Große Kirche Aplerbeck

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Die Große Kirche von der Märtmannstraße aus gesehen.

Die Große Kirche Aplerbeck ist eine 1867–1869 erbaute, unter Denkmalschutz stehende evangelische Kirche in Aplerbeck, Märtmannstraße 13. Sie wird von der evangelischen Georgs-Kirchengemeinde Dortmund genutzt.

Architektur der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dreischiffige Hallenkirche im neugotischen Stil umfasst fünf Joche und einen Chor mit 58 Schluss. Sie wird von Anbauten flankiert, der Turm steht westlich. Die gequaderten Langhausmauern sind durch Strebepfeiler und Maßwerkfenster mit Brücken gegliedert. Die Ostpartie ist durch den Chor und die beiden nach Süden und Norden gerichteten Polygone mit Sakristeien und Emporen auffällig gestaltet. Der unten quadratische, weiter oben in ein Achteck übergehende Turm ist mit einem spitzen, kupfergedeckten Helm bekrönt. Im hellen Innenraum ruhen steile Kreuzrippengewölbe auf sehr schlanken, durch zwei Reihen gegliederten Säulen und Halbsäulen mit Blattkapitellen.

Geschichte der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Kirche von der Süd-Westseite

Grund für den Kirchenbau war die durch die Industrialisierung sprunghaft angestiegene Bevölkerung Aplerbecks. Die alte Kirche der Gemeinde, die Georgskirche an der Ruinenstraße, konnte die Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen. Nach längeren Streitigkeiten über den geeigneten Standort wurde die Große Kirche 1867–1869 in nur zweieinhalb Jahren an der heutigen Märtmannstraße erbaut. Unter den Pfarrern Moritz Lohoff und Gustav Meinberg erfolgte am 21. Juni 1867 die Grundsteinlegung am östlichen Chorabschluss der Kirche. Auf dem Grundstein befindet sich die lateinische Inschrift: ANNO DOMINI MDCCC LX VII, übersetzt: Im Jahre des Herrn 1867. Gebaut wurde die Kirche aus Sandstein, der aus dem benachbarten Steinbruch Schüren stammt. Der Bau der Kirche kostete die Gemeinde seinerzeit über 60.000 Reichstaler. Der Architekt der Kirche war Christian Heyden, der unter anderem auch die baugleiche Martin-Luther-Kirche in Gütersloh errichten ließ. Als Hallenkirche sollten in der Großen Kirche auch Emporen eingebaut werden. Doch die von Heyden ursprünglich geplanten Seitenemporen wurden nie ausgeführt, weil es schließlich doch keinen Bedarf nach zusätzlichen Plätzen gab.

Kirche ohne Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie es damals bei evangelischen Kirchen üblich war, bekam sie bei ihrer Einweihung am 15. Dezember 1869 keinen besonderen Namen. Die Bewohner Aplerbecks nannten sie deshalb einfach „Evangelische Kirche“. Später wurde sie im Volksmund auch die „Schwarze Kirche“ genannt, nachdem sich die Gewölbeausmalung mit den Jahren schwarz verfärbt hatte. Nach der Eingemeindung Aplerbecks zu Dortmund im Jahr 1929 wurde sie mitunter zur besseren Unterscheidung von anderen Kirchen in Dortmund inoffiziell als „Märtmannkirche“ bezeichnet, weil die Straße im Zuge der Eingemeindung von „Kirchstraße“ in „Märtmannstraße“ umbenannt wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen erhielt sie aber auch nach 1945 keinen richtigen Namen. Die individuelle Bezeichnung „Große Kirche“ erhielt sie erst im Jahre 1999 und setzte sich endgültig durch.

