Altenriet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Altenriet
Altenriet
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Altenriet hervorgehoben
48.5908333333339.2205555555556403Koordinaten: 48° 35′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 403 m ü. NHN
Fläche: 3,35 km²
Einwohner: 1907 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 569 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72657
Vorwahl: 07127
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 006
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Brunnenstraße 5
72657 Altenriet
Webpräsenz: www.altenriet.de
Bürgermeister: Bernd Müller
Lage der Gemeinde Altenriet im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Altenriet und über den Neckar von Südwesten

Altenriet ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Die Gemeinde gehört zum Gemeindeverwaltungsverband Neckartenzlingen und zur Region Stuttgart.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Altenriet liegt in einer landschaftlich reizvollen Gegend. Der naturräumlich zum Schönbuch gerechnete Ort ist fast bis zum Steilabfall gegen das Neckartal vorgeschoben und bietet freie Sicht auf die Schwäbische Alb.

Gliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören außer dem Dorf Altenriet keine weiteren Orte. Zum Gemeindegebiet gehört eine 31 Hektar große, unbewohnte Exklave. Diese ist vier Kilometer vom Ortskern entfernt und liegt im Schaichtal auf Markung Walddorfhäslach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Schlaitdorf, im Osten und Süden Neckartenzlingen (beide Landkreis Esslingen) und im Westen Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen).

Geschichte[Bearbeiten]

Altenriet 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

Altenriet wurde als Riet um 1100 erstmals als Name des ortsansässigen Adelsgeschlechts urkundlich erwähnt, der Name wird vom Wort Ried für Sumpf abgeleitet. Im 13. Jahrhundert errichteten die Herren von Riet eine Burg im Bereich des heutigen evangelischen Kirchhofs. Später entstand außerhalb des Ortes die „Burg Neuenriet“, die „Burg Altenriet“ verfiel bereits im 15. Jahrhundert. Wahrscheinlich gelangte (Alten)Riet zwischen 1254 und 1265 an Württemberg. 1446 wird Altenryet schriftlich erwähnt.

Bei der Bildung der Oberämter kam es zunächst zum Oberamt Tübingen, wurde aber bereits 1842 zum Oberamt Nürtingen gelegt. Über den Landkreis Nürtingen kam der Ort 1973 zum Landkreis Esslingen.

Religionen[Bearbeiten]

Altenriet ist seit der Reformation evangelisch geprägt, auch heute besteht im Ort ausschließlich eine evangelische Gemeinde. Die rund 1.100 Mitglieder (Stand: 2006) umfassende Kirchengemeinde trifft sich in der St. Ulrichskirche zum Gottesdienst. Katholische Christen werden von Neckartenzlingen aus geistlich betreut.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung von Altenriet zwischen 1600 und 2010
1600 1654 1802 1861 1900 1939 1946 1961 1970 1987 2005 2010
ca. 200 ca. 92 376 404 420 427 618 693 916 1445 1.855 1.933

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit dem 19. Jahrhundert trug das Ortsoberhaupt die Bezeichnung "Schultheiß", am 1. Dezember 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß durch Bürgermeister ersetzt.

  • .......-1845: Matthäus Friedrich Oßwald
  • 1845-1853: Jauß
  • 1853-1874: Johann Gottlieb Armbruster
  • 1874-1915: Matthäus Friedrich Armbruster
  • 1915-1918: Gottlieb Bernhardt, kommissarisch
  • 1919-1945: August Armbruster
  • 1945-1966: Emil Neuscheler,am 28. April 1945 kommissarisch eingesetzt und 1946 im Amt bestätigt.
  • 1966–2002: Herbert Jirosch
  • seit 2002: Bernd Müller

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Altenriet hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
44,56 %
43,31 %
12,13 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-1,84 %p
-0,49 %p
+2,33 %p
FWG mitdenken-mitgestalten Freie Wählergemeinschaft 44,56 5 46,4 5
AListe Altenrieter Liste 43,31 4 43,8 4
SPD/UB SPD/Unabhängige Bürger 12,13 1 9,8 1
gesamt 100,0 10 100,0 10
Wahlbeteiligung 64,29 % 68,35 %

Wappen[Bearbeiten]

Offizielle Blasonierung: Unter blauem Schildhaupt, darin zwei gestürzte goldene Brezeln, in Gold ein aufspringender, rotbezungter schwarzer Bracke (Jagdhund).

Das Heimatbuch des Kreises Nürtingen (1953) beschreibt das Wappen wie folgt: Das 1931 angenommene Ortswappen zeigt unter einem blauen Schildhaupt mit zwei goldenen Brezeln in goldenem Felde eine springende schwarze Rüde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Der älteste Verein in Altenriet ist der 1888 gegründete Liederkranz.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die evangelische Pfarrkirche St. Ulrich wurde vermutlich 1538 erbaut und 1737 erneuert. Im Jahre 1957 wurde das Gebäude bis auf die Grundmauern abgerissen und neu aufgebaut. Eine erneute Kirchenrenovierung wurde 2004 durchgeführt.[2]

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Südlich des Ortes liegen alte Stubensandsteinbrüche, die inzwischen aufgegeben und zugewachsen sind. Sie sind heute Naturdenkmal.[3]

Sport[Bearbeiten]

In Altenriet gibt es den TSV Altenriet (Turn- und Sportverein Altenriet). Einige seiner Fußballmannschaften im Jugendspielbetrieb bilden mangels Spielerzahl eine Sportgemeinschaft mit der SpVgg. Germania Schlaitdorf.

