Peiting

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Peiting
Peiting
Deutschlandkarte, Position des Marktes Peiting hervorgehoben
Koordinaten: 47° 48′ N, 10° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Weilheim-Schongau
Höhe: 718 m ü. NHN
Fläche: 75,14 km²
Einwohner: 11.334 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 151 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 86971,
86989 (Deutenried)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 08861
Kfz-Kennzeichen: WM, SOG
Gemeindeschlüssel: 09 1 90 140
Adresse der
Marktverwaltung:
Hauptplatz 2
86971 Peiting
Webpräsenz: www.peiting.de
Bürgermeister: Michael Asam (SPD)
Lage des Marktes Peiting im Landkreis Weilheim-Schongau
Starnberger See Ammersee Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Starnberg Landkreis Landsberg am Lech Wildsteig Wielenbach Wessobrunn Weilheim in Oberbayern Steingaden Sindelsdorf Seeshaupt Schwabsoien Schwabbruck Schongau Rottenbuch Raisting Prem Polling (bei Weilheim) Penzberg Peiting Peißenberg Pähl Obersöchering Oberhausen (bei Peißenberg) Ingenried Iffeldorf Huglfing Hohenpeißenberg Hohenfurch Habach Eglfing Eberfing Burggen Böbing Bernried am Starnberger See Bernbeuren Antdorf Altenstadt (Oberbayern)Karte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Peiting von Osten
Peiting von Südosten

Peiting ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Umgeben von den Moränenhügeln Schlossberg, Kalvarienberg, Schnaidberg und Bühlach ist Peiting ein Ort, der sich trotz der Bevölkerungszunahme nach dem Zweiten Weltkrieg seinen bayerisch-dörflichen Charakter erhalten konnte. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind außerhalb des Ortskerns in verschiedenen Weilern angesiedelt. Der Ortsname leitet sich vermutlich von dem Adelsgeschlecht der Peutinger ab, das sich wohl schon im 6. Jahrhundert im Ortsgebiet ansiedelte.[2] Geschichtlich bedeutungsvoll ist der Ort als Stammsitz der hier einst ansässigen Welfen.

Zur Gemeinde Peiting gehört auch die Siedlung Herzogsägmühle, eine Einrichtung der Diakonie.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peiting liegt in der Region Oberland östlich von Schongau nahe dem Ostufer des Lechs, an den das Gemeindegebiet aber nur südwestlich der Bundesstraße 17 auf unbesiedeltem Gebiet tatsächlich grenzt. Der Peitinger Mühlbach (auch Peitnach genannt) durchfließt das Ortsgebiet in nördlicher Richtung.

Gemarkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Peiting politisch zum Regierungsbezirk Oberbayern gehört, wird im Ort kein typisches (Mittel-)Bairisch gesprochen, sondern der Lechrainer Dialekt, welcher bairische und alemannische Sprachelemente verbindet und charakteristisch für das Gebiet unmittelbar östlich des Lechs ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtskapelle Maria Egg
Pfarrkirche St. Michael
Schilder in Peiting
Gumpen an der Peitnach

Funde erster Besiedlung am Ostufer des Lechs reichen in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurück.[3] Früheste Funde sind ein Steinbeil und Tonscherben.[4] Es gibt bronzezeitliche Gräber auf dem Bühlachberg, auch Kelten und Römer hinterließen Spuren.[3] Auf den „Neukirchwiesen“ war in der Römerzeit ein großer Gutshof mit vielen Nebengebäuden.[4] Nach den Römern besiedelten die Alemannen das Gebiet.[4]

Die erste urkundliche Erwähnung Peitings war 1055 als „neue“ Burg Peiting der hier ansässigen Welfen, die Welfenburg befand sich auf dem Schlossberg und war Mittelpunkt aller Handlungen der Lechrainer Welfen. Diese Welfen nahmen u. a. auch an Kreuzzügen teil und gründeten die Klöster Rottenbuch und Steingaden. Die Peitinger Welfenlinie starb 1191 aus.[5] Der letzte dieser Linie war Welf VI.[6] Durch ein Erdbeben im Jahr 1348 stürzte die Welfenburg teilweise ein.[7] Im Jahre 1438 erhielt Peiting durch den bayerischen Herzog Ernst das Marktrecht. Die Stadt Schongau aber sah sich durch diese Herausstellung Peitings in „ihren Freiheiten beeinträchtigt“ und bat den Herzog, den Peitingern das Marktrecht wieder abzusprechen. Das Ersuchen wurde aber abgewiesen und Herzog Albrecht bestätigte 1455 den Peitingern das Marktrecht erneut. 1490 wurde das Peitinger Marktgericht mit der Stadt Schongau vereinigt.[8] Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1632 wurde die Welfenburg von den Schweden vollständig zerstört.[7] Zur selben Zeit brach das „hitzige Fieber“ (vermutlich Flecktyphus) aus, an dem in Peiting im Jahre 1632 etwa 400 Menschen starben.[9] Sowohl im Spanischen Erbfolgekrieg als auch im Österreichischen Erbfolgekrieg fielen feindliche Truppen über Peiting her, brandschatzten und plünderten es.[10]

Peiting wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein Kohlebergwerk in Peiting errichtet. Nach 1945 kamen 1.500 Heimatvertriebene als Flüchtlinge nach Peiting. Im Jahre 1957 hatte das Kohlenbergwerk Peiting mit 882 Bergleuten und 47 Angestellten seinen höchsten Belegschaftsstand.[11] 1958 erhielt das damals größte Dorf Oberbayerns erneut das formelle Marktrecht.[7] 1968 wurde das Bergwerk geschlossen. Es folgte eine kurze wirtschaftliche Krise. Schnell siedelten sich neue Betriebe an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1438 verlieh Herzog Ernst Peiting dem Ort ein eigenes Ortswappen, das wittelsbachische Rautenwappen mit einem schrägen, roten Querbalken. Es war erst die vierte Wappenverleihung in Bayern an einen Ort.

Die weiß-blauen Rauten weisen zum einen an die stete Zugehörigkeit zu Altbayern und zum anderen an die engen Beziehungen der Gemeinde zu dem Hause Wittelsbach hin. Der rote Schräglinksbalken kann zur Unterscheidung vom landesherrlichen Rautenwappen dienlich gewesen sein. Die Gestaltung folgt der im Wappenprivileg von 1438 überlieferten Beschreibung. Das Wappen wurde durch Herzog Ernst von Bayern verliehen, alsgleich die Marktfreiheit.

Durch ministerielle Erlaubnis durfte die Gemeinde das historische Wappen im Jahre 1836 wieder führen, dennoch geriet es wieder in Vergessenheit.

Man stützte sich fortan bei der Darstellung des Wappens auf eine Überlieferung an einem Glasfenster der Kapelle Maria Egg (Maria unter der Egg) sowie auf der Veteranenfahne.[12]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1976 wurde im Rahmen der Gebietsreform die bis dahin selbständige Gemeinde Birkland eingegliedert.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1840 1900 1939 1961 1970 1987 2000 2005 2010
Einwohner[14] 1.727 2.361 5.495 8.385 9.664 10.319 11.834 11.924 11.848

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen
Partei / Liste Wahl 2014[15][16] Wahl 2008[17] Wahl 2002[18]
Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze
SPD 40,4 % 10 46,4 % 11 40,7 % 10
CSU 28,9 % 7 36,5 % 9 43,3 % 11
Bürgervereinigung 23,6 % 5 17,1 % 4 12,9 % 3
Bündnis 90/Die Grünen Bayern 7,1 % 2
Deutsche Partei 3,1 %
Gesamt 100 % 24 100 % 24 100 % 24
Wahlbeteiligung 57,9 % 65,6 % 62,3 %

Bürgermeister ist seit 1996 Michael Asam (SPD). Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er mit 81,1 % der gültigen Stimmen zum wiederholten Mal im Amt bestätigt.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 9.422.000 €, davon waren 3.285.000 € Gewerbesteuereinnahmen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1998 insgesamt 3674. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 14 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 135 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3488 ha. Davon waren 185 ha Ackerfläche und 3293 ha Dauergrünfläche.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2015):

  • Kindergärten: 388 Kindergartenplätze
  • Volksschulen: 3 mit 45 Lehrern und 897 Schülern
  • Peitinger Wellenfreibad mit Volleyballplatz und Spielplatz

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peiting ist Knotenpunkt dreier Bundesstraßen. Die B 472 verläuft von Irschenberg über Bad Tölz nach Marktoberdorf in Ost-West-Richtung. Die B 17 verläuft von Augsburg nach Füssen in Nord-Süd-Richtung. Die B 23 ist die schnellste Verbindung von Peiting nach Garmisch-Partenkirchen und weiter zum Grenzübergang nach Scharnitz in Tirol. Bis Anfang der 1990er Jahre litten die Anwohner unter Stau und Verkehrslärm, heute jedoch kann der Ortskern auf der gut ausgebauten Umgehungsstraße umfahren werden.

Es gibt zwei Bahnstationen in Peiting an der Bahnstrecke Weilheim–Schongau:[19]

Auf dieser Strecke verkehren im Stundentakt Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. Zu Bergbauzeiten hatte das Bergwerk einen eigenen Gleisanschluss, der nach Beendigung des Abbaus bis 2005 durch andere Firmen weiter genutzt wurde.[20] Außerdem gab es früher ab Peiting Ost eine Schmalspurbahn zum Torfwerk im Schwarzlaichmoor.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum im Klösterle

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der 66 m hohe Funkturm Rottenbuch war zur Zeit seiner Errichtung (2002) der höchste Holzturm Deutschlands.
  • Das ortseigene Windkraftrad wurde trotz vieler Proteste auf dem Bühlach errichtet und wird heute (Stand April 2011) von einer privaten Investorengemeinschaft betrieben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting in fünf Bänden

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. vgl. Das Geschlecht der Peutinger - Ministrale der Welfen. In: Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting, Band 1, Seite 159 ff
  3. a b Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern., Karl M Lipp Verlag München 2003, Band 1, Seite 238
  4. a b c Markt Peiting. In: Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), Seite 65 bis 69
  5. Peiting und Schongau (Altenstadt) unter den Welfen (1050-1200), Historischer Verein von und für Oberbayern, München 1920, Seite 4
  6. Peiting und Schongau (Altenstadt) unter den Welfen (1050–1200), Historischer Verein von und für Oberbayern, München 1920, Seite 8 f
  7. a b c Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern., Karl M Lipp Verlag München 2003, Band 1, Seite 239
  8. Karl Fliegauf: Peitinger Heimatfreund, Bd. 1, 27
  9. Ortsgeschichte von Peiting, abgerufen am 29. Oktober 2009
  10. Karl Fliegauf: Peitinger Heimatfreund, Bd. 1, Seite 29
  11. Paul Zerle: 135 Jahre Kohlenbergwerk Peissenberg 1837 - 1972, Seite 36
  12. Wappen- und Marktprivileg vom 28. Mai 1438; Ministerialentschließung vom 24. April 1836;
    Hupp, Otto: Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer, Frankfurt am Main 1912, S. 57
    Stadler, Klemens: Deutsche Wappen, Bd. 6, Bremen 1968, S. 39
    Unser Landkreis Weilheim-Schongau, Bamberg 1986, S. 146 f.
  13. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595.
  14. Kommunalstatistik von Peiting, abgerufen am 22. Oktober 2010
  15. Ergebnis der Kommunalwahl 2014, abgerufen am 18. März 2014
  16. Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8
  17. Kommunalwahl Peiting 2008: Gemeinderat, abgerufen am 22. Oktober 2010
  18. Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 3. März 2011
  19. Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. EOS-Verlag St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7455-9, S. 184–189
  20. Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. EOS-Verlag St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7455-9, S. 196–199
  21. Ehrenbürger. in: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimatlexikon, 1998, Seite 178 f
  22. merkur-online.de, abgerufen am 6. März 2010
  23. Buchpräsentation von Michael Dacher, abgerufen am 28. September 2010
  24. Weilheimer Tagblatt, 7. Juli 2011, Seite 1 Lokalteil
  25. BKBC-Bundeligen Ligenaufstellung Männer Saison 2014/15. Deutscher Keglerbund Classic e.V., 22. Juni 2014, abgerufen am 19. Januar 2015 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peiting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien