The Great Reset

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The Great Reset (engl. „Der große Neustart“[1] bzw. „Der große Umbruch“) ist eine Initiative des Weltwirtschaftsforums (WEF), die eine Neugestaltung der weltweiten Gesellschaft und Wirtschaft im Anschluss an die COVID-19-Pandemie vorsieht.[2]

Die Initiative wurde von Prinz Charles und WEF-Direktor Klaus Schwab im Mai 2020 vorgestellt und zielt auf eine Verbesserung des Kapitalismus ab. Investitionen sollen demnach stärker auf den gegenseitigen Fortschritt ausgerichtet und es soll mehr auf Umweltinitiativen gesetzt werden. Mittels einer Petition in Kanada mit dem Ziel, die Initiative zu stoppen, wurden innerhalb von 72 Stunden 80.000 Unterschriften gesammelt. Als Folge dieser Petition verbreitete sich eine Verschwörungstheorie. Es wird behauptet, der „Great Reset“ sei tatsächlich ein ambitionierter Versuch zum Zwecke der Etablierung einer neuen Weltordnung.

Der Vorschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgt man dem Vorschlag des Weltwirtschaftsforums (WEF), dann stellt die COVID-19-Pandemie eine günstige Gelegenheit dar, möglichst wirkungsvoll einen globalen wirtschaftlichen Aufschwung und die zukünftige Richtung der weltweiten Beziehungen, Volkswirtschaften und Prioritäten zu gestalten.[3] Prinz Charles betonte während der Präsentation des Planes, dass der darin niedergelegte Inhalt nur mit der Zustimmung der Menschheit geschehen solle.

Demzufolge müsse der zukünftige wirtschaftliche Aufschwung die Welt auf einen Pfad der Nachhaltigkeit bringen. Hierfür bedürfe es des Umbruchs und der Neugestaltung sozialer und ökonomischer Systeme. Wichtige Dimensionen dieses nachhaltigen Wirtschaftens für einen Great Reset seien: Innovation, Wissenschaft und Technologie. In Anbetracht des weltweiten realen Elends bedürfe es, so Klaus Schwab, einer fairen Wirtschaft. Das Ziel läge im Starten einer vierten industriellen Revolution, zum Zwecke der Schaffung einer digitalen wirtschaftlichen und öffentlichen Infrastruktur.[4]

Prinz Charles setzt auf den privaten Sektor als die Haupttriebkraft des Plans. Nach Klaus Schwab wird der Great Reset das Wirtschaftssystem nicht wesentlich verändern, sondern vielmehr zur Entstehung eines „verantwortungsvollen Kapitalismus“ beitragen.[5]

Politiker wie der kanadische Premierminister Justin Trudeau, der britische Premierminister Boris Johnson und der US-Präsident Joe Biden vertreten, in Anlehnung an diesen Vorschlag, ebenfalls die Idee eines „besseren Wiederaufbaus“ im Anschluss an die Covid-19-Pandemie.[6]

Der Great Reset wird zudem das Hauptthema des WEF-Gipfels 2021 sein.[7]

Buch zur Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein im Zusammenhang mit der Initiative herausgegebenes Buch, auf Deutsch „COVID-19: Der Große Umbruch“[8], das Schwab gemeinsam mit dem Ökonomen Thierry Malleret verfasst hat, enthält eine umfassende Bestandsanalyse sowie daraus abgeleitete Prognosen als Grundlage des „Reset“- Konzeptes.

Die Autoren erwarten, dass es nach der COVID-19-Pandemie zu einer Umverteilung von oben nach unten kommt, „von den Reichen zu den Armen und vom Kapital zur Arbeit“. Außerdem werde Corona „wahrscheinlich den Tod des Neoliberalismus einläuten“, welcher „Wettbewerb über Solidarität stellt, schöpferische Zerstörung über staatliche Intervention und Wirtschaftswachstum über soziales Wohlergehen“. Die Rolle des Staates in der Wirtschaft verstärke sich. Zum ersten Mal seit der Ära des Thatcherismus hätten „die Regierungen wieder die Oberhand“. Auf der Skala „zwischen Regierung und Märkten hat sich die Nadel entschieden nach links bewegt“. Gleichzeitig rechnen die Autoren mit einer Verstärkung der Deglobalisierung und des Nationalismus.

Die kanadische Petition gegen den Vorschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an die Rede von Trudeau startete der kanadische konservative Abgeordnete Pierre Poilievre eine Petition, mit dem Ziel, den "Great Reset" zu stoppen. Es gelang ihm in weniger als 72 Stunden, 80.000 Unterschriften hierfür zu sammeln.[9] Er wirft Trudeau vor, eine "sozialistische Ideologie" in Kanada durchsetzen zu wollen[10], worauf er von Seiten mehrerer Kommentatoren und Redaktionen kritisiert wurde.[11][12][13] Die Toronto Star-Redaktion kritisierte die Petition, da sie Anlass für unbegründete Verschwörungstheorien schaffe.[14] Etwa zur gleichen Zeit kritisierte die Vorsitzende der Konservativen Erin O'Toole die Idee eines Resets und behauptete ihrerseits, Trudeau nutze die Pandemie, um ein massives und riskantes Experiment durchzuführen.[15][9]

Naomi Klein schrieb für The Intercept, der Vorschlag sei ein bloßes "Coronavirus-Themen-Rebranding". Er enthalte bloß Dinge, die das WEF bereits in vergangener Zeit wiederholt geäußert habe. Er müsse als ein weiterer Versuch der Reichen betrachtet werden, sich in der Krise selbst gut aussehen zu lassen. Schwab habe zudem seit 2003 noch bei jedem Treffen in Davos einen ähnlich klingenden Vortrag gehalten. Der Great Reset sei also lediglich die neueste Ausgabe dieser "goldenen Tradition", die sich kaum von früheren Davoser "Big Ideas" unterscheide.[16]

Das Grundgerüst des Entwurfs von Schwab deckt sich zudem mit dem älteren Konzept des inklusiven Wachstums (inclusive growth). Die Bertelsmann Stiftung entwarf zwischen 2014 und 2018 eine Studie[17][18] im Auftrag der Bundesregierung, um Antworten auf die Frage zu finden, wie man "nachhaltiges und sozialverträgliches Wachstum" gestalten könne. Auch andere Denkfabriken (Atlantic Council)[19] und Institutionen (OECD)[20] arbeiteten bereits vor COVID-19 und pandemieunabhängig an ähnlichen Vorschlägen. Alle Ideen haben gemein, dass sie weiterhin auf freie Märkte und internationalen Handel als Kernelement zum Erreichen der Ziele setzen, was der Verschwörungstheorie widerspricht, da diese behauptet, es werde eine globale Planwirtschaft angestrebt.

Verschwörungstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verschwörungstheorie verbreitete sich als Reaktion auf den Vorschlag und die anschließende Petition. Darin wird behauptet, „globale Finanzeliten“ und die Führer der Welt hätten eine Pandemie geplant. Sie ließen demnach absichtlich das Coronavirus frei, um dadurch die Bedingungen für eine Umstrukturierung der Regierungen der Welt zu erschaffen. Alternativ wird behauptet, dass Covid-19 keine besonders gefährliche Krankheit sei, die durch Medienmanipulation zu einer Gefahr stilisiert werde, um diese Bedingungen zu schaffen. Die Hauptziele der Vertreter des Great Reset bestünden darin, die globale politische und wirtschaftliche Kontrolle zu übernehmen. Dafür solle ein marxistisch-totalitäres Regime und die New World Order eingeführt werden.[21] Dieses Regime habe vor, die persönlichen Besitz- und Eigentumsrechte abzuschaffen, das Militär in die Städte zu schicken, Zwangsimpfungen einzuführen und Isolationslager für widerständige Menschen zu schaffen. Zu den Beispielen, die von den Befürwortern als Beweise für eine real existierende Verschwörung angeführt werden, gehört ein WEF-Beitrag aus dem Jahr 2016. Hierin wird beschrieben, wie das Leben im Jahr 2030 aussehen könnte. Joe Bidens Wahlkampfslogan "Build Back Better" und die Rede des kanadischen Premierministers Justin Trudeau vom September 2020 enthielten angeblich ebenfalls Belege für die von ihnen behauptete Verschwörung. Die Zeitschrift The Daily Dot beschreibt diese Vorgänge als einen Diskurs, unter der Fragestellung, wie eine gerechtere und nachhaltigere Welt geschaffen werden könne.[21] In Variationen der Theorie wird behauptet, der ehemalige US-Präsident Donald Trump sei der einzige Führer der Welt, der das Vorhaben verhindern wolle. Diese Aussagen basieren auf einem Video vom August 2020, das bereits über drei Millionen Mal angesehen wurde. Die Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham behauptete, bei dem Vorschlag handele es sich um eine List, um „radikale soziale und wirtschaftliche Veränderungen auf den Kontinenten zu erzwingen“.[22] Glenn Beck behauptet, es handele sich hierbei um einen Versuch, von den Nazis inspirierte Restriktionen durchzusetzen.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adrian Monck: The Great Reset: Ein einzigartiger Zwillingsgipfel zu Beginn des Jahres 2021. (PDF) In: weforum.org. Weltwirtschaftsforum, 3. Juni 2020, abgerufen am 15. Februar 2021.
  2. Hilary Sutcliffe: COVID-19: The 4 building blocks of the Great Reset. In: weforum.org. Weltwirtschaftsforum, 11. August 2020, abgerufen am 15. Februar 2021 (englisch).
  3. The Great Reset. World Economic Forum. Abgerufen am 19. November 2020.
  4. Suchen Sie nach einer logischen Entlarvung von 'The Great Reset', der Covid-19-Verschwörungstheorie, die jetzt vom Weltwirtschaftsforum propagiert wird. In: Voice of Indonesia, 18. November 2020. 
  5. Le " Great Reset " n'est pas un complot pour contrôler le monde (fr). In: Radio-Canada, Canadian Broadcasting Corporation, 18. November 2020. Abgerufen am 23. November 2020. 
  6. Der 'Great Reset' liest sich wie ein globalistisches Komplott mit einigen Plotlöchern. In: CBC News, Canadian Broadcasting Corporation, 27. November 2020. 
  7. 2021 Davos summit shifted to Lucerne in May (en). In: France 24, 7. Oktober 2020. Abgerufen am 18. November 2020. 
  8. Klaus Schwab, Thierry Malleret: COVID-19: der große Umbruch. Forum Publishing, Cologny 2020.
  9. a b Une "théorie du complot" s'invite dans les rangs conservateurs (fr). In: Le Devoir, 21. November 2020. Abgerufen am 23. November 2020. 
  10. afp.com/trudeau-un-speech-sparks-great-reset-conspiracy Trudeau UN-Rede sparks 'Great Reset' conspiracy. In: AFP Fact Check, 19. November 2020. 
  11. Ein 'großer Reset' erfordert einen entschlossenen Führer. Trudeau ist es zum Glück nicht. In: National Post, 24. November 2020. 
  12. Der "Great Reset" ist meistens nur ein Dampfablassen der Liberalen. Meistens.. In: Maclean's, 23. November 2020. Abgerufen am 24. November 2020. 
  13. The Rebel to Rabble Review: Aufrufe zum 'Stoppen des großen Reset'; O'Toole's Scheer-Dilemma. In: iPolitics, iPolitics, 20. November 2020. Abgerufen am 24. November 2020. 
  14. Editorial | Pierre Poilievre flirtet mit der extremen Rechten, indem er die "Great Reset"-Verschwörung vorantreibt. In: Toronto Star, Torstar, 23. November 2020. Abgerufen am 24. November 2020. 
  15. Boutillier Alex: Ein konservativer Abgeordneter warnt, dass Justin Trudeau einen "Großen Reset" will. Auch Verschwörungstheoretiker sind besorgt. In: Toronto Star. Torstar. 20. November 2020.
  16. The Great Reset Conspiracy Smoothie. In: The Intercept, 8. Dezember 2020. Abgerufen am 14. Dezember 2020. 
  17. 2014 - 2018 - Inklusives Wachstum für Deutschland. Abgerufen am 21. Januar 2021.
  18. Handlungsempfehlung - Wohlstand für alle? Deutschland braucht eine neue Wirtschaftspolitik. Abgerufen am 21. Januar 2021.
  19. Future of Capitalism. In: Atlantic Council. Abgerufen am 21. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  20. Inclusive Growth - Economic growth that is distributed fairly across society. Abgerufen am 21. Januar 2021 (englisch).
  21. a b com/debug/great-reset-conspiracy-theory/ Trudeau speech reignites conspiracy theory fervor over 'Great Reset'. In: The Daily Dot, 16. November 2020. Abgerufen am 18. November 2020. 
  22. Quinn Slobodian: com/commentisfree/2020/dec/04/great-reset-capitalism-became-anti-lockdown-conspiracy How the 'great reset' of capitalism became an anti-lockdown conspiracy. In: The Guardian, 4. Dezember 2020. Abgerufen am 20. Dezember 2020. 
  23. Will Sommer: Die Biden-Präsidentschaft hat bereits ihre erste Verschwörungstheorie: The Great Reset. In: The Daily Beast, 26. November 2020. Abgerufen am 20. Dezember 2020.