „kleine Blau“, den Mädchen vorbehalten. Dies hatte eher in der Oberschicht eine Bedeutung. „Ausgeblichene“ Pastelltöne waren für häufig gewaschene Kinderkleidung geeignet. Gewaschen wurde damals mit der Hand, die Textilfarben waren nicht kochfest. Oft gewaschene Babykleidung war meist neutral weiß und man verwendete höchstens farbige Bändchen.[4] Nach dem Ersten Weltkrieg fand ein Umbruch der Auffassungen statt, die Farbe Blau wurde zum Symbol für die Arbeits- und Männerwelt. Die Blautöne der Marineuniform, blaue Arbeitsanzüge und der Blaumann förderten die Symbolik von Hellblau der Jungen. Jungen trugen die zu Anfang des 20. Jahrhunderts modischen (marineblauen) Matrosenanzüge. Für die weiblichen Babys blieb als traditioneller Kontrast das Rosa.

Kinderkleidung wird heutzutage immer farbenfreudiger, die Echtheiten und die Vielfalt der Textilfarbstoffe nimmt zu, die Klassifikation für Babybekleidung verliert an Bedeutung. Das Farbadjektiv rosa (wie auch hellblau) besitzt noch eine eindeutige Funktion, zum Beispiel bei Spielzeug[3][5] und sogar in der Nahrungsmittelindustrie. Abgeschwächt wird diese Einteilung nach Rosa und Hellblau in der Erwachsenenwelt ebenfalls eingesetzt.[2][6]

Für erwachsene Frauen ist Rosa die viertschönste und siebtunbeliebteste Farbe, für Männer die achtschönste und die drittunbeliebteste. Für Männer bedeutet diese Farbe meist Hilflosigkeit, Naivität und Schwäche.[7]

Homosexualität[Bearbeiten]

Bei Marcus Valerius Martialis[8] sind die femininen Farben Mauve (ein blasses Lila) und Scharlachrot homosexuellen Männern zugeordnet. Bei Oscar Wilde um die 1900er Jahre im Vereinigten Königreich, aber auch in Paris[9] und den USA ist es die grüne Nelke. In den USA der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt die rote Krawatte hinzu.

Im Deutschland der Zwischenkriegszeit war die Symbolfarbe für Schwule und Lesben allerdings lila, als die symbolische Mischung von Rot und Blau für das Dritte Geschlecht. (→ Das lila Lied) Unter dem Namen „(floral) lavender“ breitete sich diese Bedeutungskombination auch in den USA seit Ende der 1920er aus. Noch verstärkt dann in den 1950ern und 1960ern, war es dort lange Zeit das symbolische Äquivalent zum deutschen Rosa, auch als Parteifarbe, in der Sprache und bei Eigennamen.[10]

Die Nationalsozialisten kennzeichneten wegen Homosexualität inhaftierte männliche KZ-Häftlinge mit dem Rosa Winkel, das auf der Spitze stehende Dreieck in der „unmännlichen“ Farbe Rosa. Die Karteien der Polizei mit Homosexuellen wurden Rosa Listen genannt. Diese negative Assoziation von homosexuell mit kriminell wurde durch offensives Auftreten der schwul-lesbischen Szene weitgehend überwunden. So wurde im Vorfeld der Schwulenbewegung Mitte der 1960er in Europa der Rosa Winkel als Symbol von den Betroffenen übernommen und ab den 1970ern sehr populär.

So wird Rosa im Sinne von „für Homosexuelle, von Homosexuellen, Homosexuelle betreffend“ verwendet. Besonders bei erschaffenen Eigennamen von Gruppierungen, Veranstaltungen oder bestimmten Projekten weist das Wort Rosa meist auf einen schwulen, seltener generell homosexuellen Zusammenhang hin.[2] Mitte der 1960er nahm Holger Mischwitzki den Künstlernamen Rosa von Praunheim an; es gibt eine Rosa Liste München, eine Rosa Sitzung, die die schwul-lesbische Antwort auf den traditionellen Kölner Karneval war, sowie die Rosa Funken, Deutschlands ersten schwulen Karnevalsverein, die Beratungseinrichtung Rosa Telefon, und es gibt die deutschen Kinofilmtitel In & Out – Rosa wie die Liebe und Ein Mann sieht rosa. Manchmal wird in diesem Zusammenhang absichtlich auch auf die assoziierten Bedeutungen: „optimistisch, unrealistisch“ angespielt. Im Film Andersrum fährt die vermeintlich schwule Figur mit rosa Helm und rosa Tasche auf einer rosa Vespa durch die Stadt.

