Mals

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Mals
(ital.: Malles Venosta, vallader: Damal)
Wappen von Mals
Mals (Südtirol)
Mals
Mals
Lage von Mals in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Vinschgau
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
5.088/5.148
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
96,92 % deutsch
3,00 % italienisch
0,08 % ladinisch
Koordinaten 46° 41′ N, 10° 33′ O46.69027777777810.5416666666671051Koordinaten: 46° 41′ N, 10° 33′ O
Meereshöhe: 921–3738 m s.l.m. (Zentrum: 1051 m s.l.m.)
Fläche: 247,1 km²
Dauersiedlungsraum: 24,1 km²
Fraktionen: Burgeis, Laatsch, Mals, Matsch, Planeil, Plawenn, Schleis, Schlinig, Tartsch
Nachbargemeinden: Glurns (I), Graun im Vinschgau (I), Laas (I), Schlanders (I), Schluderns (I), Schnals (I), Scuol (CH), Sent (CH), Sölden (A), Taufers im Münstertal (I)
Postleitzahl: 39024
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021046
Steuernummer: 82006550212
Politik
Bürgermeister (2009): Ulrich Veith (SVP)

Mals (italienisch Malles Venosta, Vallader Damal) ist eine 1051 Meter hoch gelegene Marktgemeinde mit 5148 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) im Obervinschgau in Südtirol (Italien).

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt südlich der Malser Haide, der „Multen“, einem großen Schuttkegel der Alpen. Flächenmäßig ist Mals die zweitgrößte Gemeinde Südtirols. Der Hausberg von Mals ist die Spitzige Lun (2324 m).

Folgende Fraktionen (Ortsteile) gehören zur Gemeinde Mals:

Geschichte[Bearbeiten]

Als früherer Siedlungsplatz wird Malettes angenommen, eine Hochweide auf 1597 m östlich oberhalb Mals. Urkundlich wird Mals das erste Mal 1094 erwähnt. Von älteren Namensforschern wurde der Name Mals wie folgt abgeleitet: „Mallum = Mal-Thingstätte, Gerichtsplatz;“. Zutreffender als die germanische Ableitung dürfte jedoch die vorlateinische Wurzel „mal = Berg“ sein.

Dass sich auch die Römer in Mals aufgehalten haben, gilt als sicher. Im 12. Jh. war Mals Gerichtsort der churischen Gotteshausleute und vielleicht auch schon der tirolischen Eigenleute. Die Landesfürstin Claudia de’ Medici verlieh dem Ort Mals am 13. Jänner 1642 das Wappen und das Marktrecht für zwei Jahrmärkte: den Georgimarkt (23. April) und den „Gollimarkt“ (16. Oktober).

Auf der Malser Heide nordwestlich des Ortes steht als Denkmal ein Beinhaus, das nach dem Ersten Weltkrieg im italienischen Faschismus errichtet wurde. Das Denkmal ist wegen seines Bedeutungsinhalts umstritten, zumal keiner der dort beigesetzten Soldaten vor Ort bzw. für den italienischen Staat gefallen war.[2]

Zahlreiche Oberschulen machen Mals zum Schulzentrum des Obervinschgau. Auf kleinregionaler Ebene ist Mals auch ein Zentrum der Verwaltung und des Einkaufs.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ und Fröhlichsturm in Mals
St.-Benedikt-Kirche

Die Marktgemeinde wurde wegen ihrer Kirchtürme früher auch die „Siebentürmige“ oder Siebenkirchen genannt; von den ehemals sieben Türmen existieren nunmehr noch fünf: Die Pfarrkirche, St. Benediktskirche, Martinskirche, Michaelskirche sowie die Kirche zu den Vierzehn Nothelfern. Von der Johannskirche steht nur mehr der Turm. Die Kirche zum Hl. Nikolaus und die Jakobskirche gibt es nicht mehr. Aus dem Mittelalter stammen auch die sieben Ansitze, die zum Großteil heute noch bewohnt sind. Die Namen dieser Ansitze sind Fröhlichsturm, Droßturm, Preschgenegg, Lichtenegg, Malsegg, Goldegg auch Albersheim genannt und Pracassan.

Kirchen[Bearbeiten]

Maria Himmelfahrt[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt besitzt einen gotischen Kirchturm. Der Turm wurde um 1530 erbaut und mit einem harmonischem Geläute versehen.

St. Benedikt[Bearbeiten]

Von den Kirchen ist St. Benedikt die bedeutendste, da sie die ältesten, zum Teil gut erhaltenen karolingischen Fresken des 9. Jahrhunderts aufweist. Dargestellt sind geistliche und weltliche Stifter. Sie hat eine rechteckige Saalform. Das Gebäude steht ungünstig, denn es wurde des Öfteren übermurt, was zur Folge hatte, dass die Kirche stets feucht war. Einige Historiker nehmen an, sie könnte auf einem rätischen Quellheiligtum stehen. Ursprünglich besaß sie keinen Kirchturm, wahrscheinlich erst im 12. Jahrhundert wurde ein romanischer Turm hinzugefügt. Es wird angenommen, dass die Kirche im 8. Jahrhundert erbaut wurde, denn sie war ursprünglich eine Kirche des Churer Bischofs. In den Vitrinen in der Kirche St. Benedikt sind heute Stuckreste ausgestellt, die ursprünglich die Altarwand zierten.

St. Martin[Bearbeiten]

Die Kirche St. Martin geht auf das 12. Jahrhundert zurück und erhielt im 16. Jahrhundert einen gotischen Chor. St. Martin bleibt stets verschlossen, nur wenige Gottesdienste werden in dieser Kirche noch gefeiert.

St. Johann[Bearbeiten]

Von der 1799 von den Franzosen zerstörten Kirche St. Johann steht nur noch der romanische Turm und Reste der Kirchenfassade an der Seite des Punibachs. Das Kirchenschiff wurde in ein Wohnhaus umgewandelt. Der Turm gilt als der schönste der drei romanischen Türme in Mals.

St. Michael[Bearbeiten]

St. Michael am Friedhof ist ein zierliches spätgotisches Kirchlein (16. Jahrhundert). Am Friedhof befinden sich zwei Werke des zeitgenössischen Malser Künstler Karl Plattner. Eines ist die Darstellung am Kriegerdenkmal, das andere befindet sich beim Familiengrab der Plattner, wo auch der Künstler beigesetzt ist.

Kapuzinerkirche[Bearbeiten]

Die Kapuzinerkirche: Am Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurde das Kapuzinerhospiz gegründet und im Jahre 1699 wurde die Kapuzinerkirche eingeweiht. Das Kloster wurde in den 1990ern aufgelassen und an seiner Stelle das Altenheim St. Martin gebaut. Die Kirche steht noch und ist sowohl von außen als auch direkt vom Heim aus zugänglich. Es finden regelmäßig Gottesdienste statt.

Vierzehn Nothelferkirche oder Dreifaltigkeitskirche[Bearbeiten]

Die Vierzehn Nothelferkirche stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Inneren des Rundbaues befinden sich ein zierlicher Barockaltar und die Ölbilder der 14 Nothelfer.

Ruine Fröhlichsburg[Bearbeiten]

Der Bergfried der Fröhlichsburg ist 33 m hoch und hat einen Umfang von 33,5 m. Die Fröhlichsburg wurde wegen des Bergfrieds (auch "Bergfrit") und wegen der römischen Inschriften, die man in der Nähe des Turms fand, häufig als römischer Bau dargestellt. Dass dem nicht so ist, erklärte bereits um 1736 der Gelehrte Anton Roschmann. Der Bergfried war auch ein Gerichtssitz.

Die Burganlage wurde im 12. und 13. Jahrhundert durch die erstmals 1149 erwähnten Herren von Mals (Matsch) erbaut. Ab Ende des 16. Jahrhunderts besaßen die Herren von Fröhlich die Burg und davon zeugt auch ihr Name. Heute ist die Burgruine in Privatbesitz.

Der Droßturm ist ein mittelalterlicher Bau und wurden von den Grafen von Trapp oder den stammverwandten Matschern erbaut.

Sehenswert ist auch der Ansitz Lichtenegg mit Wappensteinen und Wandmalereien. 1880 hat der Malser Arzt Dr. Heinrich Flora einen Naturpark mit Mischwald angelegt.

Der Ansitz Goldegg oder Albersheim ist der einzige der sieben Ansitze von Mals, der sich nicht im Privatbesitz befindet. Das Haus wechselte jedoch häufig den Besitzer.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Mals ist Endpunkt der Vinschgaubahn

Mals ist Endpunkt der 1906 eröffneten Vinschgaubahn über Schlanders und Meran nach Bozen. Im Bahnhofsareal befindet sich einer der letzten erhaltenen Wendesterne. Zwei internationale Buslinien verbinden die Gemeinde einerseits mit Zernez in Graubünden (Schweiz) und andererseits über Nauders in Tirol (Österreich) mit Martina in Graubünden.

In der Nähe von Mals liegt das Wintersportgebiet Watles.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Mals besteht aus 20 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mals von Malettes aus in Richtung Laatsch, Taufers und Münstertal/CH

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Rüber: Sankt Benedikt in Mals. Frankfurt a. M.: Lang 1991. ISBN 3-631-44189-4
  • Elisabeth Rüber-Schütte: Neue Forschungen zu Sankt Benedikt in Mals. In: Der Vinschgau und seine Nachbarräume, hg. v. Rainer Loose, Bozen 1993.
  • Mercedes Blaas: Siebenkirchen – Geschichte der Pfarre Mals. Bozen: Tappeiner 1992. ISBN 978-8870731385
  • Alexandra Meier: St. Prokulus in Naturns und St. Benedikt in Mals. Grin 1996. E-Book

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Südtirol Handbuch 2013 S.220
  2. Südtiroler Schützenbund: »Die faschistischen Mausoleen (Beinhäuser)«