Sewerodwinsk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt
Sewerodwinsk
Северодвинск
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Archangelsk
Stadtkreis Sewerodwinsk
Bürgermeister Michail Gmyrin
Gegründet 1936
Frühere Namen Sudostroi, Molotowsk
Stadt seit 1938
Fläche 120,51 km²
Bevölkerung 192.353 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1596 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7)8184
Postleitzahl 164500–164528
Kfz-Kennzeichen 29
OKATO 11 430
Website www.severodvinsk.info
Geographische Lage
Koordinaten 64° 34′ N, 39° 51′ O64.56666666666739.857Koordinaten: 64° 34′ 0″ N, 39° 51′ 0″ O
Sewerodwinsk (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Sewerodwinsk (Oblast Archangelsk)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Archangelsk
Liste der Städte in Russland
Satellitenbild von Sewerodwinsk
Das Korelski-Kloster Anfang des 20. Jahrhunderts
Eingang des Nikolo-Korelski-Klosters (1691) in Kolomenskoje in Moskau
Sewmasch-Werft
Lomonossow-Straße
Korabelow-Platz

Sewerodwinsk (russisch Северодви́нск; bis 1938 Sudostroi / Судостро́й; 1938–57 Molotowsk / Мо́лотовск) ist eine russische Stadt mit 192.353 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] am Weißen Meer. Sie ist vor allem für ihre Schiffswerften bekannt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sewerodwinsk ist die zweitgrößte Stadt in der Oblast Archangelsk. Sie liegt am Mündungsdelta der Nördlichen Dwina am Weißen Meer, etwa 35 km westlich von Archangelsk und 1000 km nördlich von Moskau.

Klima[Bearbeiten]

Sewerodwinsk besitzt ein subarktisches maritimes Klima. Dieses ist durch lange kalte Winter und kurze kühle Sommer charakterisiert. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 1 °C. Im Winter betragen die Temperaturen meist zwischen −18 und +1 °C, können aber auch bis auf −40 °C fallen. Im Sommer liegen die Temperaturen meist zwischen 8 und 21 °C. Durchschnittlich fallen im Jahr etwa 580 mm Niederschlag. Der meiste Niederschlag fällt im August (68 mm), der wenigste Niederschlag im Februar und März (28 mm).[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Sewerodwinsk.

        Jahr         Einwohner
1939* 21.304
1959* 78.657
1962 97.000
1967 121.000
1970* 144.672
1973 160.000
1976 177.000
1979* 197.232
Jahr Einwohner
1982 161.000
1986 234.000
1989* 248.670
1992 249.800
1996 238.700
1998 233.800
2002* 201.551
2010* 192.353

(*) Volkszählungsdaten

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung einer Siedlung im Gebiet des heutigen Sewerodwinsk geht auf das Jahr 1419 zurück. In diesem Jahr wurde das dortige Nikolo-Korelski-Kloster (Николо-Корельский монастырь) von norwegischen Seefahrern niedergebrannt. [3]

Im Mai 1553 entsandte die englische Company of Merchant Adventurers drei Schiffe unter der Leitung von Admiral Sir Hugh Willoughby und seinem Navigator Richard Chancellor, um eine Nordostpassage durch das Nordpolarmeer zu finden. Auf diese Weise sollte eine neue Handelsroute nach China erschlossen werden. Durch einen Sturm wurden die Schiffe getrennt und Chancellor ging mit seinem Schiff am 24. August 1553 in der Nikolski-Mündung der Nördlichen Dwina unweit des Klosters vor Anker. Chancellor wurde von Iwan dem Schrecklichen empfangen und es wurden im Folgenden Handelsbeziehungen zwischen England und Russland geknüpft.

Von 1553 bis 1584 entstand in dem Gebiet mit dem Sankt-Nikolas-Hafen der erste russische Handelshafen. Dieser war lange Zeit einer der wichtigsten Handelspunkte Russlands, verlor aber mit dem Ausbau des Archangelsker Hafens später an Bedeutung. [3] [4]

Heutige Stadt[Bearbeiten]

Der Bau der heutigen Stadt begann im Jahr 1936 auf ein Dekret Stalins. Das Ziel Stalins war es, eine Schiffswerft für die Nordflotte zu errichten, die diese unabhängig von den Schiffswerften der baltischen Flotte machen sollte. Im Juni 1936 erreichten die ersten Erbauer der Stadt das Gebiet, nahe dem Nikolo-Korelski Kloster, mittels des Schiffes Iwan Kaljajew. Das Gebiet, in dem die Siedlung entstand, erhielt den Namen Sudostroi. Nach Fertigstellung einer Eisenbahnlinie im November 1936 begann der Bau der Schiffswerft.

Wie in vielen anderen Regionen Nordrusslands und Sibiriens wurde auch hier der Bau vorwiegend mit Hilfe Tausender Häftlinge des Gulags bewerkstelligt. Für den Bau der Stadt und der Schiffswerft wurden vor allem die etwa 30.000 Insassen des nahegelegenen Gulags Jagrinski-ITL herangezogen.[5] Man nimmt an, dass beim Bau der Stadt zwischen 1936 und 1953 etwa 25.000 Häftlinge starben.

Am 11. August 1938 wurde Sudostroi zu Ehren Wjatscheslaw Molotows in Molotowsk umbenannt und bekam den Stadtstatus. Am 21. Dezember 1939 wurde die Schiffswerft № 402 (heutige Sewmasch) in Betrieb genommen.[6]

Während des Zweiten Weltkrieges war Molotowsk Nachschubhafen für die alliierten Flotten, welche gemäß Leih- und Pachtgesetz auf diesem Wege die Rote Armee versorgten. Ein Großteil der Transporte, deren Ziel eigentlich der Hafen von Archangelsk war, wurde in Wirklichkeit in Molotowsk entladen. Auf diesem Wege gelangten mehr als die Hälfte der Güter, die für die Archangelsker Region bestimmt waren, über Molotowsk in die Sowjetunion.[7]

Am 12.September 1957 erfolgte die Umbenennung der Stadt in Sewerodwinsk. Der Name leitet sich von der Lage der Stadt an der Nördlichen Dwina ab.[8][9]

Von 1954 bis 1957 wurde in der Sewmasch-Werft das erste sowjetische Atom-U-Boot, die Leninski Komsomol (К-3), gebaut. Es war das erste U-Boot der November-Klasse. In den darauf folgenden Jahren wurden hier viele weitere U-Boot Typen bis hin zur Typhoon-Klasse gebaut, unter anderem auch die später gesunkene K-219. Bis heute ist Sewerodwinsk, mit 128 fertiggestellten Atom-U-Booten, Zentrum des russischen Atom-U-Boot-Baus.

Im Jahr 2007 begann in Sewerodwinsk der Bau des weltweit ersten schwimmenden Kernkraftwerkes, des Kernkraftwerks Akademik Lomonossow. Ursprünglich sollte die Fertigstellung durch die Werft Sewmasch im Jahr 2010 erfolgen. Im Jahr 2008 wurde allerdings entschieden, dass der Bau des Kernkraftwerkes durch die Werft Baltijski Sawod in Sankt Petersburg fortgesetzt wird.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft stützt sich vor allem auf die Schiffbauindustrie. Die Sewmasch (Северное машиностроительное предприятие) ist mit rund 25.000 Beschäftigten Hauptarbeitgeber und die größte russische Werft. Sie dient vor allem dem Bau und der Instandhaltung von Schiffen, U-Booten und Atom-U-Booten, sowie dem Bau von Meeresbohrplattformen. [11]

Daneben gibt es noch eine zweite Werft, die Swjosdotschka (Звёздочка, zu deutsch „Sternchen“). In dieser werden neben dem Schiffbau auch ausgediente Atom-U-Boote verwertet.

Weitere wichtige Industriezweige sind der Maschinenbau, die Metallverarbeitung, die Holzverarbeitung sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Kudemskaja-Schmalspurbahn südlich von Sewerodwinsk ist eine Waldbahn, auf der der Holztransport vollständig eingestellt wurde, sie dient heute nur noch dem Personenverkehr.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation); Čislennost' naselenija po municipal'nym obrazovanijam i naselennym punktam Archangel'skoj oblasti, vključaja Neneckij avtonomnyj okru Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda (Bevölkerungsanzahl der munizipalen Gebilde und Ortschaften der Oblast Archangelsk einschließlich des Autonomen Kreisen der Nenzen Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010.) Tabelle (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Oblast Archangelsk)
  2. http://pogoda.ru.net/climate/22550.htm Klimadiagramm des nahegelegenen Archangelsk
  3. a b http://www.towns.ru/other/nikkor.html Russische Seite über das Kloster
  4. http://www.ru-sever.narod.ru/history2.htm Geschichte der Stadt (auf Englisch)
  5. Jagrinski-ITL (JagrinLag) im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
  6. http://www.sevmash.ru/?id=2435&lg=ru (russisch)
  7. http://www.globalsecurity.org/military/world/russia/severodvinsk.htm
  8. http://www.severodvinsk.info/ Offizielle Seite der Stadt
  9. http://www.mojgorod.ru/arhangel_obl/severdvinsk/index.html
  10. Rosenergoatom - 08/08/2008 - Construction of floating NPP to be continued by Baltiysky Zavod (englisch)
  11. http://www.sevmash.ru/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sewerodwinsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien