Robert K. Kraft

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Robert Kraft, 2017

Robert K. Kraft (* 5. Juni 1942 in Brookline, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Sportfunktionär und der Eigentümer des Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, sowie der dort beheimateten Mannschaften New England Patriots (NFL) und New England Revolution (MLS).

Kraft ist Besitzer der in der Papier- und Verpackungsindustrie tätigen Unternehmensgruppe The Kraft Group.[1] Im Jahr 2011 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Als Besitzer der New England Patriots erhielt er durch deren Siege mehrere Superbowl-Ringe. Bei einem Treffen mit Wladimir Putin im Jahr 2005 gab Kraft Putin den Ring, der ihn daraufhin mitnahm. Kurz danach teilte Kraft mit, dass der Ring ein Geschenk aus Respekt und Hochachtung gewesen sei. Im Jahr 2013 widerrief er seine Aussagen und teilte mit, dass Putin den Ring einfach in seine Taschen steckte und wegging.[2][3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraft wurde in Brookline (Massachusetts) geboren. Sein Vater- Harry Kraft, ein Bekleidungshersteller in Bostons Chinatown - war ehrenamtlicher Leiter der jüdischen Gemeinde Kehillath Israel in Brookline und wollte, dass sein Sohn Rabbiner werde.[4] Die Krafts waren praktizierende orthodoxe Juden. Robert wuchs in Brookline auf und besuchte die Edward Devotion Schule.[5] 1959 schloss er die Brookline High School als Präsident der Abschlussklasse.[6][7][8] Während der High School konnte Kraft an vielen sportlichen Aktivitäten nicht teilnehmen, weil diese mit seinem Hebräischunterricht oder dem Sabbat zusammenfiel.[4]

Kraft besuchte die Columbia Universität, wo er Jahrgangssprecher war.[9] Während seiner Zeit an der Universität trat Kraft der Zeta Beta Tau Studentenverbindung bei und war "running back" und "safety" in Football Teams.[4][7][10] Am 2. Februar 1962 traf Kraft Myra Hiatt in einem Delikatessenladen in Bostons Back Bay.[4] Sie heirateten im Juni 1963.[11] Im selben Jahr erhielt Kraft seinen Universitätsabschluss. 1965 erhielt er einen Master of Business Administration (MBA) an der Harvard Business School.[4]

Im Alter von 27 Jahren wurde Kraft zum Vorsitzenden des Newton Democratic City Committee gewählt. 1970 zog er in Betracht, gegen Massachusetts Kongressabgeordneten Philip J. Philbin zu kandidieren, entschied sich aber dagegen, da ein Eintritt in die Politik eine Belastung für die Familie und einen Verlust der Privatsphäre bedeutet hätte. Auch der Selbstmord des befreundeten Abgeordneten H. James Shea, Jr. schreckte ihn ab, in die Politik zu gehen.[4]

Geschäftskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraft begann seine Karriere mit der Rand-Whitney Group, einer Verpackungsfirma in Worcester, welche von seinem Schwiegervater Jacob Hiatt geführt wurde.[7] 1968 kaufte er die Firma und ist immer noch ihr Vorsitzender.[4] 1972 gründete er International Forest Products. Gemeinsam bildeten die beiden Firmen die größten privaten Papier- und Verpackungsunternehmen in den USA. Kraft gab an, dass er das Unternehmen aufgrund einer Ahnung gründete, dass das Wachstum der internationalen Kommunikation und des Transports zu einer Expansion des globalen Handels im späten zwanzigsten Jahrhundert führen werde.[12]

1997 wurde International Forest Products als einer der besten 100 Exporteure und Importeure ausgezeichnet. 2013 wurde das Unternehmen in dieser Kategorie im Journal of Commerce auf Platz 20 gelistet.[13][14] 1991 sagte Kraft über das Geschäft: "Wir arbeiten für viele Unternehmen, einschließlich Avon Products, Kodak, Kosmetik Firmen, Süßigkeiten und Spielzeug." Das Unternehmen produzierte beides, Wellkarton und Faltschachteln "welche dazu gebraucht werden, um alles Mögliche von einer Rakete über Minztabletten bis zu Estée Lauder, Indianer Glas und Polaroids zu verpacken“.[15] Kraft hatte auch Interesse an anderen Geschäftsfeldern und gründete schließlich die Kraft Group im Jahr 1998.[12]

Kraft investierte in die New England Television Corp., welche 1982 die Kontrolle über WNAC-TV übernahm. 1983 wurde Kraft Vorstandsmitglied und der Sender wurde zu WNEV-TV. 1986 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden.[16] 1991 nahm Kraft die Möglichkeit wahr, seine Aktien für geschätzte 25 Millionen US-Dollar zu verkaufen.[17]

Sportteams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boston Lobsters und erste Gebote für Sportteams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 kauften Kraft und fünf Partner die Boston Lobsters der World Team Tennis (WTT) Serie.[18] Die Gruppe investierte viel, um einige sehr gute Spieler zu verpflichten, unter anderem Martina Navrátilová. Dadurch wurden die Lobsters zu einem der besten Teams im WTT. Am Ende der Saison 1978 machte Kraft bekannt, dass das Team aufgelöst würde;[19] auch die Liga selber wurde kurz danach geschlossen.[4]

Nachdem die Lobsters aufgelöst wurden, versuchte Kraft zweimal die New England Patriots zu kaufen. Das erste Mal im Jahr 1988 von der bankrotten Sullivan Familie.[20] Außerdem war er ein Bieter für die Boston Red Sox und die Boston Celtics.[4]

New England Patriots[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Patriot Fan hatte Kraft ab 1971 immer ein Saisonticket, seit das Team in das damalige Schaefer Stadion umgezogen war.[7] 1985 kaufte Kraft eine zehnjährige Option auf den Foxboro Raceway, einer Pferderennbahn angrenzend an das Stadion. Dieser Kauf hinderte den Eigentümer der Patriots, Billy Sullivan, daran, während der Rennen im Stadion Events zu veranstalten, die nichts mit den Patriots zu tun hatten.[21] Zwar gehörte den Sullivans das Stadion, aber nicht das umliegende Land, und diesen Umstand nutzte Kraft aus. Dies war der Beginn des Kampfes um das Stadion und auch die Patriots selbst.[22] Die Sullivans hatten eine Reihe von Fehlinvestitionen, vornehmlich The Jackson Five 1984 Victory Tour, für welche sie das Sullivan Stadion als Sicherheit verpfänden mussten.[23] Diese Probleme zwangen Sullivan letztendlich dazu, im Jahr 1988 die Mehrheitsanteile an Victor Kiam zu verkaufen. Dennoch musste für das Stadion schließlich Insolvenz angemeldet werden.[24]

1988 überbot Kraft mehrere Konkurrenten, einschließlich Kiam, und kaufte das Stadion für 22 Millionen USD vom Insolvenzgericht. Das Stadion wurde allgemein als veraltet und wertlos angesehen, allerdings enthielt der Zuschlag nicht nur das Stadion selbst, sondern auch den Mietvertrag mit den Patriots, der bis 2001 lief.[25] Dieser Mietvertrag hatte Gültigkeit und beendete Sullivans drei Jahrzehnte andauernde Verbindung mit den Patriots. Als Sullivan und Kiam versuchten, die Patriots nach Jacksonville umzusiedeln, verhinderte Kraft die Auflösung des Mietvertrags. Fehlinvestitionen zwangen Kiam dann, die Patriots an James Orthwein zu verkaufen.[24]

Seit Orthwein das Team im Jahr 1992 gekauft hatte, gab es ständig Gerüchte darüber, dass er die Patriots nach St. Louis umsiedeln wollte. Orthwein bot Kraft 75 Millionen USD, um die Patriots aus dem noch laufenden Mietvertrag am neu benannten Foxboro Stadion freizukaufen. Hätte Kraft dieses Angebot akzeptiert, wäre die letzte große Hürde zur Umsiedlung des Teams überwunden worden. Allerdings lehnte Kraft das Angebot ab.[7][26][27][28]

Nach 1994 war Orthwein nicht mehr daran interessiert, das Team langfristig in Neuengland weiter zu führen und entschied sich zum Verkauf. Aufgrund der Konditionen des laufenden Mietvertrags musste sich jeder zukünftige Käufer mit Kraft auseinandersetzen. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf bot Kraft 172 Millionen USD für das Team und Orthwein akzeptierte.[29] Zu diesem Zeitpunkt war dies der höchste Preis, der jemals für ein NFL Team bezahlt wurde. Jahre später erzählte Kraft, dass es seine Leidenschaft für die Patriots war, die ihn dazu brachte, jede seiner finanziellen Regeln zu brechen. Er erklärte auch, dass er immer ein Poster der Victory Tour unter seinen Andenken hat als Erinnerung, dass sie es ihm ermöglicht hatte, seinen großen Traum zu erfüllen und Eigentümer eines Major League Teams zu werden.[22]

