Rupertiwinkel

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Luftbild über den Rupertiwinkel zum Hochstaufen in benachbarten Chiemgauer Alpen mit Högl (vorne links)
Rupertiwinkel in Oberbayern

Der Rupertiwinkel (auch: Bayerischer Rupertiwinkel; manchmal fälschlich Rupertigau genannt) ist eine im Regierungsbezirk Oberbayern (Deutschland) gelegene Kulturlandschaft im äußersten Südosten von Bayern.

Geographisch ist diese Region geprägt von den beiden größeren Stillgewässern Waginger See und Tachinger See und dem Högl als markanter Erhebung.

Die Gebietsbezeichnung bezieht sich auf Rupert (um 650–718), den als Heiligen und „Apostel der Baiern“ verehrten ersten Bischof von Salzburg. Das Gebiet war von 1328 bis 1803 Teil des Erzstifts Salzburg. Nach Anschluss des Gebietes an das Königreich Bayern (1810) wurde für diesen Seelsorgebereich der römisch-katholischen Pfarreien ein erster besonderer Bezug zu Rupert dank eines liturgischen Privilegs (1814) hergestellt.[1] Die Gebietsbezeichnung „Rupertiwinkel“ fand jedoch erst im Zuge der Heimatbewegung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch schriftliche Erwähnung und hat sich seither für diese Kulturlandschaft etabliert.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Rupertiwinkels rund um den Waginger See und Tachinger See liegt nördlich der Chiemgauer Alpen und grenzt im Osten an die österreichische Großstadt Salzburg an.

Die geographische Ausdehnung des Rupertiwinkel reicht somit (sortiert im Uhrzeigersinn):

Politische Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rupertiwinkel war ursprünglich Teil des Salzburger Flachgaues. Er deckt sich gebietsmäßig weitestgehend mit den ehemaligen salzburgischen Pfleggerichten Staufeneck, Raschenberg-Teisendorf, Halmberg-Waging, Tittmoning und Laufen.[3] Diese Gebiete in den früheren Landgerichten Laufen und Tittmoning bildeten nach dem Wechsel zu Bayern 1862 das Bezirksamt Laufen. Dieses wiederum trat am 1. Januar 1880 einige Gemeinden an das Bezirksamt Traunstein ab. Am 1. Januar 1939 wurde es in Landkreis Laufen umbenannt. Am 1. Januar 1970 wurde noch die Gemeinde Lauter des Landkreises Laufen der Gemeinde Surberg des Landkreises Traunstein zugeordnet. Als der Landkreis Laufen am 1. Juli 1972 durch die Gebietsreform aufgelöst wurde, stimmte er zu großen Teilen mit der Ausdehnung des Rupertiwinkels überein. Es fehlten lediglich die zum Rupertiwinkel gehörenden Gemeinden Piding und Anger, sowie Heiligkreuz und Lindach, die heute zur Stadt Trostberg gehören. Der Rupertiwinkel erstreckt sich nunmehr politisch-geographisch über Teile der Landkreise Altötting im Norden, Berchtesgadener Land im Südosten und Traunstein im Nordwesten.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bergen und Erhebungen im Rupertiwinkel gehören − sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN):

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flüsse
Seen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb des bayerischen Stammes- und Territorialherzogtums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich (ab dem 6. Jahrhundert) gehörte das Gebiet des späteren Rupertiwinkels zum damaligen Salzburggau und war Teil des bayerischen Stammesherzogtums. Verstreuten Grundbesitz in der Gegend besaß die Salzburger Kirche bereits in frühester Zeit. So übergab beispielsweise der Bayernherzog Theodo um das Jahr 700 das Dorf Piding mit 30 Bauernhöfen an den ersten Salzburger Bischof Rupert.

Während der ersten Jahrzehnte des bayerischen Territorialherzogtums (1180–1918) und nachdem 1229 die Grafen von Lebenau ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger Erzbischof Eberhard II. deren Herrschaftsgebiet (u.a. die Nordhälfte des späteren Rupertiwinkels nördlich und östlich des Waginger Sees) sichern. Mit dem Aussterben der Grafen von Plain 1260 fiel schließlich u.a. auch die südliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels südlich und westlich des Waginger Sees an das Bistum Salzburg. Diese Gebiete waren u.a. auch Bestandteil der 1254 und 1275 geschlossenen Verträge von Erharting, mit denen die Voraussetzung für die landesrechtliche Loslösung vom Herzogtum Bayern und die Anerkennung des Erzbistums Salzburg als eigenständiges Territorium geschaffen wurde.

Im Außergebirg des eigenständigen Fürsterzbistums Salzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte Erzstift Salzburg (18. Jhd.)
Hinweistafel auf historischen Grenzverlauf

Mit dem Erlass einer eigenen Landesordnung durch den Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz wurde das Erzstift Salzburg ab 1328 zu einem weitgehend eigenständigen Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Der spätere „Rupertiwinkel“ wurde wegen seines fruchtbaren Bodens zur „Kornkammer“ des Erzstifts und sein Gebiet dem Außergebirg oder „Land vor dem Gebirg“ bzw. „Flaches Land“ genannten nördlichen Salzburger Besitzungen zugeordnet.

Säkularisation und Anschluss an Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wechselnde Herrschaften (1803–1810)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation dankte 1803 Hieronymus Graf Colloredo als letzter Salzburger Fürsterzbischof ab. Danach übernahm der frühere Großherzog von Toskana Ferdinand III. die Regentschaft als Kurfürst von Salzburg. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 unterstand das Salzburger Land von 1806 bis 1809 der Herrschaft des Kaisertums Österreich, anschließend für fast ein Jahr der des napoleonischen Frankreich.[4] 1810 wurde es gemeinsam mit dem Gebiet der ehemaligen, ab 1803 ebenfalls unter ähnlich wechselnden Regentschaften stehenden Fürstpropstei Berchtesgaden endgültig Teil des Salzachkreises im Königreich Bayern.[4]

Teilung der vormals Salzburger Außergebirg-Besitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Verhandlungen auf dem Wiener Kongress unter der Leitung Metternichs wurden 1816 mit dem Vertrag von München die Außergebirg bezeichneten Besitzungen des einstigen Erzstifts Salzburg geteilt. Während mit dem Flachgau das Gebiet rechts der Salzach zusammen mit dem südlich darunter bzw. östlich vom Berchtesgadener Land gelegenen Tennengau wieder dem Kaisertum Österreich zugesprochen wurde, verblieb das Gebiet links der Salzach mit seinen römisch-katholischen „Ruperti“-Pfarrgemeinden im Königreich Bayern.

Eigene Bezeichnung der Kulturlandschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rupertus-Privileg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als historischer Hintergrund für den Namen „Rupertiwinkel“ wird gemeinhin die Gewährung eines liturgischen Privilegs angesehen, das bereits gut 100 Jahre vor seiner Verbreitung als Gebietsbezeichnung den Begriff zumindest schon innerkirchlich für die Pfarreien der Region anbahnte:

Kurz nach dem Anschluss an das Königreich Bayern ersuchten die nun parallel dazu durch eine Circumscriptions-Bulle dem römisch-katholischen Bistum Passau neu zugeordneten Pfarreien um eine Sondergenehmigung, die ihnen das Feiern einer hl. Messe im Andenken an den hl. Rupert gestattete. Damit wollten sie an die 1000-jährige Tradition ihrer früheren Herrschaft des Erzstifts Salzburg anknüpfen, das im Gegensatz zum bayerischen Bad Reichenhall und der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden am 24. September den „Rupertitagfeierte. Diese Sondergenehmigung bzw. dieses Privileg wurde den altsalzburgischen Pfarreien am 16. Juni 1814 gewährt, allerdings unter der Vorgabe, dass sofern der hl. Rupert “nicht Kirchenpatron ist, nur unter ausdrücklicher Beschränkung auf den Kirchengottesdienst und ohne Spur einer Feiertags außer der Kirche”. Wiewohl derart eingeschränkt, wurde damit den Pfarreien dieser Region immerhin ein eigener Messblatteindruck mit Bezug zu ihrem „Salzpatron“ zugestanden – „... und somit überkam auf uns der Name Rupertiwinkel.“[1]

Dieses Privilegien blieben den Rupertiwinkel-Pfarreien auch erhalten, als sie nach der Teilung des Außergebirgs (1816) am 5. Oktober 1821 dem Erzbistum München-Freising angegliedert wurden.[1]

