Schiltach

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Schiltach. Weitere Artikel selben Namens siehe Schiltach (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schiltach
Schiltach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schiltach hervorgehoben
48.2905555555568.3447222222222330Koordinaten: 48° 17′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Rottweil
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 34,22 km²
Einwohner: 3818 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 77761,
78733 (Breitreute)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 07836, 07834
Kfz-Kennzeichen: RW
Gemeindeschlüssel: 08 3 25 051
Stadtgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 6
77761 Schiltach
Webpräsenz: www.schiltach.de
Bürgermeister: Thomas Haas
Lage der Stadt Schiltach im Landkreis Rottweil
Donau Landkreis Freudenstadt Landkreis Tuttlingen Ortenaukreis Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aichhalden Bösingen (bei Rottweil) Deißlingen Dietingen Dornhan Dunningen Eschbronn Epfendorf Fluorn-Winzeln Hardt (Schwarzwald) Lauterbach (Schwarzwald) Oberndorf am Neckar Rottweil Rottweil Schenkenzell Schiltach Schramberg Sulz am Neckar Villingendorf Wellendingen Vöhringen (Württemberg) Zimmern ob RottweilKarte
Über dieses Bild
Blick auf Schiltach

Schiltach ist eine Stadt im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg. Sie liegt im Schwarzwald an den Flüssen Kinzig und Schiltach.

Geographie[Bearbeiten]

Schiltach liegt in 295 bis 842 Meter Höhe im Mittleren Schwarzwald an der Mündung des Flusses Schiltach in die Kinzig, an der engsten Stelle des Kinzigtals, zwischen Offenburg, Freudenstadt und Schramberg.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn von Nordosten aus beginnend: Schenkenzell, Aichhalden, Schramberg, Lauterbach und Wolfach. Die Stadt Wolfach liegt im Ortenaukreis, die Stadt Schramberg und die anderen Gemeinden im Landkreis Rottweil.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ehemaliges Wappen von Lehengericht

Die Stadt Schiltach besteht aus den Stadtteilen Schiltach und Lehengericht. Die beiden Stadtteile sind räumlich identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens.

Zum Stadtteil Schiltach gehören die Stadt Schiltach, die Zinken Grumpenbächle und Vorderheubach und die Wohnplätze Auf der Staig, Blattenhäuserwiese, Grumpen und Kuhbacherhof (Vor Kuhbach). Im Stadtteil Schiltach liegt die Burgruine Willenburg.

Der Stadtteil Lehengericht ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat, einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender und eigener Ortschaftsverwaltung.[2]

Lehengericht besteht aus den Ortsteilen Vorderlehengericht (westlich von Schiltach) und Hinterlehengericht (südöstlich von Schiltach). Gemarkungsmäßig sind beide Ortsteile über Berge miteinander verbunden, im Talverlauf sind sie durch das Ortszentrum Schiltach getrennt. Vorderlehengericht hat die Siedlungsschwerpunkte Vor Eulersbach und Bühl, Hinterlehengericht hat die Siedlungsschwerpunkte Welschdorf und Herdweg. Weiterhin hat Lehengericht noch zahlreiche Wohnplätze, Zinken und Höfe.

Etymologie[Bearbeiten]

Schiltach mit Burg und Unterem Tor im Jahr 1596

Im Kinzigtal finden sich auffällig viele Orte mit der Endung -ach. Orte mit dieser Endung sind jeweils an Flüssen gelegene Ortschaften. -ach geht zurück auf das althochdeutsche aha, gotisch awa, im lateinischen aqua = Wasser. Somit bedeutet Schiltach so viel wie „Schild am Wasser“. Ortsnamen mit der Endung -ach finden sich neben anderen besonders in Süddeutschland. Diese Orte sind bereits sehr früh durch Rodung entstanden.

Gemarkung[Bearbeiten]

Die Gemarkungsfläche der Stadt Schiltach selbst, ohne den Stadtteil Lehengericht, ist sehr klein. Sie umfasst lediglich 585,1 ha. Im Jahr 1979 konnte noch der Bereich „Vor Heubach“ von der Stadt Wolfach mit 94,8 ha hinzugewonnen werden. Die Gemarkung des Stadtteils Lehengericht ist wesentlich größer, sie umfasst 2742 ha. Vor der Abgabe der Exklave Sulzbächle an Wolfach (244 ha) waren es 2986 ha. Insgesamt verbleibt der Gesamtstadt Schiltach eine Gemarkung von rund 3422 ha. Auf der Gemarkung Lehengericht befinden sich ausgedehnte Waldgebiete, über 80 % der Gesamtgemarkung sind bewaldet.

Durch Zukäufe aus der Schiltacher Mayerschaft, dem heutigen Lehengericht, vergrößerte sich die sogenannte Untermarkung des Burgfriedens. Der Haberershof und der Kuhbacherhof wurden von der Gemeinde Kinzigtal 1934 bzw. 1936 an die Stadt Schiltach abgegeben. Im Jahr 1973 hatte die Schiltacher Gemarkung 585,0643 ha erreicht. Dazu kam im Jahr 1974 der Stadtteil Lehengericht mit 2986 ha. 1978 wurde die Exklave Sulzbächle des Stadtteils Lehengericht mit 244 ha nach Wolfach abgegeben. 1979 kam das Gebiet Vor Heubach mit 94,8 ha an die Stadt Schiltach. Zum Stadtteil Lehengericht war im Jahr 1956 noch der Stab Reichenbächle mit dem Hunersbach und dem Stammelbach von Lauterbach (Schwarzwald) abgegeben worden.

Größere und kleinere Flüsse auf der Gemarkung[Bearbeiten]

Die Kinzig ist der größte und wichtigste Fluss im Stadtgebiet Schiltachs, in den die Schiltach als der für die Stadt namensgebende Fluss mündet. Der Heubach mündet ebenfalls in die Kinzig, während das nur viereinhalb Kilometer lange Reichenbächle der Schiltach zufließt.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtansicht des Kupferstechers Matthäus Merian von 1643 mit der darüberliegenden Burg Schiltach
Unteres Tor am Gasthaus Adler bis 1840
Oberes Tor nach H. Eyth (bis 1840)
Flugblatt mit der Verbrennung einer angeblichen Hexe, die 1531 mit dem Teufel die Stadt Schiltach verbrannt haben soll

Die Straße durch das Kinzigtal war schon in Römerzeiten die Verbindung durch den Schwarzwald aus der Straßburger Gegend in Richtung Rottweil.

Schiltach entstand im 11. Jahrhundert als Pfarrei für die umliegenden Höfe, welche älter sind als Schiltach selbst. In der Umgebung der heutigen evangelischen Stadtkirche, im Bereich des heutigen Vorstädtle, entstand eine Ansiedlung, die der Ursprung von Schiltach ist, welche nach dem Fluss Schiltach benannt war. Vermutlich zur Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Herzöge von Teck zur Sicherung ihrer Gebiete die Stadt Schiltach (erste Erwähnung 1275), eine ummauerte Stadt mit Toren und die darüber liegende Burg Schiltach zu ihrer Verteidigung. Eine Kirche wurde in der Stadt nicht gebaut, denn diese war schon vor der Stadtgründung in der Siedlung vorhanden.

Die Stadt sollte Durchreisende beherbergen und ein Dienstleistungszentrum vor dem Anstieg der Straße in Richtung Rottweil sein. Die Burg und die Stadtanlage von Schiltach übernahm somit ab etwa 1250 die Funktion der Willenburg, die die Versorgung an der Straße vor der Gründung der Stadt Schiltach wahrgenommen hatte.

1371 kam die Stadt Schiltach an die Herzöge von Urslingen. Die verarmten Urslinger verkauften im Jahr 1381 Burg und Stadt an die Grafen von Württemberg. Bis auf die Jahre 1519 bis 1534, in denen die Stadt zunächst von der Reichsstadt Rottweil, dann von Vorderösterreich besetzt war, (wie das ganze Herzogtum Württemberg), blieb Schiltach bis zum Jahre 1810 bei Württemberg.

Bis 1810 gehörte Schiltach zu Württemberg. Im „Gränzvertrag zwischen dem Königreich Würtemberg und dem Großherzogthum Baden[2], der am 2. Oktober 1810 in Paris abgeschlossen wurde, kamen mehrere „Stäbe“ des Oberamtes Hornberg, so neben Schiltach auch die Stadt Hornberg und die Gemeinden Gutach und Kirnbach an das Großherzogtum Baden. Wolfach wurde Amtsstadt für Schiltach, später Kreisstadt. Die umliegenden Höfe wurden 1817 als Lehengericht eine eigene Gemeinde.