Die in den USA seit 1979 populäre Regenbogenfahne setzte sich in Europa erst in den 1990ern durch. Manche Aktivisten in den USA setzten seit Anfang der 1970er den Rosa Winkel („Pink Triangle“) ein. Bekannt wurde er dort ab 1987 durch die Gruppe Act Up.[2][10][11]

Politik[Bearbeiten]

Nicht ganz so geläufig ist im politischen Bereich die Bedeutung „sozialistisch angehaucht“. Traditionell steht die Farbe Rot im politischen Bereich für Sozialismus und Kommunismus und die rote Fahne taucht erstmals bei den Arbeiteraufständen der Seidenindustrie 1834 in Lyon auf. Rosa symbolisiert demzufolge als „blasses“ Rot einen schwach ausgeprägten Kommunismus, bzw. nur eine tendenzielle kommunistische Einstellung. Diese Verwendung hatte Rosa für die Politik der SPD nach ihrem Regierungsantritt im Jahre 1998.

Liturgie[Bearbeiten]

Rosa ist keine eigenständige Liturgiefarbe. In der Römisch-katholischen Kirche können rosa Paramente am dritten Adventssonntag Gaudete und am vierten Fastensonntag Laetare getragen werden, wobei Rosa als aufgehelltes Violett ein Zeichen der Vorfreude darstellt.

Rosa Riese[Bearbeiten]

Die Deutsche Telekom als dominierender Telekommunikationskonzern Deutschlands wird nach ihrer CI-Farbe (abwertend) als Rosa Riese bezeichnet. Diese Färbung unterscheidet diesen Kommunikationszweig (der vormals staatlichen Deutschen Post) von der traditionell „gelben“ Deutschen Post. Diese Farbe Telemagenta wird als RAL 4010 geführt.[2]

Die Bezeichnung „Rosa Riese“ wurde zwischen 1989 und 1991 auch für den Serienmörder Wolfgang Schmidt von Printmedien verwendet. Schmidt sorgte durch eine Mordserie an fünf Frauen und einem Säugling für bundesweites Aufsehen. Seinen Spitznamen erhielt er wegen seiner Vorliebe für rosa Damenunterwäsche und seiner imposanten Körpergröße. Im August 1991 wurde er verhaftet und Ende 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt. Seither wird der Serienmörder in einer forensischen Klinik im Maßregelvollzug verwahrt.[12][13]

Rosa Trikot[Bearbeiten]

Der tägliche Gesamterste des Giro d’Italia trägt seit 1931 das Rosa Trikot.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: rosa – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rosa/Pink – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Shocking Pink
  2. a b c d e f g Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot (PDF-Datei; 1,78 MB). Dissertation für den Doktor der Psychologie, Herbert Utz Verlag, München 2006, ISBN 3-8316-0652-8.
  3. a b Birgit Schwaner: Feen, Vamps und Babypuppen. Wiener Zeitung, 23. Dezember 2005 (abgerufen am 19. November 2013).
  4. Maria Kapeller: Mädchen rosa, Buben blau. derstandard.at, 2. Juni 2011
  5. Wieland Freund: Vom Rosarausch und der Supermacht der Mädchen. welt.de 21. Februar 2007.
  6. Brillux GmbH: Warum kleine Mädchen rosa und kleine Jungen hellblau tragen. farbimpulse.de, 24. August 2005, nach Eva Heller (1989).
  7. Deniese Neumüller: Die Wirkung der Farben und deren Interpretation in den verschiedenen Kulturen. Seminararbeit, univie.ac.at auf web.archive.org, 6. Juni 2001.
  8. 40-104, Epigrammaton liber I,96.
  9. Katharina Andres-Wilhelm: Vom Rätsel und der Pracht der Farbe Grün (Modeworkshop 2001).
  10. a b Wayne R. Dynes: Color Symbolism (PDF-Datei; 122 kB)
    in: Wayne R. Dynes (Hrsg.): The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science). Taylor & Francis, März 1990, ISBN 0-8240-6544-1.
  11. Warren Johansson: Pink Triangle (PDF-Datei; 130 kB)
    in: Wayne R. Dynes (Hrsg.): The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science). Taylor & Francis, März 1990, ISBN 0-8240-6544-1.
  12. fh/kzi: Polizei faßte schon mehrere Serientäter, Berliner Kurier, 30. Jänner 1996, Seite 18.
  13. Petra Pluwatsch: Die Mörder sind unter uns, Kölner Stadtanzeiger, 28. April 2001, bei der-serienmörder.de.
Farb-Check-RGB.png

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird): Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt – den gebräuchlichen Wert für IBM-kompatible Computer. Apple-Macintosh-Rechner hingegen verwenden bis einschließlich System 10.5 („Leopard“) standardmäßig einen Gammawert von 1,8, seit dem System 10.6 („Snow Leopard“) kommt Gamma 2,2 zum Einsatz.