Der zweite im Ort ansässige Sportverein ist der 1976 gegründete TV Altenriet (Tennisverein).

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Eine Woche vor Ostern findet hier der seit über 160 Jahren bekannte traditionelle Brezelmarkt statt. Nach einer Legende über die Burg Neuenriet soll hier die Brezel erfunden worden sein. Höhepunkt ist ein Festumzug am Palmsonntag mit Traditionswägen, die die Legende über die Erfindung der Brezel auf der Burg Neuenriet darstellen.
  • Am letzten Wochenende im September lädt der TSV Altenriet zu seinem Schlachtfest ein.
  • Alle zwei Jahre veranstalten die örtlichen Vereine und die Freiwillige Feuerwehr zusammen mit der Gemeinde das Gässlefest.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im 19. und 20. Jahrhundert waren der Sandsteinbruch und eine Spinnerei die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Der Sandsteinabbau wurde 1936 eingestellt. Heute gibt es in Altenriet nur noch kleinere Gewerbebetriebe sowie ein Möbel- und Einrichtungshaus.

Verkehr[Bearbeiten]

Altenriet wird vom VVS mit der Buslinie 75 (Degerloch-Bernhausen-Aich-Walddorf), der Buslinie 188 (Nürtingen-Altdorf-Neckartenzlingen-Schlaitdorf) und der Buslinie 189 (Neckartenzlingen-Neckartailfingen-Schlaitdorf) bedient. Im Ortsbereich befinden sich vier Haltestellen. Die B 27 von Tübingen nach Stuttgart liegt ca. 4 km entfernt bei Walddorfhäslach. Über diese ist der Flughafen Stuttgart und die Bundesautobahn 8 in ca. 20 Minuten zu erreichen.

Altenriet hat keinen Bahnhof, die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Nürtingen und Metzingen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Altenriet war 1914/1915 von der ehemaligen Baumwollspinnerei Gminder ein Pumpspeicherbecken gebaut worden, um von Neckartenzlingen aus Neckarwasser hinaufzupumpen und eine Turbine im Wasserkraftwerk Neckartenzlingen antreiben zu können. Diese Hochdruckpumpspeicheranlage war die erste ihrer Art in Europa. Auf dem ehemaligen Gelände des Pumpspeicherbeckens befindet sich heute ein Wohngebiet.

Bildung[Bearbeiten]

Altenriet verfügt über zwei Kindergärten und eine Grundschule. Die Schüler besuchen nach der Grundschule in der Regel die weiterführenden Schulen im Schulzentrum Neckartenzlingen. Seit September 2003 besteht auch eine Freie Grundschule (Freie Schule für lebendiges Lernen) in privater Trägerschaft. Die Schule erfüllt den Erziehungs- und Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg und unterrichtet dabei nach der Montessoripädagogik.[4]

Medien[Bearbeiten]

Offizielles Mitteilungsorgan ist das Amtsblatt des Gemeindeverwaltungsverbandes Neckartenzlingen. Über das lokale Tagesgeschehen berichtet die Tageszeitung Nürtinger Zeitung.

Abfallentsorgung[Bearbeiten]

Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Es bestehen getrennte Sammlungen für Biomüll, Hausmüll und Papier. Verpackungen werden im Rahmen des Grünen Punktes in sogenannten gelben Säcken gesammelt. Sperrmüll wird gegen Abgabe eines von zwei Gutscheinen jährlich kostenlos abgeholt oder kann zu einer Entsorgungsstation gebracht werden. Bei den Entsorgungsstationen können auch Elektro- und Metallschrott sowie andere wiederverwertbare Stoffe abgegeben werden. Für Sondermüll wie Leuchtstofflampen und Lacke gibt es besondere Problemstoffsammlungen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Dem früheren Bürgermeister Herbert Jirosch wurde am 2. Dezember 2011 für sein Lebenswerk sowohl auf kommunalpolitischer als auch auf sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Ebene das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Dominic Maroh (*1987), Fußballspieler, geboren in Nürtingen, wuchs in Altenriet auf.
  • Georg Schall (1934-2011), Gewichtheber, lebte in Altenriet und ist auch hier gestorben

Auszeichnungen und Ehrentitel Altenriets[Bearbeiten]

  • 24. Februar 1900: Schultheiß Matthias Friedrich Armbruster wird von der Gemeinde mit der silbernen Verdienstmedaille ausgezeichnet.
  • 25. Februar 1914: Schultheiß Matthias Friedrich Armbruster wird mit der Verdienstmedaille des Friedrichsordens ausgezeichnet.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 93–107.
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i.V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 1, Seiten300–310

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altenriet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.kirche-altenriet.de/menschenaorte/kirchengebaeude
  3. Der Landkreis Esslingen, Band I, hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg, Jan Thorbecke Verlag, 2009, Seite 301
  4. Sonderbeilage der Nürtinger Zeitung zur Freien Schule Altenriet, abgerufen 6. Januar 2009
  5. http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-377788 Bestand E180 II Enthält: Wahl von Jauß, Gottlob Armbruster,Matthias Friedrich Armbruster, August Armbruster. Darin Qu. 70, 73 Verleihung der silbernen Verdienstmedaille an M.F. Armbruster am 24. Februar 1900 und der Verdienstmedaille des Friedrichsordens am 25. Februar 1914