London Overground

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
London Overground
London Overground logo.svg
Eröffnung: 11. November 2007
Betreiber: Transport for London
Spurweite: 1435 mm
Streckenlänge: 86 km
Linien: 9
Stationen: 112 [1]
Passagiere: 140.000.000 [2]

London Overground ist die Bezeichnung für ein S-Bahn-ähnliches Eisenbahnnetz in der britischen Hauptstadt London, das seit dem 11. November 2007 in Betrieb ist. Betreibergesellschaft ist London Overground Rail Operations (LOROL), die im Auftrag der Dachorganisation Transport for London (TfL) den Personenverkehr auf sechs Linien abwickelt. Das Netz umfasst Strecken, die von den Bahngesellschaften Silverlink und Abellio Greater Anglia übernommen wurden, sowie eine ehemalige U-Bahnlinie.

Das Streckennetz umfasst hauptsächlich Eisenbahnlinien, die das Stadtzentrum von London umfahren. Insgesamt fährt die Overground durch 21 Stadtbezirke und Süd-Hertfordshire. Der größte Teil befindet sich in der Travelcard-Tarifzone 2. Wie der Name andeutet, sind die Strecken fast gänzlich oberirdisch (engl. over ground). Ein Abschnitt der East London Line verläuft jedoch in einem überdeckten Einschnitt und durch den Thames Tunnel, dem weltweit ältesten Bahntunnel unter einem Fluss hindurch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Overground-Zug im Bahnhof Imperial Wharf (2009)

Der Schienenpersonenverkehr wird in Großbritannien von zahlreichen Bahnbetriebsgesellschaften durchgeführt, die eine oder mehrere Franchisen erwerben, welche als National Rail gemeinsam vermarktet werden. Die von TfL betriebene London Underground ist nicht Teil dieses Systems. 2003 gab es einen ersten Versuch, den Schienenverkehr von National Rail in London unter einer Dachmarke zu vereinen. TfL führte die Marke Overground Network ein, mit einheitlichen Informationsanzeigen, Bahnhofsbeschriftungen und Netzplänen auf ausgewählten Strecken im Süden Londons. Obwohl dieser Pilotversuch nur das Branding betraf, war dies das erste Mal, dass TfL einen sichtbaren Einfluss auf Angebote von National Rail in London ausübte.[3]

2004 kündigte das Verkehrsministerium eine Überprüfung des britischen Eisenbahnwesens an. Als Teil dieser Überprüfung schlug TfL die Schaffung einer Londoner Regionalbahnbehörde (London Regional Rail Authority) vor, mit der TfL Weisungsbefugnisse über den Eisenbahnverkehr in und um Greater London erhalten sollte.[4] Nach zweijährigen Verhandlungen gab Verkehrsminister Alistair Darling am 20. Februar 2006 bekannt, dass TfL die Franchise von Silverlink Metro übernehmen werde.[5] Am 5. September 2006 präsentierte TfL den neuen Markennamen London Overground und bestätigte gleichzeitig, dass die zu verlängernde East London Line in das neue Konzept miteinbezogen wird.

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Overground-Zug im Bahnhof Gospel Oak (2008)

Die Franchise ging am 11. November 2007 in den Besitz von TfL über. Am darauf folgenden Tag fand am Bahnhof Hampstead Heath die offizielle Übergabezeremonie im Beisein von Bürgermeister Ken Livingstone statt. Begleitet wurde die Übergabe durch eine Marketingkampagne. TfL begann daraufhin, das Angebot markant zu verbessern. Dazu gehörten die Erhöhung der Taktfrequenz, Verbesserungen an der Infrastruktur, die Besetzung sämtlicher Bahnhöfe mit Personal sowie die Einführung von neuem Rollmaterial und der Oyster Card.[6]

Als Teil eines Programms, Vier-Wagen-Züge auf dem Overground-Netz einzuführen, wurde die North London Line vom 20. Februar bis 31. Mai 2010 zwischen den Bahnhöfen Gospel Oak und Stratford geschlossen. Dies war notwendig, um die Installation eines neuen Signalsystems zu ermöglichen, Gleise zu erneuern, einige Bahnhöfe zu sanieren und 30 Bahnsteige zu verlängern. Die Arbeiten dauerten bis Mai 2011 an, was einen reduzierten Betrieb und an Sonntagen die vollständige Schließung zur Folge hatte.[7]

Die East London Line ist seit dem 27. April 2010 Teil des Overground-Netzes. Die Strecke wurde im Norden von Whitechapel über den Kingsland Viaduct nach Dalston Junction verlängert. Vier Wochen später, am 23. Mai 2010, folgten im Süden Verlängerungen nach Crystal Palace und West Croydon, hauptsächlich auf bereits bestehenden Strecken. Bis Dezember 2007 war die East London Line Teil des Netzes von London Underground gewesen und war anschließend fast zweieinhalb Jahre lang wegen Umbauarbeiten geschlossen. Am 28. Februar 2011 kam im Norden eine weitere Verlängerung von Dalston Junction nach Highbury & Islington hinzu. Dadurch besteht eine Verknüpfung mit der North London Line, der Victoria Line und der Northern City Line.[8]

