Evangelische Hochschule Freiburg

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Evangelische Hochschule Freiburg
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Gründung 1918
Trägerschaft Evangelische Landeskirche in Baden
Ort Freiburg im Breisgau
Bundesland Baden-Württemberg
Land Deutschland
Rektorin (Organ der Hochschule) Renate Kirchhoff
Studenten 973 WS 2015/16[1]
Website http://www.eh-freiburg.de

Die Evangelische Hochschule Freiburg (EH Freiburg) ist eine konfessionelle, staatlich anerkannte Fachhochschule mit Sitz in Freiburg im Breisgau. Träger der Hochschule ist die Evangelische Landeskirche Baden. Seit dem 1. Januar 2015 ist Renate Kirchhoff die neue Rektorin der Hochschule.

Das Kernstudienangebot der EH Freiburg bilden die Bachelorstudiengänge Soziale Arbeit, Religionspädagogik/Gemeindediakonie sowie Pädagogik der Kindheit. Die Hochschule dehnte in den letzten Jahren ihr Studienangebot durch neue Masterstudiengänge und im Bereich Weiterbildung aus.

Die größte Forschungseinrichtung im Bereich Sozialer Arbeit (Forschungs- und Innovationsverbund an der EH Freiburg - FIVE) in Deutschland ist an der EH Freiburg angesiedelt. In mehreren Instituten wird unter anderem zu Fragestellungen der Gerontologie, der sozialwissenschaftlichen Frauenforschung, der zivilgesellschaftlichen Entwicklung und der Kinder- und Jugendforschung gearbeitet.

Im Austausch mit FIVE, dem Institut für Weiterbildung (IfW) und der Akademie für soziales Wohnen, verbindet die EH Freiburg Forschung und Weiterbildung (zum Beispiel in Palliative Care und Case Management).

Der Deutsche Wissenschaftsrat hat im Oktober 2014 die Institutionelle Reakkreditierung der Evangelischen Hochschule Freiburg aufgrund ihrer „überzeugenden Entwicklung“ für den Maximalzeitraum von zehn Jahren positiv beschieden. Besonders positiv würdigte der Wissenschaftsrat das „überzeugende Studienangebot und die starke Forschungsorientierung der Hochschule“.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Hochschule Freiburg

Durch die Frauenbewegung, die das Ziel einer geschlechtsgemäßen beruflichen Ausbildung im wohlfahrtspflegerischen Bereich verfolgte, entstanden in Deutschland zwischen der Jahrhundertwende und dem Anfang der 1920er-Jahre Soziale Frauenschulen. Weitere Motivation zu deren Entstehung lieferte die Not des Ersten Weltkriegs, von der besonders Frauen betroffen waren, die durch qualifizierte weibliche Kräfte unterstützt werden sollten.[3]

In Freiburg trieb Marie Luise Marschall von Bieberstein, die Witwe des Politikers Adolf Marschall von Bieberstein, als Gründerin des „Evangelischen Frauenverbands für Innere Mission in Baden“ die Einrichtung einer solchen Bildungseinrichtung voran. Am 16. Juli 1918 fand die erste konstituierende Sitzung des Arbeitsausschusses (heutiges Kuratorium) statt. Am 1. Oktober 1918 wurde der Lehrbetrieb unter dem Namen Evangelische Frauenberufsschule für kirchliche und soziale Arbeit mit zwölf Schülerinnen aufgenommen.[4] Ein Jahr später entstand mit der Sozialpolitischen Frauenschule Freiburgs ebenfalls eine der beiden Vorgängerschulen, aus denen später die Katholische Hochschule Freiburg hervorgehen sollte.[3]

Die Evangelische Frauenberufsschule für kirchliche und soziale Arbeit wurde indes 1921 staatlich anerkannt und änderte ihren Namen in „Evangelisch-Soziale Frauenschule“. Nach Rektorin Lina Mayer-Kulenkampff führte Julie Schenck (* 1895) ab 1923 die Schule. Diese zog 1926 in die Goethestraße 2, die bald um ein Internat erweitert wurde.[5] 1943 übernahm die Evangelische Landeskirche in Baden die Trägerschaft. 1945 wurde der Lehrbetrieb kurzfristig nach Konstanz evakuiert und setzte den Unterricht später in der Goethestraße fort.[4]

Schenck führte die Schule bis zu ihrem Tod im Juni 1955 nach schwerer Krankheit.[6] Im selben Jahr gab es eine erneute Namensänderung in „Evangelisches Seminar für Wohlfahrtspflege und Gemeindedienst“. Ab 1956 wurden auch Männer zugelassen. 1957 wurde ein Neubau an der Ecke Goethe-/Kronenstraße bezogen. Von 1968 bis 1971 trug die Institution den Namen „Höhere Fachschule der Evangelischen Landeskirche in Baden“. Im Zuge einer Änderung des Hochschulrahmengesetzes 1971 wurde daraus die Evangelische Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Gemeindediakonie. 1975 wurde im Westen von Freiburg in unmittelbarer Nähe des sozialen Brennpunkt-Stadtteils Weingarten ein Neubau des Architekten Fritz Eberhard bezogen. Die alten Räumlichkeiten wurden aufgegeben.[4]

Zum Sommersemester 2007 führte die damalige Landesregierung von CDU und FDP eine Studiengebühr in Höhe von 500 € ein. Unabhängig von diesem staatlichen Beschluss wurden auf Entscheid der Träger, der evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg, ebenfalls Studiengebühren an den zwei evangelischen Hochschulen in Freiburg und Ludwigsburg eingeführt, indem die Studiengebührenregelungen im Kirchenrecht verankert wurden. Dies betrifft neu startende Studierende, Quereinsteiger und Studierende bei Überschreitung der Regelstudienzeit. In Abstimmung mit den Studierenden wurden Befreiungstatbestände und Härtefallregelungen erarbeitet, die dazu führen, dass 15 % der Einnahmen aus Studiengebühren wieder an die Studierenden zurückfließen. Zudem hat die Hochschule ein BAföG-Modell entwickelt und einen Darlehensfonds eingerichtet.[4]

Erweiterungsbau der Hochschule

Die neu gewählte grün-rote Landesregierung schaffte zum Sommersemester 2012 die Studiengebühren an staatlichen Hochschulen wieder ab.[7] Die Evangelische Landeskirche in Baden dagegen erhebt weiterhin Studiengebühren, jedoch in reduzierter Höhe von 280 statt 500 €. Begründet wird dies damit, dass sich die Kompensationszahlungen der Landesregierung auf staatliche Hochschulen beschränken.[8] Eine Ausnahme hiervon bildet seit dem Wintersemester 2013/14 der Bachelor-Studiengang Pädagogik der Kindheit, da dieser durch das Förderprogramm Sozialstudiengänge an nichtstaatlichen Hochschulen des Landes Baden-Württemberg finanziert wird.[9]

Da das für 500 Studierende konzipierte Gebäude, gebaut und bezogen in den 70er Jahren, zu klein geworden ist, wurde die Hochschule von der Evangelischen Landeskirche durch ein neues Gebäude erweitert. Die Grundsteinlegung fand am 8. Mai 2013 statt.[10] Gebaut wurde nach einem Entwurf des Architekturbüros Lamott & Lamott aus Stuttgart.[11] Die Baukosten des im Oktober 2014 eröffneten Neubaus von 7,4 Millionen Euro wurden vollständig von der Evangelischen Landeskirche in Baden getragen. Durch die Erweiterung bietet die Evangelische Hochschule Platz für etwa 1.000 Studenten, für die Forschungsinstitute und vor allem auch für große Fachtagungen.[12]

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich der EH Freiburg (mit Schriftzug vor der Einführung des Corporate Designs im Rahmen des stringenten Hochschulmarketings)

Zum Wintersemester 2005/2006 wurden sämtliche Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Im Juli 2005 hat der Ministerrat des Landes Baden-Württemberg die staatliche Anerkennung für die beantragten Studiengänge der EH Freiburg ausgesprochen.

Folgende Bachelorstudiengänge werden angeboten:

  • Soziale Arbeit
  • Religionspädagogik/Gemeindediakonie
  • Pädagogik der Kindheit

Diese Masterstudiengänge gibt es:

  • Soziale Arbeit (konsekutiv, forschungsorientiert)
  • Bildung und Erziehung im Kindesalter (konsekutiv)
  • Religionspädagogik (konsekutiv) (befindet sich seit 2014 in Neukonzeption)
  • Sozialmanagement (anwendungsorientiert)
  • Supervision
  • Management, Ethik und Innovation im Nonprofit-Bereich (Kooperationsstudiengang mit anderen Hochschulen)

Organe der Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rektorat und der Senat sind die Organe der Hochschule gem. § 12 RVO Verfassung EH Freiburg vom 24. Juli 2013 [2]. Das kollegiale Rektorat leitet die Hochschule. Es ist für alle Angelegenheiten zuständig, für die in der Verfassung keine andere Zuständigkeit festgelegt ist. Dem Rektorat gehören an: 1. Die Rektorin bzw. der Rektor, 2. die Prorektorin bzw. der Prorektor und die Kanzlerin bzw. der Kanzler. Der Senat entscheidet in Angelegenheiten von Lehre, Studium, Weiterbildung und Forschung, die von grundsätzlicher Bedeutung und nicht zur abschließenden Entscheidung dem Rektorat oder einem seiner Mitglieder, den Fachbereichen oder den Hochschuleinrichtungen übertragen sind, vgl. §§ 15, 16 Verfassung der EH Freiburg. Ein weiteres Gremium der Hochschule ist das Kuratorium, welchem die Aufsicht über die Hochschule obliegt – übertragen von dem Evangelischen Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Kirchliche Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchliche Trägerschaft bedeutet, dass die Hochschule in spezifischer Weise den Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden wahrnimmt, zur sozialen Bildung und Sozialgestaltung beizutragen. Daraus ergibt sich für Lehre, Forschung und Weiterbildung ein besonderer Stellenwert der Reflexion in Anthropologie und Ethik und des interdisziplinären Dialogs im Bereich der Human- und Gesellschaftswissenschaften. Die Theologie und Religionswissenschaft werden darin als gleichberechtigte Partner einbezogen. Die evangelische Trägerschaft verpflichtet zu Weltoffenheit und Toleranz in Forschung, Lehre und Weiterbildung. Nach § 3 (1) des Kirchlichen Gesetzes über Fachhochschule der Evangelischen Landeskirche in Baden vom 23. Oktober 2003 gilt: „Die Fachhochschule ist in Lehre und Forschung frei; sie ist dabei an den kirchlichen Auftrag und das staatliche und kirchliche Recht gebunden.“

