Schlaitdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schlaitdorf
Schlaitdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schlaitdorf hervorgehoben
48.6036111111119.2244444444444401Koordinaten: 48° 36′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 401 m ü. NHN
Fläche: 7,31 km²
Einwohner: 1827 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 250 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72667
Vorwahl: 07127
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 063
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 32
72667 Schlaitdorf
Webpräsenz: www.schlaitdorf.de
Bürgermeister: Dietmar Edelmann (Parteilos)
Lage der Gemeinde Schlaitdorf im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild
Schlaitdorfer Rathaus

Schlaitdorf ist eine kleine Gemeinde am Rande des Landkreises Esslingen in Baden-Württemberg. Die Gemeinde gehört zur Region Stuttgart und liegt somit auch in der Metropolregion Stuttgart. Sie ist Teil des Gemeindeverwaltungsverbandes Neckartenzlingen.

Geographie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Ort befindet sich auf einem Höhenrücken zwischen dem Schönbuch und dem Neckartal im Vorland der Schwäbischen Alb.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören außer dem Dorf Schlaitdorf keine weiteren Orte.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Aichtal im Norden, Neckartailfingen im Osten, Neckartenzlingen und Altenriet im Süden (alle Landkreis Esslingen) sowie Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen) im Westen.

Aktuelle Dorfentwicklung[Bearbeiten]

Anfang Oktober 2013 wurde bekanntgegeben, dass der Ort innerhalb der nächsten drei Jahre an das Breitbandnetz der Deutschen Telekom angeschlossen wird. Bürgermeister und Gemeinderat hatten sich hierfür seit 2009 starkgemacht.[2]

Namensdeutung[Bearbeiten]

Der Namen Sleitdorf wird einerseits als rutschig (Lehmboden) gedeutet, das Altdeutsche Namenbuch von Ernst Förstemann allerdings sieht sleit als Bergabhang.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung befindet sich ein keltisches Hügelgrab (Grabhügel im Lehbühl) der Hallstattkultur aus der Zeit von 600 bis 400 v. Chr. Diesem geplünderten Grab wird eine ähnliche Bedeutung wie dem Hügelgrab von Hochdorf an der Enz zugeschrieben.

Aufgrund des Namens lässt sich durch die Ortsnamenforschung die Entstehungszeit Schlaitdorfs auf 500 bis 700 n. Chr. datieren.

Im Jahre 1088 wurde Schlaitdorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Diese erste namentliche Erwähnung findet sich im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach und in ihr ist nicht von Schlaitdorf an sich die Rede, sondern von seinem Herren, dem Albericus de Sleithdorf, der als Zeuge bei einer Schenkung fungierte.

1342 wurde Schlaitdorf von den Pfalzgrafen von Tübingen zusammen mit der Stadt Tübingen und anderen Orten an Graf Ulrich III. von Württemberg verkauft. Mit Burchart dem "Frien" von Schlaitdorf wird 1344 zum letzten Mal von dem Schlaitdorfer Ortsadel berichtet. Bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts weiß man nicht viel über Schlaitdorf. Offensichtlich scheint aber der Ort im Besitz der Adelsfamilie Kaib von Hohenstein zu sein; diese hatten bereits seit 1334 Einkünfte aus Schlaitdorf. 1436 veräußerte Kaib die Ortsherrschaft an den Edelknecht Georg Dürner von Dürnau (Stammsitz im Kreis Göppingen). Dieser trug das Dorf dem Grafen von Württemberg als Lehen auf, ließ sich aber 1451 seine Lehengüter zu Schlaitdorf wieder eignen. Dafür trag er Graf Ulrich von Württemberg seine herrschaftlichen Rechte ab. Georg Dürner veräußerte seinen Grundbesitz durch Tausch und Kauf an Nürtinger Bürger und die Herrschaft Württemberg.

1482 wurde die damals in Schlaitdorf befindliche Burg vom letzten bekannten Burgherren Ludwig Haffenberg zu Neuenriet dem damaligen Pfarrer übergeben, seitdem wurde sie als Pfarrhaus genutzt und mehrmals umgebaut. Heute sind von der ursprünglichen Burg nur noch Reste im Erdgeschoss des Pfarrhauses übrig. Um das Jahr 1500 wurde der heutige Teil der Ortskirche St. Wendelin im Stil der Spätgotik errichtet, Teile des Schiffs könnten auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Im Jahr 1534 wurde Schlaitdorf im Zuge der Reformation evangelisch. Zur Pfarrei Schlaitdorf gehörte seit 1654 auch Altenriet, das sich mit Neckartenzlingen zerstritten hatte und bis 1842 auch Häslach.

Kirche von Schlaitdorf

In der Zeit von 1842 bis 1863 wurde in (längst geschlossenen) Steinbrüchen Stubensandstein gewonnen, er wurde unter anderem zum Bau des Kölner Doms und des Ulmer Münsters verwandt. Dieser ist wegen seiner hohen Kalzit-Anteile besonders empfindlich auf Säure und verwittert daher schnell. Die aus Schlaitdorf stammenden Steine mussten daher später wieder ausgetauscht werden. Zwei ehemalige Steinbrüche sind heute Naturdenkmale.

1935 wurde das heute gültige Wappen verliehen, es zeigt im oberen Teil (Schildhaupt) eine Hirschstange auf goldenem Hintergrund und darunter ein rotes Herz auf weißem Hintergrund. Ursprünglich zeigte das alte Wappen anstatt eines Herzens ein Pflugeisen, doch wurde das Pflugeisen wohl fälschlicherweise als Herz interpretiert und deswegen das Wappen verändert.

Gedenktafel der Gefallenen in den zwei Weltkriegen.

Von 1938 an gehörte Schlaitdorf zum Landkreis Nürtingen, mit dem es 1973 im Landkreis Esslingen aufging.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Schlaitdorf von mehreren Brandbomben getroffen, durch die einige Gebäude zerstört wurden. Im Ersten Weltkrieg sind 21 Schlaitdorfer gefallen, im Zweiten Weltkrieg 26 gefallen und 15 vermisst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohnerzahl
1. Dezember 1871 ¹ 705
1. Dezember 1900 ¹ 658
17. Mai 1939 ¹ 630
13. September 1950 ¹ 878
6. Juni 1961 ¹ 834
27. Mai 1970 ¹ 995
25. Mai 1987 ¹ 1.442
31. Dezember 1995 1.576
31. Dezember 2000 1.635
31. Dezember 2005 1.709
31. Dezember 2010 1.783
31. Dezember 2011 1.833
31. Dezember 2012 1.847

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Schlaitdorf hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
73,2 %
26,8 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
+4,6 %p
+16,0 %p
-20,6 %p
AWV Allgemeine Wählervereinigung 73,2 7 68,6 7
LUBS Liste unabhängiger Bürger Schlaitdorf 26,8 3 10,8 1
GLS Grüne Liste Schlaitdorf 0,0 0 20,6 2
gesamt 100,0 10 100,0 10
Wahlbeteiligung ? % ? %

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Unter goldenem Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, in Silber ein rotes Herz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Die Sportvereinigung Germania Schlaitdorf ist der größte Verein im Ort und wurde 1932 gegründet. Die zwei aktiven Fußballmannschaften des Vereins spielen derzeit in der Kreisliga B. Weitere Sportvereine sind der Tennis-Club Schlaitdorf sowie der Schützenverein Schlaitdorf.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • jährlich:
    • Schlaitdorfer Sommernacht der Freiwilligen Feuerwehr Schlaitdorf am ersten Samstag im August
    • Bockbierfest an Fronleichnam
    • Blaulichtparty der Freiwillige Feuerwehr Schlaitdorf am zweiten Samstag im Januar
    • Sonnwendfeier des Albvereins OG Schlaitdorf
    • Weihnachtsmarkt (am ersten Adventwochenende)
    • Hocketse Liederkranz Schlaitdorf 1876 e.V. Mitte September
  • alle 2 Jahre
    • Dorffest

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 1063-1079.
  • Gemeinde Schlaitdorf (Hrsg.): Schlaitdorf. Aus der Geschichte eines schwäbischen Dorfes. Schlaitdorf, 1988.
  • Der Landkreis Esslingen - Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i.V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seiten 410–421

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlaitdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Nürtinger Zeitung vom 16. Oktober 2013
  3. Digitalisierte Buchausgabe bei Stanford University Libraries and Academic Information resources