Nachdem auch die NFL ihre Zustimmung zu dem Verkauf gab, waren die Patriots Heimspiele für die komplette Saison 1994 ausverkauft, dies war der erste komplette Ausverkauf in der Geschichte des Teams. Jedes Heimspiel (inklusive Vorsaison, Hauptsaison und Playoffs) war seither ausverkauft.[30]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem Vermögen von circa vier Milliarden US-Dollar belegt er Platz 122 auf der Forbes-Liste 2014 der reichsten Menschen Amerikas.[31]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.thekraftgroup.com/
  2. David K. Li: Kremlin denies Vladimir Putin stole Patriots’ Super Bowl ring from owner Robert Kraft, abgerufen am 30. Januar 2017.
  3. John Breech: Patriots' Robert Kraft: Vladimir Putin stole my Super Bowl ring, abgerufen am 30. Januar 2017.
  4. a b c d e f g h i The family man Ties that bind pull at Patriots bidder, the complex Robert Kraft. In: highbeam.com. 19. Dezember 1993, abgerufen am 9. Juli 2018.
  5. 'Between You and Me'. In: nytimes.com. 22. Januar 2006, abgerufen am 9. Juli 2018.
  6. Kraft cements his love for the old alma mater. In: archive.boston.com. 14. November 2004, abgerufen am 9. Juli 2018.
  7. a b c d e For New England Patriots owner Robert Kraft, an off-season of personal tragedy, professional triumph. In: masslive.com. 6. September 2001, abgerufen am 9. Juli 2018.
  8. Jewish Owners Face Off in Super Bowl XLVI. In: jspace.com. 2. April 2012, archiviert vom Original am 25. Januar 2013; abgerufen am 9. Juli 2018.
  9. Withhold Class Funds, Letter Asks Seniors: Kraft Claims Message Will Not Hurt Drive. In: spectatorarchive.library.columbia.edu. 12. März 1963, abgerufen am 9. Juli 2018.
  10. Robert Kraft to Be Inducted to Columbia University Athletics Hall of Fame. In: nesn.com. 18. Juni 2012, abgerufen am 9. Juli 2018.
  11. Robert Kraft talks about life after Myra. In: bostonglobe.com. 19. Januar 2013, abgerufen am 9. Juli 2018.
  12. a b Foreword. In: books.google.com. 1. August 2008, abgerufen am 12. Juli 2018.
  13. IFP ranked 27th among largest U.S. exporters and first among New England exporters. In: ifpcorp.com. 29. Mai 2012, abgerufen am 12. Juli 2018.
  14. Kraft paper firm honored for exports. In: bostonglobe.com. 29. Mai 2013, abgerufen am 12. Juli 2018.
  15. Cardboard economics. In: highbeam.com. 21. April 1991, abgerufen am 12. Juli 2018.
  16. Kraft named President of N.E. Television. In: highbeam.com. 15. Februar 1987, abgerufen am 12. Juli 2018.
  17. Major investor will depart Ch. 7. In: highbeam.com. 6. Juni 1991, abgerufen am 12. Juli 2018.
  18. The Berkshire Eagle from Pittsfield. In: newspapers.com. 28. März 1975, abgerufen am 15. Juli 2018.
  19. A Question of Resolve. In: si.com. 6. November 1978, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 15. Juli 2018.
  20. Kraft Pursues Stadium. In: highbeam.com. 30. Juli 1988, abgerufen am 15. Juli 2018.
  21. Sullivans' Team in Loss Column. In: highbeam.com. 26. Juli 1987, abgerufen am 15. Juli 2018.
  22. a b Unlikely Dynasty. In: forbes.com. 19. September 2015, abgerufen am 15. Juli 2018.
  23. The League: The Rise and Decline of the NFL. In: sabr.org. 1986, abgerufen am 15. Juli 2018.
  24. a b Jackson's part in Pats' history was real 'thriller'. In: thesunchronicle.com. 27. Juni 2009, abgerufen am 15. Juli 2018.
  25. The Art Of Kraft. In: articles.courant.com. 13. Dezember 1998, abgerufen am 17. Juli 2018.
  26. Patriots' Robert Kraft talks Goodell, Gronk and Brady. In: usatoday.com. 13. November 2014, abgerufen am 17. Juli 2018.
  27. Boston Sports Fans Lucky to Not Have a James Dolan among Local Owners. In: archive.boston.com. 10. Februar 2015, abgerufen am 17. Juli 2018.
  28. New England Patriots owner Robert Kraft featured on all-new episode of Forbes SportsMoney. In: yesnetwork.com. 15. Februar 2015, abgerufen am 17. Juli 2018.
  29. Sold! Time to Call Them the New England Permanents. In: nytimes.com. 22. Januar 1994, abgerufen am 17. Juli 2018.
  30. Parcells: The Unauthorized Biography. In: books.google.ch. 2014, abgerufen am 17. Juli 2018.
  31. http://www.forbes.com/sites/afontevecchia/2014/09/29/forbes-400-full-list-of-americas-richest-people/8/

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Robert K. Kraft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien