Vinschgaubahn

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Koordinaten: 46° 41′ 02″ N, 10° 32′ 57″ O

Vinschgaubahn Meran–Mals
Ein Stadler GTW im Endbahnhof Mals
Ein Stadler GTW im Endbahnhof Mals
Streckenlänge: 60,40 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 29 
Minimaler Radius: 200 m
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
von Bozen
0,00 Meran / Merano 325 m
Algund / Lagundo
Etsch und Staatsstraße 38
3,6 Marling / Marlengo
Kehrtunnel Marling 598 m
Josefsbergtunnel 597 m
Galerie 80 m
Töll Tunnel 684 m
Töll Brücke / Tel Ponte
10,4 Töll / Tel
Rabland / Rablà
14,0 Plaus
17,3 Naturns / Naturno
19,8 Schnalstal / Senales
Staben / Stava
22,5 Tschars / Ciardes
26,2 Kastelbell / Castelbello
29,3 Latsch / Laces
32,1 Goldrain / Coldrano
Etsch
Überbauung 142 m
37,8 Schlanders / Silandro
44,9 Laas / Lasa
49,0 Eyrs / Oris
52,3 Spondinig / Spondigna
56,1 Schluderns / Sluderno
59,8 Mals / Malles Venosta


Die Vinschgaubahn (auch: Vinschgerbahn, ital. Ferrovia della Val Venosta) ist eine normalspurige Nebenbahn in Südtirol (Italien), welche ursprünglich durch die private Vinschgaubahn Aktiengesellschaft erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft durch den Vinschgau entlang der Etsch von Meran nach Mals. Ursprünglich war sie als Teilstück einer Alpentransversale westlich des Brenners geplant.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Vinschgaubahn wurde 1898 als staatlich garantierte normalspurige österreichische private Lokalbahn konzessioniert und am 1. Juli 1906 gleichzeitig mit dem neuen Bahnhof Meran der seit 1881 bestehenden Lokalbahn Bozen-Meraner Bahn in Betrieb genommen. Den Betrieb führten die k.k. österreichischen Staatsbahnen kkStB.

Ursprünglich war die Weiterführung der Strecke als Reschenbahn über den Reschenpass ins Inntal und weiter bis zum Bahnhof Landeck an der Arlbergbahn vorgesehen gewesen. Die Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg verhinderte die Verwirklichung dieses Projekts, wenn auch vereinzelte Bautätigkeiten im Raum Landeck bereits durchgeführt waren. Eine Verknüpfung mit der Rhätischen Bahn sollte mit dem Projekt der Ofenbergbahn verwirklicht werden, welche aber über das Projektstadium nie hinaus kam.

Am Ufer der Etsch bei Naturns
Am Ufer der Etsch bei Naturns

Nach dem für Österreich-Ungarn verlorenen Ersten Weltkrieg wurde Südtirol im November 1918 von Italien besetzt und auf Grund des Vertrages von St. Germain 1920 annektiert. Der Betrieb wurde daher ab 1918 von den Italienischen Staatsbahnen FS betrieben. Für die nächsten 60 Jahre wurde von der FS nur wenig in die Infrastruktur der Bahn investiert, wenn auch in Mals ein Gleisfünfeck gebaut wurde, welches speziell zum Wenden von Schlepptenderlokomitven dient. Immer wieder wurden Gerüchte über eine Stilllegung laut, bereits seit 1961 stand dieses Thema zur Debatte. Im Jahr 1985 keimte Hoffnung auf eine Modernisierung auf, als an einzelnen Abschnitten Tunnelsicherungen und Streckenerneuerungen vorgenommen wurden, so beispielsweise zwischen Tschars und Kastelbell. Auf der anderen Seite wurde aber auf weiten Streckenteilen noch die Erstausstattung der Bahn aus dem Jahr 1905 genutzt. Die Elektrifizierung der Strecke Bozen-Meran im Jahr 1934 machte die Vinschgaubahn zum kostenaufwändigen Inselbetrieb. Der Güterverkehr hatte seit der Entscheidung der Vinschgauer Obstgenossenschaften, die Obsttransporte auf die Straße zu verlagern kaum noch eine Rolle gespielt. Die Bahn wies ein immer höheres Betriebsdefizit auf. Die italienischen Staatsbahnen waren fest entschlossen, ihre Strukturen zu verschlanken und defizitäre Infrastrukturen, insbesondere in der Peripherie abzubauen. Im Jahr 1987 wurde die Vinschgaubahn von den Italienischen Staatsbahen als „ramo secco“ (dürrer Ast) eingestuft und zur Gesamtstilllegung vorgesehen. Diese Zeit war gekennzeichnet von demonstrativem Desinteresse der Italienischen Staatsbahnen an der Strecke: Ende der 1980er Jahre wurde jeweils in den (touristisch stark frequentierten) Sommermonaten die Bahn durch Autobusse ersetzt, welche eigens aus der Lombardei gemietet wurden, angeblich zur Gewährung von Ferien an das Personal oder zur Durchführung von Tunnelsicherungsarbeiten. In den letzten Jahren unter der Staatsbahnen bestand der Fahrplan aus nur noch drei werktäglichen Zugpaaren. Am 9. Juni 1990 rollte dann der letzte planmäßige Zug durch den Vinschgau bevor die Strecke stillgelegt wurde.

Den Personenverkehr übernahmen Autobusse des Südtiroler Automobildienstes SAD. Die Unzufriedenheit der lokalen Bevölkerung, aber auch der Touristen, mit der Zunahme des Straßenverkehrs im Vinschgau ließ jedoch die Stimmen, die nach einer Wiederinbetriebnahme der Bahn riefen, nie ganz verstummen.

Wendestern im Mals
Wendestern im Mals

1999 ging die Bahnstrecke in den Besitz des Landes Südtirol über, in den Jahren 2000 bis 2004 wurde sie unter der Führung der STA Südtiroler Transportstrukturen AG im Auftrag des Landes generalsaniert. Obwohl der Oberbau der Strecke auf voller Länge erneuert werden musste, erwies es sich als vorteilhaft, dass die Gleisanlagen in den Jahren zuvor nicht abgetragen wurden. Einerseits waren noch keine Grundstücke anderen Verwendungen wie dem Straßenbau zugeführt worden, anderseits war die Bahn nie ganz aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden. Weiters wurden die historischen Bahnhofs- und Haltestellengebäude originalgetreu restauriert und, wo notwendig, durch neue Bauwerke in einheitlichem modernen Design ergänzt. Ebenfalls erhalten blieb der eigenwillige Wendestern im Bahnhof Mals. An mehreren Bahnhöfen werden Fahrrad-Verleihstationen eingerichtet.

[Bearbeiten] Betrieb

Der Bhf. Mals wurde als Umsteigeknoten zu den regionalen Buslinien gestaltet
Der Bhf. Mals wurde als Umsteigeknoten zu den regionalen Buslinien gestaltet

Der Personenverkehr ist nach Abschluss der Sanierung unter Betriebsführung der SAD Nahverkehr AG (Verkehr) und der SBA (Südtiroler Bahnanlagen GmbH – Infrastruktur) am 5. Mai 2005 wieder aufgenommen worden, dabei werden acht neue Diesel-Niederflurtriebwagen der Bauart Stadler GTW eingesetzt. Das Betriebskonzept wurde vom Ingenieurbüro Willi Hüsler, Zürich erarbeitet. Die Wiedereinführung des Güterverkehrs ist jedoch vorläufig nicht vorgesehen.

Ab der Eröffnung verkehrte die Bahn im Stundentakt bei vorerst unveränderten Autobusfahrplänen im Vinschgau. Während dieser als Probebetrieb bezeichneten Phase wollte man Erfahrungen im Betrieb sammeln und allfälliges Verbesserungspotential erkennen. Seit Herbst 2005 verkehren werktags zusätzlich Eilzüge, die bis Schlanders nur in den wichtigsten Stationen halten. Seit Mitte Dezember 2006 fahren einige dieser Eilzüge bis Bozen und von Bozen bis Mals.

Heute (Sommer 2008) sind die Züge in den Sommermonaten sehr gut ausgelastet. Insbesondere für den stark nachgefragten Fahrradtransport reichen die Kapazitäten oft nicht aus, so dass Radfahrer an den Unterwegsbahnhöfen nicht mehr mitgenommen werden können.

Ein Triebwagen verlässt Mals in Richtung Meran
Ein Triebwagen verlässt Mals in Richtung Meran
Der Bahnhof von Spondinig
Der Bahnhof von Spondinig

[Bearbeiten] Rollmaterial

  • 12 dieselelektrische Stadler GTW 2/6
  • Die letzte erhaltene, 1882 gebaute Dampflokomotive dieser Bahnstrecke FS 899.006 (ex kkStB 294.09 ex Bozen-Meraner-Bahn „2 Meran“) war einige Zeit in Turin als Denkmal aufgestellt, befindet sich aber heute im italienischen Eisenbahnmuseum in Pietrarsa bei Neapel (seit Dez. 2007 wieder zugänglich).

[Bearbeiten] Literatur

  • Andreas Gottlieb Hempel: Vinschgau in einem Zug - Mit der Bahn durch das westliche Südtirol. Folio Verlag, Wien Bozen 2006, ISBN 978-3-85256-335-0.
  • Offizielle Festschrift zur Wiedereröffnung: Zukunft bewegt! Die Vinschgerbahn Meran - Mals. Eigenverlag Eisenbahnarchiv Tirol, 2005.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Galerie

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