Die zweite Ausbauphase der East London Line wurde am 9. Dezember 2012 eröffnet. Sie umfasst eine Verlängerung von Surrey Quays entlang der South London Line nach Clapham Junction. Dadurch entstand eine Ringlinie rund um das Stadtzentrum Londons. Genutzt wird zum Teil eine Bahnstrecke zwischen Surrey Quays und Peckham, die seit 1911 nicht mehr in Betrieb war.[9]

Am 31. Mai 2015 übernahm London Overground die Vorortzüge von Liverpool Street nach Chingford, Enfield Town und Cheshunt, sowie die Pendellinie zwischen Upminster und Romford von Abellio Greater Anglia.[10]

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die London Overground wird im Auftrag von TfL vom privaten Unternehmen London Overground Rail Operations (LOROL) betrieben. LOROL ist ein Joint Venture, an dem die MTR Corporation und Arriva je zur Hälfte beteiligt sind. Dem Beispiel folgend, das bereits bei der Docklands Light Railway zur Anwendung gelangt war, hatte TfL eine Ausschreibung für die Betriebsführung durchgeführt. Im Gegensatz zu den Franchisen von National Rail würde TfL die Fahrpreise und Fahrpläne festlegen sowie das Rollmaterial beschaffen.

An der Ausschreibung beteiligten sich Govia, MTR Laing (Joint Venture von MTR Corporation und Laing Rail), der bisherige Betreiber National Express Group und die Nederlandse Spoorwegen. Im Dezember 2006 gelangten Govia und MTR Laing in die zweite Ausschreibungsrunde und am 19. Juni 2007 gab TfL bekannt, dass MTR Laing den Zuschlag erhalten habe.[11] Der Betriebsvertrag läuft sieben Jahre mit einer Option für zwei weitere Jahre. Im Dezember 2007 kündigte die Henderson Group an, dass sie aus dem Eisenbahngeschäft aussteigen werde. Sie verkaufte ihre Tochtergesellschaft Laing Rail im April 2008 für rund 70 Millionen Euro an die Deutsche Bahn.[12] Durch eine weitere Umstrukturierung wurde der Betrieb an deren Tochtergesellschaft Arriva übertragen.

Streckennetz und Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckennetz von London Overground (Stand Mai 2015)

Die Strecken der London Overground sind in das unternehmensübergreifende Streckennetz von National Rail eingebunden und erscheinen auch auf dem Liniennetzplan der U-Bahn.

Das Netz umfasst folgende Strecken:

Linie
Strecken
Bemerkungen
East London Line Highbury & Islington - West Croydon/Crystal Palace; Dalston Junction - New Cross
Bahnstrecke Gospel Oak–Barking Gospel Oak - Barking
North London Line Richmond - Stratford (der östlichste Abschnitt nach North Woolwich wurde 2006 stillgelegt und wird heute teilweise von der Docklands Light Railway genutzt)
Watford DC Line Watford Junction - London Euston
West London Line Clapham Junction - Willesden Junction
South London Line Highbury & Islington - Clapham Junction
Seven Sisters Line Liverpool Street - Enfield Town und Cheshunt
Chingford Line Liverpool Street - Chingford
Romford to Upminster Line Pendellinie zwischen Romford und Upminster mit einer Zwischenstation

Die Seven Sisters und Chingford Lines sind auch als Lea Valley Lines bekannt.

Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb TfL die direkte Kontrolle über diese Eisenbahnstrecken als sinnvoll betrachtete:

  • Obwohl das Overground-Netz große Teile von London erschließt, gibt es eine gewisse Konzentration von Strecken im Nordosten der Stadt und von Zügen nach Stratford, was vor allem in Hinblick auf die dort stattfindenden Olympischen Sommerspiele 2012 von Bedeutung war.
  • Die Strecken führen durch weniger wohlhabende Gegenden der Stadt und das stark verbesserte Angebot wird als Teil eines Stadtsanierungsprozesses betrachtet.[13]
  • Die North London Line und die Bahnstrecke Gospel Oak–Barking galten als abgewirtschaftet und schöpften nicht ihr ganzes Potential aus.[14]

Mit dem Stand Mai 2015 existiert der folgende Betriebsablauf:[15]

Aktuelle Strecken und Takte
Strecke Takt (pro Stunde) Betriebswerk Fahrzeug
East London Line 4 Dalston Junction – West Croydon
4 Highbury & Islington – Crystal Palace
4 Dalston Junction – New Cross
4 Highbury & Islington – Clapham Junction
New Cross Gate TMD Baureihe 378 Electrostar
North & West London Line 4 Richmond – Stratford
2 Clapham Junction – Stratford
2 Clapham Junction – Willesden Junction (Stratford in der HVZ)
Willesden TMD
Watford DC Line 3 London Euston – Watford Junction
Gospel Oak – Barking 4 Gospel Oak – Barking Baureihe 172 Turbostar
Seven Sisters Line 2 London Liverpool Street – Enfield Town
2 London Liverpool Street – Cheshunt
Ilford TMD
Chingford-Abstellgleise
Baureihe 315, Baureihe 317
Chingford Line 4 London Liverpool Street – Chingford
Romford – Upminster 2 Romford – Upminster Ilford TMD
Gidea Park-Abstellgleise

Ursprünglich wurden auch Züge der British Rail Classes 150, 313 und 508 eingesetzt.

Zukünftige Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

East London Line[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Reaktivierung des Personenverkehrs via Primrose Hill könnten die Züge der East London Line bis Willesden Junction geführt werden.[16]

Watford DC Line[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pläne, die Bakerloo Line über Harrow & Wealdstone hinaus auf der bestehenden Strecke nach Watford Junction zu verlängern (wie schon von 1917 bis 1982), sind im Prinzip genehmigt worden, doch es ist noch kein Zeithorizont festgelegt worden. Sollte dies so umgesetzt werden, wird die gesamte Strecke zwischen Queen’s Park und Watford Junction an London Underground übertragen. Die Overground-Züge würden in diesem Falle über die Strecke via Primrose Hill geleitet, die zurzeit nicht für den Personenverkehr genutzt wird. Dies würde direkte Züge zwischen Queen’s Park und Stratford ermöglichen. Der Abschnitt in Richtung Euston würde für den Personennahverkehr geschlossen.

Gospel Oak – Barking[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebst Bahnsteigverlängerungen stehen auch Umbauten im Bahnhof Gospel Oak zur Debatte, um die Overground-Züge von Barking über die North London Line (NLL) nach Willesden Junction zu verlängern und dann in den Zuglauf der West London Line nach Clapham Junction zu integrieren. Bisher endet die Strecke aus Barking in Gospel Oak an einem Kopfbahnsteig, direkte Güterzüge zur North London Line umfahren den Bahnhof und münden erst bei Hampstead Heath in die NLL. Auch steht die Verlängerung der Overground zum Bahnhof Dagenham Dock[17] oder gar Rainham[18] zur Diskussion.

24-Stundenbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geplant ist ein 24-Stundenbetrieb in den Freitags- und Samstagsnächten zwischen Highbury & Islington/Dalston Junction und New Cross Gate, der bis 2017 verwirklicht werden soll.[19]

Übernahme weiterer Linien von National Rail[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit werden auch Pläne erörtert, Bahnlinien in den Bereich Surrey und Kent in den London Overground zu überführen.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: London Overground – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. London Overground – Facts and Figures. Website von Transport for London (Facts & Figures), abgerufen am 3. November 2015
  2. London Overground – Facts and Figures. Website von Transport for London (Facts & Figures), abgerufen am 3. November 2015
  3. Overground Network. Transport for London, 2006, archiviert vom Original am 3. Oktober 2003, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).
  4. Bob Kiley outlines proposals for London Regional Rail Authority. Transport for London, 23. März 2004, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).
  5. Ankündigung von Alistair Darling im House of Commons. Hansard, 14. Februar 2006, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).
  6. Creating London Overground. Transport for London, 11. November 2007, abgerufen am 20. Mai 2010 (PDF; 1,6 MB, englisch).
  7. London Overground to close from Gospel Oak to Stratford as part of £326m upgrade to deliver longer, more frequent trains. Transport for London, 16. Februar 2010, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).
  8. Introducing London Overground – a new era for London Rail. Transport for London, 5. September 2006, archiviert vom Original am 29. Januar 2010, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).
  9. London orbital rail network complete. The Rail Engineer, 2. November 2012, abgerufen am 7. Januar 2013 (englisch).
  10. More EMUs for London Overground. Railway Gazette vom 9. April 2014
  11. Milestone reached in transformation of London's overland rail network as operator is announced. Greater London Authority, 19. Juni 2007, abgerufen am 20. Juni 2006 (englisch).
  12. Zukauf in Großbritannien. Manager Magazin, 21. Januar 2008, abgerufen am 20. Mai 2010.
  13. Response to Network Rail's Draft Cross-London Route Utilisation Strategy. Transport for London, 2006, abgerufen am 20. Mai 2010 (PDF; 531 kB, englisch).
  14. London's Forgotten Railway: The Transport Committee's Review of the North London Railway. Greater London Authority, März 2006, abgerufen am 20. Mai 2010 (PDF, englisch).
  15. Fahrpläne der London Underground. In: tfl.gov.uk. Transport for London, abgerufen am 3. Juni 2015.
  16. East London Line Extensions, Future. www.alwaystouchout.com, 9. November 2006, abgerufen am 16. Juli 2010 (englisch).
  17. The London Overground Network. BBC, 7. Dezember 2006, abgerufen am 16. Juli 2010 (englisch).
  18. London Overground and Orbirail, Future possibilities. www.alwaystouchout.com, 12. Februar 2008, abgerufen am 16. Juli 2010 (englisch).
  19. Travel boost for Londoners as Chancellor and Mayor confirm expansion of night time services & new WiFi for the Tube. Department for Transport, 20. Februar 2015, abgerufen am 20. Februar 2015.
  20. The London Overground could take over train services to Kent and Surrey. The Independent, 16. Oktober 2015, abgerufen am 14. März 2016 (englisch).