Evangelische Hochschule Freiburg

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Evangelische Hochschule Freiburg
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Gründung 1918
Trägerschaft Evangelische Landeskirche in Baden
Ort Freiburg im Breisgau
Bundesland Baden-Württemberg
Land Deutschland
Rektorin Renate Kirchhoff[1]
Studierende 920 (WS 2018/19)[2]
Website www.eh-freiburg.de

Die Evangelische Hochschule Freiburg (EH Freiburg) ist eine kirchliche, staatlich anerkannte Hochschule mit Sitz in Freiburg im Breisgau. Träger der Hochschule ist die Evangelische Landeskirche Baden. Seit dem 1. Januar 2015 ist Renate Kirchhoff die neue Rektorin der Hochschule.

Das Kernstudienangebot der EH Freiburg bilden die Bachelor- und Masterstudiengänge Soziale Arbeit, Religionspädagogik/Gemeindediakonie sowie Kindheitspädagogik. Zudem bietet sie weiterbildende Masterstudiengänge zu Sozialmanagement und Supervision an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Hochschule Freiburg

Durch die Frauenbewegung, die das Ziel einer geschlechtsgemäßen beruflichen Ausbildung im wohlfahrtspflegerischen Bereich verfolgte, entstanden in Deutschland zwischen der Jahrhundertwende und dem Anfang der 1920er-Jahre Soziale Frauenschulen. Weitere Motivation zu deren Entstehung lieferte die Not des Ersten Weltkriegs, von der besonders Frauen betroffen waren, die durch qualifizierte weibliche Kräfte unterstützt werden sollten.[3]

In Freiburg trieb Marie Luise Marschall von Bieberstein, die Witwe des Politikers Adolf Marschall von Bieberstein, als Gründerin des „Evangelischen Frauenverbands für Innere Mission in Baden“ die Einrichtung einer solchen Bildungseinrichtung voran. Am 16. Juli 1918 fand die erste konstituierende Sitzung des Arbeitsausschusses (heutiges Kuratorium) statt. Am 1. Oktober 1918 wurde der Lehrbetrieb unter dem Namen Evangelische Frauenberufsschule für kirchliche und soziale Arbeit mit zwölf Schülerinnen aufgenommen.[4] Ein Jahr später entstand mit der Sozialpolitischen Frauenschule Freiburgs ebenfalls eine der beiden Vorgängerschulen, aus denen später die Katholische Hochschule Freiburg hervorgehen sollte.[3]

Die Evangelische Frauenberufsschule für kirchliche und soziale Arbeit wurde indes 1921 staatlich anerkannt und änderte ihren Namen in „Evangelisch-Soziale Frauenschule“. Nach Rektorin Lina Mayer-Kulenkampff führte Julie Schenck (* 1895) ab 1923 die Schule. Diese zog 1926 in die Goethestraße 2, die bald um ein Internat erweitert wurde. 1943 übernahm die Evangelische Landeskirche in Baden die Trägerschaft. 1945 wurde der Lehrbetrieb kurzfristig nach Konstanz evakuiert und setzte den Unterricht später in der Goethestraße fort.[4]

Schenck führte die Schule bis zu ihrem Tod im Juni 1955 nach schwerer Krankheit. Im selben Jahr gab es eine erneute Namensänderung in „Evangelisches Seminar für Wohlfahrtspflege und Gemeindedienst“. Ab 1956 wurden auch Männer zugelassen. 1957 wurde ein Neubau an der Ecke Goethe-/Kronenstraße bezogen. Von 1968 bis 1971 trug die Institution den Namen „Höhere Fachschule der Evangelischen Landeskirche in Baden“. Im Zuge einer Änderung des Hochschulrahmengesetzes 1971 wurde daraus die Evangelische Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Gemeindediakonie. 1975 wurde im Westen von Freiburg in unmittelbarer Nähe des sozialen Brennpunkt-Stadtteils Weingarten ein Neubau des Architekten Fritz Eberhard bezogen. Die alten Räumlichkeiten wurden aufgegeben.[4]

Erweiterungsbau der Hochschule

Da das für 500 Studierende konzipierte Gebäude, gebaut und bezogen in den 1970er Jahren, zu klein geworden ist, wurde die Hochschule von der Evangelischen Landeskirche durch ein neues Gebäude erweitert. Die Grundsteinlegung fand am 8. Mai 2013 statt.[5] Gebaut wurde nach einem Entwurf des Architekturbüros Lamott & Lamott aus Stuttgart.[6] Die Baukosten des im Oktober 2014 eröffneten Neubaus von 7,4 Millionen Euro wurden vollständig von der Evangelischen Landeskirche in Baden getragen. Durch die Erweiterung bietet die Evangelische Hochschule Platz für etwa 1.000 Studenten, für die Forschungsinstitute und vor allem auch für große Fachtagungen.[7]

Der Deutsche Wissenschaftsrat beschloss 2014 die Reakkreditierung für den Maximalzeitraum von zehn Jahren. Besonders positiv würdigte der Wissenschaftsrat das „überzeugende Studienangebot und die starke Forschungsorientierung der Hochschule“.[8]

Rektorat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Amt des 1. Rektors bzw. der 1. Rektorin wurden betraut:[9]

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich der EH Freiburg (mit Schriftzug vor der Einführung des Corporate Designs im Rahmen des stringenten Hochschulmarketings)

Zum Wintersemester 2005/2006 wurden sämtliche Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Im Juli 2005 hat der Ministerrat des Landes Baden-Württemberg die staatliche Anerkennung für die beantragten Studiengänge der EH Freiburg ausgesprochen.

Folgende Bachelorstudiengänge werden angeboten:

  • Soziale Arbeit
  • Religionspädagogik/Gemeindediakonie
  • Pädagogik der Kindheit

Diese Masterstudiengänge gibt es:

  • Soziale Arbeit (konsekutiv, forschungsorientiert)
  • Bildung und Erziehung im Kindesalter (konsekutiv)
  • Religionspädagogik (konsekutiv)
  • Sozialmanagement (anwendungsorientiert)
  • Supervision
  • Management, Ethik und Innovation im Nonprofit-Bereich (Kooperationsstudiengang mit anderen Hochschulen)

Der Studienbeitrag beträgt 280 € pro Semester für Bachelor-Studiengänge (ausgenommen der Bachelor-Studiengang Pädagogik der Kindheit) und 500 € pro Semester für Master-Studiengänge.[10]

Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rektorat und der Senat sind die Organe der Hochschule gem. § 12 RVO Verfassung EH Freiburg vom 24. Juli 2013.[11] Das kollegiale Rektorat leitet die Hochschule. Dem Rektorat gehören an: 1. Die Rektorin bzw. der Rektor, 2. die Prorektorin bzw. der Prorektor und die Kanzlerin bzw. der Kanzler. Der Senat entscheidet in Angelegenheiten von Lehre, Studium, Weiterbildung und Forschung, die von grundsätzlicher Bedeutung und nicht zur abschließenden Entscheidung dem Rektorat oder einem seiner Mitglieder, den Fachbereichen oder den Hochschuleinrichtungen übertragen sind.

Ein weiteres Gremium der Hochschule ist das Kuratorium, welchem die Aufsicht über die Hochschule obliegt – übertragen von dem Evangelischen Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Kirchliche Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchliche Trägerschaft bedeutet, dass die Hochschule in spezifischer Weise den Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden wahrnimmt, zur sozialen Bildung und Sozialgestaltung beizutragen. Daraus ergibt sich für Lehre, Forschung und Weiterbildung ein besonderer Stellenwert der Reflexion in Anthropologie und Ethik und des interdisziplinären Dialogs im Bereich der Human- und Gesellschaftswissenschaften. Die Theologie und Religionswissenschaft werden darin als gleichberechtigte Partner einbezogen. Die evangelische Trägerschaft verpflichtet zu Weltoffenheit und Toleranz in Forschung, Lehre und Weiterbildung. Nach § 3 (1) des Kirchlichen Gesetzes über Fachhochschule der Evangelischen Landeskirche in Baden vom 23. Oktober 2003 gilt: „Die Fachhochschule ist in Lehre und Forschung frei; sie ist dabei an den kirchlichen Auftrag und das staatliche und kirchliche Recht gebunden.“

Forschungs- und Innovationsverbund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1985 besteht die Forschungseinrichtung „FIVE – Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg“, an dem unter anderem zu Fragestellungen der Gerontologie, der Geschlechterforschung, der zivilgesellschaftlichen und demografischen Entwicklung sowie der Kinder- und Jugendforschung geforscht wird. Die Institute von FIVE sind:

  • AGP – Institut für angewandte Sozialforschung – Arbeit. Gesellschaft. Partizipation
  • SoFFI F. – Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen Freiburg
  • itb – Institut für interdisziplinäre Theologie und Beratungsforschung
  • ZfKJ – Zentrum für Kinder- und Jugendforschung
  • zze – Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung

FIVE ist ein strukturell mit der EH Freiburg verzahnter, eingetragener und gemeinnütziger Verein. Er ist Mitglied im Diakonischen Werk Baden. Im Eigenverlag von FIVE, dem FEL-Verlag, werden Forschungs- und Projektberichte veröffentlicht.

Institut für Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Weiterbildung ist Teil des Fort- und Weiterbildungsauftrages der Hochschule. Schwerpunktmäßig finden Fortbildungen zu Case Management, Palliative Care und Traumapädagogik statt.

Im Kompetenzzentrum Pädagogik der Kindheit werden die Aktivitäten im Bereich Früh-/Kindheitspädagogik zusammengeführt und Tagungen sowie Weiter- und Fortbildungen angeboten.

Die Akademie für soziales Wohnen an der EH Freiburg bietet Fortbildungen an, die sich mit Fragestellungen rund um das Thema Wohnen auseinandersetzen, wie z. B. Beratung zu Mietschulden und Konfliktberatung in Wohnanlagen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ulrich Nübel: Frauen, Fenster, Wege, Aktivitäten. Zum 70jährigen Bestehen der Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Gemeindediakonie der Evangelischen Landeskirche in Baden, Freiburg 1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Evangelische Hochschule Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.eh-freiburg.de/personenverzeichnis/
  2. Statistisches Bundesamt: Studierende an Hochschulen. Wintersemester 2018/2019 (= Fachserie 11, Reihe 4.1), 18. Oktober 2019, S. 80.
  3. a b Klaus Burger: Prüfende Strenge statt blinder Weichherzigkeit. Zur Geschichte der Armut und der Sozialeinrichtungen in Freiburg. In: Heiko Hauman, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau, Band 3, Theis, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-8062-0857-3, S. 621.
  4. a b c Geschichte der EH Freiburg (Memento vom 16. Mai 2009 im Internet Archive), auf www.eh-freiburg.de (2008)
  5. Hochschule feiert Grundsteinlegung. Evangelische Hochschule Freiburg, 7. Mai 2013, abgerufen am 12. Mai 2013.
  6. Frank Zimmermann: Evangelische Hochschule wird für sechs Millionen Euro erweitert, Badische Zeitung, 1. April 2012, abgerufen am 2. April 2012
  7. Evangelische Hochschule weiht Neubau ein. Evangelische Hochschule Freiburg, 13. Oktober 2014, abgerufen am 26. März 2015.
  8. Stellungnahme des Deutschen Wissenschaftsrates zur Reakkreditierung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Drs. 4178-14): online
  9. Flyer der EH: bilden. vernetzen. gestalten., November 2018, S. 21–23, abgerufen am 3. November 2019
  10. Studienbeiträge, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  11. Rechtsverordnung über die Verfassung der Evangelischen Hochschule Freiburg. Evangelische Hochschule Freiburg. Archiviert vom Original am 4. März 2016. Abgerufen am 2. April 2019.

Koordinaten: 47° 59′ 51″ N, 7° 48′ 14″ O