Joe Manchin

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Joe Manchin (2012) Signatur

Joseph Anthony „Joe“ Manchin III. (* 24. August 1947 in Farmington, West Virginia) ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei). Seit dem 15. November 2010 gehört er als Vertreter West Virginias dem Senat der Vereinigten Staaten an; zuvor hatte er seit dem 17. Januar 2005 das Amt des Gouverneurs in diesem Bundesstaat ausgeübt.

Frühe Jahre und politischer Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manchin machte 1965 seinen High-School-Abschluss in seiner Heimatstadt Farmington und nahm im selben Jahr dank eines Footballstipendiums ein Studium an der West Virginia University auf. Dort erfolgte 1970 der Abschluss in Betriebswirtschaft, woraufhin er in verschiedenen Unternehmen seiner Familie zu arbeiten begann.

Er wurde 1984 ins Abgeordnetenhaus von West Virginia gewählt und kandidierte 1986 erfolgreich für den Staatssenat, in dem er bis 1992 saß. 1996 bewarb er sich zum ersten Mal um das Amt des Gouverneurs, verlor in der Primary jedoch knapp gegen Charlotte Pritt, die bei der eigentlichen Wahl dann dem Republikaner Cecil H. Underwood unterlag. Er unterstützte daraufhin in der Hauptwahl Underwood, was ihm dauerhaft Kritik aus seiner eigenen Partei einbrauchte.[1] Manchin selbst wurde 2000 zum Secretary of State von West Virginia gewählt − dieses Amt hatte von 1977 bis 1985 schon sein Onkel James Manchin innegehabt − und gewann 2004 die Gouverneurswahlen mit großem Vorsprung gegen den Republikaner Monty Warner.

Gouverneur von West Virginia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joe Manchins Amtszeit begann am 17. Januar 2005. Als Gouverneur war er Mitglied zahlreicher Gouverneursvereinigungen. In seiner Amtszeit wurden unter anderem die Staatsverschuldung reduziert, die Steuer auf Lebensmittel gesenkt und neue ethnische Gesetze erlassen. Anfang des Jahres 2006 kam es zu einigen schweren Minenunfällen, bei denen insgesamt 16 Bergleute ums Leben kamen. Am 1. Februar 2008 ordnete der Gouverneur einen vorübergehenden Stopp der gesamten Kohleproduktion in seinem Land an, bis alle Minen auf ihre Sicherheit überprüft waren. Bei den Gouverneurswahlen am 4. November 2008 wurde er in seinem Amt bestätigt; diesmal setzte er sich mit knapp 70 Prozent der Stimmen gegen den republikanischen Staatssenator Russ Weeks durch.

Joe Manchin und seine Frau Gayle haben drei Kinder und sechs Enkelkinder.

US-Senator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Robert Byrds Ende Juni 2010, der seit 1959 US-Senator für West Virginia gewesen war, oblag es Manchin, einen Nachfolger zu ernennen. Er entschied sich für den 36-jährigen Juristen Carte Goodwin, der Byrds Platz allerdings nur bis zu einer Nachwahl einnehmen sollte. Da der Gouverneur aufgrund der verfassungsrechtlichen Bestimmungen nicht noch einmal für sein Amt kandidieren konnte, gab es sofort Spekulationen, wonach Manchin selbst an dem Senatssitz interessiert sei, und gab am 20. Juli 2010 seine Kandidatur für die Nachwahl im November bekanntgab. Nachdem er sich in der Vorwahl seiner Partei gegen Ken Hechler durchgesetzt hatte, traf er bei der Wahl auf den Republikaner John Raese, einen Geschäftsmann, der zuvor sowohl gegen Robert Byrd als auch gegen West Virginias zweiten Senator, Jay Rockefeller, jeweils einmal bei einer Wahl unterlegen war. Obwohl Manchin als sehr populär in seinem Staat gilt, deuteten die Umfragen zeitweise auf einen knappen Ausgang hin. Letztlich gewann er aber vergleichsweise deutlich mit 54 Prozent der Stimmen.

Manchin trat sein Mandat als Senator am 15. November 2010 an. Unmittelbar zuvor war sein bisheriger Vizegouverneur in West Virginia, Earl Ray Tomblin, als neuer Gouverneur vereidigt worden.

Nachdem der früher mit großen Mehrheiten demokratisch wählende Bundesstaat West Virginia sich seit dem Jahr 2000 immer stärker in Richtung einer republikanischen Hochburg bewegt hat und Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 mit 42 Prozent Vorsprung vor Hillary Clinton gewonnen hatte – sein zweitbestes Ergebnis überhaupt in einem Bundesstaat – ist Manchin einer der letzten verbliebenen staatsweiten demokratischen Politiker.[1] Im Mai 2017 gab der bisherige republikanische Kongressabgeordnete Evan Jenkins bekannt, sich bei der anstehenden Wahl im November 2018 um Manchins Sitz zu bewerben. Jenkins gilt als ernstzunehmender Herausforderer für einen der gefährdetsten demokratischen Senatorenposten.[2]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manchin gilt als zentristischer Politiker, der häufig über Parteigrenzen hinweg arbeitet und deshalb von Linken innerhalb der Demokraten kritisiert wird. Unmittelbar nach Manchins Wahl in den US-Senat 2010 waren Gerüchte laut geworden, er plane einen Wechsel zur Republikanischen Partei; dazu hatte auch seine unverhohlene Kritik an Präsident Barack Obama beigetragen. Manchin ließ jedoch von einem Sprecher erklären, dass er ein lebenslanges Mitglied der Demokraten sei und es keinen Parteiwechsel geben werde.[3]

Im Jahr 2012 wurde Manchin vom Waffenlobby-Verband National Rifle Association (NRA) unterstützt; sie gab ihm die Bestnote A.[4] Nach dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule brachte Manchin gemeinsam mit dem republikanischen Senator Pat Toomey eine Gesetzesinitiative ein, die eine Persönlichkeitsüberprüfung bei Waffenkäufen („background checks“) forderte. Die NRA attackierte ihn in Werbefilmen und versuchte ihn so einzuschüchtern. Der Gesetzesvorschlag scheiterte.[5]

Manchin hat sich seit 2016 mehrfach mit Donald Trump getroffen und war nach dessen Wahlsieg 2016 für das Kabinett im Gespräch.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joe Manchin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Michael Kruse, Burgess Everett: Manchin in the Middle. In: Politico, März/April 2017 (englisch).
  2. Simone Pathé: West Virginia Rep. Evan Jenkins Running for Senate. In: Roll Call, 8. Mai 2017 (englisch).
  3. Patricia Murphy: Joe Manchin Is Not Switching Parties, Democrat’s Spokeman Says. In: The Capitolist, 9. November 2010 (englisch).
  4. NRA-PVF Endorses Joe Manchin for U.S. Senate in West Virginia. In: NRA Polictical Victory Fund, 2. Oktober 2012. 
  5. Amanda Terkel: Joe Manchin Targeted By NRA In New Ad. In: The Huffington Post, 17. Juni 2013 (englisch).