Der Turm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchturm von der Schmerkottenstraße aus gesehen
achteckiger Turmaufbau

Besonders markant und von Weitem sichtbar ist der hohe Westturm. Er bildet bis auf halber Höhe einen quadratischen Grundriss und wird an den Ecken von massiven Strebepfeilern gestützt. Dann ändert er seine Form zum Achteck. Die vier parallel zum Unterbau stehenden Wandsegmente sind mit vier lang gestreckten und dreifach gestaffelten Schallluken durchbrochen, die diagonal stehenden Wandsegmente sind durch je eine gestufte, in einem kleinen Dreiecksgiebel endende Lisene gegliedert. Darauf folgt eine mit Arkaden gegliederte umlaufende Balustrade. Den Abschluss bildet ein achteckiger, mit Kupferblech gedeckter Turmhelm. An der Spitze des Turmhelms markiert ein Wetterhahn den höchsten Punkt Aplerbecks und der Umgebung. Die Gesamthöhe des Turmes beträgt 60,90 Meter.

Am 12. April 1945 sorgten Anton Kalt und Dietrich Hans dafür, dass auf dem Turm der Großen Kirche eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation gehisst wurde. Der Küster Milo kletterte auf den Turm und brachte eine Fahne, gefertigt aus ein weißes Betttuch an der Balustrade an. Anton Kalt ging als Parlamentär nach Sölde, um dem Kommandanten der Besatzungstruppen zu erklären, dass in Aplerbeck kein Widerstand geleistet werde. Damit war für Aplerbeck der Krieg beendet und ohne weitere Kampfhandlungen rückten die US-Streitkräfte in Aplerbeck ein.[1]

Die Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor der Fertigstellung der Kirche wurden drei Bronzeglocken bei der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Westhofen bestellt. Die drei alten Glocken trugen diese Aufschriften:

Nr. Schlagton Gussjahr Gießer, Gussort Aufschrift
1 C 1869 Glocken- und Kunstgießerei Rincker, Westhofen „Soli Deo Gloria“ (Allein Gott die Ehre)
2 E „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ (Weihnachtsbotschaft der Engel)
3 G „Kommet, denn es ist alles bereit“ (Einladung zum Abendmahl)

Im Ersten Weltkrieg mussten die „C“ und die „E“ Glocke für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Der Gemeinde verblieb daraufhin nur die kleine „G“- Glocke. Im Jahre 1920 bestellte die Gemeinde drei neue Gussstahlglocken, die vom Bochumer Verein gegossen wurden. Sie tragen diese Aufschriften:

Nr. Schlagton Gussjahr Gießer, Gussort Aufschrift
1 Ais 1920 Bochumer Verein, Bochum „Unser Glaube ist der Sieg der die Welt überwunden hat“
2 Cis „Meinen Frieden gebe ich euch“
3 E „Ein feste Burg ist unser Gott“
4 G 1869 Glocken- und Kunstgießerei Rincker, Westhofen „Kommet, denn es ist alles bereit“ (Einladung zum Abendmahl)

Die drei Gussstahlglocken tragen zusätzlich noch diese Inschrift: „Ersatz für die im Weltkriege 1914-1918 dem Vaterlande geopferten Bronzeglocken“. Die erhaltene kleine „G“- Glocke wurde umfunktioniert, da sich der Klang nicht in das Geläut der neuen Gussstahlglocken einfügte. Sie ist die heute zur halben und zur vollen Stunde zu hörende Uhrenglocke auch „Vater unser Glocke“ genannt. Im Zweiten Weltkrieg sollte die „G“- Glocke zum wiederholten Male abgeliefert werden, weil Bronze ein wichtiges Material zur Herstellung der Rüstungsindustrie war. Doch durch ein geschicktes Taktieren konnte dies verhindert werden.

Der Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1967 wendete sich die Gemeinde an die Denkmalbehörde des Landes mit den Antrag, die Kirche unter Denkmalschutz zu stellen, da die Kirche renovierungsbedürftig war und das Geld für die nötige Restaurierung fehlte. Am 27. November 1967 lud der Landeskonservator Dr. Busen den amtlich bestellten Vertreter der Stadt, des Landes, des Landschaftsverbandes, der Landeskirche und der Denkmalbehörde, Pfarrer und Presbyter der Gemeinde und den Organist Wilhelm Koch zu einer Ortsbesichtigung der Evangelischen Kirche in Aplerbeck ein und überprüften sie auf die Denkmalwürdigkeit. Am 6. Dezember 1967 stellte Dr. Busen offiziell fest, dass die Kirche „ein Beispiel einer neugotischen Hallenkirche von seltener Geschlossenheit“ sei und er mit der Aufnahme in die Denkmalschutzliste einverstanden sei.[2]

Die Konzertkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1870 klagte man darüber, dass in der Kirche das gesprochene oder gesungene Wort durch die überlange Hallzeit von bis zu 7 Sekunden nicht deutlich zu verstehen sei. Dafür kamen z. B das Volumen und der Klang der Posaunen umso besser zur Geltung. Das änderte sich 1967, als Dr. Albert Eisenberg, ein Akustiker vom internationalen Ruf, gebeten wurde, diese Probleme zu beheben. Aufgrund seiner Analyse wurden neue Kirchenbänke mit einer Schall schluckenden Polsterung eingebaut, die im Mittelschiff als Block quer mit der Ausrichtung der Polsterung zum Altar hin und in den Seitenschiffen in Längsrichtung mit der Ausrichtung der Polsterung zum Mittelschiff hin aufgestellt wurden. Außerdem wurden an den Wänden Akustikplatten angebracht und ein Lautsprechersystem mit Mikrofonanlage installiert. Der Nachhall konnte damit zwar nicht ganz aufgehoben, dafür aber halbiert werden. Seit 2001 wird die Kirche für Konzerte genutzt und hat sich einen guten Ruf bis weit über die Dortmunder Stadtgrenzen hinaus erworben.

Einbauten und Restaurierungen der Kirche seit 1869[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht der Großen Kirche mit der alten neugotischen Bestuhlung vor 1968
Turm der Großen Kirche Anfang der 1960er Jahre; Deutlich sind die aus Zink gefertigten Zierfialen an der Balustrade zu erkennen. Einige Jahre später fielen sie weg.

Die Fialtürmchen aus Zink wurden durch die Firma Lecking demontiert.

Jahr
Restaurierungen
09.09.1869 Einbau eines Blitzableiters durch die Firma Felten & Guillaume.
1892 Planung für den Einbau der Seitenemporen, die nicht realisiert wurden.
1893 Neuverfugung des Mauerwerks am Turm und Rückbau der baufälligen, krabbengeschmückten Fialtürmchen auf den Strebepfeilern des quadratischen Turmunterbaus. Aufsetzen von vereinfachten Ersatztürmchen vom Baumeister Knebel. Einbau einer neuen Niederdruck-Dampfheizung und einer Gasbeleuchtung durch die Firma Heinrich Scharpenberg aus Aplerbeck. Einbau eines neuen Blitzableiters.
1897 Neue Innenausmalung der Kirche sowie des Deckengewölbes mit einer dunkel gehaltenen Ornamentik, die der Kirche später die Bezeichnung die „schwarze Kirche“ verlieh.
1903 Wiederholte Planung für den Einbau der Seitenemporen, die aber wieder nicht ausgeführt wurden.
1905 Neuverfugung des Turm-Mauerwerks und Instandsetzung des Dachstuhls und der Kirchenfenster. Erneuerung und Vereinfachung der Fialtürmchen aus Zink an der Balustrade und komplette Beseitigung der Fialtürmchen auf den Strebepfeilern des quadratischen Turmunterbaus durch Klempnermeister Schmidt.
1914 Ablieferung der zwei alten „Bronzeglocken“ mit dem Ton C und E für die Rüstungsindustrie des Ersten Weltkrieges.
02.07.1920 Anlieferung von drei neuen „Gussstahlglocken“ des „Bochumer Vereins“ mit dem Ton Ais, Cis und E.
1934–1935 Neugestaltung des Kirchenraums, Zumauerung der geöffneten Seitenemporen wegen Akustikproblemen. Neuausmalung der zugemauerten Seitenemporen mit Darstellungen der Apostel und Sprüchen auf weißem Hintergrund, die von der Kunstmalerin Hilde Viering, im Volksmund auch „Pinsel-Hilde“ genannt, gemalt wurde. Abbau des alten neugotischen, mit Fialtürmchen geschmückten Altaraufbaus. Aufsetzen eines neuen großen Holzkreuzes mit sechs geschmiedeten Kerzenständern auf den alten Altarunterbau, Generalüberholung der Orgel durch die Firma Walcker, Reparaturarbeiten am Turmhelm.
1939 Umstellung der Orgel auf eine elektropneumatische Steuerung. Aus- und Einbau bestimmter Register durch die Firma Walcker.
1953 Neugestaltung der drei Chorfenster zum (Weihnachts-, Passions- und Osterfenster) vom Bochumer Kirchenmaler Fritz Mannewitz, Übermalung der Apostelbilder an den zugemauerten Seitenemporen.
1958 Generalüberholung der Kirche an Dach, Turm und Fenstern.
1959 Erneuerung der Fialtürmchen aus Zink an der Balustrade durch die Firma Lecking.
1968–1969 Renovierung und Umgestaltung der Ehrenhalle, Dachneueindeckung, Turm- und Fenster-Reparatur, Entfernung der alten neugotischen Bänke und Einbau der neuen, gepolsterten, Schall schluckenden Bänke, Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik, neue Innenausmalung in hellen Farben.
1974 Reparaturarbeiten am Turmhelm.
1984 Renovierung und Instandsetzung der neugotischen Orgel durch die Firma Steinmann aus Vlotho für c.a 300.000 DM.
2000–2001 Komplette Restaurierung des Kirchturms, Neuverfugung und neue Sandsteineinsetzung, neue Turmhelmeindeckung mit Kupferblech in einer Doppelfalztechnik.
2002–2003 Restaurierung des Deckengewölbes und der Kirchenfenster an der südlichen Außenwand.
2004–2005 Restaurierung und Neuverfugung der Nord- und Südwand des Mittelschiffs.
2012 Öffnung der 1934–1935 zugemauerten Seitenemporen, Deckengewölbe der Seitenschiffe in ursprünglicher Farbgebung gestrichen, Sanierungsarbeiten und Instandsetzung der Fenster an den Seitenschiffen.
2014 Abbau der alten Ölbrenndampfheizung und Einbau einer neuen Warmluftheizung für c. a 200.000 Euro, Umgestaltung des Altarraums durch den Künstler Lutzenberger & Lutzenberger aus Bad Wörishofen, Abbau des alten Altars und Einlagerung in das Seitenschiff. Einbau eines neuen Beleuchtungssystems mit hellen Bodenfliesen. Einbau eines neuen Rednerpults aus geräucherter Eiche und Kupferplatten und eines Altars mit einem schlicht geformten schmalen Kreuz aus Metall. Einweihung des neuen Altarraumes am 9. November 2014.
2016 Einbau einer digital gesteuerten Beleuchtungsanlage.[3]
2018 Erneuerung der äußeren Acrylverglasung an den drei Chorfenstern.[3]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Altarbild wurde 1885 von Paul Händler geschaffen.
  • Die Orgel mit einem großen, neugotischen Prospekt wurde 1869 durch die Firma Schulze & Söhne aus Paulinzella in Thüringen eingebaut.
  • Der Altar und die Kanzel wurden ebenfalls von Schulze & Söhne gefertigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Große Kirche (Aplerbeck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruhrnachrichten Dortmund vom 13. April 2012, abgerufen am 5. Mai 2012
  2. Liesenberg, Siegfried (2001), Aplerbecker Geschichtsverein: Der Zeigefinger Gottes. Zur Geschichte der Großen Kirche Aplerbeck in der Märtmannstraße.
  3. a b "Neuer Glanz für Kirchenfenster" Artikel vom 7. Juni 2018 auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, abgerufen am 3. September 2018

Koordinaten: 51° 29′ 43,6″ N, 7° 33′ 30,4″ O