Erste schriftliche Erwähnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gebietsbezeichnung in der Schreibung „Rupertus-Winkel“ ist der Name bislang erstmals 1898 in einer Anzeige im „Laufener Wochenblatt“ Nr. 102 nachgewiesen, als die Geistlichkeit im alt-salzburgischen Gebiet zu einer Versammlung in Waging eingeladen wurde.[5] Zehn Jahre später gebrauchte der Heimatforscher Theodor Nißle, ein königlich-bayerischer Postsekretär und Schriftsteller in München, die Gebietsbezeichnung in der Schreibung „Rupertuswinkel“ in seinem „Weckruf“ in der Beilage „Unterhaltungs-Blatt“ zum „Laufener Wochenblatt“ vom Dezember 1908.[2] Hans Roth bringt diesen und anderen Gebrauch der Gebietsbezeichnung in Verbindung mit der sich seinerzeit im Deutschen Reich verbreitenden Heimatbewegung.[2]

Vereinsgründung Heimatfreunde des Rupertiwinkels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917/18 wurde der „Verein der Heimatfreunde des Rupertiwinkels“ mit Sitz in Laufen gegründet.[6] Im Auftrag dieses Vereins erschien bereits 1917 die Schrift Als die Franzosen kamen im „Verlag der Heimatfreunde des Rupertiwinkel“ als dessen erste Veröffentlichung.[7] Der Verein hatte nur bis 1936 Bestand[8] – was zu seiner Auflösung führte, ist derzeit nicht verifizierbar.

Notgeld des Bezirksamtes Laufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geläufigkeit der Gebietsbezeichnung wurde in besonderer Weise dadurch befördert, dass das Bezirksamt Laufen auf den nach Entwürfen von Karl Goetz als Notgeld bzw. Notmünzen verbreiteten 5-, 10-, 25- und 50-Pfennig- sowie 1-Markstücken des Jahres 1918 den hl. Rupertus abbilden und sie, abgesehen von den 50-Pfennigstücken, zudem mit der Bezeichnung „Rupertiwinkel“ versehen ließ.[9][10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablehnung einer Wiederangliederung des Rupertiwinkels an Salzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis etwa zur Währungsreform 1948 in der Bundesrepublik Deutschland gab es politische Bestrebungen des Salzburger Landeshauptmanns Josef Rehrl (1947–1949), den Rupertiwinkel wieder ans österreichische Land Salzburg anzugliedern. Mit einbezogen werden sollte auch der damalige Landkreis Berchtesgaden (mit Bad Reichenhall und Umgebung). Bei dieser Gelegenheit wollte Rehrl das Salzburger Land gleich bis zur Traun und an die Alz erweitern. Eine „historische Traungrenze“, die es in Wahrheit nie gegeben hat, sollte wiederhergestellt werden. Die Bevölkerung der Region stand jedoch dem Ganzen überwiegend ablehnend gegenüber, und der bayerische Ministerpräsident Hoegner kündigte entschiedenen Widerstand an: „Wenn es sein muß, werden unsere bayerischen Bauern ihr Land mit Mistgabeln und Sensen verteidigen.“[11]

Diese Bestrebungen Rehrls wurden von dem Ramsauer Forstmeister Georg Küßwetter als eines seiner Motive benannt, warum er im Mai 1946 die Blaueishütte auf dem Hochkalter in den Berchtesgadener Alpen von seinen Jägern durch Brandstiftung zerstören und die Grundmauern später zur Verhinderung eines Wiederaufbaus zusätzlich sprengen ließ. Der 1952 gegen ihn geführte Prozess hatte bundesweites Aufsehen erregt.[12]

Rupertigau-Preisschnalzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passe beim Rupertigau-Preisschnalzen 2005 in Loig bei Salzburg

1954 wurde im Rupertiwinkel erstmals zum „Rupertigau-Preisschnalzen“ eingeladen. Dies ist mittlerweile die größte Veranstaltung des Aperschnalzens, an dem jährlich weit über 100 Passen (auch Basse; Dialekt für Gruppe) in den Klassen Jugend und Allgemeine teilnehmen. Es wird traditionell jedes dritte Jahr in einem Ort auf der salzburgischen, ansonsten auf der bayerischen Seite einzig im Rupertiwinkel ausgetragen. So waren beim Rupertigau-Schnalzen 2012 in Teisendorf 68 Jugendpassen und 124 Allgemeine mit mehr als 1.800 Beteiligten vertreten.[13]

1957 wurde die bayerisch-salzburgische Schnalzervereinigung Rupertiwinkel mit Sitz in Saaldorf gegründet, die seither regelmäßig Schnalz-Veranstaltungen durchführt. In Saaldorf findet seit 1954 alle zehn Jahre das große Preisschnalzen statt.

Vereinsgründung Historischer Verein Rupertiwinkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 kam es zur Gründung einer „Nachfolgeorganisation“ des 1936 aufgelösten „Vereins der Heimatfreunde des Rupertiwinkels“ unter der Bezeichnung „Historischer Verein Rupertiwinkel e.V.“.[8] Dieser Verein sieht seine Aufgabe darin, die Geschichte des Rupertiwinkels zu erforschen, und hat sich „die Erhaltung und Pflege der natürlichen und geschichtlich gewordenen Eigenart dieses an Kunst- und Kulturdenkmälern so reichen Rupertiwinkels“ zum Ziel gesetzt.[8]

Unter Federführung des Heimatpflegers Hans Roth gibt der Verein seit 1967 die Zeitschrift „Das Salzfass“ heraus,[14] unter deren Titel bereits die zwischen 1922 und 1933 erschienene heimatgeschichtliche Beilage des „Laufener Wochenblatt“ veröffentlicht wurde. Das Deckblatt der Zeitschrift zeigt eine historische Abgrenzungskarte, sowie das Logo des Vereins, bestehend aus stilisierten Elementen, einem hölzernen Salzfass und den Wappen von Bayern und Salzburg.[14]

Soziokulturelle Zuordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografisch erstreckt sich das Gebiet des Rupertiwinkels heute von Nord nach Süd über Teile des Landkreises Altötting, des Landkreises Traunstein und des Landkreises Berchtesgadener Land, von denen jeweils das größere Teilgebiet anderen Kulturregionen bzw. Kulturlandschaften zugeordnet wird.

Die Kulturlandschaft Rupertiwinkel[15] grenzt sich soziokulturell bis heute ab von den benachbarten, schon vormals herzoglich bayerischen Regionen Inn-Salzach im Norden und dem Chiemgau im Westen wie auch von dem einst ebenfalls unter herzoglich bayerischen Einfluss stehenden Gebiet der heutigen Gemeinden Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain und Schneizlreuth innerhalb des Landkreises Berchtesgadener Land im Süden, an das wiederum die gleichnamige Kulturlandschaft Berchtesgadener Land in den historischen Grenzen des eigenständig fürstpropstlichen Kernlandes anschließt.[16] Seit 2011 liegen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt Entwürfe einer Neugliederung Bayerischer Kulturlandschaften vor, wonach sich der Raum des Rupertiwinkels wie bereits beschrieben „anhand der historischen Territorialgrenze gut von seinen Nachbarräumen abtrennen [lässt], auch wenn die landschaftlichen Übergänge fließend sind.“[17] Der Entwurf bezieht zudem aufgrund seiner spezifischen geologischen Eigenart auch das sich vom „abgeschlosseneren, zentralen Berchtesgadener Becken“ abhebende Reichenhaller Becken als Untereinheit in die Kulturlandschaft Berchtesgadener Land mit ein.[18] Demnach zählten die Gemeinden Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain und Schneizlreuth zur Kulturlandschaft Berchtesgadener Land.

Kulturell ist der einst zum Fürsterzbistum Salzburg gehörende Rupertiwinkel auch heute noch eng mit dem Salzburger Land verbunden. Als Beispiele sind unter anderem der Brauch des Aperschnalzens und die Bauform des „Salzburger Flachgauhofs“ zu nennen, der im größten Teil des Rupertiwinkels vorherrscht. Nördlich etwa der Linie Brünning–Tengling–Fridolfing findet sich der Übergang zum Verbreitungsgebiet des Vierseithofes. Sprachwissenschaftler orteten die letzten Reste des alten Salzburger Dialekts im Gebiet des Rupertiwinkels. Aber auch vom Salzburger Flachgau, mit dem es zu Zeiten des Fürsterzbistums Salzburg gemeinsam dessen nördlich gelegenen und „Außergebirg“ bezeichneten Teil seines Herrschaftsgebietes bildete, ist es nach über 200 Jahren „Trennung“ zu einer kulturellen Abgrenzung gekommen, die z.B. an den inzwischen jeweils unterschiedlich ausgeformten Trachten sichtbar wird.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salzachschleife bei Laufen

Naturschönheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rupertiwinkel, in dem Tourismus eine wesentliche Erwerbsquelle darstellt, hat seine Naturschönheiten u. a. durch eine hohe Dichte an Rad- und Wanderwegen erschlossen. So gibt es Routen auf den Hochstaufen (u.a. Pidinger Klettersteig), auf den Teisenberg sowie den Walderlebnispfad Meggenthal am Rampelsberg.

Ganz oder teilweise verlaufen im Rupertiwinkel auch die Radwege Bajuwaren-Tour, Rund um den Waginger und Tachinger See, Salzachtal-Weg und der zu Ehren des im Rupertiwinkel aufgewachsenen Papstes Benedikt XVI. geschaffene Radpilgerweg Benediktweg. Mountainbiker können die Wege auf dem Teisenberg zur Stoißer Alm nutzen.

Kulturelle Traditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein nur im Rupertiwinkel und im benachbarten Salzburger Flachgau beheimateter Brauch ist das Aperschnalzen.[19][20] Darüber hinaus werden die im baierischen Kulturraum verbreiteten Bräuche gepflegt.

Jeder größere Ort besitzt einen Trachtenverein und eine traditionelle Musikkapelle, welche meist dem Gauverband I bzw. dem Bezirksmusikverband Chiem- und Rupertigau des Musikbundes von Ober- und Niederbayern angehören. Daneben tragen katholische Burschenvereine sowie Vereine von Böllerschützen und Perchtenläufern zur Brauchtumspflege bei.

Im Familien- und Freundeskreis ist das Musizieren alpenländischer Volksmusik verbreitet. Zum allgemeinen Brauchtum im Rupertiwinkel zählen das Maibaumaufstellen, Peter und Paul Feuer und der Leonhardiritt.

Festtagskleidung an Sonn- und Feiertagen ist für viele noch die Miesbacher Tracht, seltener die Berchtesgadener Tracht. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird jedoch im alltäglichen Leben kaum noch traditionelle Tracht getragen.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volks- und kulturgeschichtliche Museen im Rupertiwinkel sind das Bajuwarenmuseum in Waging am See und ein Bauernhofmuseum bei Kirchanschöring sowie das Bergbaumuseum in Achtal bei Teisendorf.

Die „Lokwelt Freilassing“ ist ein Eisenbahnmuseum im Berchtesgadener Land, das in Kooperation von der Stadt Freilassing und dem Deutschen Museum betrieben wird. Das Museum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Freilassing der Deutschen Bahn AG und beherbergt einen Teil der Eisenbahnsammlung des Deutschen Museums.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Profangebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tittmoning liegt die Burg Tittmoning oberhalb der Salzach. Ferner verfügt die Stadt über einen großen Stadtplatz. Die Bürgerhäuser dieser ehemals reichen Salzhandelsstädte sind in der Inn-Salzach-Bauweise errichtet.

Das Schloss Staufeneck steht am Fuße des Hochstaufen.

Sakralgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Laufener Stiftskirche ist die älteste gotische Hallenkirche Süddeutschlands.

Kunsthistorisch bedeutende Sakralbauten im Rupertiwinkel sind zudem die Kirchen von St. Leonhard am Wonneberg bei Waging am See, Weildorf bei Teisendorf, St. Johann in Fridolfing, Asten (Tittmoning) und St. Coloman bei Tengling. Ferner die Kirche St. Laurentius in Piding, die St.-Johannes-Kirche auf dem Johannishögl bei Piding (mit Panoramablick) und das auf einer Halbinsel im Höglwörther See gelegene Kloster Höglwörth bei Anger.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Reindel-Schedl: Laufen an der Salzach - Die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging, Historischer Atlas von Bayern, Heft 55, Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1989. ISBN 3-7696-9940-8.
  • Christian Soika (Hg.): Heimatbuch des Landkreises Traunstein. Bd. 5: Der nördliche Rupertiwinkel. Lkr. Traunstein 1990. ISBN 3-925249-18-4.
  • Stadt Laufen und die Gemeinden des Rupertiwinkels (Hrsg.): Der Rupertiwinkel. Ein gesegneter Landstrich - Seit 1810 bei Bayern. Panorama Verlag, Laufen an der Salzach 2010. ISBN 978-3-902429-81-0
  • Andreas Hirsch: Von Salzburg „retour nach Baiern“ - Der Rupertiwinkel fiel vor 200 Jahren an das bayerische Königreich zurück, in: Heimatblätter, Nr. 9, 2010, Reichenhaller Tagblatt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Max Wieser (Heimatpfleger des Landkreises Berchtesgadener Land): Der Rupertiwinkel, online unter prangerschuetzen.de (für ganzen Absatz)
  2. a b c Hans Roth: Geographische Begrenzung und Begriffsbildung, in: Paul Werner: Bäuerliche Baukultur im Berchtesgadener Land: Dokumentation eines Landkreises, Plenk, 1984, S. 104.
  3. Helga Reindel-Schedler: Laufen an der Salzach. Die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging. Historischer Atlas von Bayern, Reihe I, Band 55, Kommission für bayrische Landesgeschichte, München 1989
  4. a b Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 118 f. (Volltext in der Google-Buchsuche).
  5. Stadt Laufen und die Gemeinden des Rupertiwinkels (Hrsg.): Der Rupertiwinkel. Ein gesegneter Landstrich - Seit 1810 bei Bayern, 2010, S. 13.
  6. Hans Roth: Verein der Heimatfreunde des Rupertiwinkels – sein Wirken von 1918 bis 1936, 1985
  7. Theodor Nißle (Hrsg.): Als die Franzosen kamen. Aufzeichnungen aus dem Winter 1800/1801. Im Auftrage des Vereines der Heimatfreunde des Rupertiwinkels, Sitz Laufen. Laufen, Verlag der Heimatfreunde des Rupertiwinkels 1917
  8. a b c Historischer Verein Rupertiwinkel e.V., die Vereinshomepage ist online abrufbar unter http://www.rupertiwinkel.org/
  9. Karl Roll: Das Notgeld im Rupertiwinkel, in: Internationale Sammler-Zeitung, 15. Jg., 1923, Nr. 12, S. 89 f.
  10. Künker Auktion 249: Coins and Medals from Medieval to Modern Times • Münster and Westphalia in the Context of the European Monetary History: The Dieter Braun Collection, 2014, S. 296 (google-books-Seite)
  11. Josef Wysocki: Leben im Berchtesgadener Land 1800-1990, S. 322-326. (für ganzen Absatz)
  12.  Schaun's in die Ramsau. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1952, S. 10–12 (6. August 1952, online).
  13. Bericht in der Bergheimer Gemeindezeitung vom März 2012, online abrufbar unter bergheim.riskommunal.net (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 9. März 2012
  14. a b SALZFASS, Inhaltsangaben 2002 bis 2014 der von Hans Roth herausgegebenen Vereinszeitschrift „Das Salzfass“, online unter rupertiwinkel.org
  15. Hans Roth: Der Rupertiwinkel als Kunst- und Kulturlandschaft. In: Festschrift 25 Jahre Staatliche Realschule Freilassing. 1977, S. 8-14; ders.: Der Rupertiwinkel. Eine salzburgische Kulturlandschaft im heutigen Bayern, in: Unser Bayern. Heimatbeilage der Bayer. Staatszeitung, 1978, Nr. 10, S. 75-77
  16. Die Kulturlandschaften Bayerns: Vielfalt – Heimat – Schutzgut, PDF-Datei, online unter heimat-bayern.de
  17. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität – 60 Rupertiwinkel (Stand: 2011), online unter lfu.bayern.de
  18. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität – 61 Berchtesgadener Land (Stand: 2011), online unter lfu.bayern.de
  19. Festschrift: 50 Jahre Rupertigau-Preisschnalzen 1954-2004 (PDF 3,5MB), online unter schnalzen.de
  20. Seminararbeit: Das Aperschnalzen (PDF 3,5MB), online unter schnalzen.de

Koordinaten: 47° 56′ 11,99″ N, 12° 55′ 56,97″ O