1952 kam Schiltach zum Land Baden-Württemberg. 1973 wurde der Landkreis Wolfach aufgelöst, Schiltach wurde dem Landkreis Rottweil zugeordnet. Die Gemeinde Lehengericht wurde 1974 wieder der Stadt Schiltach eingegliedert. 1979 kam die Exklave Sulzbächle/Fischbach zur Stadt Wolfach, im Gegenzug kam das Gebiet „Vor Heubach“ zu Schiltach.

Religionen[Bearbeiten]

Während der Reformation war Schiltach ein Teil von Württemberg und wurde deshalb wie die Landesherren evangelisch. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als durch die Industrialisierung immer mehr Katholiken zuzogen. Heute existieren neben einer evangelischen und einer katholischen Gemeinde auch noch eine neuapostolische Gemeinde und verschiedene kleinere Glaubensgemeinschaften.

  • Die Evangelische Kirche wurde 1839–1843 im neubyzantinischen Stil erbaut, nachdem die alte gotische Kirche abgebrannt war.
  • Die Katholische Kirche St.Johannes der Täufer wurde 1966 geweiht, als Nachfolgerin der alten katholischen Kirche von 1899, die ersetzt werden musste, da sie zu klein geworden war.
  • Die Neuapostolische Kirche an der Hauptstraße stammt aus den 1980er Jahren. Die alte neuapostolische Kirche in der Schenkenzeller Straße ist immer noch an einem Dachreiter mit Kreuz zu erkennen; sie wird trotz ihres Ausmaßes als Wohnhaus genutzt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1934: Gebiet ehemaliger Haberershof
  • 1936: Gebiet Kuhbacher Hof
  • 1. April 1974: Gemeinde Lehengericht
  • 1979: Gebiet Vor Heubach

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Schiltach.jpg

Das heutige Stadtwappen wurde von den Herzögen von Urslingen übernommen. Mit dem Aussterben des letzten Urslingers, Herzog Reinhold VI. von Urslingen im Jahre 1442 wurde das Wappen frei. Vermutlich wurde durch Graf Ludwig von Württemberg (Uracher Linie 1409–1450), der ein Gönner der Stadt war, das Wappen vermittelt.

Das Wappen zeigt drei rote Schilde in einem weißen Wappenfeld. Nahezu das gleiche Wappen findet sich im Elsass beim Geschlecht derer von Rappoltstein, deren Burg oberhalb Rappoltsweiler (Ribeauville) stand. Ein Urslinger hatte dort eingeheiratet, dessen Nachfahren nannten sich dann Herren zu Rappoltstein.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus nach Renovierung der Fassade 2006

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat neben dem Bürgermeister 14 Mitglieder, darunter sind drei Frauen. Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:

Bund unabhängiger Wähler 41,7 % (+1,5) 6 Sitze (=)
CDU 25,8 % (+1,3) 4 Sitze (=)
Freie Wählervereinigung Schiltach 20,9 % (+0,7) 3 Sitze (=)
SPD 11,6 % (-3,4) 1 Sitz (-1)

Für den Ortsteil Lehengericht besteht ein Ortschaftsrat mit acht Mitgliedern.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Es besteht seit 1990 eine Partnerschaft mit der Stadt Geising in Sachsen. Diese wurde zum 1. Januar 2011 in die benachbarte Stadt Altenberg (Erzgebirge) eingemeindet, wobei der Fortbestand der Städtepartnerschaft mit Schiltach in der Eingliederungsvereinbarung festgeschrieben wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie und Gewerbe[Bearbeiten]

Schiltach ist trotz seiner ländlichen Lage ein Industriestandort mit mehreren international bekannten Unternehmen. Schon im Zeitalter der Industrialisierung gab es Industriebetriebe. So gab es z. B. mehrere Tuchfabriken, die, begünstigt durch das weiche Wasser der beiden Flüsse, ideale Arbeitsbedingungen hatten. Gleiches galt für die Gerbereien, von denen es in Schiltach mehrere gab. Ebenso gab es mehrere Sägewerke und vor allem die Flößerei, die erst mit dem Bau der Kinzigtalbahn zum Erliegen kam. Das Holz aus Schiltach und Umgebung wurde teilweise auf dem Rhein bis nach Holland geflößt, wo es für den Schiffbau verwendet wurde. Heute sind diese Erwerbszweige bis auf die weithin bekannte Gerberei Trautwein und einige kleinere Sägewerke nahezu verschwunden. Die früher privilegierte Flößerei wird noch von einer regen Flößergruppe am Leben erhalten, um diesen einst wichtigsten Wirtschaftsfaktor Schiltachs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Es gibt noch Betriebe, die schon um die Jahrhundertwende entstanden sind wie Hansgrohe (1901), andere (BBS International GmbH, VEGA Grieshaber KG usw.) kamen später dazu.

Die Schiltacher Unternehmen bieten heute rund 3350 Menschen einen Arbeitsplatz am Ort, was bei einer Bevölkerungszahl von 4000 Einwohnern sicherlich außergewöhnlich ist, vor allem wenn man bedenkt, dass die Stadt an der engsten Stelle des Kinzigtals liegt, topographisch bedingt keine optimalen Rahmenbedingungen für Gewerbeansiedlungen hat und die Autobahnen A 81 und A 5 einige Kilometer entfernt liegen.

Geowissenschaftliches Gemeinschaftsobservatorium[Bearbeiten]

In der stillgelegten Grube Anton in Heubach befindet sich das Geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium Schiltach (BFO)[3], eine interuniversitäre Einrichtung der Universität Stuttgart und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dort werden in einem breiten Spektrum Schwingungen und Deformationen des Erdkörpers erfasst und analysiert. Um das BFO als Forschungseinrichtung mit Weltgeltung vor störenden Einwirkungen durch Windkraftanlagen zu schützen, wurde im Dezember 2012 von Seiten der zuständigen Landesministerien ein Schutzradius von drei Kilometern um den Stollen mit den Messeinrichtungen festgelegt, innerhalb dessen keine Windkraftanlagen genehmigt werden dürfen. Windräder in der Umgebung des BFO führen durch Unwucht und Luftverdrängung zu Störungen des Observationsbetriebs. Zuvor lag der Abstandsbereich seit 2004 bei zehn km um das BFO, was wegen der neuen Bedeutung der Windkraft im Rahmen der Energiewende in einem Gutachten von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vom 13. September 2012 noch einmal überprüft und entsprechend angepasst wurde. Die im Abstandsbereich von drei bis zehn Kilometern möglicherweise betriebenen Windkraftanlagen verursachen zwar unter Umständen Beeinträchtigungen der Qualität kurzperiodischer Aufzeichnungen. Diese können aber durch die Installation eines Arrays von Seismometern um die Zentralstation am BFO zumindest teilweise kompensiert werden.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Die Stadt Schiltach hat eine Grundschule und seit dem Schuljahr 2010/2011 eine Außenstelle der Werkrealschule „Oberes Kinzigtal“ (WRS). Vorher befand sich in den Räumlichkeiten der WRS die Nachbarschaftshauptschule Schiltach/Schenkenzell. Weiterführende Schulen finden sich in umliegenden Städten, z.B. in Schramberg, Wolfach und Hausach. Ein evangelischer und ein katholischer Kindergarten, ein Waldorfkindergarten und eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen (seit 2011) runden das Angebot ab. Die Volkshochschule Schiltach/Schenkenzell ist eine Außenstelle der Volkshochschule Schramberg.

Verkehr[Bearbeiten]

Stadtbrücke über die Schiltach

Schiltach ist angebunden an die Bundesstraßen 294 und 462, welche über Schiltach eine Querspange bilden vom Rhein zum Neckar und somit von der Autobahn A 5 zur A 81. Schiltach ist durch eine Umgehungsstraße verkehrsberuhigt. Die beiden Bundesstraßen führen seit Anfang der 1990er-Jahre durch den 1830 m langen Kirchbergtunnel (B 294) und den 830 m langen Schloßbergtunnel (B 294 und B 462) mit drei Abfahrten um die Stadt Schiltach herum.

Über die Kinzigtalbahn kann man Freudenstadt und Offenburg werktags im Stundentakt erreichen. An Wochenenden fahren einzelne Züge über Offenburg hinaus bis nach Straßburg. Neben dem eigentlichen Bahnhof Schiltach gibt es den näher am Ortskern gelegenen Haltepunkt „Schiltach Mitte“, an dem ebenfalls alle planmäßigen Reisezüge der Ortenau-S-Bahn halten. Die Bahnstrecke Schiltach–Schramberg (eröffnet 1892) wurde 1959 für den Personenverkehr stillgelegt, 1989 auch für den Güterverkehr. Inzwischen wurde der Gleiskörper entfernt. Die Strecke ist nun ein Radweg von Schiltach nach Schramberg. Weiter gibt es inzwischen nahezu durch das ganze Kinzigtal einen Radweg von Freudenstadt bis Offenburg. Verschiedene Busverbindungen in Richtung Offenburg und Freudenstadt sowie eine Anbindung per Bus zur Kreisstadt Rottweil ergänzen das Angebot. Des Weiteren kann man mit dem Stadtverkehr, einem behindertengerechten Kleinbus der SüdbadenBus GmbH, fast alle innerörtlichen Bezirke gut und im 1/2-Stundentakt erreichen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fachwerkhäuser am Marktplatz
Gashof Adler, früher Herrenherberge zum hohen Haus von 1604
Kriegerdenkmal 1870-71 in Schiltach, 1914 entworfen von Eduard Trautwein

Die seit 1971 als Ensemble unter Denkmalschutz stehende Altstadt ist sehr sehenswert, besonders der Schiltacher Marktplatz mit dem Rathaus, nach Plänen des herzoglich württembergischen Landesbaumeisters Heinrich Schickhardt erbaut, und die Gerbergasse im Vorstädtle. In Schiltach finden sich Fachwerkhäuser vom 16. bis 19. Jahrhundert in seltener Geschlossenheit. Die Stadt ist Mitglied an der Kulturstraße Heinrich Schickhardt und an der Deutschen Fachwerkstraße.

Als Fernwanderweg führt der Mittelweg auf dem man von Nord nach Süd den Schwarzwald durchqueren kann (zwischen Pforzheim und Waldshut), durch Schiltach, welches auf dem Weg Etappenziel ist. Außerdem führt auch die Talroute des Kinzigtal-Abschnitts des Jakobuswegs durch die Historische Altstadt und über die ehemalige mittelalterliche Straße Schiltacher Steige.

Silvesterzug: Der Silvesterzug ist eine Art evangelische Prozession am Silvesterabend und wurde bereits 1853 erstmals erwähnt. Der Brauch stammt daher vermutlich bereits aus dem 18. Jahrhundert und dient noch heute dazu, Gott für das ablaufende Jahr zu danken und seinen Segen für das Neue Jahr zu erbitten. Die Bevölkerung zieht mit Laternen nach altüberlieferten Ritualen vom Marktplatz zur Stadtkirche und singt Dankeslieder, die pietistischen Ursprungs sind. Zur Beleuchtung der Stadt dienen Pechfackeln. Die elektrische Beleuchtung ist während des Zuges abgeschaltet. Auch an den Fenstern sollen nur die brennenden Christbäume zu erkennen sein. Der evangelische Pfarrer hält eine Rede vom Fenster des Pfarrhauses aus. Anschließend versammeln sich die Bürger vor dem Rathaus, wo der Bürgermeister eine Rede hält und die Stadtkapelle sowie der Männergesangverein feierliche Weisen vortragen.

Museen[Bearbeiten]

Rechts das Gebäude des Apothekenmuseum Schiltach am Marktplatz

Bauwerke[Bearbeiten]

Blick zur evangelischen Stadtkirche Schiltach
  • Rathaus von 1593 mit Staffelgiebel von 1906
  • Gasthaus zum Adler von 1604
  • Marktplatz
  • evangelische Stadtkirche 1839 - 1843
  • Gerbergasse mit Äußerer Mühle (1557)
  • Schlossbergstraße
  • Städtlebrunnen auf dem Marktplatz
  • Jägerhäusle (1590)