Forschungs- und Innovationsverbund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1985 besteht die Forschungseinrichtung „FIVE – Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg“ als eigenständiger, aber strukturell mit der EH Freiburg verzahnter, eingetragener und gemeinnütziger Verein. Es ist Mitglied im Diakonischen Werk Baden. Die Institute von FIVE sind:

  • AGP – Institut für angewandte Sozialforschung – Arbeit. Gesellschaft. Partizipation
  • SoFFI F. – Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg
  • itb – Institut für interdisziplinäre Theologie und Beratungsforschung
  • ZfKJ – Zentrum für Kinder- und Jugendforschung
  • zze – Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung

Im Eigenverlag von FIVE, dem FEL-Verlag, werden Forschungs- und Projektberichte veröffentlicht.

Institut für Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Weiterbildung ist Teil des Fort- und Weiterbildungsauftrages der Hochschule. Schwerpunktmäßig finden Fortbildungen zu Case Management, Palliative Care und Traumapädagogik statt.

Im Kompetenzzentrum Pädagogik der Kindheit werden die Aktivitäten im Bereich Früh-/Kindheitspädagogik an der Evangelischen Hochschule Freiburg zusammengeführt und Tagungen sowie Weiter- und Fortbildungen angeboten.

Die Akademie für soziales Wohnen an der EH Freiburg bietet Fortbildungen an, die sich mit Fragestellungen rund um das Thema Wohnen auseinandersetzen, wie z. B. Beratung zu Mietschulden und Konfliktberatung in Wohnanlagen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ulrich Nübel: Frauen, Fenster, Wege, Aktivitäten. Zum 70jährigen Bestehen der Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Gemeindediakonie der Evangelischen Landeskirche in Baden, Freiburg 1988
  • Jürgen Rausch und Eric Bintz (Hrsg.): Jugendarbeit in der Perspektive einer europäischen Zivilgesellschaft; SAK Lörrach und Lörrach International 2013, ISBN 978-3-945046-01-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Stellungnahme des Deutschen Wissenschaftsrates zur Reakkreditierung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Drs. 4178-14): online
  3. a b Klaus Burger: Prüfende Strenge statt blinder Weichherzigkeit. Zur Geschichte der Armut und der Sozialeinrichtungen in Freiburg in: Heiko Hauman, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau,, Band 3, Theis, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-8062-0857-3, S. 621
  4. a b c d Geschichte der EH Freiburg
  5. Marie von Marschall „Frau des Monats“, ekiba.de, Januar 2006, abgerufen am 12. Mai 2013
  6. Dr. Julie Schenck „Frau des Monats“, ekiba.de, Februar 2006, abgerufen am 13. Mai 2013
  7. Gesetz zur Abschaffung und Kompensation der Studiengebühren und zur Änderung anderer Gesetze (Studiengebührenabschaffungsgesetz StuGebAbschG), landtag-bw.de, 21. Dezember 2011, abgerufen am 11. August 2013
  8. Evangelische Hochschule Freiburg: Absenkung der Studienbeiträge an den Freiburger kirchlichen Hochschulen geplant, Pressemeldung, 15. Juni 2012, abgerufen am 29. November 2012
  9. PDK-Studienbeiträge auf Null gesetzt zum Wintersemester 2013/14, eh-freiburg.de, 10. Juli 2013, abgerufen am 11. August 2013
  10. Hochschule feiert Grundsteinlegung. Evangelische Hochschule Freiburg, 7. Mai 2013, abgerufen am 12. Mai 2013.
  11. Frank Zimmermann: Evangelische Hochschule wird für sechs Millionen Euro erweitert, Badische Zeitung, 1. April 2012, abgerufen am 2. April 2012
  12. Evangelische Hochschule weiht Neubau ein. Evangelische Hochschule Freiburg, 13.10.2014, abgerufen am 26. März 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Evangelische Hochschule Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 59′ 51″ N, 7° 48′ 14″ O