Burgruinen[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Schwäbisch-alemannische Fastnacht
  • Silvesterzug und Neujahrswünsche durch die Schiltacher Nachtwächter
  • Wochenmarkt, jeden Donnerstag in der Gerbergasse
  • Josefsmarkt am 19. März
  • Peter-und-Paul-Markt am 29. Juni
  • Andreas-Markt am Freitag vor dem 2. Advent (früher am 8. Dezember)
  • Bauernmarkt am dritten Sonntag im Oktober
  • Kunsthandwerkermarkt am letzten Sonntag im April
  • Flohmarkt in der Gerbergasse (Mitte Juni)
  • Schiltacher Advent am Freitag vor dem 2. Advent
  • Stadtfest alle fünf Jahre (nächstes Mal: 2015)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Heinrich Baumgartner, Unternehmer (* 25. August 1936 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe BBS International GmbH
  • Hermann Fautz, Gewerbeschullehrer und Heimatforscher (* 14. November 1898 in Gengenbach/Kinzigtal, † 20. Oktober 1979 in Überlingen), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 16. Februar 1973
  • Bruno Grieshaber, Unternehmer (* 16. September 1919 in Triberg, † 7. Oktober 2005 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe VEGA Grieshaber und Grieshaber GmbH & Co KG.
  • Friedrich Grohe, Unternehmer (* 28. August 1904 in Schiltach, † 29. März 1983 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 16. Februar 1973, siehe Friedrich Grohe Armaturen
  • Klaus Grohe, Unternehmer (* 3. April 1937 in Aachen), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe Hansgrohe AG mit Sitz in Schiltach
  • Gustav Kramer, von 1965 bis 1974 Bürgermeister der Gemeinde Lehengericht; danach bis 1983 Ortsvorsteher des Ortsteils Lehengericht, (* 22. Februar 1922 in Lehengericht), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 21. Dezember 1983
  • Peter Rottenburger, von 1970 bis 2002 Bürgermeister der Stadt Schiltach, geb. 16. Juni 1939 in Freudenstadt, Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 25. Oktober 2002

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1974 und 1978 war Schiltach Landessiegerin beim Wettbewerb „Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau“, 1978 wurde sie bei diesem Wettbewerb Bundessiegerin.
  • Das Webportal der Stadt Schiltach wurde am 1. März 2007 von der Akademie Ländlicher Raum, dem Gemeindetag und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg nach 2001 bereits zum 2. Mal zum „InternetDorf“ des Jahres gekürt. Der Internetauftritt der Stadt wurde damit als beste kommunale Web-Site der baden-württembergischen Kommunen unter 20.000 Einwohnern ausgezeichnet. Beim Landeswettbewerb „Internetdorf 2009“ belegte Schiltach den ersten Platz in der Jubiläumskategorie „Bestes InternetDorf der letzten zehn Jahre“

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Harter und Elfi Harter-Bachmann: Schiltach. Schwarzwaldstadt im Kinzigtal, Freiburg 1980
  • Hans Harter: Schiltach - Die Flößerstadt, (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach; Band 1), Stadt Schiltach 2004
  • Hans Harter: Der Teufel von Schiltach: Ereignisse, Deutungen, Wirkungen; mit einer Quellendokumentation, (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Schiltach; Band 2), Stadt Schiltach 2005 ISBN 3-00-016011-6 (Online verfügbar; PDF; 8,9 MB)
  • Schiltacher Kaleidoskop
  • Hermann Fautz: Abriss der Geschichte der Stadt Schiltach, Schiltach 1953
  • Hermann Fautz: Die Trennungsgeschichte der Gemeinden Schiltach und Lehengericht, Sonderdruck aus "Die Ortenau" (28. Heft, Offenburg 1941)
  • Hermann Fautz: Beitrag zur Siedlungsgeschichte der Gemeinden Schiltach-Stadt und Lehengericht, Offenburg 1953
  • Hermann Fautz: Die Schiltacher Stadtbrände, Sonderdruck aus "Die Ortenau" (41. Heft, Offenburg 1961)
  • Hermann Fautz: Die Geschichte der Schiltacher Schifferschaft, Sonderdruck aus "Die Ortenau" (28. Heft, Offenburg 1941)
  • Fritz Laib: Alt-Schiltach, historische Berichte, Hefte 1-3
  • Martin Hesselbacher: Schiltach im Schwarzwald – Schutz einer alten Fachwerkstadt. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 1. Jg. 1972, Heft 3, S. 23–30. (PDF; 9,0 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Schiltach – Quellen und Volltexte
 Commons: Schiltach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Schiltach vom 6. Oktober 2004
  3. [1]Homepage des BFO